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Wirtschaft

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Februar 2025

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Berlin 13.2.2025 

Die deutsche Wirtschaftsleistung fiel zum Jahresende 2024 mit einem BIP-Rückgang um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal schwächer aus als zunächst gemeldet. Aktuelle Frühindikatoren zeigen eine leichte Aufhellung, wobei sich die Zweiteilung zwischen positiv tendierendem Dienstleistungssektor und rezessiver Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe fortzusetzen scheint. Vor dem Hintergrund der anhaltend schwachen binnen- und außenwirtschaftlichen Nachfrage, der gestiegenen innen- und geopolitischen Risiken, insbesondere mit Blick auf die US-Handelspolitik, und der daraus gedämpften Konsum- und Investitionsstimmung ist eine spürbare wirtschaftliche Belebung zu Jahresbeginn noch nicht erkennbar.

Ø  Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe erhöhten sich im Dezember gegenüber dem Vormonat zwar um 6,9 % spürbar; bereinigt um Großaufträge stiegen sie um 2,2 %. Im vierten Quartal insgesamt blieben die Ordereingänge im Verarbeitenden Gewerbe unverändert. Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ging zum Jahresende 2024 um 2,4 % im Dezember gegenüber dem Vormonat zurück. Maßgeblich hierfür war eine sinkende Industrieproduktion. Das Baugewerbe stagnierte, während der Energiesektor leicht expandierte. Im vierten Quartal insgesamt tendierte die Produktion im Produzierenden Gewerbe mit -0,9 % unverändert rückläufig. Angesichts der Stimmungsindikatoren von ifo und S&P Global, die nach wie vor ein niedriges Niveau anzeigen, zeichnet sich bei der Industriekonjunktur noch keine Trendwende zu Jahresbeginn ab.

Ø  Die realen Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im Dezember gegenüber dem Vormonat um 1,6 % gesunken, im vierten Quartal war insgesamt aber ein Plus von 0,6 % zu verzeichnen. Neuzulassungen von Pkw sind im Januar sowohl gegenüber dem Vormonat mit -5,5 % als auch dem Vorjahresmonat mit -2,8 % rückläufig. Sorgen um Arbeitsplatzsicherheit und anhaltende geopolitische Unsicherheiten stehen einer spürbaren Erholung des Konsumklimas weiter entgegen.

Ø  Der deutliche Anstieg der Verbraucherpreise zum Jahresende 2024 setzte sich im Januar nicht fort. Die Inflationsrate ging im Januar um 0,3 Prozentpunkte auf +2,3 % zurück. Maßgeblich hierfür waren ein deutlich abgeschwächter Preisanstieg bei Nahrungsmitteln (+0,8 %) sowie der anhaltende Rückgang der Energiepreise (-1,6 %). Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) ging deutlich um 0,4 Prozentpunkte auf 2,9 % zurück. Hier spielt der geringere Preisdruck bei Dienstleistungen eine Rolle.

Ø  Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter vergleichsweise robust, leidet aber zunehmend unter der schwachen Konjunkturentwicklung. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Dezember zwar noch leicht an, gleichzeitig erhöhte sich im Januar jedoch auch die registrierte Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung. Die Zahl der Kurzarbeitenden lag im November deutlich höher als im Vorjahresmonat. Die Frühindikatoren lassen zum Jahresanfang 2025 noch keine spürbare Erholung am Arbeitsmarkt erwarten.

Ø  Der IWH-Insolvenztrend weist für Januar mit 1.342 Insolvenzen einen gegenüber dem Vormonat nahezu unveränderten Wert aus, bewegt sich aber weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Zahl der von Insolvenz betroffenen Beschäftigten bewegt sich im historischen Vergleich auf einem deutlich erhöhten Niveau.

Verhaltene wirtschaftliche Dynamik zu Jahresbeginn

Im vierten Quartal hat sich die Wirtschaftsleistung mit einem Rückgang um 0,2 % im Vergleich zum Vorquartal stärker abgeschwächt als zuvor vom Statistischen Bundesamt mitgeteilt. Damit ist die deutsche Wirtschaft etwas schwächer in das neue Jahr gestartet als zunächst angenommen.

Aktuelle Frühindikatoren zeigen eine leichte Aufhellung zu Jahresbeginn an, wobei sich die in der Vergangenheit zu beobachtende Zweiteilung zwischen Industrie und Dienstleistungen weiter abzeichnet. So hat sich die Stimmung der Unternehmen in Deutschland im Januar laut ifo Geschäftsklimaindex zwar leicht verbessert; dabei waren allerdings vor allem Unternehmen im Dienstleistungssektor und im Handel zufriedener mit den laufenden Geschäften. Im Verarbeitenden Gewerbe hat die Skepsis der Unternehmen mit Blick auf die kommenden Monate das Geschäftsklima dagegen erneut gedämpft. Ursächlich dafür dürften neben der schwachen Auftragslage nicht zuletzt die erhöhten Risiken angesichts der angedrohten US-Zölle sein. Dagegen überraschte der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe im Januar mit einem deutlichen Anstieg, wobei er mit 45 Punkten weiterhin deutlich unter der Expansionsgrenze verbleibt.

Die industrielle Schwäche spiegelt sich in dem deutlichen Rückgang der Industrieproduktion im Dezember, der insbesondere auf Rückgänge in den Bereichen Automobilindustrie, Chemie und Maschinenbau zurückzuführen war. Angesichts der weiterhin schwierigen Rahmenbedingungen und anhaltender binnen- und außenwirtschaftlicher Unsicherheiten ist nicht mit einer raschen Erholung des verarbeitenden Gewerbes zu rechnen. Darauf deutet auch die Fahrleistung mautpflichtiger Lastkraftwagen als Frühindikator für die Industrieproduktion hin, die im Januar gegenüber Dezember saison- und kalenderbereinigt um 0,1 % gesunken ist.

