Welt
Schlafstörungen
Berlin, Wiesbaden 16.06.2026
– Rund 67 200 Menschen wurden im Jahr 2024 wegen Schlafstörungen stationär im Krankenhaus behandelt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Tag des Schlafes am Sonntag (21. Juni 2026) mitteilt, ist die Zahl der stationären Klinikaufenthalte aufgrund von Schlafstörungen binnen 20 Jahren stark gesunken (-59 %). Im Jahr 2004 wurden noch 165 400 Patientinnen und Patienten mit Schlafstörungen stationär behandelt.
Zu den Diagnosen gehören vor allem die Schlafapnoe, aber auch Ein- und Durchschlafstörungen, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus oder ein krankhaft gesteigertes Schlafbedürfnis. 2024 war die Zahl der Behandlungsfälle auf dem zweitniedrigsten Stand der vergangenen 20 Jahre (2022: 62 300). Ein Grund für den Rückgang dürfte sein, dass Schlafstörungen zunehmend auch ambulant in Schlaflaboren oder zuhause behandelt werden können.
Männer werden deutlich häufiger behandelt – Geschlechterunterschiede gleichen sich aber allmählich an
Männer werden deutlich häufiger mit Schlafstörungen in eine Klinik eingewiesen: Im Jahr 2024 entfielen 68 % der Behandlungsfälle auf Männer und 32 % auf Frauen. 20 Jahre zuvor fiel der Geschlechterunterschied mit 78 % Männern und 22 % Frauen noch größer aus.
Ein Großteil der Klinikpatientinnen und -patienten mit Schlafstörungen ist im mittleren bis höheren Alter: 58 % der Behandelten im Jahr 2024 waren 50 bis 74 Jahre alt.
Politik
Presseschau zur Flüchtlingssituation in Spanien
Berlin 03.08.2026
– Die jüngste Massenflucht nach Spanien hat die Problematik von Ceuta und Melilla erneut in den Vordergrund gerückt. Am Donnerstag überquerten rund 60.000 Migranten die Grenze von der marokkanischen Küste nach Ceuta auf dem Land- und Seeweg. Heute wurde bekannt gegeben, dass mehr als die Hälfte von ihnen nach Marokko zurückgekehrt ist.
Dies ist einer der größten Versuche der letzten Jahre, europäisches Territorium zu erreichen. Mindestens 34 Menschen ertranken dabei. Die Region befindet sich in einem Zustand des Chaos, da die Zahl der Ankünfte stetig steigt.
Die Region erlebt aufgrund der steigenden Zahl der Ankünfte ein Chaos.
Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, auf diejenigen zu schießen, die unter dem Vorwand, Spanien und Europa vor einer marokkanischen Invasion zu verteidigen, nach Spanien fliehen, erinnert frappierend an die Hetze eines prominenten ungarischen Priesters während der Flüchtlingskrise 2015. Er bezeichnete den Zustrom als islamischen Angriff zur Eroberung Europas.
Die Politik hat es nicht geschafft, den Zustrom junger Afrikaner und anderer Menschen, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu gelangen, einzudämmen. Sie fliehen vor Armut und suchen dort nach einer Existenzgrundlage. Trotz Vorschlägen zur Ansiedlung von Industrieunternehmen in Afrika, insbesondere in Tunesien, Marokko und Algerien, um junge Afrikaner zur Arbeit und Produktion zu motivieren, blieben diese Vorschläge bisher nur leere Worte.
Europa wird durch den Zustrom von Flüchtlingen keine Entlastung erfahren.
Für die FRANKFURTER RUNDSCHAU… „…gibt es keinen Zweifel: Die jüngsten Vorgänge in Ceuta an der nordafrikanischen Küste, einem der Nadelöhre für Migrationsbewegungen gen Europa, kommen einer Bankrotterklärung des globalen Nordens gleich. Dass jemand wie US-Präsident Trump die erschreckenden Bilder für Wahlkampfzwecke missbraucht, ist von ihm nur konsequent. Das ist aber auch so schäbig, dass man das Gefühl hat, selbst davon beschmutzt worden zu sein und sich bei der Welt für Trumps Existenz doch auch entschuldigen zu müssen. Die Schuldzuweisungen jener dramatischen Stunden – das arrogante Spanien, das verbarrikadierte Europa – waren nicht unbedingt falsch, aber sie erfolgten im Affekt einer über jeden Zweifel erhabenen moralischen Empörung. Und so greifen sie dann doch zu kurz“, gibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU zu bedenken.
