Wirtschaft
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Februar 2025
Berlin 13.2.2025
Die deutsche Wirtschaftsleistung fiel zum Jahresende 2024 mit einem BIP-Rückgang um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal schwächer aus als zunächst gemeldet. Aktuelle Frühindikatoren zeigen eine leichte Aufhellung, wobei sich die Zweiteilung zwischen positiv tendierendem Dienstleistungssektor und rezessiver Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe fortzusetzen scheint. Vor dem Hintergrund der anhaltend schwachen binnen- und außenwirtschaftlichen Nachfrage, der gestiegenen innen- und geopolitischen Risiken, insbesondere mit Blick auf die US-Handelspolitik, und der daraus gedämpften Konsum- und Investitionsstimmung ist eine spürbare wirtschaftliche Belebung zu Jahresbeginn noch nicht erkennbar.
Ø Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erhöhten sich im Dezember gegenüber dem Vormonat zwar um 6,9 % spürbar; bereinigt um Großaufträge stiegen sie um 2,2 %. Im vierten Quartal insgesamt blieben die Ordereingänge im Verarbeitenden Gewerbe unverändert. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ging zum Jahresende 2024 um 2,4 % im Dezember gegenüber dem Vormonat zurück. Maßgeblich hierfür war eine sinkende Industrieproduktion. Das Baugewerbe stagnierte, während der Energiesektor leicht expandierte. Im vierten Quartal insgesamt tendierte die Produktion im Produzierenden Gewerbe mit -0,9 % unverändert rückläufig. Angesichts der Stimmungsindikatoren von ifo und S&P Global, die nach wie vor ein niedriges Niveau anzeigen, zeichnet sich bei der Industriekonjunktur noch keine Trendwende zu Jahresbeginn ab.
Ø Die realen Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,6 % gesunken, im vierten Quartal war insgesamt aber ein Plus von 0,6 % zu verzeichnen. Neuzulassungen von Pkw sind im Januar sowohl gegenüber dem Vormonat mit -5,5 % als auch dem Vorjahresmonat mit -2,8 % rückläufig. Sorgen um Arbeitsplatzsicherheit und anhaltende geopolitische Unsicherheiten stehen einer spürbaren Erholung des Konsumklimas weiter entgegen.
Ø Der deutliche Anstieg der Verbraucherpreise zum Jahresende 2024 setzte sich im Januar nicht fort. Die Inflationsrate ging im Januar um 0,3 Prozentpunkte auf +2,3 % zurück. Maßgeblich hierfür waren ein deutlich abgeschwächter Preisanstieg bei Nahrungsmitteln (+0,8 %) sowie der anhaltende Rückgang der Energiepreise (-1,6 %). Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) ging deutlich um 0,4 Prozentpunkte auf 2,9 % zurück. Hier spielt der geringere Preisdruck bei Dienstleistungen eine Rolle.
Ø Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter vergleichsweise robust, leidet aber zunehmend unter der schwachen Konjunkturentwicklung. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Dezember zwar noch leicht an, gleichzeitig erhöhte sich im Januar jedoch auch die registrierte Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung. Die Zahl der Kurzarbeitenden lag im November deutlich höher als im Vorjahresmonat. Die Frühindikatoren lassen zum Jahresanfang 2025 noch keine spürbare Erholung am Arbeitsmarkt erwarten.
Ø Der IWH-Insolvenztrend weist für Januar mit 1.342 Insolvenzen einen gegenüber dem Vormonat nahezu unveränderten Wert aus, bewegt sich aber weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Zahl der von Insolvenz betroffenen Beschäftigten bewegt sich im historischen Vergleich auf einem deutlich erhöhten Niveau.
Verhaltene wirtschaftliche Dynamik zu Jahresbeginn
Im vierten Quartal hat sich die Wirtschaftsleistung mit einem Rückgang um 0,2 % im Vergleich zum Vorquartal stärker abgeschwächt als zuvor vom Statistischen Bundesamt mitgeteilt. Damit ist die deutsche Wirtschaft etwas schwächer in das neue Jahr gestartet als zunächst angenommen.
Aktuelle Frühindikatoren zeigen eine leichte Aufhellung zu Jahresbeginn an, wobei sich die in der Vergangenheit zu beobachtende Zweiteilung zwischen Industrie und Dienstleistungen weiter abzeichnet. So hat sich die Stimmung der Unternehmen in Deutschland im Januar laut ifo Geschäftsklimaindex zwar leicht verbessert; dabei waren allerdings vor allem Unternehmen im Dienstleistungssektor und im Handel zufriedener mit den laufenden Geschäften. Im Verarbeitenden Gewerbe hat die Skepsis der Unternehmen mit Blick auf die kommenden Monate das Geschäftsklima dagegen erneut gedämpft. Ursächlich dafür dürften neben der schwachen Auftragslage nicht zuletzt die erhöhten Risiken angesichts der angedrohten US-Zölle sein. Dagegen überraschte der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe im Januar mit einem deutlichen Anstieg, wobei er mit 45 Punkten weiterhin deutlich unter der Expansionsgrenze verbleibt.
Die industrielle Schwäche spiegelt sich in dem deutlichen Rückgang der Industrieproduktion im Dezember, der insbesondere auf Rückgänge in den Bereichen Automobilindustrie, Chemie und Maschinenbau zurückzuführen war. Angesichts der weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen und anhaltender binnen- und außenwirtschaftlicher Unsicherheiten ist nicht mit einer raschen Erholung des verarbeitenden Gewerbes zu rechnen. Darauf deutet auch die Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen als Frühindikator für die Industrieproduktion hin, die im Januar gegenüber Dezember saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % gesunken ist.
Damit dürfte es der deutschen Wirtschaft auch zu Jahresbeginn schwerfallen, sich aus der anhaltenden Stagnation zu lösen. Eine schwache binnen- und außenwirtschaftliche Nachfragesituation, eine erhöhte politische Unsicherheit und schwach ausgelastete Kapazitäten belasten Produktion und Investitionen. Zudem dürfte die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie die Exportentwicklung weiterhin dämpfen. Auch beim privaten Konsum zeigen aktuelle Indikatoren wie das GfK-Konsumklima oder die ifo Geschäftserwartungen trotz der gestiegenen Löhne nur eine verhaltene Entwicklung zu Jahresbeginn an. Dabei dürften Sorgen bezüglich der Arbeitsplatzsicherheit sowie die innenpolitischen Unsicherheiten mit Blick auf die vorgezogene Bundestagswahl die Erholung des Konsumklimas bremsen. Zudem stellt die seitens der neuen US-Regierung angekündigte Verschärfung des globalen Zollregimes ein Abwärtsrisiko für die Konjunktur dar.
WELTWIRTSCHAFT mit wenig schwung
Die weltweite Produktion von Industriegütern entwickelt sich nach wie vor verhalten. Im November wurde sie saisonbereinigt um 0,3 % gegenüber dem Vormonat ausgeweitet und lag damit um 1,8 % über dem Wert des Vorjahres. Für die Jahreswende sendeten Frühindikatoren für die globale Industrieproduktion gemischte, aber zuletzt etwas positivere Signale. Der Stimmungsindikator von S&P Global hat sich im Januar zwar um ‑0,8 Punkte auf 51,8 Punkte verringert, verbleibt damit aber oberhalb der Expansionsschwelle. Ursächlich hierfür war in erster Linie der Rückgang im Dienstleistungsbereich um 1,6 Punkte auf 52,2 Punkte. Der Index für die Industrie verbesserte sich dagegen und lag mit 50,1 Punkten zum Jahresanfang wieder leicht über der Wachstumsschwelle. Auch der SENTIX-Index, der die Stimmung unter Finanzinvestoren mit Blick auf die Weltkonjunktur widerspiegelt, ist im Februar gestiegen. Sowohl die Erwartungen als auch die Lage verbesserten sich.
Der weltweite Güterhandel hat sich im November im Vormonatsvergleich um 0,4 % erhöht. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt er aktuell mit 3,6 % im Plus. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index hat sich dagegen im Dezember weiter schwach entwickelt und ist von 124,1 auf 123,0 Punkte gesunken. Während sich die Aktivität in den chinesischen Häfen erhöhte, ist sie in den europäischen Häfen zurückgegangen.
SCHWACHES EXPORTJAHR 2024 TROTZ KLEINEM ENDSPURT ZUM JAHRESENDE
Nachdem die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen bereits im November um saison- und kalenderbereinigt 2,0 % gegenüber dem Vormonat angestiegen waren, erhöhten sie sich im Dezember mit +2,2 % erneut. Im Gesamtjahr 2024 gingen die Exporte trotz des kleinen Endspurts zum Jahresende allerdings das zweite Jahr in Folge zurück. Gegenüber 2023 verringerten sie sich um 0,2 %, insbesondere, weil die Nachfrage nach deutschen Waren aus wichtigen Absatzmärkten wie den EU-Ländern (-1,3 %) und China (-7,4 %) spürbar zurückging. Im Gegensatz dazu stiegen die Warenexporte in die USA um 2,4 % an. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen erhöhten sich im Dezember saison- und kalenderbereinigt ebenfalls, im Vormonatsvergleich um 1,1 %. Im Gesamtjahr 2024 blieben die Importe im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Insbesondere die Warenimporte aus den EU-Ländern und den Vereinigten Staaten gingen zurück (jeweils -3,3 %).
Der monatliche Handelsbilanzüberschuss weitete sich im Dezember infolge des stärkeren Anstiegs der Exporte von Waren und Dienstleistungen im Vergleich zu den Importen um 1,8 Mrd. Euro auf 10,6 Mrd. Euro aus. Im Gesamtjahr ging er allerdings leicht von 160,9 Mrd. Euro im Jahr 2023 auf 158,8 Mrd. Euro zurück.
Die Einfuhrpreise sind im Dezember saisonbereinigt mit +0,4 % ggü. dem Vormonat nicht mehr so stark wie im November gestiegen, die Ausfuhrpreise legten ebenfalls um 0,4 % zu. Preistreibend wirkten sowohl export- als auch importseitig, insbesondere Konsumgüter. Die Terms of Trade haben sich damit gegenüber dem Vormonat kaum verändert. In realer Betrachtung dürfte der Anstieg sowohl bei den Aus- als auch bei den Einfuhren etwas geringer ausgefallen sein.