Damit dürfte es der deutschen Wirtschaft auch zu Jahresbeginn schwerfallen, sich aus der anhaltenden Stagnation zu lösen. Eine schwache binnen- und außenwirtschaftliche Nachfragesituation, eine erhöhte politische Unsicherheit und schwach ausgelastete Kapazitäten belasten Produktion und Investitionen. Zudem dürfte die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie die Exportentwicklung weiterhin dämpfen. Auch beim privaten Konsum zeigen aktuelle Indikatoren wie das GfK-Konsumklima oder die ifo Geschäftserwartungen trotz der gestiegenen Löhne nur eine verhaltene Entwicklung zu Jahresbeginn an. Dabei dürften Sorgen bezüglich der Arbeitsplatzsicherheit sowie die innenpolitischen Unsicherheiten mit Blick auf die vorgezogene Bundestagswahl die Erholung des Konsumklimas bremsen. Zudem stellt die seitens der neuen US-Regierung angekündigte Verschärfung des globalen Zollregimes ein Abwärtsrisiko für die Konjunktur dar.

WELTWIRTSCHAFT mit wenig schwung

Die weltweite Produktion von Industriegütern entwickelt sich nach wie vor verhalten. Im November wurde sie saisonbereinigt um 0,3 % gegenüber dem Vormonat ausgeweitet und lag damit um 1,8 % über dem Wert des Vorjahres. Für die Jahreswende sendeten Frühindikatoren für die globale Industrieproduktion gemischte, aber zuletzt etwas positivere Signale. Der Stimmungsindikator von S&P Global hat sich im Januar zwar um ‑0,8 Punkte auf 51,8 Punkte verringert, verbleibt damit aber oberhalb der Expansionsschwelle. Ursächlich hierfür war in erster Linie der Rückgang im Dienstleistungsbereich um 1,6 Punkte auf 52,2 Punkte. Der Index für die Industrie verbesserte sich dagegen und lag mit 50,1 Punkten zum Jahresanfang wieder leicht über der Wachstumsschwelle. Auch der SENTIX-Index, der die Stimmung unter Finanzinvestoren mit Blick auf die Weltkonjunktur widerspiegelt, ist im Februar gestiegen. Sowohl die Erwartungen als auch die Lage verbesserten sich.

Der weltweite Güterhandel hat sich im November im Vormonatsvergleich um 0,4 % erhöht. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt er aktuell mit 3,6 % im Plus. Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index hat sich dagegen im Dezember weiter schwach entwickelt und ist von 124,1 auf 123,0 Punkte gesunken. Während sich die Aktivität in den chinesischen Häfen erhöhte, ist sie in den europäischen Häfen zurückgegangen.

SCHWACHES EXPORTJAHR 2024 TROTZ KLEINEM ENDSPURT ZUM JAHRESENDE

Nachdem die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen bereits im November um saison- und kalenderbereinigt 2,0 % gegenüber dem Vormonat angestiegen waren, erhöhten sie sich im Dezember mit +2,2 % erneut. Im Gesamtjahr 2024 gingen die Exporte trotz des kleinen Endspurts zum Jahresende allerdings das zweite Jahr in Folge zurück. Gegenüber 2023 verringerten sie sich um 0,2 %, insbesondere, weil die Nachfrage nach deutschen Waren aus wichtigen Absatzmärkten wie den EU-Ländern (-1,3 %) und China (-7,4 %) spürbar zurückging. Im Gegensatz dazu stiegen die Warenexporte in die USA um 2,4 % an. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen erhöhten sich im Dezember saison- und kalenderbereinigt ebenfalls, im Vormonatsvergleich um 1,1 %. Im Gesamtjahr 2024 blieben die Importe im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Insbesondere die Warenimporte aus den EU-Ländern und den Vereinigten Staaten gingen zurück (jeweils -3,3 %).

Der monatliche Handelsbilanzüberschuss weitete sich im Dezember infolge des stärkeren Anstiegs der Exporte von Waren und Dienstleistungen im Vergleich zu den Importen um 1,8 Mrd. Euro auf 10,6 Mrd. Euro aus. Im Gesamtjahr ging er allerdings leicht von 160,9 Mrd. Euro im Jahr 2023 auf 158,8 Mrd. Euro zurück.

Die Einfuhrpreise sind im Dezember saisonbereinigt mit +0,4 % ggü. dem Vormonat nicht mehr so stark wie im November gestiegen, die Ausfuhrpreise legten ebenfalls um 0,4 % zu. Preistreibend wirkten sowohl export- als auch importseitig, insbesondere Konsumgüter. Die Terms of Trade haben sich damit gegenüber dem Vormonat kaum verändert. In realer Betrachtung dürfte der Anstieg sowohl bei den Aus- als auch bei den Einfuhren etwas geringer ausgefallen sein.

