Welt
Kein Verzicht auf Fernsehen
Berlin 26.06.2026
– Zum Start der Sommerferien beginnt für Millionen Deutsche die Reisezeit. Und mit ihr wächst auch das Bedürfnis nach heimischen TV-Inhalten. Eine aktuelle, bevölkerungsrepräsentative Umfrage von waipu.tv (n = 2.027, QII 2026) zeigt: Deutsches Fernsehen und Streaming spielen im Urlaub eine noch größere Rolle als im Vorjahr.
Fernsehen im Urlaub gewinnt an Bedeutung
Über 60 % der Befragten schauen auch im Urlaub fern. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als immerhin auch schon 56 % in den Ferien heimische TV-Inhalte sehen wollten. Besonders auffällig: Die Bedeutung des Zugangs zu deutschem Fernsehen oder Streamingangeboten hat deutlich zugenommen. Während im Vorjahr 46 % diesen Zugang als wichtig oder sehr wichtig einstuften, sind es aktuell bereits mehr als 52 %. Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen. Große Sportereignisse sorgen traditionell dafür, dass Urlauber auch unterwegs ihre Lieblingssender und Live-Übertragungen nutzen möchten.
Männer deutlich TV-affiner als Frauen
Zwischen den Geschlechtern zeigen sich auffällige Unterschiede. Mehr als jeder zweite männliche Urlauber (56,4 %) hält den Zugang zu deutschem TV oder Streaming für wichtig oder sehr wichtig – bei Frauen liegt dieser Wert mit 47,6 % deutlich niedriger. Beim Empfangsweg spiegelt sich das ebenfalls wider: Männer greifen häufiger auf IPTV- und Streamingdienste zurück (17,9 %) als Frauen (10,1 %), während Frauen etwas stärker auf das TV-Angebot der Unterkunft setzen (44,9 % vs. 40,9 %). Auch bei der Satellitennutzung liegen Männer vorn (15,2 % vs. 10,1 %).
Junge Urlauber treiben Streaming-Nutzung
Die 18- bis 39-Jährigen zeigen die stärkste Affinität zu modernen TV-Angeboten. Fast jeder Fünfte dieser Altersgruppe nutzt IPTV- oder Streamingdienste für deutsches Fernsehen im Urlaub, also deutlich mehr als im Gesamtdurchschnitt (19,7 % VS 14 %).
Auch bei den Endgeräten setzt die junge Zielgruppe andere Schwerpunkte: Das Smartphone wird im Urlaub von mehr als der Hälfte genutzt (50,8 %) und liegt damit sogar vor vielen klassischen TV-Lösungen. Tablets und Laptops spielen ebenfalls eine größere Rolle als im Bevölkerungsdurchschnitt.
Smart-TV bleibt die Nummer eins
Unabhängig von Alter und Geschlecht bleibt der Smart-TV das meistgenutzte Gerät für deutsches Fernsehen im Urlaub. Gleichzeitig gewinnt die mobile Nutzung weiter an Bedeutung. Smartphones werden inzwischen von knapp 40 % aller TV-Nutzer im Urlaub eingesetzt und liegen damit deutlich über dem Vorjahreswert von 36,6 %.
Ferienwohnung und Hotel bleiben TV-Hochburgen
Wer im Urlaub deutsches Fernsehen nutzt, tut dies überwiegend im Hotel oder in einer Ferienwohnung. Zusammen entfallen auf diese beiden Unterkunftsarten fast 90 % aller TV-Nutzer. Campingplätze, Wohnmobile und Kreuzfahrten spielen dagegen weiterhin nur eine Nebenrolle.
Mit dem Start der Sommerferien und der aktuell laufenden Fußball-Weltmeisterschaft wächst die Bedeutung von Fernsehen und Streaming im Urlaub weiter. Besonders jüngere Urlauber treiben die Nutzung digitaler TV-Angebote voran, während Männer insgesamt eine höhere Affinität zu deutschem Fernsehen im Urlaub zeigen. Für viele Reisende gehört der Zugang zu heimischen TV-Inhalten inzwischen genauso zur Urlaubsausstattung wie WLAN oder Klimaanlage.
Politik
Verurteilung der russischen Gewalt gegen die Ukraine
Berlin 02.07.2026
– Die Bundesregierung hat den russischen Beschuss von Zielen in Kiew und anderen Gebieten in der Nacht zum Donnerstag, dem 2. Juli, als barbarisch bezeichnet. Der wahllos erfolgte Beschuss führte zu Toten und Verletzten im Schlaf, zerstörte Wohnhäuser und verursachte schwere Schäden an ziviler Infrastruktur, darunter medizinische Einrichtungen.
Das Auswärtige Amt äußerte seine Besorgnis um das Schicksal vieler Menschen. Die schrecklichen Bilder der Zerstörung bestätigten, dass Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine unter eklatanter Verletzung des Völkerrechts und mit unerbittlicher Brutalität fortsetzt. Präsident Putin zeige keinerlei Verhandlungsbereitschaft und setze weiterhin auf Raketen- und Drohnenangriffe gegen die Bevölkerung, während Russland an den Fronten seines Angriffs gegen die Ukraine schwere Verluste erleide. Deutschland erhöhe daher gemeinsam mit seinen Partnern den Druck auf Russland. Wir werden die Ukraine weiterhin in ihrem Kampf um Selbstverteidigung unterstützen. Diese Unterstützung wird auch ein zentrales Thema beim NATO-Gipfel in Ankara nächste Woche sein.