Die Frühindikatoren senden nach wie vor zurückhaltende Signale. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im Dezember saisonbereinigt um 1,4 % gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem sie im Vormonat um 10,3 % eingebrochen waren. Ohne die stark schwankenden Großaufträge lagen die Auslandsbestellungen im Dezember um 1,8 % gegenüber dem Vormonat im Plus, nach -1,0 % im November. Die ausländische Nachfrage nach Konsumgütern nahm im Dezember um 10,4 % zu und glich damit den starken Einbruch im November nahezu wieder aus. Auch die Bestellungen von Vorleistungsgütern lagen im Dezember mit 2,2 % gegenüber dem Vormonat im Plus, während die Auslandsorder von Investitionsgütern im Dezember nach dem deutlichen Rückgang im Vormonat lediglich stagnierte. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lagen die Auslandsaufträge insgesamt mit -0,8 % leicht im Minus. Die ifo Exporterwartungen sind im Januar weiter gesunken (von -6,1 auf -7,3 Punkte). Insbesondere Kernbranchen der Industrie wie der Automobilsektor und die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie in geringerem Maße der Maschinenbau rechnen mit abnehmenden Exporten. Die Zollandrohungen der neuen US-Regierung drücken die Stimmung in der Exportwirtschaft. Die Aussichten für die deutschen Exporteure bleiben daher durchwachsen.
NOCH KEINE KONJUNKTURELLE ERHOLUNG IN DER INDUSTRIE IN SICHT
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Dezember nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,4 % gegenüber dem Vormonat gesunken. Im November war eine Zunahme um 1,3 % gemeldet worden. In der Industrie verringerte sich die Ausbringung spürbar um 3,3 %, im Baugewerbe ist sie konstant geblieben und im Bereich Energie hat sie um 1,1 % zugelegt.
In den einzelnen Wirtschaftszweigen innerhalb der Industrie war im Dezember eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten: Ein deutliches Minus meldeten die Hersteller von Kfz und Kfz-Teilen (-10,0 %). Rückgänge waren auch in den Bereichen Metallerzeugung und -bearbeitung (-4,6 %), Chemische Erzeugnisse (-3,2 %), Maschinenbau (-1,7 %) und elektrische Ausrüstungen (-1,4 %) zu verzeichnen. Bei der Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse ist es indes zu einem deutlichen Plus gekommen (+11,6 %). Auch Metallerzeugnisse wurden spürbar mehr produziert (+4,4 %). Im sonstigen Fahrzeugbau und bei DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen wurde die Ausbringung gleichermaßen ausgeweitet (jeweils +2,0 %). Im Gesamtjahr 2024 ging die Produktion im Produzierenden Gewerbe kalenderbereinigt um 4,5 % zurück. In der Industrie kam es dabei zu einem etwas stärkeren Rückgang von 4,9 % und im Baugewerbe und im Bereich Energie zu einer etwas leichteren Abnahme von jeweils 3,2 %.
Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind im Dezember gegenüber dem Vormonat um 6,9 % gestiegen, nachdem sie allerdings im November um 5,2 % zurückgegangen waren. Vor allem aus dem Inland gingen im Dezember mit einem Plus von 14,6 % spürbar mehr Bestellungen ein; die Auslandsorders legten um 1,4 % zu. Bereinigt um Großaufträge nahmen die Ordereingänge insgesamt gegenüber dem Vormonat um 2,2 % zu. Im Gesamtjahr 2024 gingen die Ordereingänge im Verarbeitenden Gewerbe kalenderbereinigt um 3,0 % zurück. Dabei ging die Inlandsnachfrage merklich stärker um 7,3 % zurück, während sich die Auslandsbestellungen um 1,9 % reduzierten.
Insgesamt zeichnet sich in der Industrie noch keine konjunkturelle Trendwende ab. Dafür sprechen auch die Stimmungsindikatoren von ifo und S&P Global, die für das Geschäftsklima in den Firmen weiterhin ein niedriges Niveau anzeigen.
Einzelhandelsumsatz zuletzt schwächer;
FRÜHINDIKATOREN SPRECHEN NICHT FÜR EINE TRENDWENDE
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im Dezember um 1,6 % gegenüber dem Vormonat gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel im Dezember ein reales Umsatzplus von 1,8 %. Der Handel mit Lebensmitteln ging im Dezember um 1,7 % zurück. Der Umsatz im Internet- und Versandhandel legte um 4,4 % zu, gegenüber dem Vorjahr ergab sich sogar ein Plus von 13,9 %. Neuzulassungen von Pkw insgesamt waren im Januar sowohl gegenüber dem Vormonat mit -5,5 % als auch gegenüber dem Vorjahresmonat mit -2,8 % deutlich rückläufig. Im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich nahmen die Neuzulassungen gegenüber der Vorperiode hingegen noch leicht um 1,4 % zu. Bei den PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen ergab sich im Januar im Vormonatsvergleich ein Anstieg um 1,3 %. In der Dreimonats-Betrachtung legten die Zahlen deutlich um 5,7 % zu. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen reduzierten sich im Januar um kräftige 8,9 %.
Die Stimmung der privaten Haushalte in Deutschland zeigte sich zuletzt uneindeutig. Lt. Prognose der GfK wird das Konsumklima im Februar um einen Zähler auf ‑22,4 Pt. sinken. Für Januar gibt das Marktforschungsinstitut hingegen eine Zunahme von 1,7 Zählern auf
-21,4 Pt. an. Negative Effekte hatten laut Institut am aktuellen Rand der Rückgang von Konjunktur- und Einkommenserwartungen sowie der Anschaffungsneigung bei gleichzeitig steigender Sparneigung. Das HDE-Konsumbarometer hellte sich im Februar dagegen wieder etwas auf, nachdem es im Januar auf den niedrigsten Wert seit einem Jahr gefallen war.
Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) ist im Januar um 2,3 Zähler auf ‑25,3 Punkte gesunken. Die Beurteilung der aktuellen Lage verschlechterte sich um einen Zähler auf ‑13,8 Punkte. Die Erwartungen sanken um 3,4 Zähler -36,1 Punkte. Gleichzeitig planen die Unternehmen des Einzelhandels laut ifo-Umfrage weiterhin Preiserhöhungen. So kletterten die Preiserwartungen zum vierten Mal in Folge auf nun 30,2 Punkte.
Nach der enttäuschenden Konsumentwicklung im zurückliegenden Jahr zeichnet sich mit Blick auf die Frühindikatoren keine Trendwende ab. Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit sowie anhaltende innen- und geopolitische Unsicherheiten stehen einer spürbaren Erholung des Konsumklimas weiterhin entgegen.
Inflationsrate sinkt zu Jahresbeginn
Nachdem sich der Druck auf die Verbraucherpreise zum Jahresende 2024 erhöht hatte, ließ er zu Jahresbeginn 2025 etwas nach. Die Inflationsrate, also der Anstieg des Niveaus der Verbraucherpreise, ist im Januar deutlich auf +2,3 % gesunken, nachdem die Rate im Dezember +2,6 % betragen hatte.
Der Rückgang der Inflationsrate zu Jahresbeginn ist zum einen auf einen nachlassenden Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln im Januar zurückzuführen. Die Preise lagen hier im Januar um 0,8 % höher als im Vorjahresmonat und nahmen damit spürbar weniger stark als im Dezember mit +2,0 % zu. Zum anderen waren die Energiepreise im Januar -1,6 % im Vorjahresvergleich weiterhin rückläufig. Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) fiel mit +2,9 % wieder merklich geringer aus als im Vormonat, als die Veränderungsrate +3,3 % betrug. Mit ausschlaggebend hierfür war ein etwas geringerer Preisdruck im Bereich der Dienstleistungen.
Die Preise auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen entwickeln sich insbesondere im Vorjahresvergleich weiterhin eher moderat und wirken insgesamt noch entlastend auf die Inflationsrate: Die Erzeugerpreise nahmen im Dezember 2024 im Vorjahresvergleich um 0,8 % zu, gegenüber November 2024 sind sie um 0,1 % gesunken. Die Einfuhrpreise legten im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,4 % zu und lagen damit um 2,0 % über ihrem Vorjahresniveau. Die Verkaufspreise im Großhandel blieben im Dezember sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahresmonat nahezu unverändert (jeweils +0,1 %).
An den Spotmärkten haben die Preise für Erdgas in den letzten Monaten spürbar angezogen und der TTF Base Load lag zuletzt etwas über 58 €/MWh und damit ca. 125 % über dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber dem Vormonat stieg er um knapp 30 %. Die Markterwartungen deuten darauf hin, dass sich die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen bei etwa 50 €/MWh bewegen dürften. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent lag mit rund 74 €/bl geringfügig unter dem Niveau des Vormonats und des Vorjahres.
In den nächsten Monaten dürfte die Inflationsrate über der 2 %-Marke bleiben, auch wegen administrativer Preisanhebungen zu Jahresbeginn wie der Erhöhung der CO2-Bepreisung, der Anhebung des Briefportos und der Verteuerung des Deutschlandtickets. Im weiteren Jahresverlauf sollten dann aber inflationsdämpfende Faktoren wie die moderate Preisentwicklung auf vorgelagerten Wirtschaftsstufen, die Nachwirkung der restriktiven Geldpolitik und niedrige Tarifabschlüsse wieder die Oberhand gewinnen. Die Bundesregierung rechnet in ihrer Jahresprojektion von Ende Januar für die Jahre 2025 und 2026 mit Inflationsraten von +2,2 % bzw. +1,9 %.
SCHWACHE KONJUNKTUR DÄMPFT DEN ARBEITSMARKTAUSBLICK
Auch zum Jahreswechsel entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiter verhalten. Die Arbeitslosigkeit lag im Januar zwar weiterhin knapp unter 3 Mio. Personen, ihr Anstieg fiel jedoch mit saisonbereinigt +11.000 Personen etwas stärker als saisonal üblich aus. Auch die Unterbeschäftigung legte mit 6.000 Personen abermals zu. Die Erwerbstätigkeit stieg im Dezember gegenüber November mit 4.000 Personen zwar noch leicht, die SV-pflichtige Beschäftigung nahm im November jedoch um 5.000 Personen ab. Die realisierte Kurzarbeit lag im November mit 293.000 unverändert deutlich höher als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig nahm die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit im Januar – ebenso wie im Dezember – weniger stark zu als in vorherigen Monaten.