Die Frühindikatoren senden nach wie vor zurückhaltende Signale. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im Dezember saisonbereinigt um 1,4 % gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem sie im Vormonat um 10,3 % eingebrochen waren. Ohne die stark schwankenden Großaufträge lagen die Auslandsbestellungen im Dezember um 1,8 % gegenüber dem Vormonat im Plus, nach -1,0 % im November. Die ausländische Nachfrage nach Konsumgütern nahm im Dezember um 10,4 % zu und glich damit den starken Einbruch im November nahezu wieder aus. Auch die Bestellungen von Vorleistungsgütern lagen im Dezember mit 2,2 % gegenüber dem Vormonat im Plus, während die Auslandsorder von Investitionsgütern im Dezember nach dem deutlichen Rückgang im Vormonat lediglich stagnierte. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich lagen die Auslandsaufträge insgesamt mit -0,8 % leicht im Minus. Die ifo Exporterwartungen sind im Januar weiter gesunken (von -6,1 auf -7,3 Punkte). Insbesondere Kernbranchen der Industrie wie der Automobilsektor und die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie in geringerem Maße der Maschinenbau rechnen mit abnehmenden Exporten. Die Zollandrohungen der neuen US-Regierung drücken die Stimmung in der Exportwirtschaft. Die Aussichten für die deutschen Exporteure bleiben daher durchwachsen.

NOCH KEINE KONJUNKTURELLE ERHOLUNG IN DER INDUSTRIE IN SICHT

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Dezember nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,4 % gegenüber dem Vormonat gesunken. Im November war eine Zunahme um 1,3 % gemeldet worden. In der Industrie verringerte sich die Ausbringung spürbar um 3,3 %, im Baugewerbe ist sie konstant geblieben und im Bereich Energie hat sie um 1,1 % zugelegt.

In den einzelnen Wirtschaftszweigen innerhalb der Industrie war im Dezember eine unterschiedliche Entwicklung zu beobachten: Ein deutliches Minus meldeten die Hersteller von Kfz und Kfz-Teilen (-10,0 %). Rückgänge waren auch in den Bereichen Metallerzeugung und -bearbeitung (-4,6 %), Chemische Erzeugnisse (-3,2 %), Maschinenbau (-1,7 %) und elektrische Ausrüstungen (-1,4 %) zu verzeichnen. Bei der Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse ist es indes zu einem deutlichen Plus gekommen (+11,6 %). Auch Metallerzeugnisse wurden spürbar mehr produziert (+4,4 %). Im sonstigen Fahrzeugbau und bei DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen wurde die Ausbringung gleichermaßen ausgeweitet (jeweils +2,0 %). Im Gesamtjahr 2024 ging die Produktion im Produzierenden Gewerbe kalenderbereinigt um 4,5 % zurück. In der Industrie kam es dabei zu einem etwas stärkeren Rückgang von 4,9 % und im Baugewerbe und im Bereich Energie zu einer etwas leichteren Abnahme von jeweils 3,2 %.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind im Dezember gegenüber dem Vormonat um 6,9 % gestiegen, nachdem sie allerdings im November um 5,2 % zurückgegangen waren. Vor allem aus dem Inland gingen im Dezember mit einem Plus von 14,6 % spürbar mehr Bestellungen ein; die Auslandsorders legten um 1,4 % zu. Bereinigt um Großaufträge nahmen die Ordereingänge insgesamt gegenüber dem Vormonat um 2,2 % zu. Im Gesamtjahr 2024 gingen die Ordereingänge im Verarbeitenden Gewerbe kalenderbereinigt um 3,0 % zurück. Dabei ging die Inlandsnachfrage merklich stärker um 7,3 % zurück, während sich die Auslandsbestellungen um 1,9 % reduzierten.

Insgesamt zeichnet sich in der Industrie noch keine konjunkturelle Trendwende ab. Dafür sprechen auch die Stimmungsindikatoren von ifo und S&P Global, die für das Geschäftsklima in den Firmen weiterhin ein niedriges Niveau anzeigen.

Einzelhandelsumsatz zuletzt schwächer;

FRÜHINDIKATOREN SPRECHEN NICHT FÜR EINE TRENDWENDE

Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im Dezember um 1,6 % gegenüber dem Vormonat gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel im Dezember ein reales Umsatzplus von 1,8 %. Der Handel mit Lebensmitteln ging im Dezember um 1,7 % zurück. Der Umsatz im Internet- und Versandhandel legte um 4,4 % zu, gegenüber dem Vorjahr ergab sich sogar ein Plus von 13,9 %. Neuzulassungen von Pkw insgesamt waren im Januar sowohl gegenüber dem Vormonat mit -5,5 % als auch gegenüber dem Vorjahresmonat mit -2,8 % deutlich rückläufig. Im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich nahmen die Neuzulassungen gegenüber der Vorperiode hingegen noch leicht um 1,4 % zu. Bei den PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen ergab sich im Januar im Vormonatsvergleich ein Anstieg um 1,3 %. In der Dreimonats-Betrachtung legten die Zahlen deutlich um 5,7 % zu. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen reduzierten sich im Januar um kräftige 8,9 %.

Die Stimmung der privaten Haushalte in Deutschland zeigte sich zuletzt uneindeutig. Lt. Prognose der GfK wird das Konsumklima im Februar um einen Zähler auf ‑22,4 Pt. sinken. Für Januar gibt das Marktforschungsinstitut hingegen eine Zunahme von 1,7 Zählern auf

-21,4 Pt. an. Negative Effekte hatten laut Institut am aktuellen Rand der Rückgang von Konjunktur- und Einkommenserwartungen sowie der Anschaffungsneigung bei gleichzeitig steigender Sparneigung. Das HDE-Konsumbarometer hellte sich im Februar dagegen wieder etwas auf, nachdem es im Januar auf den niedrigsten Wert seit einem Jahr gefallen war.

Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (inkl. Kfz) ist im Januar um 2,3 Zähler auf ‑25,3 Punkte gesunken. Die Beurteilung der aktuellen Lage verschlechterte sich um einen Zähler auf ‑13,8 Punkte. Die Erwartungen sanken um 3,4 Zähler -36,1 Punkte. Gleichzeitig planen die Unternehmen des Einzelhandels laut ifo-Umfrage weiterhin Preiserhöhungen. So kletterten die Preiserwartungen zum vierten Mal in Folge auf nun 30,2 Punkte.

Nach der enttäuschenden Konsumentwicklung im zurückliegenden Jahr zeichnet sich mit Blick auf die Frühindikatoren keine Trendwende ab. Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit sowie anhaltende innen- und geopolitische Unsicherheiten stehen einer spürbaren Erholung des Konsumklimas weiterhin entgegen.

Inflationsrate sinkt zu Jahresbeginn

Nachdem sich der Druck auf die Verbraucherpreise zum Jahresende 2024 erhöht hatte, ließ er zu Jahresbeginn 2025 etwas nach. Die Inflationsrate, also der Anstieg des Niveaus der Verbraucherpreise, ist im Januar deutlich auf +2,3 % gesunken, nachdem die Rate im Dezember +2,6 % betragen hatte.

Der Rückgang der Inflationsrate zu Jahresbeginn ist zum einen auf einen nachlassenden Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln im Januar zurückzuführen. Die Preise lagen hier im Januar um 0,8 % höher als im Vorjahresmonat und nahmen damit spürbar weniger stark als im Dezember mit +2,0 % zu. Zum anderen waren die Energiepreise im Januar -1,6 % im Vorjahresvergleich weiterhin rückläufig. Auch die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) fiel mit +2,9 % wieder merklich geringer aus als im Vormonat, als die Veränderungsrate +3,3 % betrug. Mit ausschlaggebend hierfür war ein etwas geringerer Preisdruck im Bereich der Dienstleistungen.

Die Preise auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen entwickeln sich insbesondere im Vorjahresvergleich weiterhin eher moderat und wirken insgesamt noch entlastend auf die Inflationsrate: Die Erzeugerpreise nahmen im Dezember 2024 im Vorjahresvergleich um 0,8 % zu, gegenüber November 2024 sind sie um 0,1 % gesunken. Die Einfuhrpreise legten im Dezember gegenüber dem Vormonat um 0,4 % zu und lagen damit um 2,0 % über ihrem Vorjahresniveau. Die Verkaufspreise im Großhandel blieben im Dezember sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahresmonat nahezu unverändert (jeweils +0,1 %).

An den Spotmärkten haben die Preise für Erdgas in den letzten Monaten spürbar angezogen und der TTF Base Load lag zuletzt etwas über 58 €/MWh und damit ca. 125 % über dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber dem Vormonat stieg er um knapp 30 %. Die Markterwartungen deuten darauf hin, dass sich die Erdgaspreise in den kommenden Quartalen bei etwa 50 €/MWh bewegen dürften. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent lag mit rund 74 €/bl geringfügig unter dem Niveau des Vormonats und des Vorjahres.

In den nächsten Monaten dürfte die Inflationsrate über der 2 %-Marke bleiben, auch wegen administrativer Preisanhebungen zu Jahresbeginn wie der Erhöhung der CO2-Bepreisung, der Anhebung des Briefportos und der Verteuerung des Deutschlandtickets. Im weiteren Jahresverlauf sollten dann aber inflationsdämpfende Faktoren wie die moderate Preisentwicklung auf vorgelagerten Wirtschaftsstufen, die Nachwirkung der restriktiven Geldpolitik und niedrige Tarifabschlüsse wieder die Oberhand gewinnen. Die Bundesregierung rechnet in ihrer Jahresprojektion von Ende Januar für die Jahre 2025 und 2026 mit Inflationsraten von +2,2 % bzw. +1,9 %.

SCHWACHE KONJUNKTUR DÄMPFT DEN ARBEITSMARKTAUSBLICK

Auch zum Jahreswechsel entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiter verhalten. Die Arbeitslosigkeit lag im Januar zwar weiterhin knapp unter 3 Mio. Personen, ihr Anstieg fiel jedoch mit saisonbereinigt +11.000 Personen etwas stärker als saisonal üblich aus. Auch die Unterbeschäftigung legte mit 6.000 Personen abermals zu. Die Erwerbstätigkeit stieg im Dezember gegenüber November mit 4.000 Personen zwar noch leicht, die SV-pflichtige Beschäftigung nahm im November jedoch um 5.000 Personen ab. Die realisierte Kurzarbeit lag im November mit 293.000 unverändert deutlich höher als im Vorjahresmonat. Gleichzeitig nahm die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit im Januar – ebenso wie im Dezember – weniger stark zu als in vorherigen Monaten.

Die Frühindikatoren lassen noch keine spürbare Erholung auf dem Arbeitsmarkt zu Beginn des neuen Jahres erwarten: Das IAB-Arbeitsmarktbarometer erreichte im Januar mit 99,2 Punkten seinen niedrigsten Wert außerhalb des Zeitraums der Corona-Pandemie. Insbesondere die erwartete Beschäftigungsentwicklung kühlte sich abermals merklich ab. So deutet auch das ifo Beschäftigungsbarometer mit 92,4 Punkten wiederholt auf eine spürbar restriktiver werdende Personalplanung in fast allen Branchen hin. Die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen liegen weiter auf historisch geringem Niveau, was angesichts des weiter abnehmenden gesamtwirtschaftlichen Stellenangebots gemäß letzter IAB-Erhebung auf eine stetig sinkende Arbeitskräftenachfrage hindeutet. Trotz einer im historischen und internationalen Vergleich weiterhin robusten Lage am Arbeitsmarkt ist im neuen Jahr daher vorerst nicht mit einer Umkehr der schwachen Entwicklung am Arbeitsmarkt zu rechnen.