Welt
Die Hitze ist gefährlich
Berlin 02.07.2026
– Extreme Hitze geht für die Menschen in Deutschland mit gesundheitlichen Problemen einher. Hitzschläge, Sonnenstiche und andere durch Hitze oder Sonnenlicht verursachte Schäden führten im Schnitt in den Jahren 2004 bis 2024 zu knapp 1 400 Krankenhausbehandlungen. Als direkte Todesursache lässt sich Hitze bei durchschnittlich 21 Fällen in den Jahren 2004 bis 2024 allerdings selten feststellen. Sehr hohe Temperaturen lassen die Sterblichkeit jedoch insgesamt steigen, da in vielen Fällen die Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen das Sterberisiko erhöht. So stiegen in von Hitzeperioden geprägten Wochen die Sterbefallzahlen zum Teil deutlich an: Es gab bereits mehrfach Sommerwochen mit Hitzewellen, deren Sterbefallzahlen um mehr als 20 % über den Vergleichswerten der Vorjahre lagen – zuletzt betraf dies eine Juliwoche im Jahr 2022.
RKI: 2018 höchste hitzebedingte Sterblichkeit der vergangenen Jahre mit geschätzten 8 500 Sterbefällen
Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur hitzebedingten Mortalität zeigen, dass Hitzeperioden in Deutschland regelmäßig zu einem Anstieg der Sterblichkeit führen. Hierzu werden Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes mit Temperaturmessungen des Deutschen Wetterdienstes kombiniert. Laut RKI gab es die höchste hitzebedingte Sterblichkeit der Jahre 2004 bis 2024 im Jahr 2018 mit schätzungsweise 8 500 Sterbefällen in Verbindung mit Hitze, gefolgt vom Jahr 2006 mit geschätzten 7 700 Sterbefällen.
Zahl der hitzebedingten Krankenhausbehandlungen steigt oft in Jahren mit vielen Hitzetagen
Zu überdurchschnittlich vielen hitzebedingten Krankenhausbehandlungen und Todesfällen kommt es hierzulande häufig in Jahren mit vielen sogenannten Hitzetagen mit Temperaturen von 30 Grad Celsius oder mehr. So lag die Zahl der im Krankenhaus behandelten Schäden durch Hitze und Sonnenlicht beispielsweise im Jahr 2015 mit gut 2 300 Fällen 72 % über dem Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2024. Im selben Jahr waren 60 Todesfälle auf Hitze oder Sonnenlicht zurückzuführen – knapp dreimal so viele wie im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2024. 2015 war ein Jahr mit überdurchschnittlich vielen Hitzetagen in Deutschland: Durchschnittlich 17,6 solcher Tage zählte der Deutsche Wetterdienst. Die meisten Hitzetage der Jahre 2004 bis 2024 gab es im Jahr 2018 mit 20,4: In diesem Jahr lag die Zahl der Krankenhausbehandlungen aufgrund von Schäden durch Hitze oder Sonnenlicht mit 1 600 um 18 % über dem Schnitt. Auch die Zahl der Todesfälle, die in der Todesbescheinigung direkt auf Hitze oder Sonnenlicht zurückzuführen waren, lag mit 28 leicht über dem Schnitt.
Politik
Versammlung der Union für den Mittelmeerraum
Berlin 02.07.2026
Vertreter des Bundestages nehmen an der Jahrestagung der Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum in Kairo teil.
Mit Fragen der verstärkten Zusammenarbeit in der Region des Mittelmeerraums wird sich die Parlamentarische Versammlung der Union für den Mittelmeerraum (PV-UfM) bei ihrer 19. Jahrestagung vom 4. bis 5. Juli 2026 in Kairo beschäftigen.
Für den Deutschen Bundestag nehmen der Delegationsleiter Detlef Seif (CDU/CSU) und Dr. Maximilian Krah (AfD) teil.
In den fünf Ausschüssen stehen die Beratungen über Entschließungen zu unterschiedlichen Themen an. Im Politischen Ausschuss stehen im Vordergrund die parlamentarische Diplomatie und der Frieden in der mediterranen Region. Im Ausschuss für die Rechte der Frauen geht es um die Stärkung der Frauen bei der nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen in der sogenannten „Blauen Wirtschaft“. Im Ausschuss für Umwelt und Energie werden sich die Delegierten mit der Förderung einer effizienten Zusammenarbeit im Mittelmeerraum bei der Bewahrung der Biodiversität und bei der nachhaltigen Bewirtschaftung des Ökosystems im Mittelmeerraum befassen.
Parallel zur Jahrestagung kommen die Parlamentspräsidentinnen und -präsidenten der PV-UfM zu ihrem 10. Gipfeltreffen zusammen., In Vertretung der Bundestagspräsidentin wird Delegationsleiter Detlef Seif (CDU/CSU) hieran teilnehmen. Beraten werden die Themen: parlamentarische Diplomatie, Künstliche Intelligenz sowie die Stärkung der Rechte von Frauen und Jugendlichen.
Die PV-UfM verfolgt das Ziel, die Arbeit der Union für den Mittelmeerraum (UfM) zu begleiten und die Zusammenarbeit auf parlamentarischer Ebene zu stärken. Die Versammlung umfasst 280 Abgeordnete, davon 140 Mitglieder aus den Parlamenten nördlich des Mittelmeers und aus dem Europäischen Parlament sowie 140 Mitglieder aus den Parlamenten der südlich des Mittelmeers gelegenen Länder Algerien, Ägypten, Jordanien, Israel, Libanon, Marokko, Palästinensische Gebiete, Syrien (Mitgliedschaft ausgesetzt), Tunesien, Türkei und Mauretanien.
Politik
Bundesregierung will Druck auf Russland weiter erhöhen
Berlin 01.07.2026
–Ob und inwieweit die Ukraine im Rahmen von etwaigen Friedensverhandlungen mit Russland auf Forderungen des Aggressors eingeht, ist aus Sicht der Bundesregierung einzig eine Entscheidung der Ukraine. Das geht aus ihrer Antwort (21/6670) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (21/6140) hervor.
