Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftsklima in der Chemie deutlich verbessert
München 01.07.2026
– Das Geschäftsklima in der Chemieindustrie hat sich im Juni kräftig verbessert. Der Geschäftsklimaindex stieg auf minus 17,8 Punkte, nach minus 29,0* Punkten im Mai. Die Unternehmen schätzten die Geschäftslage deutlich besser ein. Der Saldo stieg auf minus 2,9 Punkte nach minus 16,5* Punkten im Mai. Auch die Geschäftserwartungen hellten sich deutlich auf: von minus 40,7* auf minus 31,5 Punkte. „Das Geschäftsklima in der Chemieindustrie profitiert von leichten Rückgängen bei den Preisen für Energie und einzelnen Vorprodukten nach der sich abzeichnenden Entspannung im Nahost-Konflikt“, sagt ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.
Nach Einschätzung der ifo-Fachexpertin sorgt ein Sondereffekt im internationalen Handel für die besseren Zahlen: Aufgrund von Lieferausfällen aus dem Nahen Osten und dem besonders betroffenen Asien verlagert sich die Nachfrage nach chemischen Produkten zu deutschen Herstellern. Auch im Juni gingen gegenüber dem Vormonat mehr Aufträge bei den Unternehmen ein, die Produktion stabilisierte sich. Gleichzeitig hoffen die Chemieunternehmen auf mehr Exporte als im Vormonat, hier stieg der Saldo auf minus 4,8 Punkte nach minus 16,1* Punkten im Mai. Die Versorgung mit Vorprodukten bleibt jedoch angespannt. Die Mehrheit der Unternehmen plant für die nächsten Monate wieder mit steigenden Preisen. „Von einer nachhaltigen Trendwende kann noch keine Rede sein“, so Wolf. „Doch nach langer Zeit zeichnet sich erstmals wieder ein Hoffnungsschimmer ab.“
Politik
ifo Institut: Mehr als zwei Drittel aller Sozialausgaben fließen in Rente und Gesundheit
München 02.07.2026
– Rund 70 Prozent des deutschen Sozialbudgets fließt in Renten- und Gesundheitsausgaben. Dies zeigt eine neue Studie des ifo Instituts zur Entwicklung des Sozialbudgets in Deutschland von 1992 bis 2024. „Der Sozialstaat wächst vor allem strukturell durch den demografischen Wandel. Das geschieht vor allem zu Lasten der jungen Generation“, sagt ifo-Forscherin Lilly Fischer.
Insgesamt ist das Sozialbudget in Deutschland seit 1992 preisbereinigt um knapp 60 Prozent gestiegen und entspricht im Jahr 2024 rund 31 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Im Jahr 1992 entsprach das Sozialbudget noch 26 Prozent der Wirtschaftsleistung. „Über 80 Prozent des Anstiegs bei den Sozialausgaben hängen mit den Funktionen Alter und Krankheit und damit der Alterung der Gesellschaft zusammen“, sagt ifo-Forscherin Emilie Höslinger. In Krisenjahren stieg die Sozialbudgetquote aufgrund wirtschaftlicher Schocks, in denen der Sozialstaat als automatischer Stabilisator diente. Nach den Krisenjahren folgte jeweils eine Phase der Stabilisierung.
Steuerfinanzierte Förder- und Fürsorgesysteme wie Arbeitslosenunterstützung, Familienleistungen, Wohngeld oder Hilfen für Menschen mit Behinderung machen heute etwa 20 Prozent des Budgets aus. Die realen Ausgaben wuchsen im Zeitverlauf um fast 130 Prozent. Innerhalb der Förder- und Fürsorgesysteme sind die Ausgaben für Kinder und Jugendliche am stärksten gestiegen – um mehr als 140 Prozent. Damit trugen sie lediglich rund 17 Prozent zum Zuwachs des gesamten Sozialbudgets bei. Der Bereich Arbeitslosigkeit war im gesamten Zeitverlauf ein relevanter Ausgabenblock, tritt jedoch gegenüber den alters- und gesundheitsbezogenen Leistungen zunehmend in den Hintergrund.