Unternehmensinsolvenzen pausieren auf hohem Niveau

Der im Vergleich mit der amtlichen Statistik methodisch enger gefasste und zeitlich aktuellere IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist für Januar mit 1.342 Insolvenzen den dritten Monat in Folge nahezu denselben Wert aus, lag aber zugleich 24,1 % höher als im Januar 2024 sowie 48,7 % über dem Januar-Mittelwert der Jahre 2016-2019. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten war mit 13.427 auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Das IWH erwartet auf Basis von Frühindikatoren im Februar und März keinen wesentlichen Anstieg der Insolvenzzahlen.

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Politik

Kabinett gibt Startschuss für Reallabore in ganz Deutschland

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Berlin 06.05.2026

Die Bundesregierung hat heute einen wichtigen Schritt unternommen, um Reallabore in ganz Deutschland zu ermöglichen. Ziel ist es, das Land als Wirtschafts- und Innovationsstandort nachhaltig zu stärken, indem Freiräume für Innovation geschaffen und bürokratische Hürden abgebaut werden. Grundlage ist der heutige Kabinettbeschluss der von der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie sowie vom Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung vorgelegten Formulierungshilfe für einen Änderungsantrag zum Reallabore-Gesetz.

Reallabore ermöglichen es, Innovationen für eine befristete Zeit kontrolliert unter möglichst realen Bedingungen zu testen. Dadurch kann frühzeitig über Chancen und Risiken gelernt und der Praxis-Transfer erleichtert werden. Bislang stehen der praktischen Umsetzung von Reallaboren jedoch oftmals Hürden im Weg. Hier setzen die Regelungen an. Über alle Innovationsbereiche hinweg werden Rahmenbedingungen auf dem gesamten Weg einer Innovation in die Erprobung im Reallabor und von dort in die allgemeine Anwendung verbessert. Als neuer, wichtiger Anwendungsbereich für Reallabore kommt zudem die passgenaue Vereinfachung und Beschleunigung von Verwaltungsverfahren hinzu: Durch eine allgemeine Erprobungsklausel wird es Behörden ermöglicht, bessere und schnellere Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren sowie Digitalisierung zu testen, z. B. durch den Einsatz von KI oder dem Zusammenlegen mehrerer Verfahrensschritte – und dabei von verwaltungsrechtlichen Regelungen abzuweichen. Konkrete Freiräume in Fachgesetzen ermöglichen zudem Erprobungen im Gesundheitswesen, im Jugendmedienschutz, in der digitalen Verwaltung, bei der Registermodernisierung für die Wirtschaft, im Bildungsbereich, im Telekommunikationssektor oder auch im Luftverkehr.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: „Mit dem Bundeserprobungsgesetz schaffen wir Raum für Ideen, die unser Land voranbringen. Wer Innovation will, darf sie nicht im Regulierungsdickicht ausbremsen. Wir geben Wirtschaft und Verwaltung die Freiheit, Neues schneller auszuprobieren – damit aus guten Ideen echte Dynamik wird.“

Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger: „Wir durchschlagen heute den gordischen Knoten der deutschen Verwaltungsbürokratie. Das Bundeserprobungsgesetz gibt den Behörden vor Ort die Freiheit, den schnellen, digitalen und unbürokratischen Staat einfach mal zu machen. Damit liegt die Entscheidung bei den Menschen, die die Prozesse in ihrem Zuständigkeitsbereich am besten kennen. Vertrauen statt Kontrolle: Wir geben unseren Beamtinnen und Beamten endlich den Freiraum, mutig und innovationsfreudig handeln zu können.“

Stärkung und Erweiterung des bisherigen Gesetzentwurfs

Konkret schlägt die Bundesregierung vor, den bisherigen Gesetzesentwurf im parlamentarischen Verfahren dreifach zu stärken und zu erweitern. Ziel ist der Ausbau zu einem umfassenden Bundeserprobungsgesetz.

1)      Rahmenbedingungen für Innovationsförderung bereichsübergreifend verbessern: Genehmigungsprozesse werden innovationsfreundlicher und die praktische Umsetzung von Reallaboren unterstützt. Ein strukturierter Wissenstransfer sorgt dafür, dass die Praxis-Erkenntnisse zügig in der Gesetzgebung berücksichtigt werden und damit der Weg für Zukunftslösungen in den Markt geebnet.

2)      Ermächtigung der Behörden, von starren bundesrechtlichen Verwaltungsvorschriften abzuweichen: Maßnahmen zur Beschleunigung oder zur Senkung der Kosten von Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren sowie Verwaltungsdigitalisierung können zukünftig vor Ort erprobt werden – z. B. durch den Einsatz von KI, Zusammenlegung von behördlichen Zuständigkeiten und Verfahrensschritten oder Erprobung proaktiver Verwaltungsleistungen. Dafür dürfen Bundes-, Landesbehörden und Kommunen von bestimmten verwaltungsrechtlichen Regelungen des Bundes abweichen. Wenn die Erprobung erfolgreich ist, soll diese deutschlandweit ausgerollt und bundesrechtliche Regelungen angepasst werden.