Während die Ukraine bereits mehrfach seine Bereitschaft für einen umfassenden und sofortigen Waffenstillstand sowie direkte Verhandlungen mit Russland unterstrichen habe, sei Russland hierzu nicht bereit. Russland intensiviere seine Angriffe weiter und wiederhole Maximalforderungen, wie einen Rückzug der Ukraine aus dem Donbass, als Voraussetzung für Verhandlungen.
„Die Bundesregierung wird daher die Ukraine weiterhin unterstützen und den Druck auf Russland erhöhen.“ Deutschland und die EU würden durch die Art ihrer Unterstützung der Ukraine, die ihr in der Charta der Vereinten Nationen verbrieftes individuelles Selbstverteidigungsrecht gegen die russische Aggression ausübt, nicht zu einer Konfliktpartei im völkerrechtlichen Sinne.
Die Bundesregierung vertrete darüber hinaus die Position, dass Fragen der europäischen Sicherheit nicht ohne Beteiligung der Europäer verhandelt werden könnten. „So lange Russland keinen ernsthaften erkennbaren Verhandlungswillen zeigt, sind aus Sicht der Bundesregierung öffentliche Äußerungen über etwaige zukünftige Verhandlungen verfrüht.“
Die Bundesregierung geht in der Antwort auch auf ein Diskussionspapier der EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ein: Das Papier sei vom Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) im Februar 2026 mit den EU-Mitgliedstaaten geteilt worden. „Die Bundesregierung nimmt dieses, wie auch andere Papiere des EAD, zur Kenntnis und beteiligt sich konstruktiv an Diskussionen in den dafür vorgesehenen Gremien“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung weiter.
Politik
Reformen der Bundeswehrinfrastruktur
Berlin 01.07.2026
– Die Bundesregierung hielt am Mittwoch, den 1. Juli, im Verteidigungsministerium ihre wöchentliche Sitzung ab. NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm ebenfalls teil.
Die Bundeskanzlerin erklärte, dass die politischen und sicherheitspolitischen Entwicklungen in Deutschland, Europa, dem Nahen Osten und der übrigen Welt – bereits vor Beginn des russischen Krieges in der Ukraine – die Umsetzung von Infrastrukturreformen im Verteidigungsministerium unerlässlich gemacht hätten. Diese Reformen seien notwendig, um die Mobilität der Bundeswehr und ihre Beteiligung an UN- und NATO-Einsätzen zu gewährleisten.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die Reformen der Bundeswehrinfrastruktur als bedeutende Stärkung des Bündnisses und der Vereinten Nationen, da die Bundeswehr seit jeher eine tragende Säule der NATO sei.
Verteidigungsminister Boris Pistorius gab bekannt, dass zu den Reformen auch der Plan des Verteidigungsministeriums gehöre, bis 2033 rund 260.000 Wehrpflichtige durch Freiwilligen- und Wehrdienst zu rekrutieren.
Foto: © PWO
Politik
Erdbebenopfer in Venezuela schnell unterstützen
Bonn 01.07.2026
– Nach den schweren Erdbeben in Venezuela steigt die Zahl der Toten und Verletzten weiter an, Zehntausende Menschen werden noch vermisst. Die internationale Hilfsorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe mahnt zur schnellen Unterstützung für Betroffene.
“Allein in Caracas sind rund zwei Millionen Menschen betroffen. Viele haben durch das Erdbeben alles verloren. Falls es noch Überlebende unter den Trümmern geben sollte, zählt für sie jetzt jede Sekunde“, sagt Help-Nothilfekoordinatorin Simone Walter. „Aus unserer Erfahrung von früheren Erdbeben wissen wir, dass nur circa zehn Prozent aller Vermissten noch lebend geborgen werden können, die Zeit rennt also.“
In der Erdbebenregion fehlt es laut Help aktuell vor allem an Wasser, medizinischem Material, Schlafmatten, Hygieneartikeln und psychosozialer Hilfe. Help leistet gemeinsam mit einer lokalen Partnerorganisation Nothilfe und verteilt Nahrungsmittel, Hygienepakete und Werkzeug-Sets zur Beseitigung der Trümmer an die betroffenen Menschen in El Junquito und Pericoco im Bundesstaat La Guaira.
La Guaira besonders betroffen
Allein in La Guaira stürzten über 100 Gebäude ein.„Neben der akuten Nothilfe nach einem Erdbeben ist es entscheidend, die Hilfsmaßnahmen fortlaufend an die Lage vor Ort anzupassen und die Menschen langfristig beim Wiederaufbau zu unterstützen“, erklärt Walter. „Doch um unsere Hilfe vor Ort ausweiten und die betroffenen Venezulaner:innen schnell und zielgerichtet unterstützen zu können, sind wir dringend auf Spenden angewiesen.“
Help blickt auf jahrzehntelange Erfahrung in der Erdbeben-Nothilfe zurück, zuletzt leistete die Hilfsorganisation etwa nach den schweren Erdbeben in Myanmar und Afghanistan 2025 humanitäre Unterstützung.
Politik
Entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission gestartet
Berlin 01.07.2026
– Bundesministerin Reem Alabali Radovan hat gemeinsam mit den beiden Ko-Vorsitzenden, Laura Chinchilla und Olaf Scholz, auf der Hamburg Sustainability Conference die Entwicklungspolitische Nord-Süd-Kommission (ENSK) gestartet. Vor einem internationalen Konferenz-Publikum aus über 110 Ländern präsentierten die beiden Ko-Vorsitzenden die Ziele und den Arbeitsauftrag der Kommission.