Die Frühindikatoren lassen noch keine spürbare Erholung auf dem Arbeitsmarkt zu Beginn des neuen Jahres erwarten: Das IAB-Arbeitsmarktbarometer erreichte im Januar mit 99,2 Punkten seinen niedrigsten Wert außerhalb des Zeitraums der Corona-Pandemie. Insbesondere die erwartete Beschäftigungsentwicklung kühlte sich abermals merklich ab. So deutet auch das ifo Beschäftigungsbarometer mit 92,4 Punkten wiederholt auf eine spürbar restriktiver werdende Personalplanung in fast allen Branchen hin. Die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen liegen weiter auf historisch geringem Niveau, was angesichts des weiter abnehmenden gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots gemäß letzter IAB-Erhebung auf eine stetig sinkende Arbeitskräftenachfrage hindeutet. Trotz einer im historischen und internationalen Vergleich weiterhin robusten Lage am Arbeitsmarkt ist im neuen Jahr daher vorerst nicht mit einer Umkehr der schwachen Entwicklung am Arbeitsmarkt zu rechnen.
Unternehmensinsolvenzen pausieren auf hohem Niveau
Der im Vergleich mit der amtlichen Statistik methodisch enger gefasste und zeitlich aktuellere IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist für Januar mit 1.342 Insolvenzen den dritten Monat in Folge nahezu denselben Wert aus, lag aber zugleich 24,1 % höher als im Januar 2024 sowie 48,7 % über dem Januar-Mittelwert der Jahre 2016-2019. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten war mit 13.427 auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Das IWH erwartet auf Basis von Frühindikatoren im Februar und März keinen wesentlichen Anstieg der Insolvenzzahlen.
Wirtschaft
ifo Institut: Sparen in der Krankenkasse kann Kosten in anderen Versicherungen erhöhen
München 16.07.2026
– Kürzungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verringern dort die Ausgaben, können aber gleichzeitig Kosten in der Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung und bei privaten Haushalten erhöhen. Davor warnen Ökonomen des ifo Instituts und der Stanford University. „Wer nur auf den Beitragssatz der Krankenkasse schaut, sieht bestenfalls die halbe Rechnung“, sagt ifo-Forscher Roman Klimke. „Eine Leistungskürzung, die heute Geld spart, kann morgen Erwerbsfähigkeit kosten – und damit Beitragseinnahmen mindern sowie Ausgaben in anderen Teilen des Sozialstaats erhöhen.“
Dies sei jedoch kein Freibrief für höhere Gesundheitsausgaben um jeden Preis: Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen gehörten nicht in die solidarische Finanzierung. „Entscheidend sei, Kosten und Nutzen nicht allein innerhalb des GKV-Haushalts zu bewerten“, sagt Klimke.
Die Finanzkommission Gesundheit hat den kurzfristigen Handlungsbedarf in der GKV beziffert und teils weitreichende Einschnitte empfohlen. Klimke und seine Koautorin Maria Polyakova von der Stanford University plädieren dafür, Gesundheitspolitik zusätzlich an ihren langfristigen Wirkungen auf Erwerbsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und öffentliche Finanzen zu messen. Dieselbe Person sei im Lebensverlauf Patientin, Arbeitnehmerin, Beitragszahlerin und später möglicherweise pflegebedürftig – Einsparungen in einem System können deshalb Lasten in ein anderes verschieben. Schon heute berichte fast die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen von einer langanhaltenden Krankheit, was zeige, wie eng Gesundheit und Erwerbsfähigkeit im höheren Alter verknüpft sind. „Eine Reform, die Ausgaben nur von einer Kasse in die andere verlagert, ist keine echte Einsparung für den Sozialstaat“, sagt Klimke. Die Autoren schlagen deshalb eine Sozialstaatsrechnung vor, die Kosten und Nutzen über Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitsmarktinstitutionen hinweg bewertet.
Wirtschaft
Fairer Handel in Deutschland wächst
Berlin 15.07.2026
– Der Faire Handel in Deutschland wächst weiter: 2025 erreichte der Umsatz mit fair gehandelten Produkten einen neuen Höchstwert von 2,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 4,7 Prozent.
„Die wirtschaftliche Entwicklung des Fairen Handels stimmt uns optimistisch, doch unsere politische Bilanz fällt kritischer aus“, erklärte Andrea Fütterer, Vorstandsvorsitzende des Forum Fairer Handel in Berlin. „Denn faire Handelsbeziehungen und der Schutz von Umwelt- und Menschenrechten geraten in Deutschland und der EU zunehmend unter Druck, während die Machtkonzentration in vielen Lieferketten auf Kosten der Produzierenden wächst.“
„Die Einhaltung von Menschenrechten, Klimaschutz und ökonomischer Erfolg stehen nicht im Widerspruch. Das zeigt der Faire Handel, der 2025 weiter gewachsen ist“, sagte Matthias Fiedler, Geschäftsführer des Forum Fairer Handel (FFH) anlässlich der Jahrespressekonferenz. „Viele Verbraucher*innen entscheiden sich – etwa beim Einkauf von Kaffee oder Schokolade – bewusst für die faire Alternative.“ Das belegen auch höhere Absätze bei vielen Produkten aus Fairem Handel. Besonders positiv entwickelten sich die Weltläden im zurückliegenden Jahr: Der anhaltenden Kaufzurückhaltung im stationären Einzelhandel zum Trotz konnnten sie ihre Umsätze um 10 Prozent steigern. „Weltläden sind das Rückgrat des Fairen Handels“, so Fiedler. „Sie verkaufen nicht nur faire Produkte, sondern machen globale Zusammenhänge sichtbar und halten das Engagement für globale Gerechtigkeit vor Ort lebendig.“
Nachbarn sind besser
„Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Fairer Handel gesellschaftlich noch stärker verankert werden kann, wenn Politik, Handel und Zivilgesellschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffen“, so Matthias Fiedler. Während die Verbraucher*innen hierzulande 2025 durchschnittlich 33 Euro pro Kopf für faire Produkte ausgaben, waren es in der Schweiz rund 129 Euro allein für Fairtrade-gesiegelte Produkte. In Österreich lag der Wert bei 88 Euro, in Frankreich bei rund 47 Euro.
Rahmenbedingungen verändern
Seit 20 Jahren arbeitet das FFH daran, politische Rahmenbedingungen so zu verändern, dass die Prinzipien des Fairen Handels zum Standard werden. Anlässlich des Vereinsjubliäums fällt die Bilanz gemischt aus: „Wir haben in den letzten Jahren einiges erreicht. Aber derzeit stehen hart erkämpfte Nachhaltigkeitsregulierungen wie das Lieferkettengesetz, die Menschenrechte und Umwelt schützen sollen, in Deutschland und der EU mächtig unter Druck“, erklärte Andrea Fütterer. „Mit dem Abbau dieser Schutzstandards wird Verantwortungslosigkeit zum Wettbewerbsvorteil erhoben.“
„Zudem werden die strukturellen Bedingungen dieses Wettbewerbs immer ungleicher, da wenige große Konzerne über stetig steigende Marktmacht verfügen. Und mehr Marktmacht heißt immer auch weniger Verhandlungsmacht für Produzierende“, konstatierte Matthias Fiedler.
Das Forum Fairer Handel fordert deshalb, Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel und in globalen Lieferketten wirksam zu begrenzen, faire Preise gesetzlich zu verankern, Schutzstandards zu erhalten, und die Unternehmen zu stärken, die Verantwortung zum Kern ihres Geschäftsmodells machen.
Politik
Expertenkommission warnt weiter von Risiken des Frackings
Berlin 14.07.2026
– Die Expertenkommission Fracking stellt in ihrem Bericht 2026, der als Unterrichtung (21/7075) der Bundesregierung vorliegt, unverändert fest, dass es dem Deutschen Bundestag „obliegt“, auf der Grundlage des vorliegenden Standes von Wissenschaft und Technik die Angemessenheit des Verbots von Fracking in unkonventionellen Lagerstätten zu prüfen.
In dem Berichtszeitraum 2025/26 seien keine neuen Studien in Auftrag gegeben worden, und die wissenschaftlichen Erkenntnisse gälten „unverändert zum Bericht von 2021“. In dem Jahr war die Expertenkommission zu dem Ergebnis gekommen, dass die Risiken des Frackings in unkonventionellen Lagerstätten, also die Gewinnung von Erdgas in Schiefer-, Ton-, und Kohlegestein, vor allem Umweltrisiken mit sich bringen und aus diesem Grund in Deutschland seit 2017 verboten sind. Die Experten weisen in ihrem aktuellen Bericht darauf hin, dass diese Risiken weiter bestünden und eine erneute politische Diskussion darüber „transparent und abgewogen“ erfolgen sollte.
Der „Wissenschaftliche Beraterkreis Wirtschaftspolitik“, ein Gremium von Ökonomen, das das Bundeswirtschaftsministerium berät, war im Frühjahr in einem Gutachten, das infolge des Iran-Kriegs erstellt wurde, zu dem Ergebnis gekommen, Deutschland solle die Erdgasförderung durch Fracking „ernsthaft prüfen“ und „zulassen“. Auf diese Weise könnten Energieimporte aus dem Ausland reduziert werden.
Wirtschaft
Vorsichtige Stabilisierung in fragilem globalen Umfeld
Berlin 14.07.2026
– Die wirtschaftliche Ausgangslage und die Perspektiven hatten sich zur Jahresmitte im Zuge der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran Mitte Juni und den in der Folge deutlich gesunkenen Energiepreisen etwas aufgehellt. Die Ausbringung im Produzierenden Gewerbe legte im April und Mai leicht zu, wobei vor allem das Baugewerbe mit einem Aufholen der witterungsbedingen Einbrüche zu Jahresbeginn deutliche Impulse setzte. Aber auch die Industrieproduktion erhöhte sich in den vergangenen beiden Monaten etwas, wobei neben der Produktion von Kfz- und Kfz-Teilen auch energieintensive Bereiche wie die chemische Industrie sowie Metallerzeugnisse von einer höheren Nachfrage profitierten.
Vor dem Hintergrund der Verhandlungen zur Lösung des Irankonflikts haben sich die Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft im Juni aufgehellt: Sowohl das ifo-Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe als auch der S&P Einkaufsmanagerindex legten zu und deuten eine weitere leichte Erholung im Verlauf des zweiten Quartals an. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher blickten trotz der energiepreisbedingten Kaufkraftverluste und der anhaltend schwachen Arbeitsmarktentwicklung zuletzt wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Hierauf deuten der jüngste Anstieg des GfK-Konsumklimaindexes wie auch des HDE-Konsumbarometers hin, ausgehend allerdings von einem niedrigen Niveau. Insbesondere die Einkommens- und Konjunkturerwartungen haben sich demnach erholt. Diese Aufhellung spiegelt sich auch in einer Belebung der Einzelhandelsumsätze im Mai sowie des ifo-Geschäftsklimas im Handel für den Juni, bei dem sich sowohl die Lage- als auch die Erwartungskomponente verbesserten. Im Dienstleistungssektor insgesamt zeigen die jüngsten Produktionsdaten, die aktuell bis April vorliegen, nach dem Einbruch im März eine Stabilisierung an, die vor allem von den konsumnahen Bereichen ausgeht, während die Unternehmensdienstleistungen bis zuletzt leicht rückläufig waren.