3)      Schaffung neuer rechtlicher Experimentierklauseln, die durch zusätzliche Artikel in sieben Fachgesetze implementiert werden sollen. Dadurch werden konkrete neue Freiräume für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft geschaffen.

Neue Freiräume für Erprobungen

In diesen Bereichen sollen durch neue Experimentierklauseln zukünftig Innovationen und technologischer Fortschritt praktisch erprobt werden können:

·         Gesundheitswesen: Testen vereinfachter Konformitätsbewertungsverfahren für IT-Systeme, um digitale Lösungen schneller in die Versorgung zu bringen.

·         Digitale Verwaltung: Durch Änderungen im OZG wird die Erprobung der EUDI-Wallet für die Digitale Identität ermöglicht. Ein auf Grundlage des Gesetzes möglicher Probebetrieb kann die Wallet-Einführung in Deutschland vorbereiten.

·         Jugendmedienschutz: Automatisierte Bewertungssysteme eröffnen neue Wege bei der Vergabe von Alterskennzeichen. Dies verspricht schnellere, effizientere Verfahren bei gleichbleibend hohem Schutzniveau.

·         Bürokratierückbau für die Wirtschaft: Probeweise Anbindung verschiedener Register an das Unternehmensbasisdatenregister und damit Testen einer lückenlosen Vernetzung der Verwaltung. Das wäre die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen gemäß des Once-Only-Prinzips Ihre Daten nur noch einmal angeben müssen. Unternehmen profitieren so von deutlich reduzierten Meldepflichten.

·         Bildungsbereich: Vereinfachung beim BAföG-Genehmigungsprozess. Die Erprobung des automatisierten Abrufs von Nachweisen beschleunigt die Antragstellung und reduziert den Verwaltungsaufwand.

·         Telekommunikationssektor: Die neue Regelung ermöglicht es der Bundesnetzagentur, befristete Abweichungen von regulatorischen Vorgaben im Bereich der Frequenzordnung zu genehmigen – immer dann, wenn dies der Erprobung neuer Technologien oder Verfahren dient. So wird der Rahmen für zukunftsweisende Entwicklungen wie Quantentechnologien oder innovative Netzbetriebsverfahren geschaffen.

·         Luftverkehrsrecht: Zukünftig soll die Regelung der Erprobung moderner Technologien im Luftraum in Reallaboren ermöglicht werden, insbesondere im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme und sogenannter U-Space-Konzepte.

Alle Empfehlungen der Formulierungshilfe verfolgen das Ziel, Innovationen schneller in die Praxis zu bringen und gleichzeitig die Verwaltung zukunftsfähig aufzustellen. Durch die Kombination aus regulatorischer Flexibilität und gezieltem Praxistest entstehen neue Chancen für technologische Entwicklung, wirtschaftliches Wachstum und bürgernahe Dienstleistungen.

Erprobungsklauseln in den Ländern

Das Bundeserprobungsgesetz ergänzt durch die allgemeine Erprobungsklausel bereits bestehende vergleichbare Regelungen zur Erprobung und Flexibilisierung aus Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen. In Nordrhein-Westfalen wurde zudem gestern, am 05. Mai 2026, ein „Gesetz zur erprobungsweisen Befreiung von Regelungen für kommunale Körperschaften (KommBefrG)“ vom Kabinett beschlossen, das es Kommunen ermöglicht, vom Landesrecht abzuweichen

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Wirtschaft

ifo Institut: Geschäftsklima in der Chemische Industrie auf Dreijahrestief

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München 06.05.2026

– Das Geschäftsklima in der Chemischen Industrie hat sich im April eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex sank auf minus 29,0 Punkte, nach minus 25,1* Punkten im März. Das ist der niedrigste Wert seit fast drei Jahren. Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen mit minus 27,1 Punkten etwas besser ein als im März mit minus 31,2* Punkten. Hingegen brachen die Erwartungen regelrecht ein: von minus 18,6* auf minus 30,9 Punkte. „Die Chemiebranche blickt sehr pessimistisch in die Zukunft, trotz vereinzelter Lichtblicke im laufenden Geschäft“, sagt ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. 

Die aktuellen Turbulenzen in den globalen Lieferketten – ausgelöst durch die Iran-Krise – haben im April zu einer paradoxen Entwicklung geführt: Einerseits melden Unternehmen einen Anstieg der Auftragseingänge, weil Kunden auf einheimische Produkte ausweichen. Gleichzeitig kämpft jedes dritte Unternehmen mit Materialknappheit. So stiegen die Preise für Chemikalien und die Unternehmen erwarten weitere Preissprünge. Die Unternehmen bewerten die gestiegene Nachfrage allerdings als vorübergehend: Für die kommenden Monate planen sie wieder mit einer geringeren Produktion, auch die Beschäftigungspläne bleiben restriktiv. „Die schwache Belebung der Geschäftslage im April ist vor allem das Spiegelbild gestörter Lieferketten und nicht eines tragfähigen Aufschwungs“, sagt Wolf.

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Politik

Umsatz mit Fairtrade-Produkten knackt 3-Milliarden-Grenze

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Köln 06.05.2026

– Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten hat 2025 ein Rekordhoch von 3,14 Milliarden Euro erreicht. Das ist ein Anstieg von knapp 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Pro Kopf gaben Verbraucher rund 38 Euro für fair gehandelte Produkte aus.