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan erklärte: „Die globale Ordnung verschiebt sich. Wenn Deutschland auch in Zukunft global mitgestalten will, brauchen wir stabile Partnerschaften mit Ländern des Globalen Südens. Ziel der neuen Entwicklungspolitischen Nord-Süd-Kommission ist es, partnerschaftliche Beziehungen mit den Ländern des Globalen Südens weiter zu intensivieren und ein globales Netzwerk zu stärken, sowie konkrete Vorschläge für die Politik zu erarbeiten. Es ist ein wichtiges Signal und eine große Freude, dass sich mit Laura Chinchilla und Olaf Scholz zwei weltweit hoch geschätzte und multilateral erfahrene Co-Vorsitzende für diese Aufgabe einsetzen werden.“
„Die Welt hat sich grundlegend verändert“, sagte Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz. „In Afrika, Asien und Lateinamerika wachsen Bevölkerungen und Volkswirtschaften und damit auch der berechtigte Anspruch, die Zukunft unserer Welt aktiv mitzugestalten. Diesem Anspruch sollten wir mit konkreten Angeboten für starke Partnerschaften mit Ländern des Globalen Südens begegnen: Wachstum und Wohlstand fördern, Armut überwinden, natürliche Lebensgrundlagen sichern, Sicherheit und Multilateralismus stärken. Die Dringlichkeit, bestehende Kooperationsformate auszubauen und neue aufzubauen, ist hoch. Darüber gemeinsam zu beraten, ist Aufgabe der unabhängigen Entwicklungspolitischen Nord-Süd-Kommission.“
Geopolitische Umbrüche
Laura Chinchilla, Co-Chair der ENSK und ehemalige Präsidentin Costa Ricas: „Die Welt erlebt derzeit eine Phase geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit, klimatischer Umbrüche, technologischen Wandels und wachsender Ungleichheit. Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Fragmentierung der internationalen Ordnung und eine Schwächung des Geistes multilateraler Zusammenarbeit, der jahrzehntelangen Fortschritt getragen hat. Vor diesem Hintergrund wird die Suche nach neuen Formen der Partnerschaft, des Dialogs und des gemeinsamen Handelns nicht nur wünschenswert, sondern unverzichtbar. Die Schaffung einer hochrangigen Plattform zur Erneuerung der Zusammenarbeit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden ist sowohl notwendig als auch zukunftsweisend.“
Die Kommission der Bundesregierung soll unabhängig arbeiten und mit Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft, Privatwirtschaft, Gewerkschaften, Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen aus dem Globalen Norden und Globalen Süden besetzt. Sie wird rund 20 Mitglieder umfassen. Die beiden Ko-Vorsitzenden vereinbarten die nächsten Schritte zur Auswahl und Einladung der Kommissar*innen, die im Herbst öffentlich vorgestellt werden sollen.
Ergänzt wird die ENSK durch einen strategischen Begleitkreis. Ihm sollen Vertreter*innen aus Parlament, anderen Bundesressorts, Privatwirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, Politischen Stiftungen, Zivilgesellschaft, Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sowie der Jugend angehören.
Perspektive des Südens wichtig
Das evangelische Entwicklungswerk Brot für die Welt begrüßte die Einsetzung der Kommission. Die Bundesregierung übernehme damit internationale Verantwortung und gestalte die Zukunft globaler Zusammenarbeit aktiv mit. Ob die Kommission, die auch Süd-Nord-Kommission genannt wird, erfolgreich sein wird, hänge aber davon ab, ob die Perspektiven des Globalen Südens konsequent in den Mittelpunkt gestellt und faire Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen werden, erklärte Sunita Narain, Direktorin des Centre for Science and Environment (CSE), einer Partnerorganisation von Brot für die Welt. Das CSE ist eine bekannte Umwelt-NGO und Denkfabrik mit Sitz in Neu-Delhi.
Welt
Auch bei fortgeschrittenem Krebs: Intervalltraining mobilisiert Immunzellen
- Universitätsklinikum Essen 30.06.2026
- – Eine aktuelle Studie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Instituts für Sport- und Bewegungstherapie am Westdeutschen Tumorzentrum des Universitätsklinikum Essen zeigt, dass bereits ein einziges 20-minütiges hochintensives Intervalltraining (kurz: HIIT) wichtige Immunzellen im Blut vorübergehend ansteigen lässt. Dieser Effekt ließ sich sowohl bei gesunden Menschen als auch bei 20 Patient:innen mit fortgeschrittener Krebserkrankung nachweisen. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst unter aktiver Chemotherapie eine gezielte Belastung zu einer signifikanten, wenn auch vorübergehenden Mobilisierung wichtiger Immunzellen führt.
Im Fokus der Essener Forschenden standen die sogenannten natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), die eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr spielen. „Bereits eine einzige HIIT-Einheit führte in beiden Gruppen zu einem signifikanten Anstieg der NK-Zellen im Blut – bei den Krebspatient:innen durchschnittlich um 50 %, bei den gesunden Kontrollpersonen um 38 %. Auch zirkulierende angeborene lymphoide Zellen (cILCs) stiegen deutlich an, im Durchschnitt um 21 % bei Patient:innen und um 55 % in der Kontrollgruppe“, erklärt Sportwissenschaftlerin PD Dr. Miriam Götte, die die Sport- und Bewegungstherapie am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) Essen leitet. Nach einer Erholungsphase von einer Stunde normalisierten sich die Zellzahlen wieder. Darüber hinaus zeigte sich, dass die Immunreaktion umso stärker ausfiel, je höher die Herzfrequenz während des Trainings anstieg – ein Hinweis darauf, dass die Trainingsintensität eine entscheidende Rolle für das Ausmaß der Immunmobilisierung spielt.