„Das Thema Migration ist mächtig, weil es sich hervorragend eignet, Angst zu schüren“, wirft das HANDELSBLATT aus Düsseldorf ein: „Angst vor dem Fremden, vor einer Invasion von Mittellosen, die in die Sozialsysteme einwandern und Einheimischen Jobs rauben. Das ist die Erzählung der Rechtsextremen. Deshalb sind die Bilder von Ceuta so gefährlich. Genau deshalb fielen am Freitag zahlreiche Regierungschefs über den spanischen Ministerpräsidenten Sánchez her. Manche wie US-Präsident Trump, um die eigene eiserne Migrationspolitik zu rechtfertigen. Andere wie Italiens Regierungschefin Meloni, um der Konkurrenz am rechten Rand zuvorzukommen. Dabei hat bis heute kein einziger Migrant aus Ceuta das europäische Festland erreicht“, konstatiert das HANDELSBLATT.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG richtet den Fokus auf Sánchez: „Der Sozialist verkörpert für viele Menschen in Europa eine friedliche, menschenfreundliche, bessere EU. Er fordert nicht nur Klimaschutz, sondern kommt mit der ökologischen Transformation der Wirtschaft wirklich voran. Er bietet Trump die Stirn, wenn er dessen Verstöße gegen das Völkerrecht benennt und die Forderungen nach höheren Rüstungsausgaben nicht erfüllt. Und nicht zuletzt verweigert er sich immer wieder den Asylrechtsverschärfungen, die von Rechten und Konservativen in Europa bis an die Grenze des Erträglichen vorangetrieben werden. Das muss man sich erst mal trauen“, betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, um dann aber auch darauf hinzuweisen, dass… „…der begnadete Wahlkämpfer Sánchez seine europäische Nische auch immer wieder rücksichtslos zur Profilierung ausnutzt.“
„Die harsche Reaktion in Europa zeigt, dass sie Erinnerungen wachruft an 2015“, heißt es im HAMBURGER ABENDBLATT: „Damals waren Tausende Flüchtlinge in Budapest gestrandet; die Kanzlerin Angela Merkel öffnete ihr Herz und die Grenzen. Erst strömten Tausende, dann Zehntausende, dann Hunderttausende über die Balkanroute nach Mitteleuropa. Eine humanitäre Großtat verwandelte sich in eine politische, ökonomische und gesellschaftliche Überforderung. Seitdem hat sich Europa verändert. 2015 beobachteten viele Nachbarn Merkels Kurs eher reserviert; heute stößt jede Politik der Offenheit sofort an Grenzen. Das bekommt der sozialistische Ministerpräsident Sánchez brutal zu spüren, der zuvor mit seiner liberalen Migrationspolitik Spanien zum Fluchtziel Nummer eins gemacht hatte. Italiens Ministerpräsidentin Meloni fordert sogar, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen. Die Festung Europa wird Wirklichkeit. Das mag man kritisieren, aber was wäre die Alternative? Vermutlich Bilder wie aus Ceuta in Dauerschleife. Die aber halten Europas Demokratien nicht mehr aus“, ist das HAMBURGER ABENDBLATT überzeugt.
Politik
Friedrich Merz zur Lage in Ceuta
Berlin 31.07.2026
„Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration. Ich habe die klare Erwartung an alle EU-Mitgliedstaaten, dass sie dieser Pflicht nachkommen. Wir stehen dazu in Kontakt mit der spanischen Regierung.
Spanien will und muss die Situation in Ceuta schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen. Ich begrüße daher die spanische Absicht, die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen. Von Marokko erwarten wir, dass sie die illegalen Migranten unverzüglich wieder zurücknehmen. Es ist gut, dass die Europäische Kommission und Kommissar Magnus Brunner ihre Unterstützung hierfür zugesagt haben. Die im Juni verabschiedete Rückkehrverordnung muss nun unverzüglich und umfassend umgesetzt werden“, so Bundeskanzler Friedrich Merz zu Lage im spanischen Ceuta.
Politik
Atlas der Zivilgesellschaft 2026
Berlin 29.07.2026
Nur 3,4 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit vollständig garantiert sind. 73 Prozent hingegen leben in autoritären Staaten oder Diktaturen. Wir zeigen die Lage weltweit und warum Desinformation zivilgesellschaftliche Spielräume weiter einschränkt.
Der Atlas der Zivilgesellschaft 2026 von Brot für die Welt zeigt die Lage der Zivilgesellschaft weltweit. Setzt sich die Tendenz der vergangenen Jahre fort und steigt der Druck auf die Zivilgesellschaft? Welches Land steigt auf der Skala der Freiheit ab und welches steigt auf? Eine lebendige und freie Zivilgesellschaft ist für Entwicklungsgerechtigkeit besonders wichtig. Sie macht Ungleichheit sichtbar und stärkt die Positionen benachteiligter Gruppen.
Für den CIVICUS-Monitor, der die Datengrundlage für den Atlas der Zivilgesellschaft bildet, werden zahlreiche unabhängige Datenquellen kombiniert. Um aktuelle Trends zu erfassen, bezieht das weltweite zivilgesellschaftliche Netzwerk CIVICUS Beobachtungen und Daten von mehr als 20 regionalen Partnern aus der ganzen Welt mit ein. Dazu zählen Bewertungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Berichte nationaler, regionaler und internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen. Relevant sind hierbei Informationen über die Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit in den jeweiligen Ländern. Daten staatlicher Stellen fließen nicht ein. Diese externen Analysen führt CIVICUS dann mit der eigenen Analyse zusammen für die Länderbewertungen. Wie frei die Zivilgesellschaft ist, wird in fünf Kategoriendargestellt: offen, beeinträchtigt, beschränkt, unterdrückt oder geschlossen. Nicht alle typischen Merkmale einer Kategorie treffen zwingend auf alle Länder dieser Kategorie zu.
Zahlen und Fakten
Nur 3,4 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen volle Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantiert ist. Das sind jene 39 Länder, die im CIVICUS-Monitor als „offen“ klassifiziert und in der Karte dunkelgrün gefärbt sind. Hier leben 277 Millionen Menschen.
Dahingegen leben rund 73 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Zivilgesellschaft unterdrückt oder geschlossen ist. Das betrifft fast sechs Milliarden Menschen. Ihre Regierungen beschneiden die Freiheitsrechte erheblich und drangsalieren, verhaften oder töten kritische Menschen. Das trifft auf 83 von 197 Ländern zu. 15 Länder wurden 2025 gegenüber dem Vorjahr herabgestuft, darunter Deutschland, und drei Länder haben sich verbessert: Gabun, Mauretanien und Senegal.
Europa
Waldbrände in Spanien und Frankreich: die EU hilft
Berlin 28.07.2026
Die Europäische Union unterstützt im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus sowohl Frankreich als auch Spanien beim Kampf gegen die verheerenden Waldbrände. Mehr als 300.000 Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen.