Ungeachtet dieser etwas positiveren Indikatoren-Lage dürften die zwischenzeitlich deutlich gestiegenen und nach wie vor erhöhten Energie- und Rohstoffpreise über Kostensteigerungen in Unternehmen und Kaufkraftverlusten bei privaten Haushalten die Konjunktur zunächst noch dämpfen. Zudem bleibt die Unsicherheit mit Blick auf den weiteren Konfliktverlauf und die Entwicklung der Energiepreise angesichts der jüngsten militärischen Eskalation im Nahen Osten und der erneuten Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hoch. Die Industriekonjunktur dürfte in den kommenden Monaten im Spannungsfeld gestiegener Auftragseingänge und -bestände, insbesondere bei den energieintensiven Industrien sowie beim sonstigen Fahrzeugbau auf der einen Seite, und sich erst langsam auflösenden Lieferkettenproblemen, ungünstigeren Finanzierungsbedingungen sowie erhöhten Rohstoff- und Energiekosten auf der anderen Seite verbleiben. So lässt der deutliche Rückgang des LKW-Maut-Fahrleistungsindexes im Juni eine Abschwächung der Industrieproduktion am aktuellen Rand erwarten. Bei den privaten Haushalten dürften die bisherigen Kaufkraftverluste sowie die anhaltende geopolitische Unsicherheit die Konsumlaune zunächst noch dämpfen, was sich in einer anhaltend geringen Anschaffungsneigung widerspiegelt. Im weiteren Jahresverlauf dürften im Falle einer Verringerung der belastenden Auswirkungen der gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise die fiskalischen Impulse stärker zum Tragen kommen und die erwartete konjunkturelle Erholung unterstützen. Mittel- bis längerfristig zielen die jüngsten Reformvorhaben der Bundesregierung auf eine Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen, eine nachhaltige Stabilisierung der Sozialversicherungssysteme und damit auch auf eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ab.
AUSWIRKUNGEN DES NAHOST-KONFLIKTS AUF DIE WELTWIRTSCHAFT BISLANG ÜBERSCHAUBAR, KI-BOOM STÜTZT
Die weltweite Industrieproduktion ist im April mit saisonbereinigt – 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat erneut zurückgegangen und liegt damit im Vorjahresvergleich nur noch um 1,0 Prozent im Plus. Während die Ausbringungsmenge in den Industrieländern im Vergleich zum März 2026 mit + 0,5 Prozent moderat expandierte, wurde sie in den Schwellenländern um 1,5 Prozent gedrosselt. Die Frühindikatoren für die Weltkonjunktur signalisieren nach wie vor eine robuste Entwicklung der Weltwirtschaft: Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im Juni geringfügig um 0,1 auf 52,0 Punkte gestiegen und signalisiert damit nach wie vor moderates Wachstum. Während sich die Stimmung in der Industrie nach der positiven Entwicklung in den Vormonaten etwas eintrübte (-0,5 auf 52,2 Punkte), deutet der Index für den Dienstleistungssektor auf eine etwas höhere Dynamik als im Vormonat hin (+ 0,4 auf 51,7 Punkte). Die Konjunkturerwartungen der Finanzinvestoren haben sich im Juli weiter aufgehellt. Der Sentix-Index hat seine Erholung nach dem Stimmungseinbruch im März und April mit einem Anstieg von 8,0 auf 13,3 Punkte fortgesetzt. Damit befindet er sich wieder nahe den Werten vom Jahresbeginn 2026. Anlegerinnen und Anleger rechnen insbesondere in den USA und in Asien mit einer anziehenden Konjunktur, wohingegen die Erwartungen für den Euroraum weniger optimistisch ausfallen. Allerdings basieren diese Umfragewerte auf dem Zeitraum vor dem erneuten Aufflammen des Konflikts im Iran.
Der Welthandel stieg im April laut dem niederländischen Forschungsinstitut CPB saisonbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber März, der einen Rückgang um 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zu aufwies. Der Konflikt im Iran scheint im April vor allem den Handel in der Golfregion beeinträchtigt zu haben, während die globalen Auswirkungen wohl begrenzt blieben. Ein durch den Konflikt beschleunigter Lageraufbau sowie die starke Nachfrage nach KI-bezogener Elektronik dürften zudem gestützt haben.
Laut Schiffsbewegungs- und Containerumschlagsdaten dürfte sich der Welthandel im zweiten Quartal insgesamt verhalten entwickeln. Nach den vorangegangenen beiden Rückgängen hat sich der RWI/ISL-Containerumschlagindex im Mai mit einem leichten Anstieg um 0,3 auf 141,9 Zähler stabilisiert. Dies dürfte mit den allmählich nachlassenden Belastungen durch die bis Ende April stark gestiegenen Öl- und Erdgaspreise zusammenhängen. Während der Nordrange-Index etwas zulegte, ging die Aktivität in den chinesischen Häfen nach dem starken Jahresstart erneut zurück. Der Trade Monitor des Internationalen Währungsfonds deutet im Mai auf eine Stagnation des weltweiten Handelsvolumens hin.
Laut dem kürzlich veröffentlichten Update des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds hat die Weltwirtschaft den Energiepreis- und Angebotsschock durch den Konflikt im Iran bislang besser überstanden als zunächst befürchtet. Die Beeinträchtigungen durch die mehrmonatige Sperrung der Straße von Hormus dürften sich allerdings erst schrittweise vollumfänglich bemerkbar machen. Denn der Abbau von Lagerbeständen bei Rohstoffen hat vorübergehend für Entlastung angesichts der reduzierten Energielieferungen gesorgt. Gleichzeitig deuten Indikatoren für Lieferkettenstress oder Einkaufsmanagerindizes im Verarbeitenden Gewerbe auf eine nachlassende Dynamik hin. Unter der Annahme, dass sich der Konflikt im Nahen Osten beruhigt, geht der IWF in seiner Juli-Prognose von einer Wachstumsabschwächung der Weltwirtschaft auf 3,0 Prozent im laufenden Jahr und einer allmählichen Erholung mit einem BIP-Zuwachs von 3,4 Prozent im Jahr 2027 aus.
AUSSENHANDEL TROTZ RÜCKSETZER WEITER AUFWÄRTSGERICHTET
Nach der dynamischen Entwicklung im April kam es beim Außenhandel im Mai zu einem Rücksetzer. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen, saison- und kalenderbereinigt um 2,4 Prozent gegenüber April zurück, nachdem sie zuvor um 4,2 Prozent zugelegt hatten. Während die Warenausfuhren in die EU-Staaten nachgaben, nahmen die Lieferungen in die übrigen Länder zu. Insbesondere die Warenexporte in die USA stiegen kräftig und lagen damit nach einer ausgeprägten zollbedingten Schwächephase wieder auf dem Niveau von März 2025. Auch im Auslandsgeschäft mit China war ein spürbares Plus zu verzeichnen. Die Dienstleistungsexporte gingen gleichzeitig um 4,6 Prozent zurück. Insgesamt blieben die Exporte von Waren und Dienstleistungen aber weiterhin aufwärtsgerichtet: Seit Januar lagen sie um 3,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen im Mai um 4,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Sowohl aus der EU als auch aus den Drittstaaten wurden weniger Güter bezogen, allerdings legte der Handel mit den USA auch importseitig zu. Die Dienstleistungsimporte reduzierten sich im Vormonatsvergleich um 3,4 Prozent. Seit Jahresbeginn liegen die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen damit im Vorjahresvergleich insgesamt immer noch um 3,7 Prozent im Plus. Der monatliche Saldo im Handel mit Waren und Dienstleistungen nahm nach den vorangegangenen Rückgängen im Mai um 3,6 Milliarden Euro auf 12,0 Milliarden Euro zu.
Die Einfuhrpreise sind im Mai nach den vorangegangenen kräftigen Anstiegen saisonbereinigt mit + 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat weiter gestiegen. Während insbesondere importierte Vorleistungsgüter zum Preisaufrieb beitrugen, gaben die Importpreise für Mineralölerzeugnisse erstmals seit Dezember 2025 etwas nach. Die Ausfuhrpreise nahmen gleichzeitig um 0,5 Prozent zu. Damit verschlechterten sich die Terms of Trade den fünften Monat in Folge, von April auf Mai um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. In realer Rechnung dürften die Rückgänge der Ex- und Importe damit stärker ausgefallen sein.
Die Frühindikatoren zeichnen trotz des latent schwelenden Konflikts im Nahen Osten ein etwas günstigeres Bild als in den Vormonaten: Die ifo-Exporterwartungen haben sich im Juni um 2,0 auf – 3,7 Saldenpunkte etwas verbessert. Die Elektroindustrie rechnet mit einem deutlichen Anstieg ihrer Ausfuhren, die chemische Industrie erwartet nach dem vorangegangenen Einbruch nur noch ein leicht rückläufiges Auslandsgeschäft. Die Automobil- sowie die Metallbranche gehen dagegen weiterhin von rückläufigen Exporten aus.
Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im Mai nach dem Rücksetzer im Vormonat wieder um 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen und lagen damit im Dreimonatsvergleich um 4,9 Prozent im Plus. Während sich die Bestellungen aus dem Euroraum – v.a. dank Neuaufträgen im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus – wieder erholten (+ 11,2 Prozent), ging die Nachfrage aus den Drittstaaten zurück (- 3,2 Prozent).
Trotz des Energiepreisschocks bleibt die Dynamik des Welthandels robust, was vor allem auf die starke Handelsdynamik in Asien in Zusammenhang mit dem KI-Boom zurückzuführen ist. Durch den jüngsten Rückgang der Ölpreise dürfte der Welthandel zusätzlich gestützt werden. Allerdings ist die handels- und geopolitische Unsicherheit weiterhin hoch und ab Ende Juli stehen neue US-Zollanpassungen bevor. Insgesamt bleiben die Absatzperspektiven der deutschen Exporteure herausfordernd.
Auftragseingänge und Produktion stabilisieren sich
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Mai spürbar gestiegen. Preis-, kalender- und saisonbereinigt nahm sie gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent zu und liegt damit in kalenderbereinigter Betrachtung wieder auf Vorjahresniveau. Im Dreimonatsvergleich fällt die Ausbringung saisonbereinigt in etwa so hoch aus wie im Vorzeitraum (+ 0,1 Prozent). Die während der Wintermonate beobachteten Produktionsrückgänge konnten somit nahezu aufgeholt werden.