Die Studie stützt sich auf Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum deutschen Sozialbudget für den Zeitraum 1992 bis 2024. Das Sozialbudget umfasst dabei neben steuerfinanzierten Transfers und Versorgungsleistungen der Sozialversicherungen auch betriebliche (z. B. Betriebsrenten) und private Leistungen (z. B. Riester-Renten). Die Forschenden betrachten drei Kennzahlen: nominale Ausgaben, reale Ausgaben in Preisen von 2020 sowie die Sozialbudgetquote, also den Anteil des Sozialbudgets am Bruttoinlandsprodukt.
Politik
Alterssicherung von Selbstständigen
Berlin 01.07.2026
– Die Gesamtzahl der nicht obligatorisch versicherten Selbstständigen lässt sich nur näherungsweise bestimmen. Für 2021 wird die Zahl der nicht obligatorisch abgesicherten Selbstständigen im Haupterwerb auf rund 2,15 Millionen geschätzt, führt die Bundesregierung in einer Antwort (21/6666) auf eine Kleine Anfrage (21/6304) der Fraktion Die Linke aus. Detaillierte Informationen könnten dem Forschungsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales mit dem Titel „Selbstständige Erwerbstätigkeit in Deutschland“ entnommen werden, heißt es weiter. Die Zahl der Selbstständigen mit obligatorischer Alterssicherung wird in der Antwort mit 890 000 angegeben.
Politik
ifo Institut: Tankrabatt nicht vollständig weitergegeben
München 29.06.2026
– Der Tankrabatt hat die Autofahrer größtenteils erreicht, aber nicht vollständig. Das ergeben Berechnungen im Rahmen des ifo Tankrabatt-Trackers. So lagen die Preise in Deutschland bei Super E5 um 17 Cent, bei Super E10 um 16 Cent und bei Diesel um 12 Cent unter Vergleichswerten ausländischer Tankstellen ohne Tankrabatt (Stand: 26. Juni). „Damit wurde der Tankrabatt beim Superbenzin nahezu vollständig an die Autofahrerinnen und Autofahrer weitergegeben, beim Diesel lag die Weitergabe bei rund 73 Prozent. Ohne den Tankrabatt hätte der Preis für den Liter Superbenzin noch den gesamten Juni hindurch im Tagesdurchschnitt wohl über 2 Euro gelegen“, sagt Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft.
Das Auslaufen des Tankrabatts zum 30. Juni bedeutet den ifo-Experten zufolge aber auch, dass Anfang Juli wieder mit steigenden Kraftstoffpreisen zu rechnen ist. „Wie hoch es geht, wird vor allem von der Entwicklung des Ölpreises abhängen. Da dieser zuletzt gesunken ist, haben auch die Kraftstoffpreise nachgegeben“, sagt Ramona Schmid, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifo Zentrum für Finanzwissenschaft.
Nach Ansicht der ifo-Forscher ist es richtig, dass die Bundesregierung den Tankrabatt auslaufen lässt. „Es war eine teure Maßnahme, die den Staat rund 1,6 Milliarden Euro gekostet hat. Die unvollständige Weitergabe beim Diesel bedeutet, dass ein Teil davon bei den Mineralölkonzernen gelandet ist“, so Christian Gréus, Doktorand am ifo Zentrum für Finanzwissenschaft. Sollte es zwischen den USA und dem Iran tatsächlich zu einer Einigung kommen, dürften sich die Kraftstoffpreise ohnehin wieder normalisieren.
Der ifo Tankrabatt-Tracker wird an jedem Werktag auf Basis der Spritpreise vom Vortrag aktualisiert. Damit kann jede*r interessierte Bürger*in Tag für Tag nachvollziehen, ob der Tankrabatt die versprochene Wirkung entfaltet und die Spritpreise senkt. Auf der Webseite und im ifo Schnelldienst digital finden sich außerdem Informationen zu den verwendeten Daten und zu den Methoden, die die Wissenschaftler*innen für ihre Auswertung nutzen.