Die EU hatte bereits zur Vorbereitung auf die diesjährige Waldbrandsaison Brandbekämpfungsteams aus anderen europäischen Ländern in Frankreich und Spanien stationiert. Sie konnten die nationalen Einsatzkräfte sofort verstärken.
Gemeinsam gegen die Waldbrände
Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Vorsorge, Krisenmanagement und Gleichstellung, betonte: „Im Moment sind Hunderttausende Menschen gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen, während Feuerwehrleute unter dramatischen Bedingungen gegen das Flammenmeer kämpfen, um Leben und Ortschaften zu retten. Kein Land sollte sich jemals allein einer Katastrophe dieses Ausmaßes entgegenstellen müssen. Genau aus diesem Grund hat Europa eine gemeinsame Reaktionsfähigkeit aufgebaut: Flugzeuge am Himmel, Feuerwehrleute am Boden und mehr Unterstützung, die sofort bereitsteht, wenn sie gebraucht wird. Europa wird den Menschen in Frankreich und Spanien zur Seite stehen, bis die Brände vorbei sind“.
Überblick über die Hilfe
- Frankreich
Die EU hat sieben Flugzeuge und vier Hubschrauber eingesetzt, die meisten Maschinen stammen aus der rescEU-Flotte. Die Hilfe kam aus Deutschland, Tschechien, Kroatien, Portugal, der Slowakei, Schweden und der Türkei.
- Spanien
In Spanien hat die EU sechs Flugzeuge aus Griechenland, Italien und der Türkei mobilisiert und 134 Einsatzkräfte sowie 41 Fahrzeuge aus Portugal entsandt.
Weitere europäische Unterstützung
Der Copernicus-Satellitendienst der EU hat sogenannte rapid emergency maps zur Verfügung gestellt, also Geodaten zur Unterstützung der Einsätze vor Ort.
Außerdem steht das EU-Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen weiterhin in engem Kontakt mit den französischen und spanischen Behörden, um zu bewerten, welche weitere Unterstützung mobilisiert werden kann.
Zusätzlich ist ein Verbindungsbeamter der Europäischen Kommission in Bordeaux, um die französischen Behörden bei der Koordinierung der EU-Hilfe zu unterstützen.
Politik
Humanitäre Hilfe für den Südsudan
Berlin 27.07.2026
– In den Jahren von 2022 bis 2026 hat die Bundesregierung rund 123,8 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Linderung der Lage im Südsudan zur Verfügung gestellt. Das geht aus einer Antwort (21/7232(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (21/6495(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Fraktion Die Linke hervor.
Demnach habe die Bundesregierung in der Zeit von 2022 bis 2026 Nichtregierungsorganisationen aus Mitteln der humanitären Hilfe rund 84,52 Millionen Euro für humanitäre Projekte im Südsudan bereitgestellt. In den humanitären Länderfonds Südsudan der Vereinten Nationen wurden aus Mitteln der humanitären Hilfe in dem Zeitraum rund 39,3 Millionen Euro eingezahlt. Eine Aussage zu den Planungen für das Jahr 2027 sei aktuell noch nicht möglich, da dies von den verfügbaren Haushaltsmitteln abhängen werde, heißt es in der Antwort.
„Die humanitäre Lage im Südsudan ist weiterhin katastrophal“, schreibt die Bundesregierung. Gemäß Welternährungsprogramm (WFP) seien aktuell 7,8 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. In einigen konfliktbetroffenen Bezirken bestehe die Gefahr einer Hungersnot. Beide Konfliktparteien behinderten die Arbeit humanitärer Akteure. Der humanitäre Zugang sei in weiten Landesteilen eingeschränkt und erschwere die Versorgung der auf Hilfe angewiesenen Menschen.
Die Bundesregierung unterstütze die Vermittlungsbemühungen der Regionalorganisation Intergovernmental Authority on Development (IGAD), der Afrikanischen Union (AU) und deren Sondergesandten Jakaya Kikwete sowie der Friedensmission der vereinten Nationen in Sudan (UNMISS). Als Mitglied des sogenannten IGAD Partners Forum im Überwachungsmechanismus des Friedensabkommens Re constituted Joint Monitoring and Evaluation Commission (RJMEC) unterstütze Deutschland die laufenden Bemühungen, die Konfliktparteien zur Rückkehr zum Friedensabkommen zu bewegen.
Politik
Bundeswehr unterstützt bei Feuerlöscharbeiten in Frankreich
Berlin 27.07.2026
– Die Bundeswehr hat am Vormittag Hubschrauber und Feuerlöschmaterial in den Südwesten Frankreichs entsandt, um die französischen Kräfte bei der Bekämpfung der Waldbrände zu unterstützen. Die Waldbrände in Frankreich und Spanien haben sich in den letzten Tagen erheblich ausgeweitet und stellen für die Menschen vor Ort eine existentielle Bedrohung dar. Das Ausmaß der Zerstörung ist erschütternd. Eine Eindämmung der Brände ist bisher nicht gelungen.
Auf Anfrage der französischen Behörden haben wir umgehend geeignete Kapazitäten zur Unterstützung der Brandbekämpfung identifiziert und in Einsatzbereitschaft versetzt. Deutschland steht in dieser schwierigen Lage fest an der Seite unserer engen Freunde und Partner. Die Bundeswehr verlegt aktuell zur Unterstützung der französischen Kräfte zwei CH-53-Transporthubschrauber sowie Löschgerät und weiteres Material zur Bekämpfung der Brände mittels eines A400M zur französischen Militärbasis Cazaux. Der Einsatz der deutschen Unterstützungskräfte soll nach aktueller Planung bei den Waldbränden in der Umgebung von Bordeaux erfolgen und ist in Absprache mit unseren französischen Partnern zunächst auf fünf Tage begrenzt.