Für die kürzlich in „Cancer Medicine“ veröffentlichte Studie hat die Sport- und Bewegungstherapie des WTZ Essen eng mit der Palliativmedizin der Universitätsmedizin Essen zusammengearbeitet. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit machte es möglich, Fragestellungen zur Bewegungstherapie auch im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf wissenschaftlich zu untersuchen. „Die Studienteilnehmer:innen haben jeweils eine Einheit auf dem Fahrradergometer absolviert, wobei die Belastung individuell anhand des subjektiven Anstrengungsgefühls eingestellt wurde. Für unsere Analysen haben wir Blutproben vor dem Training, direkt danach und nach der Erholungsphase entnommen und die Lebensqualität mithilfe eines Fragebogens erfasst“, erklärt Fabian Kiehl, Erstautor der Studie, der seine medizinische Doktorarbeit in der Sport- und Bewegungstherapie am WTZ Essen angefertigt hat.
Die Autor:innen betonen, dass die Ergebnisse zunächst erste Hinweise liefern, wie körperliche Aktivität das Immunsystem auch bei schwer Erkrankten beeinflussen kann. „Unsere Studie zeigt, dass individuell angepasstes und medizinisch begleitetes Training auch bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen möglich ist, und liefert wichtige Ansätze für weitere Forschungen, wie Sport das Immunsystem beeinflusst“, so PD Dr. Miriam Götte. Ob die vorübergehende Mobilisierung von Immunzellen langfristige Auswirkungen auf Krankheitsverlauf, Therapieansprechen oder Überleben hat, bleibt jedoch Gegenstand weiterer Forschung.
Die Studie unterstreicht das wachsende Potenzial von Sporttherapie als ergänzende, nicht-medikamentöse Maßnahme in der Onkologie. Welche Form und Intensität von Bewegung sinnvoll ist, sollte immer individuell und in Absprache mit dem Behandlungsteam im Rahmen der onkologischen Versorgung entschieden werden. Gerade bei hochintensiven Trainingseinheiten und vorliegenden Symptomen wie Fatigue oder Schmerzen steht eine qualifizierte Begleitung im Vordergrund um die Bewegung zielgerichtet und personalisiert einzusetzen.
Politik
Bundesministerin reist nach Kasachstan
Berlin 29.06.2026
Starke Partnerschaft für Rohstoffsicherheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, reist am 29. und 30. Juni 2026 nach Kasachstan. Im Mittelpunkt der Reise steht die Vertiefung der bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen. Kasachstan kann als strategischer Partner, insbesondere im Energie- und Rohstoffbereich, dazu beitragen, Deutschlands wirtschaftliche Resilienz und Versorgungssicherheit zu erhöhen. Vertiefte Handelsbeziehungen, neue industrielle Wertschöpfungsketten und die komplementären Stärken beider Länder sollen gemeinsames Wachstum und wirtschaftliche Dynamik begründen.
Bundesministerin Reiche: „Versorgungssicherheit braucht Diversifikation und konkrete Projekte, nicht Absichtserklärungen. Kasachstan war 2025 unser viertgrößter Öllieferant mit 10,4 Millionen Tonnen. Eine zukunftsfähige Industrie in Deutschland benötigt Rohstoffe, welche in Kasachstan abgebaut werden. Kasachstan braucht deutsches Kapital und deutsche Technologie, um mehr Wertschöpfung im eigenen Land zu schaffen. Es geht nicht um einseitige Abnahmeverträge, sondern um eine langfristige Partnerschaft mit klarem Gewinn für beide Seiten.“
Während Ihres Aufenthaltes in Astana wird Ministerin Reiche unter anderem mit Staatspräsident Tokajew, Premierminister Bektenov, sowie mit den Ministern für Energie und Industrie Gespräche führen.
Kasachstan verfügt über bedeutende Vorkommen zahlreicher mineralischer Rohstoffe und Seltener Erden und spielt eine zunehmend wichtige Rolle für die Diversifizierung von Bezugsquellen. Eine sichere Versorgung mit Rohstoffen für Batterien, Halbleiter und die Bedarfe im Rahmen der Energiewende ermöglicht es Unternehmen, zuverlässig zu produzieren und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Deutschland setzt sich dafür ein, die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette auszubauen und langfristige wirtschaftliche Partnerschaften zu stärken. Beiden Seiten geht es dabei nicht nur um den Abbau der Rohstoffe, sondern auch um die Verarbeitung und Veredlung. Kasachstan ist unser wichtigster Wirtschaftspartner in Zentralasien. Rund 450 deutsche Unternehmen sind dort bereits aktiv. Das Land verfügt über 21 der 34 Rohstoffe, die die EU als strategisch einstuft. Deutschland bringt industrielle Kompetenz, Spitzentechnologie, Investitionen und Innovationskraft in eine Partnerschaft ein.
Neben politischen Gesprächen wird die Ministerin auch mit Vertreterinnen und Vertretern deutscher und kasachischer Unternehmen zusammenkommen. Der Dialog mit der Wirtschaft soll den Ausbau der bilateralen Handels- und Investitionsbeziehungen begleiten.
Bundesministerin Katherina Reiche ist seit 19 Jahren die erste Bundeswirtschaftsministerin, welche Kasachstan besucht.
Welt
Deutsche Schulen
Berlin 29.06.2026
Zwei deutsche Teams unter den Besten beim Europäischen StatistikwettbewerbWIESBADEN – Beim Europäischen Statistikwettbewerb (European Statistics Competition, ESC) ist Deutschland auch in diesem Jahr erfolgreich vertreten: Gleich zwei deutsche Teams haben im europäischen Finale den Sprung unter die zwölf besten Teams ihrer jeweiligen Alterskategorien geschafft. Die endgültigen Platzierungen wurden von Eurostat im Rahmen der europäischen Preisverleihung am 25. Juni 2026 in Sofia (Bulgarien) bekannt gegeben.