Nachdem im bisherigen Jahresverlauf vor allem von der Energie- und Bauproduktion positive Impulse ausgingen, legte im Mai auch die Industrieproduktion wieder zu (+ 0,8 Prozent). Allerdings fällt der Ausstoß von Industriegütern weiterhin deutlich geringer aus als im Vorjahr (- 1,0 Prozent). Das Baugewerbe verzeichnete gegenüber April ein Plus von 0,9 Prozent und bewegte sich damit um 3,5 Prozent oberhalb der Ausbringungsmenge des Vorjahres. Auch die Energieproduktion expandierte im Mai um 0,8 Prozent und liegt damit weiterhin deutlich über Vorjahresniveau (+ 2,0 Prozent).
Innerhalb der industriellen Gütergruppen meldeten die Produzenten von Investitions- (+ 1,3 Prozent) und Konsumgütern (+ 1,2 Prozent) eine deutlich höhere Ausbringung. Auch die Investitionsgüterproduktion wurde damit erstmals in diesem Jahr ausgeweitet, liegt jedoch weiter deutlich unter ihrem Vorjahreswert (- 2,7 Prozent). Dagegen war bei den Vorleistungsgütern ein leichter Rückgang gegenüber dem Vormonat zu beobachten (- 0,4 Prozent).
Der Produktionszuwachs im Baugewerbe wurde im Mai vom Ausbaugewerbe getragen (+ 1,5 Prozent). Der Hochbau entwickelte sich weiterhin schwach (- 0,4 Prozent), der Tiefbau erlebte nach kräftigen Anstiegen aufgrund witterungsbedingter Nachholeffekte in den beiden Vormonaten im Mai einen Rücksetzer (- 1,0 Prozent). Im Vorjahresvergleich liegt das Produktionsniveau im Tiefbau jedoch weiter deutlich im Plus (+ 4,6 Prozent).
Die einzelnen industriellen Wirtschaftszweige entwickelten sich unterschiedlich: Während die Produktion von Kfz und Kfz-Teilen (+ 3,6 Prozent), Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (+ 2,3 Prozent), Metallerzeugnissen (+ 1,7 Prozent) und chemischen Erzeugnissen (+ 1,0 Prozent) deutlich erhöht wurde, war die Ausbringung im sonstigen Fahrzeugbau (- 4,0 Prozent), von elektrischen Ausrüstungen (- 1,4 Prozent), pharmazeutischen Erzeugnissen (-0,5 Prozent) und im Maschinenbau (- 0,5 Prozent) rückläufig. In den energieintensiven Industrien setzte sich der seit Jahresbeginn beobachtete Aufwärtstrend mit abgeschwächter Dynamik fort (+ 0,2 Prozent) und übertraf das Vorjahresniveau damit um knapp drei Prozent.
Die im Mai leicht aufwärtsgerichtete Produktion im Produzierenden Gewerbe wird insbesondere von der positiven Entwicklung im Baugewerbe und im Energiebereich getragen. Die Industrieproduktion fasste zuletzt zwar wieder etwas Tritt, sie ist jedoch weiterhin von sektoralen Unterschieden und starken Schwankungen in den einzelnen Wirtschaftszweigen geprägt.
Auch die Auftragslage stabilisiert sich zur Mitte des zweiten Quartals: Im Mai legten die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,9 Prozent zu. Dabei waren erneut Großaufträge bedeutsam. Ohne deren Berücksichtigung betrug der Zuwachs 1,0 Prozent. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich nahm das gesamte Ordervolumen mit – 0,2 Prozent leicht ab. Im Vorjahresvergleich lag die Nachfrage im Mai arbeitstäglich bereinigt jedoch 6,2 Prozent höher.
Zuletzt nahm die Auslandsnachfrage (+ 2,2 Prozent) stärker zu als die Inlandsnachfrage (+ 1,3 Prozent). Dabei gingen allerdings weniger Bestellungen aus Drittländern ein (- 3,2 Prozent), während es zu einem starken Orderplus aus dem Euroraum kam (+ 11,2 Prozent).
Mit Blick auf die Gütergruppen konnten die Konsumgüter die stärksten Zugewinne verzeichnen (+ 2,4 Prozent), gefolgt von den Investitionsgütern (+ 2,2 Prozent). Die Bestellungen von Vorleistungsgütern erhöhte sich unterproportional (+ 1,4 Prozent). Im Dreimonatsvergleich ergaben sich für die Investitionsgüter allerdings Auftragseinbußen (- 4,2 Prozent). Dagegen blieb die Tendenz bei Konsum- und Vorleistungsgütern aufwärtsgerichtet (+ 4,9 Prozent bzw. + 5,4 Prozent).
In den einzelnen Wirtschaftszweigen konnte der Sonstige Fahrzeugbau eine massive Auftragssteigerung von 85,0 Prozent verzeichnen, zu dem Großaufträge aus dem In- und Ausland geführt haben. Deutlich voller wurden die Auftragsbücher auch in anderen gewichtigen Bereichen wie der Herstellung elektrischer Ausrüstungen (+ 5,7 Prozent), im Maschinenbau (+ 3,7 Prozent), in der Metallerzeugung (+ 3,4 Prozent) und bei der Produktion pharmazeutischer Erzeugnisse (+ 1,7 Prozent). Demgegenüber mussten einige Sektoren einen deutlichen Rückgang der Auftragseingänge hinnehmen. Dazu gehören Kfz- und Kfz-Teile (- 3,8 Prozent), Datenverarbeitungs-, elektrische und optische Geräte (- 7,8 Prozent) und Metallerzeugnisse (- 3,1 Prozent).
Nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten ist es nachfrageseitig zunächst zu Vorzieheffekten und im Anschluss zu einem erwartbaren Rückprall gekommen. Zuletzt scheinen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe jedoch ihrem Aufwärtstrend, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 eingesetzt hat, wieder fortzusetzen. Allerdings ist die Entwicklung aufgrund von Großaufträgen nach wie vor sehr volatil.
Auch wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zuletzt wieder angelaufen ist, bleibt die Unsicherheit bezüglich einer Normalisierung der Handelsaktivitäten hoch. Vor dem Hintergrund nach wie vor volatiler Auftragseingänge und anhaltender Lieferkettenstörungen ist eine breit angelegte Belebung der Industriekonjunktur derzeit noch nicht absehbar.
Erlöse im Einzelhandel im Plus; Frühindikatoren zeigen weiterhin Stabilisierung
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im Mai um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, was in etwa auch der Zunahme im Handel mit Lebensmitteln und Nicht-Lebensmitteln entsprach. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel im Mai ein Plus von 1,5 Prozent, getragen vor allem vom Wachstum im Handel mit Nicht-Lebensmitteln (+ 2,4 Prozent). Der Handel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) wirkte sich mit – 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr erneut dämpfend aus, während der Internet- und Versandhandel um 7,0 Prozent zulegte. Im Dreimonatsvergleich stagnierte der Gesamtumsatz im Einzelhandel, wobei die Umsätze mit Nicht-Lebensmitteln um 0,9 Prozent zunahmen und die mit Lebensmitteln um 1,0 Prozent sanken.
Der Umsatz im Gastgewerbe stagnierte im April preisbereinigt und legte nominal leicht um 0,4 Prozent zu. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergab sich ein deutlicher realer Rückgang von 7,1 Prozent und ein nominales Plus von 0,7 Prozent.
Die Dynamik der Neuzulassungen von Pkw insgesamt hat sich im Juni im Vormonatsvergleich mit 0,2 Prozent verlangsamt. Im Vorjahresvergleich legten sie hingegen kräftig zu und auch im Dreimonatsvergleich war weiterhin ein spürbarer Anstieg von 1,4 Prozent zu verzeichnen. Während sich der Absatz von Diesel- und Benzin-PKW deutlich reduzierte, nahm die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und Hybrid-PKW weiter kräftig zu. Vor dem Hintergrund des Förderprogramms für Elektroautos nahmen vor allem die Neuzulassungen durch Privatpersonen gegenüber Juni 2025 dynamisch zu (+ 28,6 Prozent). Im Vormonats- und Dreimonatsvergleich belief sich der Zuwachs auf 2,1 bzw. 11,1 Prozent. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen waren gegenüber dem Vorjahresmonat zwar deutlich im Plus (+ 9,3 Prozent), nahmen gegenüber Mai jedoch spürbar ab (- 0,9 Prozent) und stagnierten im Dreimonatsvergleich.
Nach starken Rückgängen infolge des Konflikts im Nahen Osten haben sich die Frühindikatoren für die Entwicklung des privaten Konsums mit Beginn der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung der Auseinandersetzung stabilisiert, zeichnen jedoch weiterhin ein gedämpftes Bild. Laut Prognose der GfK wird sich das Konsumklima im Juli mit einer geringfügigen Zunahme um 0,5 Zähler auf – 29,2 Punkte auf niedrigem Niveau stabilisieren. Positiv wirkte sich der leichte Anstieg der Einkommenserwartungen im Juni aus, die schon im Vormonat Mai deutlich zugelegt hatten. Die Anschaffungsneigung nahm minimal ab und die Sparneigung blieb unverändert. Das HDE-Konsumbarometer legte im Juni zwar erneut zu, liegt aber weiterhin deutlich unter Vorjahresniveau. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (einschließlich Kfz) stieg im Juni um 4,8 Zähler auf – 32,4 Punkte. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Geschäftslage wurden positiver beurteilt. Die Verkaufspreiserwartungen stiegen wieder an, blieben aber hinter dem Aprilwert zurück, der mit 44,5 Punkten einen 3-Jahres-Höchststand markiert hatte. Das Stimmungsbild hat sich am aktuellen Rand weiter stabilisiert, bleibt aber fragil und bewegt sich auf niedrigem Niveau. Trotz insgesamt leichter Aufhellung deuten die Frühindikatoren weiterhin keine Belebung der Konsumentwicklung im zweiten Quartal 2026 an. Insbesondere die schwierigen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran und die nach wie vor kritische Lage im Nahen Osten mit ihren weltwirtschaftlichen Folgen dürften dafür sorgen, dass die Unsicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher hoch bleibt. Positiv dürften sich dagegen die sinkenden Rohölpreise und die damit zusammenhängenden rückläufigen Inflationserwartungen auswirken.