Welt
Gaza: Kinder in Gefahr
Berlin 27.07.2026
– „Wir könnten jeden Moment sterben“, sagt die 14-jährige Amani*. Damit ist sie nicht allein: Nach Angaben der Vereinten Nationen haben 96 Prozent der Kinder im Gazastreifen das Gefühl, ihr Tod könne jederzeit bevorstehen.
Wir sind für Kinder und Familien im Gazastreifen da, etwa in Schutz- und Spielräumen. Auch Amani findet dort Unterstützung: „Immer wenn mir etwas Angst macht, spreche ich hier darüber. Aber es gibt noch so viele Kinder, die diese Orte nicht kennen oder herkommen können. Wenn es noch mehr davon gäbe, könnten mehr Mädchen davon profitieren.“
Die meisten Gebäude im Gazastreifen liegen in Schutt und Asche, viele Kinder und Familien leben in Zelten. Mit den steigenden Temperaturen breiten sich dort aktuell Ratten, Kakerlaken, Fliegen und andere Schädlinge aus. Sie übertragen Krätze, Läuse und Hautinfektionen. Zudem ist Hunger allgegenwärtig und es gelangen bei weitem nicht ausreichend Hilfsgüter zu den Menschen.
So hilft Save the Children in Gaza
Derzeit betreiben wir zwei Gesundheitskliniken und 15 Ernährungszentren und helfen im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Zudem haben wir Kinderschutzprogramme, einschließlich psychosozialer Betreuung, an 21 Standorten und sorgen für Unterricht in 63 provisorischen Lernräumen. Familien unterstützen wir mit Bargeldhilfen.
Im Jahr 2025 haben wir mehr als 1,8 Millionen Menschen im Gazastreifen, darunter 950.000 Kinder, mit unserer Hilfe erreicht.
Wir fordern: Die Waffenruhe muss uneingeschränkt respektiert und eingehalten werden. Kinder im Gazastreifen müssen endlich in Sicherheit leben können. Nur ein dauerhafter Waffenstillstand kann das Überleben der Kinder sichern. Die Menschen im Gazastreifen brauchen endlich sichere, verlässliche und langfristige Hilfe, damit weitere Todesfälle durch Hunger, Krankheiten und Verletzungen verhindert werden. Sie haben ein Recht auf den Zugang zu humanitärer Hilfe.
Politik
Verfassungsreform in Bosnien und Herzegowina befürwortet
Berlin 23.07.2026
– Die Bundesregierung setzt sich in Bosnien und Herzegowina für die territoriale und funktionale Integrität sowie Souveränität des Landes ein. Die Friedensordnung von Dayton und ihre Institutionen seien wichtige Eckpfeiler für Stabilität und Frieden im Land.
Gleichzeitig habe das Friedensabkommen von Dayton mit seinen vielen Mitbestimmungs-, Veto- und Blockademöglichkeiten dazu beigetragen, dass Bosnien und Herzegowina mehr als 30 Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens ein politisch gespaltenes Land bleibe, heißt es in der Antwort (21/7210(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (21/6537(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Linksfraktion.
Eine Reform der Verfassung von Bosnien und Herzegowina sei erstrebenswert, um Blockademöglichkeiten zu verringern und die Funktionalität des Staates zu erhöhen, heißt es in der Antwort. Ein Beitritt zur EU sei unter den gegebenen verfassungsmäßigen Umständen nicht möglich.
Die Bundesregierung unterstütze Bosnien und Herzegowina im Rahmen des leistungsbasierten EU-Beitrittsprozesses und setze sich für die formelle Aufnahme von Beitrittsverhandlungen ein. Auf diesem Weg seien die Stärkung der Demokratie, die Funktionsfähigkeit der staatlichen Institutionen, die Bekämpfung von Korruption sowie von organisierter Kriminalität wesentlich.
Welt
WELTERNÄHRUNGSBERICHT 2026: 645 MILLIONEN MENSCHEN SIND VON HUNGER BETROFFEN
Berlin 24.07.2026
645 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger – das zeigt der Welternährungsbericht, der morgen veröffentlicht wird. Gegenüber dem Vorjahr ist dies zwar ein leichter Rückgang. Von einem Trendwechsel kann jedoch keine Rede sein: Während einige Regionen Fortschritte verzeichnen, verschärft sich die Hungerkrise insbesondere in Afrika. Konflikte, Klimaschocks und drastische Mittelkürzungen drohen die globale Entwicklung erneut umzukehren.
„645 Millionen Menschen leiden Hunger, obwohl die Welt genug Nahrung für alle produziert. Diese Ungerechtigkeit ist die Folge von Konflikten, Ungleichheit und politischen Fehlentscheidungen. Wir müssen dringend in nachhaltige Ernährungssysteme investieren“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in Afrika: Mit 309 Millionen Betroffenen lebt dort erstmals die größte Zahl hungernder Menschen weltweit. Jede fünfte Person auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen.
Das sind die Schlüsselzahlen des Welternährungsberichts 2026
Im Jahr 2025 sind schätzungsweise 645 Millionen Menschen beziehungsweise 7,8 Prozent der Weltbevölkerung von Hunger betroffen.
309 Millionen Menschen in Afrika leiden unter Hunger. Damit ist jede fünfte Person auf dem Kontinent betroffen.
Weltweit leben 2,1 Milliarden Menschen beziehungsweise 25,8 Prozent der Weltbevölkerung in moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass sie keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung haben oder zeitweise sogar einen ganzen Tag ohne Essen auskommen müssen.
Frauen bleiben überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zudem leidet inzwischen mehr als jede dritte Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren (30,7 Prozent) an Anämie.