Zwei Berliner Teams überzeugen im internationalen Vergleich
Die Generaldirektorin der europäischen Statistikbehörde Eurostat, Mariana Kotzeva, überreichte die Preise an die Siegerteams der diesjährigen Ausgabe. Mit Blick auf die Juryarbeit teilte sie die Begeisterung über alle eingereichten 74 Beiträge, die gezeigt haben, wie viel Potenzial alle Teilnehmenden mitbringen. Auch über die gestiegenen Teilnahmezahlen zeigte sie sich sehr erfreut. Von den beiden deutschen Teams hatte sich TWINVAR aus Berlin bereits den Sieg in der nationalen Phase geholt. Zusätzlich sicherte sich das Team CALLIDAE, ebenfalls aus Berlin, einen Platz im europäischen Finale.
Länder aus einer statistischen Perspektive kennenlernen
In der europäischen Wettbewerbsphase waren die Teams aufgefordert, auf Basis statistischer Daten eigenständige kreative Videobeiträge zu erstellen. Dabei stand ein gemeinsames Thema im Fokus: „Statistical Portrait – What are the people of your country like?“ Somit nahmen die deutschen Teams landestypische Themen unter die Lupe und bewerteten diese mithilfe amtlicher Statistik.
Datenkompetenz für die Zukunft stärken
Der Europäische Statistikwettbewerb wird auf europäischer Ebene von Eurostat gemeinsam mit den nationalen statistischen Ämtern organisiert. Ziel des Wettbewerbs ist es, Datenkompetenz zu fördern, das Interesse an Statistik zu stärken und jungen Menschen den Umgang mit amtlichen Datenquellen näherzubringen. Europaweit beteiligten sich im Schuljahr 2025/2026 rund 29 000 Schülerinnen und Schüler aus 22 Ländern am Wettbewerb.
ESC startet 2027 seine Jubiläumsausgabe
Im kommenden Schuljahr 2026/2027 findet der ESC auf europäischer Ebene zum zehnten Mal statt und feiert damit ein Jubiläum.
Politik
Krieg und Frieden
Berlin 29.06.2026
Nach den jüngsten militärischen Scharmützeln zwischen Teheran und Washington haben das iranische Regime und das Weiße Haus ihren Wunsch nach erneuten Gesprächen geäußert, um die Spannungen zu beenden und die Spaltung zu überwinden, die zu den Zusammenstößen geführt hat.
US-Präsident Donald Trump, der israelische Ministerpräsident und das iranische Regime können nicht in Frieden leben und wollen auch nicht, dass die Welt ohne die Unruhen und Ängste eines Krieges auskommt, an dem sie kein Interesse haben. Der Krieg, der im vergangenen Februar begann, war für sie lediglich ein Versuch, vor der eigenen Bevölkerung das Gesicht zu wahren. Trump will dem amerikanischen Volk beweisen, dass Amerika nach wie vor stark ist, indem er vor der Welt seine Muskeln spielen lässt, während Netanjahu der Welt die Geschlossenheit seiner Regierung demonstrieren will. Für das iranische Regime geht es in diesem Krieg darum, dem eigenen Volk und den Völkern einiger islamischer Länder zu beweisen, dass sie sich im Krieg mit dem Teufel befinden.
Und wer weiß? Unter den Menschen der Levante gibt es ein Sprichwort, das besagt: „Nach Kampf und Mühe wird dein Feind unweigerlich dein Freund werden.“
Knapp zwei Wochen nach einem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran greifen sich die beiden Länder wieder gegenseitig an. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU ist pessimistisch: „Die gebrochene Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran lässt die Hoffnungen auf ein erfolgreiches Ende der Verhandlungen des umstrittenen Abkommens genauso dramatisch sinken wie die auf die freie Fahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus. Die Preise für Energie dürften hoch bleiben, mit den bekannten Folgen für die Weltwirtschaft. Das beschädigte Abkommen mit Teheran ist für die Trump-Administration kein Ausweg mehr aus dem Krieg mit dem Iran“, unterstreicht die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die TAGESZEITUNG – kurz TAZ – schreibt: „Die derzeitigen Angriffe zeigen noch einmal deutlich: Die noch immer geltende Absichtserklärung ist eine Scharade. Nichts von dem, was Iran in der Region gefährlich machte – das Nuklearprogramm, das Raketenprogramm, die Aufrüstung von Proxy-Milizen in verschiedenen Ländern Westasiens – ist auch nur ansatzweise gelöst. Im Gegenteil, dieser Krieg hat ein neues Problem geschaffen: die iranische Kontrolle über Hormus“, unterstreicht die TAZ.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG verweist auf den Militärwissenschaftler Carl von Clausewitz und dessen Theorie des Krieges: „Für das Regime in Teheran muss es den Anschein haben, dass die Nachteile, die die USA ihm zufügen können, allenfalls vorübergehend sind. Für Trump sieht es umgekehrt aus. Daher hat er sich auf eine Vereinbarung eingelassen, die Iran fast alles gibt, was es möchte, und die in dem, was sie nicht gibt, so vage formuliert ist, dass jede Seite sie nach eigenem Gutdünken auslegen kann. Trump steht nicht im Verdacht, sich mit alteuropäischen Kriegstheoretikern beschäftigt zu haben. Aber er hat nun auf seinem Lieblingskanal die einzige Drohung ausgestoßen, deren Verwirklichung die Revolutionswächter als Nachteil im clausewitzschen Sinn ansähen: nicht das Leiden der Bevölkerung, nicht einmal den eigenen Tod, aber das Ende der Islamischen Republik“, notiert die FAZ.