Inflation LÄSST IM MAI ETWAS NACH
Die Inflationsrate ist im Juni auf + 2,3 % gefallen, nach + 2,6 % im Mai. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) blieb mit + 2,5 % unverändert erhöht. Energie- und Nahrungsmittelpreissteigerungen trugen nur geringfügig zur Inflation bei. Der Preisdruck dürfte nur langsam weiter nachlassen. Die ifo‑Preiserwartungen sind zuletzt deutlich gestiegen. Insbesondere im Einzelhandel, aber auch im Verarbeitenden Gewerbe und bei Dienstleistungen planen die Unternehmen laut ifo deutlich mehr Preissteigerungen als Preissenkungen. Zudem dürfte das Auslaufen der Energiesteuersatzsenkung auf Benzin und Diesel zu Ende Juni die Inflation wieder etwas antreiben.
Arbeitsmarkt startet schwunglos in die Sommermonate
Der Stellenabbau setzte sich zuletzt mit leicht verringerter Dynamik fort. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit hat im Mai um achttausend Personen abgenommen, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im April einen Rückgang um fünftausend Personen. Die Zahl der Arbeitslosen bewegte sich im Juni mit Minus eintausend in etwa auf Vormonatsniveau. Gleichzeitig nahm die Unterbeschäftigung um achttausend Personen ab. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit ging im April leicht zurück und liegt mit 133 Tausend Personen voraussichtlich um etwa 100 Tausend unterhalb ihres Vorjahresniveaus. Die Anzeigen von Kurzarbeit dürften nach vorläufigen Meldungen im Juni in etwa auf Vormonatsniveau verharren. Die Folgen des anhaltenden Konflikts in Nahen Osten machen sich damit auf dem Arbeitsmarkt bisher nicht unmittelbar bemerkbar.
Die Frühindikatoren am Arbeitsmarkt bleiben zu Beginn des dritten Quartals schwach. Insbesondere die Beschäftigungsaussichten im Handel und im Dienstleistungssektor haben sich abermals eingetrübt. Die Zahl der bei der Bundesagentur gemeldeten Stellen hat sich im Vorjahresvergleich zwar stabilisiert, die Zugänge an neuen Stellen fallen jedoch weiterhin sehr gering aus. Neben der schwachen Arbeitskräftenachfrage und hoher geopolitischer Unsicherheit prägen strukturelle Anpassungsprozesse infolge der zunehmenden Bedeutung künstlicher Intelligenz und den Folgen des demografischen Wandels die Arbeitsmarktentwicklung. Auch wenn sich die Dynamik von Beschäftigungsverlusten und Arbeitslosigkeit zuletzt verringert hat, deutet sich noch keine Verbesserung der Perspektiven am Arbeitsmarkt an.
Wirtschaft
ifo Institut: Europa droht seine Rohstoffziele zu verfehlen
München 14.07.2026
– Die Europäische Union (EU) läuft Gefahr, ihr selbst gestecktes Ziel zu verfehlen, bei kritischen Rohstoffen unabhängiger zu werden. Das ergab eine aktuelle Studie des ifo Instituts. Nur bei vier der 27 untersuchten kritischen Rohstoffe erreicht die EU mehr als fünf Prozent der weltweiten Förderung, bei neun liegt ihr Anteil bei null. „Europa sollte bereits heute stabile Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern aufgebaut haben und eigene Vorkommen systematisch erschließen, bisher gibt es aber kaum mehr als Absichtserklärungen und zu viele Unklarheiten“, sagt ifo-Forscherin Isabella Gourevich.
Die Abhängigkeit der EU von Importen ist vor allem in Zukunftsfeldern sehr hoch. Unverzichtbare und teils seltene Rohstoffe für Batterien, Halbleiter, erneuerbare Energien und Verteidigung muss Europa fast vollständig aus dem Ausland beziehen. Um die Versorgung zu vertretbaren Preisen zu sichern, muss laut Gourevich schnell gehandelt werden: „Die EU sollte ihre Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern jetzt durch konkrete Projekte und Finanzierungszusagen unterlegen, Ankündigungen reichen nicht mehr.“ Der Studie zufolge wäre es auch möglich, innerhalb der nächsten Jahre Kapazitäten für die Verarbeitung in EU-Ländern zu schaffen. Mittelfristig könne die EU auch einige der kritischen Rohstoffe selbst abbauen, es gibt laut der Studie eine ganze Reihe unerschlossener Vorkommen. „Auch hier muss die EU jetzt handeln, denn die Erschließung einer Mine dauert bis zu 18 Jahre“, sagt Gourevich. Doch dafür fehlt der Studie zufolge die Grundlage: Ob sich der Abbau bekannter Lagerstätten wirtschaftlich lohnt, ist weitgehend ungeklärt. Die europäische geologische Rohstoffdatenbank MIN4EU weist große Lücken auf. Detaillierte Lagerstätten- und Bergbaustandortdaten werden hier für Deutschland nur von Baden-Württemberg veröffentlicht.
Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau verschlechtert
München 13.07.2026
– Die Stimmung im Wohnungsbau hat sich weiter verschlechtert. Das Geschäftsklima sank im Juni von minus 29,5 auf minus 31,0 Punkte. Die Firmen beurteilen sowohl die aktuelle Lage als auch ihre Perspektive für die nächsten Monate schlechter. Ihre Erwartungen fielen auf den niedrigsten Stand seit März 2025. „Die Hoffnung auf eine schrittweise Erholung hat erneut einen Dämpfer erhalten“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Viele Unternehmen sehen derzeit keine Anzeichen für eine nachhaltige Belebung des Wohnungsbaus.“
Im operativen Geschäft bleibt der Druck hoch: Der Anteil der Unternehmen mit zu wenigen Aufträgen stieg von 42,2 auf 43,7 Prozent. Die Stornierungsquote lag mit 11,4 Prozent weiterhin auf erhöhtem Niveau. Die Sorgen um die Materialversorgung bleiben bestehen: 9,7 Prozent der Unternehmen berichteten erneut von Engpässen bei wichtigen Vorprodukten. „Die Unternehmen kämpfen trotz steigender Baugenehmigungen weiterhin mit einer schwachen Nachfrage“, so Wohlrabe. „Ein Rückgang der Stornierungen würde die fehlenden Neuaufträge nicht ausgleichen und deshalb keine Trendwende einleiten.“
Politik
Meilenstein für die Versorgungssicherheit: Kapazitätsmarkt sichert zukünftig die Stromversorgung ab
Berlin 10.07.2026
– Mit der heutigen Befassung des Bundesrats wurde der Entwurf des BMWE für ein Gesetz zur Sicherung der Versorgungssicherheit und zur Bereitstellung neuer Kapazitäten (StromVKG) final beschlossen. Gestern hatte bereits der Bundestag dem Gesetz zugestimmt. Das Gesetz schafft einen verlässlichen Rahmen für die Gewährleistung der Stromversorgungssicherheit in Deutschland und bildet die Grundlage für die ersten Ausschreibungen für neue, steuerbare Kapazitäten im September 2026. Für Marktakteure besteht nun Planungs- und Investitionssicherheit.
Bundesministerin Katherina Reiche: „Das StromVKG sichert die Versorgungssicherheit in Deutschland. Mit dem heutigen Beschluss im Bundestag gibt es nach jahrelanger Unsicherheit endlich einen klaren Fahrplan. Unternehmen in Deutschland können sich darauf verlassen, dass sie weiterhin zu jedem Zeitpunkt, auch wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, mit Strom versorgt sind. Energieunternehmen können investieren und die neuen Kraftwerke errichten, die uns den Kohleausstieg ermöglichen. Wir setzen mit dem StromVKG auf Markt, Wettbewerb und Technologieoffenheit. Die Weichen sind gestellt für die ersten Ausschreibungen im September 2026. So machen wir die Stromversorgung in Deutschland fit für die 2030er Jahre.“
Das Stromsystem in Deutschland steht ab Anfang der 2030er Jahre vor zunehmenden Herausforderungen. Das zeigen nationale und europäische Analysen zur Versorgungssicherheit.
Mit dem StromVKG wird ein Kapazitätsmarkt für das Jahr 2031 eingeführt. Er sorgt dafür, dass ausreichend Anlagen gebaut werden und betriebsbereit sind. Umgesetzt wird der Kapazitätsmarkt durch stufenweise Ausschreibungen für die Bereitstellung von steuerbaren Kapazitäten. Die Ausschreibungen stehen grundsätzlich allen Technologien offen, die die Ausschreibungsbedingungen erfüllen, zuverlässig steuerbare Leistung bereitstellen können und zur Sicherung der Stromversorgung beitragen.
Den ersten, substantiellen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten die Ausschreibungen über rund 10 Gigawatt (GW) sogenannter „Langzeitkapazitäten“. Diese Ausschreibungen werden bereits im September und Dezember 2026 durchgeführt. Bezuschlagt werden Anlagen, die in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum am Stück Strom bereitzustellen, um auch sogenannte „Dunkelflauten“ – also längere Phasen mit geringer Erzeugung aus Wind- und Sonnenenergie – abzusichern. Durch eine regionale Steuerung ist sichergestellt, dass neue Anlagen dort errichtet werden, wo sie für eine sichere und effiziente Versorgung und einen stabilen Netzbetrieb am meisten gebraucht werden. Auch werden europäische Wertschöpfungsketten gestärkt: Wesentliche Komponenten dieser Anlagen müssen in der EU oder einem Drittstaat gefertigt werden, mit dem die EU ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hat oder eine Zollunion bildet.
Weitere 2 GW werden im Mai 2027 ausgeschrieben. Bei diesen Ausschreibungen wird kein Langzeitkriterium angewendet.
Im Dezember 2027 und im Jahr 2029 folgen weitere Ausschreibungsrunden, die neben Kapazitäten wie z.B. Kraftwerken und Speichern auch flexible Nachfrager und Bestandsanlagen einschließen. Die Bundesnetzagentur wird die Ausschreibungsmengen für diese Ausschreibung auf Basis des jeweils aktuellen Versorgungssicherheitsmonitorings so berechnen, dass der vollständige Kapazitätsbedarf des Jahres 2031 gedeckt ist.
Das BMWE ist zuversichtlich, dass die Europäische Kommission die beihilferechtliche Genehmigung des StromVKG rechtzeitig vor dem ersten Ausschreibungstermin im September 2026 erteilen wird.
Zukünftige Bedarfe an steuerbaren Kapazitäten zur Sicherung der Stromversorgung ab 2032 werden über einen umfassenden Kapazitätsmarkt gedeckt werden. Es ist geplant, die entsprechenden Regelungen für diesen Kapazitätsmarkt im Jahr 2027 vorzulegen.