Wirtschaft
ifo Institut: Unternehmen bauen vermehrt Stellen ab
München 26.06.2026
– Die Unternehmen planen, wieder vermehrt Stellen abzubauen. Das ifo Beschäftigungsbarometer sank im Juni auf 92,3 Punkte, nach 93,9 Punkten im Mai. „Der Arbeitsmarkt bleibt schwach“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Von einer nachhaltigen Belebung der Beschäftigung ist Deutschland derzeit noch weit entfernt.“
In der Industrie bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Zwar hat sich das Barometer leicht verbessert, dennoch überwiegen die Pläne zum Stellenabbau. Im Groß- und Einzelhandel nimmt der Personalabbau wieder stärker zu. Bei den Dienstleistern gab das Barometer deutlich nach. Besonders schwierig bleibt die Lage bei den Leiharbeitsfirmen sowie im Tourismus. Im Baugewerbe sind hingegen kaum Veränderungen geplant. Die Unternehmen wollen ihren Personalbestand weitgehend konstant halten.
Politik
Maßnahmenstärkung von Frauen im touristischen Verkehrssektor
Madrid 25.06.2026
– Ein neuer Bericht von UN Tourism und der Internationalen Transportarbeiter-Föderation (ITF) belegt, dass Frauen im touristischen Verkehrssektor nach wie vor stark unterrepräsentiert sind – insbesondere in technischen Berufen, im Fahrdienst sowie in Führungspositionen.
Der heute veröffentlichte „Global Report on Women in Tourism Transport“ liefert erstmals weltweit vergleichbare, nach Geschlechtern aufgeschlüsselte Daten über Frauen, die im Personenverkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft tätig sind. Der Bericht benennt die rechtlichen, kulturellen und strukturellen Barrieren, die Frauen den Zugang zu menschenwürdiger Arbeit, beruflichem Aufstieg und Führungspositionen erschweren.
Die Ergebnisse zeigen, dass der touristische Verkehrssektor weiterhin stark von Männern dominiert wird. In Ländern, für die Daten vorliegen, gilt: Frauen stellen 36 % der Beschäftigten in der Luftfahrt, aber nur 6 % der Piloten; Männer dominieren weiterhin technische Bereiche, das Cockpit sowie Führungspositionen.
96 % aller im touristischen Verkehr Beschäftigten sind im Personenverkehr zu Lande tätig, doch nur 3 % von ihnen sind Frauen. Im Personenverkehr zu Wasser liegt der Frauenanteil bei lediglich 12 %, wobei insbesondere in Management- und Technikpositionen große Lücken bestehen.
Sicherheit, sanitäre Einrichtungen und rechtlicher Schutz stellen weiterhin wesentliche Hürden dar. In jedem fünften Land fehlen nach wie vor gesetzliche Schutzmaßnahmen gegen Belästigung am Arbeitsplatz.
Wirtschaft
Arbeitslosenzahl ein wenig gesunken
Berlin 30.06.2026
– Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist im Juni nur leicht gesunken. Sie ging im Vergleich zum Mai um 15.000 auf 2,936 Millionen zurück, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent.
Erwerbstätige mit Wohnort in Deutschland, Mai 2026
0,0 % zum Vormonat (saisonbereinigt)
+0,2 % zum Vormonat (nicht saisonbereinigt)
-0,4 % zum Vorjahresmonat
Im Mai 2026 waren rund 45,68 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland (Inländerkonzept) erwerbstätig. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) blieb die Zahl der Erwerbstätigen damit saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat nahezu unverändert ( 7 000 Personen; 0,0 %). Von Mai 2025 bis April 2026 war sie gegenüber dem jeweiligen Vormonat durchschnittlich um 16 000 Personen gefallen.
Wirtschaft
ifo Institut: Exporterwartungen leicht gestiegen
München 25.06.2026
– Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich etwas verbessert. Die ifo Exporterwartungen stiegen im Juni auf minus 3,7 Punkte, nach minus 5,7 Punkten im Mai. „Die Exporteure sind noch skeptisch, ob die geopolitische Unsicherheit nachhaltig abnimmt,“ sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Zudem ist die internationale Konkurrenz weiterhin stark.“
Die Elektroindustrie ist optimistisch und rechnet mit einem deutlichen Anstieg ihrer Exporte. Auch die Getränkehersteller blicken zuversichtlicher auf das Auslandsgeschäft, während die Nahrungsmittelindustrie mit rückläufigen Auslandsumsätzen plant. In der Pharmabranche sowie bei den Herstellern von Glas und Keramik werden ebenfalls steigende Exporte erwartet, wenn auch in moderatem Umfang. In der Chemischen Industrie konnte der Einbruch aus dem Vormonat weitgehend ausgeglichen werden. Derzeit wird nur noch mit einem leichten Rückgang gerechnet. Schwieriger bleibt die Lage dagegen in der Automobilindustrie und der Metallbranche, die weiterhin von sinkenden Exporten ausgehen.