Politik
Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
Berlin 26.06.2026
– Um Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien geht es in der Antwort der Bundesregierung (21/6602) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (21/6372). Wie die Fraktion darin ausführte, wird in Medienberichten sowie im Zusammenhang mit Ermittlungen ausländischer Strafverfolgungsbehörden über mutmaßliche Kriegsverbrechen während des Bosnienkrieges berichtet. Dabei stünden „insbesondere Vorwürfe im Raum, wonach ausländische Freiwillige oder nicht reguläre Kämpfer während der Belagerung Sarajevos gezielt Gewalt gegen Zivilisten ausgeübt haben sollen“, schrieb die Fraktion weiter.
Wissen wollte sie unter anderem, ob „deutschen Sicherheitsbehörden Erkenntnisse über eine mögliche Beteiligung deutscher Staatsangehöriger an den genannten Taten“ vorliegen. Wie die Bundesregierung dazu in ihrer Antwort darlegt, liegen den Sicherheitsbehörden „keine Erkenntnisse hierzu vor, die über die Medienberichterstattung hinausgehen“.
Europa
Deutschland, die Ukraine und die Menschenrechte
Berlin, Brüssel 26.06.2026
– Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg soll Fragen zum Aufenthalt von Ukrainern in Deutschland klären. Es geht um Menschen, die vor ihrer Ankunft nicht in der Ukraine, sondern in einem Drittstaat außerhalb der EU lebten, wie der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel am Donnerstag mitteilte. Nach der Entscheidung der europäischen Richterinnen und Richter geht das Verfahren in Hessen weiter.
Dort klagte ein ukrainisches Ehepaar. Vor Russlands Überfall im Februar 2022 lebten die Frau und der Mann in der Ukraine. Im April 2022 reisten sie wegen des Kriegs nach Georgien, wo sie zwei Jahre lang legal wohnten. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt selbst als Grafikdesigner und mit der Arbeit in einem Callcenter und wurden außerdem von einer Kirchengemeinde unterstützt.
2024 reisten sie nach Deutschland ein. Beim Landkreis Fulda beantragten sie eine Aufenthaltserlaubnis zum vorübergehenden Schutz für Geflüchtete aus der Ukraine. Ihre Anträge wurden aber abgelehnt, ihnen wurde die Abschiebung angedroht. Dagegen klagten sie vor dem Verwaltungsgericht Kassel und bekamen Recht. Der Landkreis ging aber in Berufung vor dem Verwaltungsgerichtshof.
Außerdem sollen die europäischen Richterinnen und Richter entscheiden, ob der Schutz von einer möglichen Rückkehr in diesen Staat abhängig ist – und ob eine Abschiebungsandrohung in die Ukraine erlassen werden darf. Die hessischen Richter müssen sich bei ihrer späteren Entscheidung im konkreten Fall am Urteil des Europäischen Gerichtshofs orientieren. Wann dieser urteilt, ist noch nicht bekannt.
Politik
Die unterschätzte Katastrophe
Berlin 25.06.2026
Wenn die Klimakrise zur Flucht zwingt und Konflikte verschärft. Klimawandel und Umweltzerstörung sind schon heute oft ein Auslöser für Flucht und Abwanderung. Kürzungen bei der Entwicklungshilfe verschärfen das Problem. Es ist Zeit, zu handeln!
Auch die Klimakrise vertreibt weltweit mehr und mehr Menschen. Zwar ist sie meist nicht der alleinige Auslöser dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Doch sie verstärkt das Risiko in Ländern, in denen die Situation eh schon angespannt ist. Denn die Klimakrise verknappt Ressourcen. Gewaltkonflikte wie Bürgerkriege, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen und gewaltsame Proteste werden wahrscheinlicher. Die Klimakrise verstärkt Faktoren wie Armut, wirtschaftliche Probleme und instabile Institutionen.
Menschen, die in Gebieten leben, die von gewalttätigen Konflikten betroffen sind und gleichzeitig den Auswirkungen der Klimakrise ausgesetzt sind, sind besonders gefährdet. Sowohl der IPCC-Bericht als auch das Pariser Klimaabkommen bestätigen, dass die Klimakrise ein wesentlicher Faktor für globale Migration ist.
Auch in Europa verlieren Menschen infolge der Klimakrise ihre Heimat: Der Schutz vor Klimarisiken ist vielerorts unzureichend. So wurden etwa bei den Sturzfluten in Valencia im Jahr 2024 Warnungen zu spät ausgegeben – obwohl funktionierende Frühwarnsysteme vorhanden waren. Fehlender Hochwasserschutz und die weitgehende Versiegelung ehemaliger Überflutungsflächen verschärften die Folgen zusätzlich.
Ein weiteres Beispiel ist Süddeutschland: Dort kam es im Juni 2024 nach Starkniederschlägen zu großflächigen Überschwemmungen – begünstigt durch fehlende Rückhaltebecken, versiegelte Böden und unzureichenden Hochwasserschutz. Beide Fälle stehen exemplarisch für ein systemisches Problem: Vielerorts fehlen Investitionen in präventive Schutzmaßnahmen und Frühwarnsystemen.
Dass Klimaflucht und Klimavertreibung mittlerweile sogar Deutschland betrifft, zeigt unter anderem das Ahrtal: Nach der verheerenden Flut 2021 durften 34 zerstörte Häuser im Hochrisikogebiet nicht wieder aufgebaut werden. Weitere Beispiele sind die Umsiedlung von zwei Ortsteilen: Röderau-Süd in der Elbaue in Sachsen wurde 2003 nach der Flutkatastrophe der Elbe umgesiedelt. Isarmünd, ein Ortsteil der niederbayerischen Gemeinde Moos, musste nach einem Hochwasser 2013 ebenfalls dem Hochwasserschutz weichen.