Wirtschaft
ifo Institut: Selbständige weniger pessimistisch
München 10.07.2026
– Das Geschäftsklima bei den Soloselbständigen und Kleinstunternehmen hat sich im Juni leicht verbessert, bleibt aber deutlich im Minus. Der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“ stieg von minus 27,7 Punkten im Mai auf minus 25,9 Punkte. Während die Selbständigen für die nächsten Monate weniger pessimistische Erwartungen haben, beurteilten sie ihre aktuelle Lage noch schlechter als im Vormonat. „Von einer Trendwende kann noch keine Rede sein“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. „Die Richtung stimmt, aber bis zu einer durchgreifenden Erholung ist es ein weiter Weg.“
Es gibt allerdings Unterschiede zwischen den selbständigen Berufsgruppen: Während die selbständigen Dienstleister ihre aktuelle Lage deutlich seltener negativ beurteilten, blickten sie pessimistischer auf die kommenden Monate. Die selbständigen Einzelhändler zeigten sich bei ihren Erwartungen weniger skeptisch. Ihre Bewertung der laufenden Geschäfte verschlechterte sich hingegen und erreichte einen Tiefstand.
Es wird für Selbständige zunehmend schwieriger, über Banken Zugang zu Krediten und anderen Finanzierungsmöglichkeiten zu erhalten. Im zweiten Quartal stieg der Anteil an Selbständigen mit Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen auf 44,8 Prozent, nach 34,6 Prozent. Auch in der Gesamtwirtschaft stieg der Anteil von 31,7 auf 40,1 Prozent. Die Kreditnachfrage blieb niedrig: Nur 9,3 Prozent der Soloselbständigen und Kleinstunternehmen sprachen mit Banken über Kredite. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich der Zugang zu Krediten für kleine Betriebe merklich erschwert hat, insbesondere für selbständige Einzelhändler“, sagt Demmelhuber. Im Einzelhandel stieg der Anteil Selbständiger mit Schwierigkeiten beim Zugang zu Krediten von 41,0 auf 59,1 Prozent. Zuletzt fragten mehr Einzelhändler Kredite nach, der Anteil stieg von 13,3 auf 14,8 Prozent.
Politik
Gebäudemodernisierungsgesetz: VKU begrüßt Nachbesserungen und fordert Korrekturen bei Biogas
Berlin 08.07.2026.
– Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) begrüßt die Einigung der Koalitionsfraktionen auf das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und die heutige Beschlussfassung im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Auch wenn der Bundestag noch nicht abschließend in dieser Woche entscheiden sollte, schaffe die Einigung wichtige Planungssicherheit für die kommunalen Unternehmen.
Inhaltlich begrüßt der VKU die Änderungen der Koalitionsfraktionen am Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Positiv bewertet der VKU die explizite Anerkennung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) als Erfüllungsoption sowie die stärkere Berücksichtigung von Energie, die aus Abfällen, Klärschlämmen sowie Deponie- und Grubengasen gewonnen wird.
„Die Hinweise aus der kommunalen Praxis wurden gehört. Die Aufnahme der Kraft-Wärme-Kopplung ins Gesetz ist eine gute Nachricht. Sie hilft dabei, die Menschen sicher und zu fairen Preisen mit Wärme zu versorgen und gleichzeitig das Klima zu schützen. Dafür ist nun aber dringend die Überarbeitung und Verlängerung des KWKG nötig, denn ohne die wird es zurzeit keine neuen KWK-Projekte geben“, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing.
Positiv bewertet der VKU die Anpassung bei der Bilanzierung von Siedlungsabfällen. Dazu zählen unter anderem Abfälle, Klärschlämme sowie Deponie- und Grubengase. Für diese Energieträger bleibt der Primärenergiefaktor bei null. Energie aus Abfällen und anderen Reststoffen gilt damit weiterhin als klimafreundlich. Das stärkt die Nutzung dieser lokalen Energieträger für die Wärmeversorgung. „Die neue Regel stärkt Investitionen in klimafreundliche Wärme und vermeidet Fehlanreize bei der Bewertung dieser Energieträger“, so Liebing.
Weiterhin kritisch sieht der VKU die geplante Ausweisung des individuellen Preisbestandteils für Biogas. „Beim Hochlauf erneuerbarer und klimaneutraler Gase brauchen wir praxistaugliche Lösungen. Die vorgesehene Regel geht in die falsche Richtung. Statt individueller Preisbestandteile würde ein einheitlicher Referenzwert ausreichen. Ein Ausweisen einzelner Beschaffungsbestandteile ist ein Novum in der Energiebranche und verursacht massiven zusätzlichen Aufwand. Die Bundesregierung kündigt Bürokratieabbau an und beschließt wenige Tage später neue Nachweis- und Dokumentationspflichten ohne Mehrwert für Unternehmen und Kunden. Das passt nicht zusammen“, so Liebing.
Der VKU sieht auch bei den Vorgaben für öffentliche Gebäude Nachbesserungsbedarf: Der Verband kritisiert, dass die neuen Vorgaben zur energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude auch für Wasserwerke und Kläranlagen gelten sollen. Diese Anlagen gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen rund um die Uhr betrieben werden. „Bei Wasserwerken und Kläranlagen entfällt nur ein sehr geringer Teil des Energieverbrauchs auf die Gebäude selbst. Der überwiegende Energiebedarf entsteht durch die technischen Anlagen und Prozesse der Daseinsvorsorge. Daher würden pauschale Sanierungspflichten für öffentliche Gebäude bei diesen Einrichtungen nur begrenzte Einspareffekte erzielen und wären unverhältnismäßig. „Wasserwerke und Kläranlagen sind keine Rathäuser. Sie gehören zur unverzichtbaren Daseinsvorsorge und müssen Tag und Nacht zuverlässig funktionieren. Pauschale Vorgaben für alle öffentlichen Gebäude werden ihrer besonderen Aufgabe nicht gerecht“, sagt Liebing.
In der Gesamtschau sagt Liebing: „Das Gebäudemodernisierungsgesetz gibt den Bürgerinnen und Bürgern wieder mehr Spielraum bei der Wahl ihrer Heizung. Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben. Nicht jede Kommune kann gleichzeitig Gas-, Wärme- und Stromnetze ausbauen, finanzieren und Infrastrukturen parallel vorhalten. Das wäre teuer und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Damit stößt auch Technologieoffenheit an ihre Grenzen. Umso wichtiger wird die kommunale Wärmeplanung. Sie schafft Orientierung und zeigt, welche Lösungen vor Ort langfristig sinnvoll und bezahlbar sind.“
Politik
Kooperation zwischen Kultur und Industie
Berlin 08.07.2026
– Der Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, hat sich heute im Bundeskanzleramt mit Vertreterinnen und Vertretern der Musikbranche auf eine gemeinsame Zukunftsagenda für das Musikstreaming geeinigt. Dafür kamen zum ersten Mal alle Interessengruppen der Musikindustrie gemeinsam zusammen: Musiker wie Herbert Grönemeyer, Manager von Streamingdiensten und Musiklabels sowie Vertreter von Branchenverbänden.
Die Zukunftsagenda sieht vor, dass unter Moderation des BKM gemeinsam mit der Branche in einer neu eingerichteten „Taskforce Musikstreaming“ an passgenauen Lösungen für aktuelle Herausforderungen gearbeitet wird. Hierzu gehört auch, einen „Vergütungskompass“ einzuführen, der erstmals belastbare Daten für den deutschen Markt bereitstellt.
Kulturstaatsminister Weimer sagte vorab: „Kreatives Schaffen muss sich auch im digitalen Zeitalter lohnen. Die heute vereinbarte Zukunftsagenda eröffnet einen strukturierten Dialog über die Zukunft des Musikstreamings – insbesondere im Hinblick auf Fragen der Vergütung und Transparenz. Sie bildet den Auftakt für einen gemeinsamen Prozess, an dem zentrale Akteure des Musikstreaming-Marktes beteiligt sind. Wir werden diesen Prozess aktiv moderieren und darauf hinwirken, dass unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und tragfähige Lösungen entwickelt werden.“
Musikstreaming ist heute eine der zentralen Formen des Musikkonsums und gleichzeitig wichtiger Wachstumstreiber der Musikbranche. Mit seiner wirtschaftlichen Bedeutung rücken auch Fragen der Vergütung und Transparenz zunehmend in den Fokus.
Vor diesem Hintergrund lud Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Musikbranche zwischen Dezember 2025 und März 2026 zu drei Gesprächsrunden ein. Nun kommen erstmalig alle Akteurinnen und Akteure der Musikindustrie zusammen – darunter Künstlerinnen und Künstler, Vertreterinnen und Vertreter von Streamingdiensten, Labels und aus der Branche.
Zu den Teilnehmenden des Gipfels heute gehörten namhafte Künstlerinnen und Künstler wie Herbert Grönemeyer, Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg von Glasperlenspiel, sowie der Rapper, Songwriter und Produzent Maeckes. Ebenfalls vertreten waren PRO MUSIK e.V., die Akademie für populäre Musik und die Fair Share Initiative. Neben der GEMA, dem Verband Deutscher Musikverlage e.V. sowie dem Bundesverband Musikindustrie und dem Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Universal Music Group, von Sony Music sowie von dem Label BMG an dem Termin teil. Vertreterinnen und Vertreter von Amazon Music, Apple Music, Spotify und YouTube Music sowie vom Branchenverband Bitkom waren ebenfalls anwesend, ebenso vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).
Wirtschaft
ifo Institut: Bundesregierung verschiebt Investitionen zwischen Schuldentöpfen
München 08.07.2026
– Die Bundesregierung verschiebt Investitionen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) in die schuldenfinanzierte Bereichsausnahme für Verteidigung. Ohne diese Verschiebung würde die Zehn-Prozent-Quote für Investitionen nicht erreicht. Das ergab eine erste Analyse des vom Bundesfinanzministerium vorgelegten Bundeshaushalts. „Insgesamt tut der Staat zu wenig, um die nicht prioritären Ausgaben zurückzufahren und die Investitionen zu erhöhen, deshalb muss er sich mit Buchungstricks behelfen“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest.
Besonders augenfällig sind für die ifo-Experten 4,2 Milliarden Euro, die bisher für den Bau von Straßen und Schienen aus dem SVIK kommen sollten. Diese Mittel werden nun im Etat des Verteidigungsministeriums gebucht. Damit fallen sie laut dem Haushaltsentwurf unter die „Bereichsausnahme Verteidigung” und können so ebenfalls über Schulden finanziert werden. Es handle sich um „verteidigungsrelevante Verkehrsinvestitionen“, lautet die Begründung. Ohne die Umbuchung läge die Investitionsquote des Bundeshaushalts nach Berechnungen des ifo Instituts bei 9,9 Prozent und nicht – wie im Haushaltsentwurf ausgewiesen – bei 10,8 Prozent. „Nur dank dieser Maßnahmen wird im Kernhaushalt die vorgeschriebene Investitionsquote von 10 Prozent erreicht“, sagt ifo-Forscherin Emilie Höslinger. „Wir sehen also weitere Verschiebungen, welche die insgesamt zu geringen Infrastrukturinvestitionen kaschieren sollen.“ Die Quote von 10 Prozent Investitionen im Kernhaushalt ist nötig, damit die Neuverschuldung im Rahmen des SVIK rechtmäßig ist.
ifo-Fachreferent Max Lay weist darauf hin, dass solche Verschiebungen durch die von der Bundesregierung festgelegte Berechnung der Investitionsquote möglich sind.