„Das ist ein tolles Ergebnis und wichtiges Signal für den Markt. Vor allem angesichts der aktuellen Situation mit steigenden Preisen und schwacher Konsumneigung“, sagt Benjamin Drösel, Vorstand für Marketing bei Fairtrade Deutschland.

Absatz wichtiger Fairtrade-Produkte wächst

Fairtrade-Bananen stiegen um 7 Prozent auf 130.550 Tonnen und einen Marktanteil von rund 17 Prozent – bei Fairtrade-Bio-Bananen sind es sogar 80 Prozent Marktanteil. Der Absatz von Fairtrade-Kakaobohnen stieg entgegen dem Negativtrend auf dem Gesamtmarkt auf 92.100 Tonnen und damit um rund 3,5 Prozent. Der Marktanteil von Fairtrade-Kakao liegt bei 21 Prozent. Fairtrade-Kaffee verbuchte mit 1,04 Milliarden Euro ein deutliches Umsatzplus aufgrund hoher Kaffeepreise, ging mit 24.000 Tonnen im Absatz jedoch leicht zurück. Sein Marktanteil liegt bei stabilen 5 Prozent. Fairtrade-Blumen verzeichneten mit 472 Millionen Stielen einen Absatzrückgang von 8 Prozent – der größte Rückgang seit der Corona-Pandemie. Mit 37 Prozent Marktanteil bleiben Fairtrade-Rosen dennoch das erfolgreichste Fairtrade-Produkt.

Große Wirkung durch Prämiengelder

Zusätzlich zum Verkaufspreis erhielten Produzenten rund 42 Millionen Euro Prämiengelder durch Fairtrade-Verkäufe auf dem deutschen Markt. Geld, das für notwendige Investitionen dringend gebraucht wird: „Ob Kaffee, Bananen oder Blumen: Neue Gesetzgebungen verlangen Produzentinnen und Produzenten immer mehr ab. Zusätzlich treiben Klimawandel und globale Krisen wie die in Venezuela oder im Iran die Produktions- und Transportkosten in die Höhe“, so Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland. „Steigende Kosten müssen dringend entlang der gesamten Lieferkette fair verteilt werden. Auch Verbraucher werden in Zukunft mit Kostensteigerungen rechnen müssen. Nur so können wir Lieferketten langfristig absichern“, warnt Brück.

EU stärkt Vertrauen in etablierte Siegel

Mit der Empowering Consumers Directive (EmpCo) gelten ab 27. September wesentlich strengere Regeln für Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel. „Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet die EmpCo in erster Linie mehr Transparenz“, sagt Dr. Friederike Elsner, Projektleiterin Siegelklarheit der Verbraucherzentrale NRW. „Unternehmen dürfen Behauptungen wie „fair“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ nur noch dann verwenden, wenn sie diese auch beweisen können. Seriöse Siegel werden damit an Relevanz gewinnen.“

Hinter dem Fairtrade-Siegel stecken international gültige, zertifizierte Standards sowie eine unabhängige Auditierung. Auch die Stiftung Warentest empfiehlt in ihrer aktuellen Ausgabe 05/2026 das Fairtrade-Siegel und bestätigt seine hohe Aussagekraft und Transparenz gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Fairness-Gedanke wächst

Immer mehr Menschen aus der Zivilgesellschaft engagieren sich für den fairen Handel: 933 Fairtrade-Towns, 1.026 Fairtrade-Schools und 51 Fairtrade-Universities sind bereits ausgezeichnet worden. 2025 erhielt das erste Fairtrade-Bundesland den Titel. „Das Saarland beweist, dass sozialer und ökologischer Wandel auch auf Landesebene umgesetzt werden kann: Jetzt ist es an den 15 anderen Ländern, nachzuziehen“, betont Christina Arkenberg, Aufsichtsratsvorsitzende von Fairtrade Deutschland. Neben einem breiten Zivilgesellschaftlichen Bündnis wird Fairtrade von mehr als 30 Mitgliedsorganisationen getragen. 2026 kommt Solidaridad Deutschland e.V. als 35. Mitglied hinzu.

Quelle: fairtrade.net

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Politik

BMWE startet Gebotsverfahren 2026 der CO2-Differenzverträge

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Berlin 05.05.2026

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) startet heute das Gebotsverfahren 2026 der CO2-Differenzverträge (CCfDs).

Mit dem Förderprogramm unterstützt das Ministerium Investitionen energieintensiver Industrieunternehmen in innovative, zukunftsweisende und CO2-arme Produktionsverfahren, insbesondere in den Branchen Chemie, Metalle, Zement, Kalk, Glas, Papier und Keramik. CO₂-Differenzverträge setzen gezielte Anreize für Unternehmen, ihre Produktionsprozesse marktwirtschaftlich und technologisch offen im Einklang mit europäischen und nationalen Klimazielen weiterzuentwickeln – und damit zugleich in die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft des Industriestandorts Deutschland zu investieren. Im Bundeshaushalt sind bis zu fünf Milliarden Euro für die Gebotsrunde 2026 vorgesehen. 

Auf Basis von Feedback aus der Industrie und anderen Stakeholdern wurden die CO2-Differenzverträge seit der ersten Gebotsrunde im Jahr 2024 umfangreich überarbeitet. Die Architektur des Programms ist nun deutlich technologieoffener und flexibler ausgestaltet: 

Die Anforderungen an die CO2-Emissionsminderung wurden angepasst: Nach vier Jahren müssen CO2-Emissionen um mindestens 50 Prozent gegenüber dem Referenzsystem reduziert sein (vormals 60 Prozent nach drei Jahren), im letzten Jahr um mindestens 85 Prozent (vormals 90 Prozent). 