Nur 30,8 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 23 Monaten und 62,7 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren erreichen weltweit das Mindestmaß an Ernährungsvielfalt.
In Afrika erreichen lediglich 43 Prozent der Frauen und 20,5 Prozent der Kinder die Mindestanforderungen an eine vielfältige Ernährung.
Gesunde Ernährung bleibt für Milliarden Menschen unerschwinglich
Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Kosten gesunder Ernährung. Zwar ist der Anteil der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, von 37,4 Prozent im Jahr 2021 auf 32,7 Prozent gesunken. Dennoch bleibt gesunde Ernährung für rund ein Drittel der Weltbevölkerung unerreichbar. Besonders dramatisch ist die Situation in Afrika: Dort können sich 66,6 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten.
Die Kosten einer gesunden Ernährung sind ein wichtiger Indikator. Sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssen die Ungleichheiten und Machtverhältnisse entlang der gesamten Lebensmittelkette sowie die strukturellen Ursachen von Ernährungsunsicherheit angegangen werden.
Um den Zugang zu vielfältiger Ernährung zu verbessern, fordert Aktion gegen den Hunger einen Umbau der Ernährungssysteme auf Grundlage agrarökologischer Ansätze. Dazu gehört insbesondere die gezielte Umlenkung öffentlicher Subventionen und Forschungsgelder in diese Form der Landwirtschaft.
Mittelkürzungen senden das falsche Signal
Während die humanitären Bedarfe weltweit steigen, werden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in Deutschland weiter gekürzt. Nach Einschnitten von rund einer Milliarde Euro im Entwicklungsetat und mehr als 50 Prozent bei der humanitären Hilfe im Jahr 2025 stehen 2026 für humanitäre Hilfe nur noch rund eine Milliarde Euro zur Verfügung – gerade einmal 0,2 Prozent des Bundeshaushalts. Auch der Etat des Entwicklungsministeriums sinkt auf zehn Milliarden Euro und erreicht damit den niedrigsten Anteil am Bundeshaushalt seit 15 Jahren.
Diese Kürzungen stehen in keinem Verhältnis zu den globalen Herausforderungen und den steigenden humanitären Bedarfen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage sind fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Meinung, die internationale Gemeinschaft müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.
„Kürzungen bei Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen. Sie führen dazu, dass Gesundheitszentren schließen, Hilfslieferungen ausfallen und immer mehr Kinder hungern. Wer hier spart, trifft Entscheidungen mit direkten Folgen für Menschenleben“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust.
Politik
Wohin wird der Krieg im NahenOsten führen?
Berlin 23.07.2026
Im Februar 2026 begannen Israel und die USA, den Iran mit neuen Luftangriffen zu attackieren; dabei kamen langjährige Führungskräfte des Landes ums Leben, und es entbrannte ein umfassenderer regionaler Konflikt. Eines der wenigen beständig geäußerten Ziele von Präsident Donald Trump in diesem Krieg war es, sicherzustellen, dass der Iran „niemals“ in den Besitz einer Atomwaffe gelangt.
Über Jahrzehnte hinweg betrachteten westliche Regierungen das voranschreitende iranische Atomprogramm – in Verbindung mit der antiwestlichen Haltung des Landes und den Drohungen gegen Israel – als Gefahr für die globale Stabilität. Israel und die USA behaupten, sie hätten diesen Fortschritt im Juni 2025 mit dem „Zwölf-Tage-Krieg“ stoppen wollen; doch offensichtlich gelang es ihnen nicht, das Problem zu lösen – ungeachtet Trumps Behauptung, man habe das iranische Atomprogramm „ausgelöscht“. Vertreter des Pentagons schätzten später ein, dass die Angriffe den Iran lediglich um ein oder zwei Jahre zurückgeworfen hätten. Rafael Mariano Grossi, der Leiter der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) der UN, kam zu dem Schluss, dass die technischen Fähigkeiten des Iran weitgehend intakt geblieben seien und Teheran nach wie vor in der Lage wäre, seine nuklearen Kapazitäten militärisch zu nutzen, sollte es sich dazu entschließen. Erschwerend kam hinzu, dass die Angriffe die Kontrollmöglichkeiten untergruben: Als Reaktion darauf schränkte der Iran die Überwachung seines Atomprogramms durch die IAEO weiter ein.
Die zweite Luftangriffswelle der USA und Israels seit Februar 2026 hat das nukleare Kräfteverhältnis – bislang – nicht wesentlich verändert. Was sich jedoch gewandelt hat, ist die Machtdynamik innerhalb der iranischen Führung. Durch die Tötung hochrangiger Persönlichkeiten, die 1979 an der Gründung der Islamischen Republik Iran beteiligt waren, gelangte eine kompromisslosere, stärker militärisch geprägte Elite an die Macht – eine Elite, die sich weniger an das religiöse Verbot von Atomwaffen gebunden fühlt, das der verstorbene oberste Führer erlassen hatte. Nachdem sie während der Verhandlungen mit Washington zweimal angegriffen wurden, betrachten die iranischen Machthaber Atomwaffen nun womöglich als Garantie für ihr Überleben.
Dennoch ist die Zukunft der Islamischen Republik keineswegs gesichert. Im Januar 2026 erschütterten landesweite Unruhen das Land, als politische Unterdrückung und wirtschaftliche Not die Toleranz der Bevölkerung gegenüber der herrschenden Elite aushöhlten. Das Regime konnte sich nur durch den Einsatz beispielloser, brutaler Gewalt behaupten. Die jüngsten Kriege sowie die US-Blockade der iranischen Energieexporte haben der Wirtschaft des Landes weiteren Schaden zugefügt. Vor diesem Hintergrund haben die USA und Israel die Iraner zu einem Aufstand ermutigt, in der Hoffnung, dies könne den Zusammenbruch des Regimes herbeiführen.