Bei der Investitionsquote stehen eigentlich im Zähler alle Investitionen, im Nenner alle Ausgaben des Kernhaushalts. „Die Investitionen der Bereichsausnahme hingegen vergrößern zwar die Investitionssumme im Zähler. Sie werden aber nicht in die Summe aller Ausgaben im Nenner mit einberechnet. Somit fällt die Quote höher aus und das Ziel wird leichter erreicht.“
Politik
Der deutsche Haushalt für 2027
Berlin 06.07.2026
– Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gab bekannt, dass die Bundesregierung in ihrer Sitzung am Montag seinem Vorschlag zugestimmt hat, rund 555,4 Milliarden Euro für den Haushalt 2027 bereitzustellen, also 5,9% mehr als Bundeshaushal 2026.
Klingbeil erklärte dazu:
„Wir wollen, dass Deutschland ein starkes und krisenfestes Land ist. Deshalb sind die Prioritäten im Bundeshaushalt für 2027 klar: Wir wollen unser Land wieder auf Wachstumskurs bringen und die Arbeitsplätze der Zukunft in Deutschland schaffen. Wir investieren in Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft ebenso wie in Sicherheit und Resilienz.
Foto: © PWO
Politik
Bundesregierung vergibt Chance auf Wachstum und Zukunftsinvestitionen
Berlin 06.07.2026.
– Aus Sicht des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) ist der heute vom Kabinett beschlossene Bundeshaushalt 2027 insbesondere mit Blick auf den Klima- und Transformationsfonds (KTF) eine absolute Enttäuschung und eine vertane Chance für Wachstum und mehr Zukunftsinvestitionen. Trotz zusätzlicher Verschuldung auf Rekordhöhe (über 200 Milliarden Euro Neuverschuldung) setzt der Bund aus Sicht der Kommunalwirtschaft zu wenige Impulse für die Modernisierung der Infrastruktur und die Transformation zur Klimaneutralität. Positiv bewertet der VKU hingegen die vorgesehene Stärkung der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW).
Dazu erklärt VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing:
„Der Bundeshaushalt 2027 bleibt hinter den Erwartungen an einen echten Zukunftshaushalt zurück. Die Bundesregierung eröffnet sich mit 200 Milliarden Euro neuen Schulden erhebliche finanzielle Spielräume, nutzt diese aufgrund unzureichender Konsolidierungsbemühungen aber nicht konsequent für Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Das ist eine vertane Chance.“
Besonders kritisch sieht der VKU die geplante teilweise Umleitung von Einnahmen aus dem europäischen Emissionshandel (ETS) in den Kernhaushalt. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen bereits 2027 rund 2,7 Milliarden Euro aus den ETS-Erlösen nicht mehr dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), sondern dem Bundeshaushalt zufließen. Gleichzeitig sollen Kürzungen bei Förderprogrammen die Einnahmeausfälle des KTF ausgleichen. Da helfen auch nicht die 10 Milliarden Euro Zuführung aus dem Sondervermögen: Angesichts der Zuführung aus dem KTF an den Kernhaushalt für konsumtive Zwecke werden auch diese Mittel zweckentfremdet.
„Der Klima- und Transformationsfonds wurde geschaffen, um zusätzliche Investitionen in Klimaschutz, Transformation und Infrastruktur zu finanzieren. Wenn nun Mittel aus dem Emissionshandel zum Stopfen von Haushaltslöchern im Kernhaushalt genutzt werden, verliert der KTF seine eigentliche Funktion. So verkommt der KTF zum Verschiebebahnhof für mangelnde Einsparbemühungen im Kernhaushalt.“, so Liebing. Er kritisiert: „Dies sind Taschenspielertricks, mit denen die Grundsätze von Haushaltsklarheit und Haushaltswahrheit ausgehebelt werden”.
Es klinge wie Hohn, wenn es in der Kabinettsvorlage heißt, mit den Kürzungen der Investitionsmittel im KTF werde „dessen finanzielle Situation verbessert”. Stattdessen verkommt er zum Steinbruch für mangelnde Konsolidierungsbemühungen.
Aus Sicht des VKU sendet die Bundesregierung damit das falsche Signal. Die Herausforderungen bei der Transformation der Energie- und Wärmesysteme, beim Ausbau der Wasser- und Abwasserinfrastruktur sowie bei der Stärkung der Resilienz kritischer Infrastrukturen erforderten langfristig verlässliche und zusätzliche Investitionen. Hierfür wird der KTF gebraucht. Die Bundesregierung bekunde diese Notwendigkeiten selbst, werde dem aber mit diesem Haushaltsentwurf nicht gerecht.
„Deutschland braucht mehr Investitionen in die Infrastruktur von morgen und nicht die Umwidmung von Mitteln innerhalb des Bundeshaushalts hin zu konsumtiven Zwecken. Wer Klimaneutralität, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit erreichen will, muss die verfügbaren Finanzmittel konsequent auf diese Ziele ausrichten.“
Sorge bereitet dem VKU zudem die Ankündigung pauschaler Kürzungen bei bislang noch nicht gebundenen Fördermitteln im KTF. Gerade für kommunale Unternehmen seien stabile und verlässliche Förderbedingungen entscheidend, um milliardenschwere Infrastrukturvorhaben anzustoßen und umzusetzen. Genau das sollte der KTF auch liefern.
Positiv bewertet der Verband dagegen den vorgesehenen Aufwuchs der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW).
„Die Stärkung der BEW ist ein wichtiges Signal für die Wärmewende, das wir konsequent eingefordert haben. Kommunale Unternehmen investieren bundesweit in den Um- und Ausbau klimaneutraler Wärmenetze. Diese Investitionen brauchen langfristige Planungssicherheit und eine verlässliche Förderkulisse, der Aufwuchs der Fördermittel kommt daher zur rechten Zeit und muss 2028 ff. weitergehen.“
Die Umlage der EU-Plastikabgabe auf die Hersteller wird vom VKU grundsätzlich begrüßt. Bei der konkreten Ausgestaltung ist jedoch darauf zu achten, dass tatsächlich eine Lenkungswirkung für weniger Verpackungsmüll und mehr Recycling entsteht.
Abschließend fordert der VKU den Bundestag auf, die parlamentarischen Beratungen zu nutzen, um die investiven Schwerpunkte des Haushalts nachzuschärfen.
Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftsklima im Straßenbau leicht verbessert
München 06.07.2026
– Das Geschäftsklima im Straßenbau hat sich im Juni etwas verbessert. Der Indikator stieg auf minus 25,5 Punkte, nach minus 27,6 Punkten im Mai. Sowohl die Indikatoren der Geschäftslage (minus 14,5) als auch der Erwartungen (minus 35,9) stiegen leicht. Doch insgesamt verschlechtert sich die Geschäftslage seit Ende 2018. Im Juni gaben die Unternehmen an, dass ihre Auftragsbestände etwa 3,4 Monate ausreichen. Im langfristigen Durchschnitt sind es 2,6 Monate. „Zwar berichteten die Straßenbaufirmen von hohen Auftragsbeständen, allerdings werden die Vorhaben anscheinend nur schleppend umgesetzt, und gleichzeitig gehen immer weniger neue Aufträge ein“, sagt ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. „Eigentlich hätte das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zusätzlichen Spielraum eröffnen sollen.“
Der Straßenbau ist stark von der Nachfrage der öffentlichen Hand abhängig und der Sanierungsbedarf ist hoch. „Dennoch erhält der Straßenbau im Sondervermögen nicht die nötige Priorität. Viele Kommunen stehen unter erheblichem Haushaltsdruck. Auch beim Bund konkurriert der Straßenbau mit anderen Aufgabenfeldern“, erklärt Dorffmeister. Hinzu kommt, dass die Preise für Straßenbauleistungen in den vergangenen fünf Jahren um 46 Prozent gestiegen sind. Und im zweiten Quartal 2026 berichteten die Firmen wieder deutlich öfter von steigenden Preisen. „Der Irankrieg wird die reale Entwicklung des ohnehin schwächelnden Straßenbaus weiter bremsen“, sagt Dorffmeister.
Im Juni meldeten die Unternehmen im Straßenbau, dass ihre Auftragsbestände für etwa 3,4 Monate ausreichen. Im langfristigen Durchschnitt sind es 2,6 Monate. „Doch seit 2022 sind sie mit ihrer Auftragslage zunehmend unzufrieden: Viele Aufträge kommen nicht in Gang und Neuaufträge fehlen“, erklärt Dorffmeister. Im Juni klagten 38,7 Prozent über Auftragsmangel – im langfristigen Mittel waren es 26 Prozent. Materialmangel spielt dagegen kaum eine Rolle: nur 4,5 Prozent der Unternehmen fehlten wichtige Baustoffe, nach 5,9 Prozent im Mai.
Wirtschaft
ifo Institut: Stimmung in der Autoindustrie verschlechtert
München 03.07.2026
– Der Geschäftsklimaindex in der Automobilindustrie fiel im Juni auf minus 21,4 Punkte, von minus 20,7* Punkten im Mai. Die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich schlechter als im Vormonat. Gleichzeitig sehen sie den kommenden Monaten deutlich weniger pessimistisch entgegen. „Der Zick-Zack-Kurs, den wir bei der Stimmung in der Automobilbranche über das Jahr 2025 beobachten konnten, hat sich dieses Jahr bislang fortgesetzt“, sagt ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.
Eine Stütze für die Branche liefert das Geschäft im Inland und im europäischen Ausland. Im Inland ist die Elektromobilität nach wie vor Wachstumstreiber, erklärt Wölfl. Von Januar bis Mai 2026 wurden in Deutschland knapp 284.000 rein batteriebetriebene Fahrzeuge (BEV) neu zugelassen. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit liegt der durchschnittliche Anteil von BEVs an allen Neuzulassungen bislang im Jahr 2026 bei knapp 24 Prozent. Von Januar bis Mai 2025 lag er bei 17 Prozent.
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