Wirtschaft
Preise für Wohnimmobilien in 2026
Wiesbaden 25.6.2026
– Die Preise für Wohnimmobilien (Häuserpreisindex) in Deutschland sind im 1. Quartal 2026 um durchschnittlich 1,4 % gegenüber dem 1. Quartal 2025 gestiegen. Gegenüber dem Vorquartal erhöhten sich die Preise um 0,3 %.
Preise entwickelten sich regional unterschiedlich
Für Eigentumswohnungen zahlten Käuferinnen und Käufer im 1. Quartal 2026 in dünn besiedelten ländlichen Kreisen 3,6 % mehr als im 1. Quartal 2025. In kreisfreien Großstädten außerhalb der TOP-7-Metropolen stiegen die Preise im Vorjahresvergleich um 2,9 %. In den sieben größten Städten Deutschlands (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf) fiel der Preisanstieg mit +0,3 % geringer aus. In den dicht besiedelten ländlichen Kreisen wurde hingegen ein leichter Preisrückgang um 0,4 % gegenüber dem Vorjahresquartal beobachtet.
Für Ein- und Zweifamilienhäuser war der Preisanstieg in den TOP-7-Metropolen mit +1,4 % gegenüber dem Vorjahresquartal am stärksten, gefolgt von den kreisfreien Großstädten mit +1,2 %. In den dünn besiedelten ländlichen Kreisen hingegen zahlten Käuferinnen und Käufer für Ein- und Zweifamilienhäuser im Durchschnitt 0,8 % weniger als im 1. Quartal 2025.
Auch gegenüber dem Vorquartal sind die Preise für Wohnimmobilien in einigen Regionen gestiegen und in anderen gefallen. Eigentumswohnungen verzeichneten gegenüber dem 4. Quartal 2025 den größten Preisanstieg in städtischen Kreisen mit einem Plus von 0,9 %. Auch in den anderen Regionen wurden Wohnungen leicht teurer. Nur in den kreisfreien Großstädten gab es keine Preisveränderung und in den dicht besiedelten ländlichen Kreisen fielen die Preise für Wohnungen laut vorläufigen Zahlen um 2,3 %. Die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser fielen gegenüber dem 4. Quartal 2025 mit -0,8 % am stärksten in den dünn besiedelten ländlichen Kreisen. Der stärkste Anstieg wurde mit +0,6 % in den kreisfreien Großstädten beobachtet.
Mit der aktuellen Veröffentlichung wurde das Ergebnis des 4. Quartals 2025 für den bundesweiten Häuserpreisindex um 0,4 Prozentpunkte nach unten revidiert (vorläufiger Wert: +3,0 % zum 4. Quartal 2024, revidierter Wert: +2,6 %). Revisionen werden regelmäßig durchgeführt, um nachträgliche Meldungen zu berücksichtigen.
Wirtschaft
Deutsches BIP wächst 2026 nur noch um 0,4 %
Berlin 22.06.2026
Die Konjunktur schwächt sich weiter ab: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland im Jahr 2026 von 1,0 % auf 0,4 % gesenkt. Auch in der Eurozone und weltweit hat sich das Wachstum verlangsamt. Industrie und Nachfrage verlieren an Dynamik. Ein entschlossenes Reformpaket ist dringend erforderlich, um Investitionen anzukurbeln und das Wachstum wiederzubeleben.
Die Wachstumsprognose des Bundesverbands der Deutschen Industrie spiegelt die aktuelle Lage wider: Für Deutschland wird 2026 nur noch ein Wachstum von 0,4 % erwartet, statt der zu Jahresbeginn prognostizierten 1 %. Für die Eurozone wurde die Prognose von 1,1 % auf 0,7 % reduziert.
Die Weltwirtschaft wird voraussichtlich nur um 2,9 % wachsen und damit deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt.