Angesichts dieser Krisen könnte das iranische Atomprogramm unterschiedliche Wege einschlagen. Dieses interaktive Projekt des ECFR untersucht die Bandbreite realistischer Zukunftsszenarien, zeichnet die Handlungen nach, die auf das Eintreten eines bestimmten Szenarios hindeuten könnten, und benennt die Warnsignale, auf die politische Entscheidungsträger achten sollten. Jede Einschätzung der weiteren Entwicklung setzt zudem ein Verständnis des Status des iranischen Programms voraus, wie er sich vor dem Abwurf der Bomben darstellte.
Politik
Deutsch-Aserbaidschanische Gespräche
Berlin 21.07.2026
– Bundeskanzler Friedrich Merz und der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev bekundeten ihre Bereitschaft, die Wirtschaftsbeziehungen ihrer Länder weiter auszubauen. Der aserbaidschanische Präsident gab bekannt, dass die Öl- und Gasimporte seines Landes nach Deutschland und Europa im Jahr 2025 rund 1,5 Milliarden Euro erreichen würden und dass diese Summe steigen könnte, wenn die Europäische Union Transaktionen zwischen europäischen Banken und Aserbaidschan erleichtern würde.
Zu den Entwicklungen in der Ukraine im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Entlassung des ukrainischen Verteidigungsministers erklärte Merz, Berlin werde sich nicht in die Angelegenheit einmischen. Der aserbaidschanische Präsident bekräftigte, die Politik seines Landes im Ukraine-Konflikt bestehe darin, eine feste und zufriedenstellende Vereinbarung zur Beendigung des Konflikts zu erzielen.
Bundeskanzler Merz und sein aserbaidschanischer Gast erörterten entgegen der ursprünglichen Planung weder den Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien noch den Krieg im Iran.
Foto: © PWO
Politik
Staatssekretär Niels Annen eröffnet „Berlin Process“ für Ernährungssicherung im Sahel
Berlin 21.07.2026
Mit dem Auftakt des „Berlin Process for Food Security in the Sahel“ setzt Deutschland ein starkes politisches Signal für den Kampf gegen Hunger und für Ernährungssicherheit in einer der fragilsten Regionen der Welt. Als Europas unmittelbare südliche Nachbarschaft ist der Sahel von zentraler Bedeutung für Sicherheit, die Bekämpfung von Terrorismus und die Verringerung von Fluchtursachen. Gleichzeitig leidet die Region unter Konflikten, den Folgen des Klimawandels und den Auswirkungen des Iran-Krieges auf globale Lieferketten.
Als größter bilateraler Geber in der Sahel-Region übernimmt Deutschland besondere Verantwortung. Im Rahmen des „Berlin Process for Food Security in the Sahel“ will das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit Partnern aus der Region sowie internationalen Organisationen wie WFP, FAO, IFAD und UNICEF die Koordination und Wirksamkeit der Maßnahmen für Ernährungssicherheit deutlich stärken. Ziel ist es, den Sahel zu einem Vorreiter für strategische Partnerschaften und enger koordinierte, effizientere und damit wirksamere Ansätze zu machen – im Sinne der laufenden UN-Reform mit stärker integrierten, auf Wirkung ausgerichteten Arbeitsweisen der UN-Organisationen.
Die vom BMZ finanzierte Sahel-Resilienz-Partnerschaft stellt in dieser Hinsicht ein erfolgreiches Beispiel für einen integrierten Ansatz gemeinsam mit UN-Partnern dar. Hier arbeiten WFP und UNICEF gemeinsam mit der GIZ Hand in Hand, um besonders vulnerable Gemeinden zu unterstützen. Diese Partnerschaft ergänzt die bilateralen Beiträge des BMZ in Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad für die Landwirtschaft, Ernährungssicherung und eine zuverlässige Versorgung mit Trinkwasser. Als deutliches politisches und finanzielles Signal kündigt Staatssekretär Niels Annen an, dass in 2026 vorgesehen ist, diese mit 130 Millionen Euro, davon 120 Millionen Euro für WFP und UNICEF zu finanzieren. Diese Mittel sollen insbesondere integrierte Ansätze zur Stärkung der Resilienz, zur Transformation der Landwirtschaft und zur Schaffung von Perspektiven für die junge Bevölkerung in den fünf Sahel Ländern unterstützen. Damit trägt das BMZ präventiv dazu bei, dass junge Menschen wirtschaftliche und gesellschaftliche Alternativen erhalten und es gewaltbereiten, terroristischen Gruppen erschwert wird, junge Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren
Welt
Sonnenfinsternis am 12. August
Warum eine 90-Prozent-Finsternis gefährlicher ist als gedacht
Berlin 17.07.2026
– Am 12. August 2026 erlebt Deutschland eine tiefe partielle Sonnenfinsternis. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) liegt die Bedeckung der Sonnenfläche zwischen rund 90 Prozent in Freiburg und etwa 85 Prozent in Berlin. Das Schauspiel beginnt gegen 19 Uhr und fällt vielerorts mit dem Sonnenuntergang zusammen. Millionen Menschen werden zuschauen. Viele davon ohne ausreichenden Schutz.
Das Problem ist nicht mangelndes Interesse an Sicherheit. Das Problem ist ein Missverständnis. Bei einer totalen Sonnenfinsternis wissen die meisten: Ohne Schutzbrille geht nichts. Bei einer partiellen Finsternis, selbst bei fast 90 Prozent Abdeckung, wiegen sich viele in falscher Sicherheit. Das Gegenteil ist der Fall.