Weltweit geht es dabei natürlich um weit schlimmere Dimensionen und ganz andere zahlen von Klimaflüchtenden.
Die Klimakrise wird immer drängender: 2025 war das weltweit drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Europa erwärmt sich dabei etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Deutschland erlebte 2024 das bislang heißeste Jahr. Diese Tatsache muss mehr als bisher beachtet werden. Wir können es uns nicht länger leisten, die Katastrophen zu unterschätzen, die sich überall auf der Welt abspielen.
Wie die Klimakrise Konflikte verschärft
Universität Hamburg und der Gesellschaft für Umwelt- und Entwicklungsforschung im Auftrag von Greenpeace (2026) zeigt: Die Klimakrise ist zunehmend auch eine soziale und sicherheitspolitische Bedrohung. Das Update analysiert wissenschaftliche Daten und politische Entwicklungen. Das Ergebnis ist alarmierend: Wetterextreme und schleichende Umweltveränderungen treffen vielerorts auf bestehende soziale Ungleichheiten. Das führt in immer mehr Regionen zu Hunger, Vertreibung und wachsender Gewalt. Verschärft wird dies durch weltweite Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit. Die wichtigsten Erkenntnisse des Updates im Überblick:
1. Die Kernkrise
• Mehr Menschen fliehen: Im vergangenen Jahr wurden 82,2 Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.
• Verschiebung der Ursachen: Mittlerweile fliehen mehr Menschen vor klimabedingten Naturkatastrophen als vor Kriegen.
• Wer hilft: Über 95 Prozent dieser Vertriebenen werden von armen Nachbarländern im Globalen Süden aufgenommen, nicht von wohlhabenden Staaten.
2. Das Geldproblem
• Starke Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit: Wohlhabende Nationen im Globalen Norden streichen Hilfsgelder. Die weltweite Entwicklungs- und humanitäre Hilfe brach in nur einem Jahr um 23,1 Prozent ein (auf 175 Milliarden USD). Das ist so wenig wie seit zehn Jahren nicht mehr.
• Steigende Militärausgaben: Statt Frieden oder Hilfe zu finanzieren, stiegen die weltweiten Ausgaben für Armeen und Waffen auf einen Rekordwert von 2,9 Billionen US-Dollar.
• Verschärfte Klimakrise : Banken und Finanzinstitute steigerten ihre Investitionen in Öl und Gas um acht Prozent und heizen damit buchstäblich Wetterextreme an, vor denen Menschen fliehen.
3. Die täglichen Auswirkungen
• Weil Entwicklungsländer stark auf den Import von Treibstoffen und Düngemitteln angewiesen sind, lösen massive Preissprünge bei Öl und Gas weitreichende Lebensmittel- und Hungerkrisen aus.
4. Die „stille Revolution“ (Der Hoffnungsschimmer)
• Trotz des Verlusts staatlicher Hilfe nehmen die Menschen und Unternehmen in Afrika die Dinge selbst in die Hand.
• Da schwere Dürren große Wasserkraftwerke lahmlegen, haben sich die Importe chinesischer Solarpanels nach Afrika im vergangenen Jahr vervierfacht. Die Bevölkerung umgeht traditionelle Stromnetze, verzichtet auf teure Dieselgeneratoren und baut sich eine eigene, saubere Energierversorgung auf.
Politik
Eine Machtdemonstration vor dem NATO-Gipfel
Berlin 25.06.2026
– Bundeskanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, die italienische Ministerpräsidentin Georgia Meloni und der polnische Ministerpräsident Donald Tusk trafen sich am Mittwochabend, dem 24. Juni, in Berlin, um den bevorstehenden NATO-Gipfel Anfang Juli in Ankara zu besprechen. Ziel des Treffens war die Einigung auf eine gemeinsame Position für die NATO-Staats- und Regierungschefs.
Die NATO-Gipfelberater bekräftigten ihr Engagement für die Stärke des Bündnisses und seine Rolle als wichtiger Unterstützer der Vereinten Nationen in deren Militärpolitik, einschließlich der UN-Truppeneinsätze in Konfliktgebieten weltweit.
Der Berliner Mini-Gipfel war nichts anderes als eine Machtdemonstration gegenüber Russland, die zeigen sollte, dass die fünf teilnehmenden Länder in der Lage sind, Moskau militärisch entgegenzutreten und die Ukraine zu verteidigen. Die EU behauptete, die Verteidigung Kiews sei eine Verteidigung der Werte von Freiheit und Demokratie, die sie vertritt.
Der Gipfel war jedoch lediglich eine Machtdemonstration. Die Europäische Union, insbesondere Berlin, Paris, Warschau und Rom (ein einflussreicher Mitgliedstaat), konnte ihre Fähigkeit, den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu beenden, nicht unter Beweis stellen.
Obwohl die Europäer geeint erscheinen mögen, sind ihre Wünsche unterschiedlich. Die meisten scheinen eine Rückkehr nach Moskau anzustreben. Daher ist die Abwesenheit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der an jeder europäischen Feierlichkeit, Veranstaltung und Konferenz teilnimmt, beim Berliner Gipfel ein deutliches Zeichen dafür, dass er die mangelnde Glaubwürdigkeit der Europäischen Union, insbesondere Deutschlands, Großbritanniens (eines Nicht-EU-Mitglieds), Frankreichs, Italiens und Polens, in Bezug auf deren Fähigkeit, Moskau zum Ende des vierjährigen Krieges gegen sein Land zu drängen, erkannte.
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