Diese neuen Prognosen berücksichtigen das Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Die negativen Auswirkungen des Iran-Krieges sind jedoch weiterhin spürbar. [SA1.1] Ein umfassendes Reformpaket der Koalition könnte die Stimmung im Land verbessern. Vorsicht ist geboten; noch ist nichts sicher.
Die Lage der Industrie verschlechtert sich weiter: Die Produktion sank im ersten Quartal um 1,0 % gegenüber dem Vorquartal und um 2,8 % gegenüber dem Vorjahr. Auch die Auftragseingänge schwächeln: Nach einem Rückgang im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal blieb die Nachfrage zu Beginn des zweiten Quartals schwach. Eine Erholung der Produktion wird nicht vor dem vierten Quartal erwartet, sofern keine weiteren Störungen auftreten.
Die Frage ist nun: Was brauchen wir, um unsere Stärken wieder auszubauen? Vor allem aber müssen wir unser Wachstumspotenzial steigern. Dies sollte der Leitgedanke für jede wirtschaftspolitische Entscheidung sein.
Die Situation ist klar: Was brauchen wir, um unsere Stärke zurückzugewinnen? Dies galt bereits bei Amtsantritt der Regierung im Mai 2025 und ist heute umso deutlicher. Wenn dies der Maßstab ist, müssen wir schlussfolgern, dass die Regierung ihre Ambitionen verloren hat. Teillösungen reichen nicht aus, und die Fortführung des Koalitionsvertrags genügt in der zunehmend komplexen Lage nicht mehr.
Was wir brauchen, ist ein umfassendes Reformpaket, das Investitionen ermöglicht und das Wachstum ankurbelt – kurzum, das die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wiederherstellt.
Wirtschaft
Über 1 Million Beschäftigte an Schulen
Wiesbaden 22.06.2026
– Rund 5,5 Millionen Menschen in Deutschland waren zum Stichtag 30. Juni 2025 nach vorläufigen Ergebnissen im öffentlichen Dienst beschäftigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Tag des öffentlichen Dienstes am 23. Juni 2026 mitteilt, waren das 95 100 Beschäftigte oder 1,8 % mehr als ein Jahr zuvor. Damit arbeiteten 2025 rund 12 % aller Erwerbstätigen in Deutschland im Staatsdienst. Hohe Zuwächse waren wie bereits in den Vorjahren vor allem bei den Schulen, Hochschulen und Kindertageseinrichtungen zu verzeichnen.
Mit über 1 Million Beschäftigten im Jahr 2025 sind die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen der personalstärkste Aufgabenbereich des öffentlichen Dienstes. Neben Lehrkräften sind hier auch kommunale Beschäftigte mit Schulträgeraufgaben erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Beschäftigten bei den Schulen um 19 000 oder 1,8 % auf 1 069 600. Dabei stieg die Zahl der angestellten Beschäftigten um 1 800 oder 0,5 % auf 356 900 und die Zahl der Beamtinnen und Beamten um 17 200 oder 2,5 % auf 712 700. Durch die Verbeamtung von Bestandslehrkräften kam es allein in Berlin zu einem starken Anstieg von Beamtinnen und Beamten an Schulen (+5 900), während die Zahl der angestellten Beschäftigten dort zurückging (-5 500).
Zahl der Erzieherinnen und Erzieher in 15 Jahren nahezu verdoppelt
Der seit Jahren anhaltende Personalzuwachs bei kommunalen Kindertageseinrichtungen setzte sich weiter fort: Ende Juni 2025 waren dort 298 000 Personen beschäftigt und damit 7 500 oder 2,6 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs ist damit geringer als in den fünf Jahren zuvor, in denen es einen starken Zuwachs von durchschnittlich 11 500 Erzieherinnen und Erzieher pro Jahr gab. Langfristig betrachtet hat sich deren Zahl von 2010 bis 2025 fast verdoppelt (+96 % oder +4,6 % durchschnittlich pro Jahr).
Mehr Personal an Hochschulen
Das Personal an Hochschulen einschließlich Hochschulkliniken stieg binnen Jahresfrist um 13 900 Personen oder 2,2 %. Insgesamt waren Ende Juni 2025 im Hochschulbereich 651 300 Personen beschäftigt und damit 39 % mehr als 15 Jahre zuvor.