Der sichtbare Rest reicht aus
Bei einem ungeschützten Blick in die Sonne treffen laut BfS UV-Strahlung, sichtbares Licht und Infrarotstrahlung mit hoher Intensität auf die empfindlichen Strukturen des Auges. Die dabei entstehende Solarretinopathie verläuft schmerzfrei. Betroffene bemerken den Schaden oft erst Stunden später, wenn ein dunkler Fleck im Sichtfeld nicht mehr verschwindet. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, behielten nach früheren Sonnenfinsternissen rund zehn Prozent der Betroffenen dauerhafte Netzhautschäden. Die Augenklinik der Universität Freiburg dokumentiert, dass allein bei der Sonnenfinsternis von 1912 in Deutschland über 3.000 Menschen Schäden an der Makula erlitten.
Normale Sonnenbrillen filtern sichtbares Licht, lassen aber Infrarot- und UV-Strahlung weitgehend durch. Auch Schweißerbrillen oder geschwärzte Glasscheiben bieten keinen zuverlässigen Schutz. Laut BfS lassen geeignete Sonnenfinsternisbrillen maximal 0,001 Prozent des Sonnenlichts hindurch. Sicher ist ausschließlich eine Brille, die nach DIN EN ISO 12312-2:2015 zertifiziert und mit CE-Kennzeichnung versehen ist.
Woran erkennt man sichere Brillen?
Die Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 legt fest, wie stark ein Sonnenfilter die Strahlung reduzieren muss. Geprüft werden die Durchlässigkeit im sichtbaren Spektrum, im Infrarot- und im UV-Bereich. Nur wenn der Filter in allen Bereichen die strengen Grenzwerte einhält, erhält die Brille das Zertifikat. Die CE-Kennzeichnung bestätigt zusätzlich die Konformität mit europäischen Sicherheitsrichtlinien.
In der Praxis heißt das: Wer eine Brille kauft, sollte auf den Aufdruck „DIN EN ISO 12312-2“ achten. Fehlt dieser Hinweis oder wirkt der Druck unsauber, ist Vorsicht geboten. Ebenso kritisch sind Brillen ohne klar identifizierbaren Hersteller oder ohne Angabe eines Prüfinstituts.
Was vergangene Finsternisse gezeigt haben
Bei vergangenen Sonnenfinsternissen stieg die Nachfrage nach Schutzbrillen in den letzten Wochen vor dem Ereignis regelmäßig sprunghaft an. Zertifizierte Produkte waren vielerorts ausverkauft. In die Lücke drängten Anbieter mit ungeprüften Brillen, häufig über Online-Marktplätze. Nach solchen Ereignissen berichteten Augenkliniken wiederholt von Patienten mit Netzhautschäden durch ungeschütztes Beobachten.
American Paper Optics (APO), der weltweit größte Hersteller von Sonnenfinsternisbrillen, kennt dieses Muster aus mehreren Finsternissen. Seit mehr als 15 Jahren produziert das Unternehmen Brillen für Institutionen wie NASA, die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und die American Astronomical Society. Insgesamt hat APO über 500 Millionen Brillen ausgeliefert. Zuletzt fertigte das Unternehmen die Spezialbrillen für die Crew der NASA-Mission Artemis II. Die Anforderungen dieser Partner sind kompromisslos: Jede Charge wird geprüft, jede Lieferung dokumentiert. Diesen Standard hält APO nach eigenen Angaben für sämtliche Brillen ein, nicht nur für institutionelle Aufträge.
Was Beobachter in Deutschland jetzt tun sollten
Die Finsternis am 12. August verdient Vorfreude. Im Westen und Südwesten Deutschlands wird die Sonne fast vollständig verdeckt, am Horizont entsteht ein seltenes Lichtschauspiel. Wer das sicher erleben will, braucht eine zertifizierte Brille. Die kauft man am besten jetzt, nicht in der letzten Woche vor dem Ereignis, wenn die Auswahl schrumpft und das Risiko steigt.
Quelle: Max Plank Institut
Welt
Misereor: Anstrengungen für Frieden verstärken
Berlin 17.07.2026
– Eine Welt unter Druck Hunger nimmt zu. Gewaltkonflikte nehmen zu. Vertreibung, Klimafolgen, autoritäre Tendenzen – sie alle nehmen zu. Gleichzeitig geraten internationale Institutionen unter Druck. Das Vertrauen in gemeinsame Regeln, in multilaterale Zusammenarbeit, in die Wirksamkeit des Völkerrechts: es ist erschüttert. Gerade jetzt darf Deutschland nicht den Eindruck erwecken, internationale Verantwortung sei verhandelbar, solange nur genügend Geld für andere Prioritäten bereitsteht. Wenn bei Armutsbekämpfung, Krisenprävention, Ernährungssicherung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Stärkung der Zivilgesellschaft gekürzt wird – dann trifft das keine abstrakten Programme. Es trifft Menschen. Kinder, die nicht mehr zur Schule gehen können. Familien ohne ausreichende Nahrung oder sauberes Wasser. Menschen ohne medizinische Versorgung. Partnerorganisationen, die demokratische Räume in autokratischen Ländern offenhalten – oft unter hohem persönlichem Risiko.
„Die weltweiten Folgen der aktuellen Kriege und Krisen, wie im Nahen Osten, Sudan und im Kongo sind dramatisch, die Zahl der Menschen, die durch bewaffnete Konflikte in den Hunger getrieben wurden, hat sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht dazu führen, dass Druck auf verantwortliche Akteure zurückgehalten wird“, erklärte Misereor-Hauptgeschäftsführer Andreas Frick.
Angesichts der Zunahme an Kriegen und Konflikten kritisierte Frick die einseitige Fokussierung auf Militärausgaben bei gleichzeitigen Kürzungen im Entwicklungsetat: „Frieden entsteht nicht allein durch militärische Abschreckung. Frieden entsteht dort, wo Menschen Perspektiven haben. Wo Hunger bekämpft wird. Wo junge Menschen Bildung und Arbeit finden. Wer hier kürzt, spart nicht an Nebensächlichkeiten. Er untergräbt genau jene Grundlagen, die langfristig Sicherheit ermöglichen. Das ist strategisch kurzsichtig“.
Keine weiteren Kürzungen
Der Misereor-Hauptgeschäftsführer machte auch auf den engen Zusammenhang zwischen bewaffneten Konflikten, extremer Armut und Gesundheit mit Blick auf den Ebola Ausbruch im Kongo aufmerksam. Das Virus trifft auf eine Region, in der Gewalt, Vertreibung, zerstörte Infrastruktur und ein chronisch unterfinanziertes Gesundheitssystem zusammenkommen. „Unsere Partnerorganisation BDOM Mahagi – ein Netzwerk aus 24 Gesundheitseinrichtungen, darunter fünf Krankenhäuser – konnte in dieser Situation Schutzmaßnahmen verstärken, Personal schulen und die Bevölkerung in lokalen Sprachen informieren. Genau solche Strukturen entscheiden darüber, ob eine Epidemie eingedämmt wird – oder außer Kontrolle gerät“, so Frick.
Der Vorsitzende der katholischen Zentralstelle für Globale Entwicklung, Prälat Karl Jüsten, appellierte angesichts dieser weltweiten Krisenlage zu einem Stopp bei weiteren Kürzungen der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit: „Wir fordern eine Haltelinie, um Planungssicherheit für unsere Projektpartner im Globalen Süden zu erhalten. Die Folgen eines weiteren Abwärtstrends hätten fatale Konsequenzen für die verletzlichsten Mitmenschen in den Ländern des Globalen Südens und für Deutschlands Ansehen in der Welt“.
234 Millionen Gesamteinnahmen
Misereor-Geschäftsführerin Annette Ptassek bedankte sich bei den Spenderinnen und Spendern für die nach wie vor große Solidarität mit den Menschen in Ländern mit hoher Armutsquote. „Es bleibt ein deutliches Zeichen, dass die Menschen in Deutschland gerade nicht an Mitmenschlichkeit und Solidarität sparen wollen“, so Ptassek. Insgesamt standen Misereor 2025 einschließlich der Gelder aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 234 Millionen Euro zur Verfügung. Aktuell unterstützt Misereor weltweit mehr als 1600 Partnerorganisationen in über 80 Ländern.
Politik
Pressestimmen zum Krieg zwischen Teheran und Washington
Berlin 17.07.2026
Stimmt es, dass Teheran und Washington vor wenigen Tagen eine zufriedenstellende Vereinbarung zur Beendigung ihres Konflikts getroffen haben? Wenn ja, warum bombardieren sie sich dann weiterhin gegenseitig?
Beobachter der Lage in der Golfregion glauben, dass die andauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Teheran und Washington einzig und allein dem Machterwerb dienen und die Bevölkerung der Golfregion die Leidtragenden sind. Die Mullahs in Teheran haben die Beherrschung verloren; sie greifen Golfstaaten an, ohne die Folgen ihrer rücksichtslosen Politik zu bedenken. Ebenso wird Washingtons fortgesetzte Bombardierung von Zielen im Iran, ebenfalls ohne die Folgen seiner rücksichtslosen Politik zu bedenken, zu Ressentiments unter den Golfstaatenführern gegenüber ihren amerikanischen Verbündeten führen.
Und wer weiß, vielleicht geben die Vorhersagen des Oberbefehlshabers der NATO in Europa, John Calvin, der 1989 eine Rückkehr zur traditionellen Feindschaft zwischen Islam und Westen voraussagte und seine Befürchtung äußerte, dass sich Muslime gegen den Westen vereinen könnten, doch Anlass zur Sorge. Die Unruhe unter den Menschen in islamischen Ländern hinsichtlich der Fortsetzung des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran ist trotz der doktrinären Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten ein Grund zur Besorgnis.
Die panarabische Tageszeitung SHARQ AL-AWSAT kommentiert zum Iran: „Anstatt Vertrauen aufzubauen und tragfähige Partnerschaften zu entwickeln, versuchte das Regime, seinen regionalen Einfluss auszuweiten, auch durch Angriffe auf die Nachbarstaaten. Teheran betrachtet diese nicht als souveräne Partner, sondern als Einflusssphären. Da die grundlegenden Ursachen des Konflikts unverändert fortbestehen, kamen auch die erneuten amerikanischen Angriffe nicht überraschend“, heißt es in der in London erscheinenden SHARQ AL-AWSAT.
THE OMAN DAILY OBSERVER aus Maskat eruiert aufgrund dessen die Position des Staats, der sich in unmittelbarer Nähe zum Kriegsgeschehen befindet, und fordert Leserinnen und Leser auf: „Schauen Sie auf die Karte. Omans eigene Geschichte erinnert uns, dass Geografie sowohl Gefahr, als auch Möglichkeit sein kann. Die Drohnenattacken auf Musandam und Al Wusta und die Entscheidung Omans, den iranischen Botschafter zu formellem Protest einzubestellen, verdeutlichen, welche Disziplin ein kleiner Staat in gefährlicher Nachbarschaft braucht: Entschlossenheit ohne Hysterie, Protest ohne Leichtsinn. Karten zeigen uns, wo Staaten liegen. Sie zeigen uns nicht, was aus ihnen werden muss.“ Das war THE OMAN DAILY OBSERVER.
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