Technik
ifo Präsident warnt vor existenzieller Abhängigkeit bei Künstlicher Intelligenz
München 19.06.2026
– Nach Ansicht von ifo Präsident Clemens Fuest bedroht die Abhängigkeit von amerikanischen KI-Unternehmen Europas Wirtschaft existenziell. „Die Anordnung der US-Regierung, ausländischen Staatsangehörigen den Zugang zu den neuesten Modellen von Anthropic zu verwehren, zeigt erneut die Verwundbarkeit Europas. Hier sind kritische Sektoren wie Forschung, Industrie und Verteidigung betroffen, die Folgen solcher Abschaltungen können dramatisch sein.“
Europa kontrolliere nur einen Bruchteil der globalen KI-Infrastruktur, sei aber ein bedeutender Anwender. Während die USA etwa 75 Prozent der weltweiten Hochleistungs-Rechenkapazität für moderne KI beherrschen und China rund 15 Prozent, liege Europa mit weniger als 5 Prozent weit zurück.
Um dieser existenziellen Bedrohung entgegenzuwirken, sind laut Fuest drei zentrale Aufgaben für Europa von höchster Dringlichkeit. Erstens müsse der Ausbau von Rechenzentren, Chipfabriken und Energieinfrastrukturen massiv beschleunigt und gefördert werden, Genehmigungsverfahren wären drastisch zu verkürzen. Zweitens sei es nötig, dafür schnell mehr Energie bereitzustellen, was die Reaktivierung stillgelegter Kraftwerke nötig machen könnte. Drittens bräuchte es eine kohärente EU-Strategie für den Ausbau der europäischen KI-Kapazitäten, verbunden mit einer Entschlackung bisheriger Regulierungen wie dem EU AI Act.
„Die KI-Revolution ist vermutlich ähnlich folgenreich wie die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts, sie schreitet nur deutlich schneller voran. Wenn die nationalen Regierungen und die EU nicht sofort entschlossen handeln, wird Europa aus dieser Revolution als großer Verlierer hervorgehen,“ sagt Fuest.
Politik
ifo Institut: Fracking könnte Gasversorgung in Deutschland verbessern – aber nicht kurzfristig
München 17.06.2026
– Fracking kann die Versorgung mit Erdgas in Deutschland in einem begrenzten Umfang stärken. Es wird aber weder aktuelle Engpässe schnell beheben noch Gaspreise spürbar senken. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die im ifo Schnelldienst erschienen ist. „Das Potenzial deutscher Schiefergasvorkommen wird zwar als groß eingeschätzt, jedoch wären nach Experteneinschätzungen Hunderte von Bohrungen notwendig, um diese Ressource zu nutzen“, sagt Karen Pittel, Leiterin des ifo Zentrums für Energie, Klima und Ressourcen. „Der Aufbau einer Fracking-Industrie, die entsprechende Mengen fördern könnte, würde sich über mehrere Jahre hinziehen.“
Das Fördervolumen durch Fracking entspricht mit etwa 5 bis 10 Milliarden Kubikmetern pro Jahr rund 6 bis 12 Prozent des deutschen Gasverbrauchs von 2025. Aktuell liegt der Eigenanteil bei 4,2 Prozent. Allerdings ist es unsicher, ob Fracking in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich wäre oder ob der Staat die Förderung langfristig unterstützen müsste.. „Die zusätzlichen Fördermengen aus Deutschland sind im globalen Vergleich klein und würden die Preise auf dem Weltmarkt kaum beeinflussen. Hinzu kommt, dass in den USA, Kanada und in weiteren Ländern erhebliche neue Förderkapazitäten für 2027 angekündigt sind, die das Angebot erhöhen werden. Damit sinken auch die Chancen auf dauerhaft wettbewerbsfähige Produktion“, sagt Koautor Cyril Stephanos von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech).
Die Umweltrisiken durch Fracking bewerten die Forschenden hingegen als gering, wenn Deutschland hohe Standards durchsetzt. Vor diesem Hintergrund sprechen sie sich dafür aus, Probebohrungen zuzulassen, um dadurch weitere Daten zu den tatsächlichen Förderkosten und Umweltwirkungen zu gewinnen. Dafür müsste jedoch das Fracking-Verbot in Deutschland aufgehoben werden, was auf starke gesellschaftliche Widerstände stoßen könnte.
Die Studie basiert auf Ergebnissen von ESYS – Energiesysteme der Zukunft, der gemeinsamen Initiative von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften, sowie der Expertenkommission Fracking. Die Autorinnen und Autoren kombinieren diese Quellen zu einer qualitativen Bewertung, die Chancen, Risiken und Unsicherheiten von Fracking in Deutschland gegenüberstellt und politische Handlungsoptionen aufzeigt.
Politik
Besonderheiten des ostdeutschen Arbeitsmarktes
Berlin 16.06.2026
– Der demografische Druck in Ostdeutschland ist aufgrund der Alterung besonders hoch, der Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt kommt daher besondere Bedeutung zu. Dies gilt für Personen mit und ohne Migrationsgeschichte gleichermaßen. Das betont die Bundesregierung in einer Antwort (21/6381) auf eine Kleine Anfrage (21/5433) der Fraktion Die Linke.
Die Regierung schreibt weiter, dass insbesondere die Chancen in den prosperierenden Zentren genutzt werden sollten, damit auch die umliegenden lokalen Arbeitsmärkte davon profitieren. Hingegen sei der Handlungsbedarf in strukturschwachen ländlichen Gebieten abseits von prosperierenden Städten deutlich größer, damit sich dort regionale Ungleichheiten nicht weiter verstärken. Dies gelte aber auch für strukturschwache ländliche Regionen in Westdeutschland.
Weiteren Handlungsbedarf sieht die Regierung unter anderem bei Langzeitarbeitslosen und Personen ohne schulischen oder beruflichen Abschluss, da diese das höchste Arbeitslosigkeitsrisiko beziehungsweise die geringsten Chancen für eine Beschäftigungsaufnahme aufweisen würden. „Regionen sind dann zukunftsfähig und attraktiv für qualifizierte Zuwanderung aus dem In- und Ausland, wenn ansässige Firmen in Digitalisierung und technologische Innovationen, aber auch in Aus- und Weiterbildung investieren“, heißt es in der Antwort.
Berlin
Pioneering Tech for Freedom
Berlin 17.06.2026
Deep Tech Berlin Agenda, Wirtschaftsssenatorin Franziska Giffey, sagte: Die Deep Technologie Agenda ist Berlins strategische Antwort auf veränderte Rahmenbedingungen und neue innovationspolitische Hausforderungen.
Der Senat beschließt Bundesratsinitiative zur Verschärfung des Waffenrechts: Innenssenatorin Iris Spanger erklärte: Berlin verzeichnet einen deutlichen Anstieg von Straftaten unter Verwendung von Schusswaffen gegenüber dem Vorjahr 2025.

Fotos: © PWO
Berlin
„BerlinPay“ endet mit positiver Bilanz
Berlin 17.06.2026
Am Wochenende ist das Pilotprojekt „BerlinPay“ nach vier Wochen erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 14. Mai bis zum 14. Juni verband die Initiative von visitBerlin nachhaltiges Engagement mit besonderen Berlin-Erlebnissen. Erste Ergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit bei Teilnehmenden, Partnern und Medien. BerlinPay erreichte eine Teilnehmerzahl im vierstelligen Bereich. Das Angebot stieß bei Berliner:innen wie Gästen der Stadt auf positive Resonanz.
„Die vergangenen vier Wochen haben gezeigt, dass unsere Gäste wie Berlinerinnen und Berliner Freude daran hatten, Berlin auf und am Wasser neu zu entdecken und dabei gleichzeitig etwas Gutes für die Stadt zu tun. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und unseren touristischen Partnern, die dieses Projekt möglich gemacht haben“, sagtSabine Wendt, Geschäftsführerin von visitBerlin. „Die gute Resonanz bestärkt uns in dem Wunsch, BerlinPay künftig weiterzuentwickeln.“
Unter dem Motto „Tu Gutes für Gutes“ boten rund 40 Berliner Unternehmen und Initiativen ein Programm rund um nachhaltigen Wassertourismus an. Wer sich bei Aktionen wie Bäumegießen, einer klimafreundlichen Anreise, der Teilnahme an Workshops rund um Wasser, Umwelt und Nachhaltigkeit oder Müllsammeln engagierte, erhielt als Dankeschön besondere Erlebnisse oder Goodies. Besonders gefragt waren Angebote wie Clean-up-Kajaktouren sowie Mitmachaktionen auf oder am Wasser. Einige Veranstaltungen waren frühzeitig ausgebucht oder wurden aufgrund der hohen Nachfrage um zusätzliche Termine erweitert. Besonders gut angenommen wurden u.a. die Angebote von Kayak Berlin Tours, Reederei Fangrot und dem Van Loon Restaurantschiff. Neben Gästen aus dem In- und Ausland nutzten auch viele Berliner:innen die Angebote.
Die ersten Ergebnisse der gerade angelaufenen Evaluierung zeigen eine hohe Zufriedenheit unter den Teilnehmenden. Alle Befragten bewerteten die Aktion positiv, neun von zehn würden erneut an BerlinPay teilnehmen. Drei Viertel gaben an, durch ihre Teilnahme etwas Neues gelernt zu haben. Besonders geschätzt wurde die Möglichkeit, Berlin aus neuen Perspektiven zu entdecken und gleichzeitig aktiv einen Beitrag für die Stadt zu leisten. So lobte ein Teilnehmer den „besonderen, anderen Blick auf Berlin vom Wasser aus“. Eine weitere Teilnehmerin bezeichnete BerlinPay als „super Weg, um Berlin gemeinsam schöner zu gestalten“.
Positive Rückmeldungen auch aus der Tourismusbranche
Beteiligte Partner ziehen ebenfalls eine erste positive Bilanz. Mehrere berichten von ausgebuchten Angeboten, guter Nachfrage und engagierten Teilnehmenden. „Sehr zufrieden“, bilanziert der Kanu-Touren-Anbieter Canoa Berlin. Die Initiative a tip:tap bezeichnet BerlinPay als „eine schöne Aktion, um Leute zu motivieren, sich für Nachhaltigkeit zu interessieren“. Die Rückmeldungen zeigen das Potenzial des Projekts.
Internationale Aufmerksamkeit
BerlinPay sorgte weit über Berlin hinaus für Aufmerksamkeit. Medien aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien berichteten über das Berliner Pilotprojekt. Die britische Zeitung The Telegraph reiste eigens nach Berlin, um über BerlinPay zu berichten und zog ein positives Fazit: „Was BerlinPay angeht, hoffe ich sehr, dass das Projekt nach dieser Testphase fortgesetzt wird und dass andere Städte nachziehen. Die Idee ist verblüffend gut: gut organisiert, für alle Seiten gewinnbringend, dabei einfach zugänglich und unterhaltsam. Eine Form von unkompliziertem Freiwilligentourismus.“ Auch internationale Korrespondent:innen aus Spanien, Frankreich und Südamerika nahmen an Angeboten teil und erlebten das Konzept vor Ort. Die Medien beschrieben BerlinPay als innovativen Ansatz für nachhaltigen Tourismus. So schrieb Le Figaro mit AFP: „Das Ziel ist ein Umdenken: Auch Berlin versucht nun, umweltbewusste Touristen zu belohnen.“ Der Independent stellte heraus, dass Berlin „nachhaltiges Verhalten von Gästen belohnt“. The Times beschrieb BerlinPay als Modell für verantwortungsvollen Tourismus an den Berliner Gewässern.
Inspiriert wurde BerlinPay von der Initiative CopenPay aus Kopenhagen. Gemeinsam mit Berliner Partnern entwickelte visitBerlin das Konzept weiter und passte es für die deutsche Hauptstadt an. Ziel des Projekts ist es, nachhaltiges Verhalten sichtbar zu machen und Menschen dazu zu motivieren, aktiv zum Erhalt und zur Lebensqualität ihres Reiseziels beizutragen. Inzwischen wird es in Kopenhagen dauerhaft durchgeführt. Die Ergebnisse des Berliner Pilotprojekts, das gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie 40 Partnern umgesetzt wurde, werden derzeit ausgewertet und daraufhin geprüft, wie das Konzept weiterentwickelt und im Jahr 2027 fortgeführt werden kann.
© visitBerlin, Foto: Joerg Jasper
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