CCU/S-Technologien sind zugelassen, wenn überwiegend Prozessemissionen oder schwer vermeidbare Emissionen vorliegen (insbesondere bei Anwendungen in den Sektoren Zement und Kalk sowie Steamcracker). Die Anforderungen mit Blick auf den Einsatz von Erdgas und anderen fossilen Brennstoffen bei CCU/S-Vorhaben wurden überarbeitet. 

Reine Industriedampfprojekte sind förderfähig; so können auch Vorhaben, die rein der Prozesswärmeerzeugung dienen, bei der Dekarbonisierung unterstützt werden. 

Ziele und Förderansatz der CO2-Differenzverträge 

Durch die Förderung über CO2-Differenzverträge werden Mehrkosten CO2-armer Produktionsverfahren im Vergleich zu konventionellen Referenzsystemen über einen Zeitraum von 15 Jahren ausgeglichen. Dabei werden sowohl Entwicklungen des CO2-Preises als auch der Energiepreise berücksichtigt. Die Vergabe der Fördermittel erfolgt im Rahmen eines wettbewerblichen Gebotsverfahrens. Ziel ist es, Vorhaben zu identifizieren, die mit möglichst geringem Einsatz staatlicher Mittel umgesetzt werden können. Dadurch ist sichergestellt, dass die Mittel effektiv verwendet und nur die effizientesten Projekte unterstützt werden. Das Programm richtet sich an energieintensive Industrien, deren Anlagen dem europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS 1 unterliegen.

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Politik

ifo Institut: Ölkonzerne geben Tankrabatt bislang nur teilweise weiter

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München 05.05.2026

– Der seit 1. Mai geltende Tankrabatt der Bundesregierung kommt nur teilweise an den Zapfsäulen an. Das zeigen aktuelle Berechnungen des ifo Tankrabatt-Trackers. „Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten drei Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 4 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin waren es durchschnittlich 12 Cent von den 17 Cent Steuersenkung“, sagt Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Finanzwissenschaft. „Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte damit zusammenhängen, dass Deutschland Diesel importiert. Was am Wochenende getankt wurde, unterlag vermutlich noch der vollen Steuer.“

„Auch wenn die Politik kurzfristig einen günstigeren Benzinpreis an den Zapfsäulen erzielt hat, werden hiermit die falschen Anreize gesetzt“, sagt Neumeier. Angesichts der aktuellen Verknappung des Angebots trägt diese Maßnahme nicht dazu bei, weniger Diesel und Benzin zu verbrauchen. „Zudem ist der Rabatt wenig zielgenau, da Menschen mit höherem Einkommen tendenziell höhere Spritausgaben haben und daher stärker profitieren“, sagt ifo-Forscher David Gstrein.

„Mit dem Tankrabatt-Tracker wollen wir Transparenz schaffen und die Öffentlichkeit darüber informieren, ob das von der Politik definierte Ziel, die Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten, tatsächlich eingehalten wird“, sagt Gstrein, der den Tankrabatt-Tracker zusammen mit Christian Gréus, Florian Neumeier, Ramona Schmid und Stefan Smutny entwickelt hat. Ob die Ölkonzerne die Steuersenkung langfristig an die Konsumenten weitergeben, wird die Preisentwicklung in den kommenden Wochen zeigen. Der Tankrabatt-Tracker vergleicht die Kraftstoffpreise in Deutschland mit denen in Frankreich vor und nach dem 1. Mai auf Basis eines wissenschaftlichen Ansatzes. Durch diese Berechnungen zeigt sich, ob und in welchem Umfang der Tankrabatt an die Autofahrer*innen weitergeben wird.

Die Ergebnisse werden an jedem Werktag auf Basis der Spritpreise vom Vortrag aktualisiert. Damit kann jede*r interessierte Bürger*in Tag für Tag nachvollziehen, ob der Tankrabatt die versprochene Wirkung entfaltet und die Spritpreise senkt. Auf der Webseite finden sich außerdem Informationen zu den verwendeten Daten und zu den Methoden, die die Wissenschaftler für ihre Auswertung nutzen

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Wirtschaft

dm startet Bewerbungsphase für kostenfreies musikpädagogisches Weiterbildungsprogramm für Kindergärten

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Zahlreiche Studien belegen, dass gemeinsames Singen ein Schlüsselelement für die ganzheitliche Entwicklung von Kindern ist. dm-drogerie markt fördert daher seit beinahe zwei Jahrzenten die Sing- und Bewegungsfreude in Kindergärten. Ab sofort und bis zum 31. August können sich Erzieherinnen und Erzieher auf www.singende-kindergaerten.de für die kostenfreie Weiterbildung im nächsten Jahr bewerben.

Das Weiterbildungsprogramm „Singende Kindergärten“ von dm will Erzieherinnen und Erzieher dazu ermutigen, ihre eigene Sing- und Bewegungsfreude neu zu entdecken und eigenständig Sing- und Bewegungsrituale im Kindergarten-Alltag zu integrieren. Die kostenfreie Weiterbildung startet Anfang 2027 in die neue Runde. Ab sofort und bis zum 31. August können sich Interessierte auf www.singende-kindergaerten.de bewerben. Die Workshops finden über neun Monate verteilt und größtenteils digital statt, sodass die Teilnahme wohnortunabhängig möglich ist. Alle Erzieherinnen und Erzieher, Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger sowie Tageseltern, die in einer Kindertageseinrichtung tätig sind und aktiv an den Workshops und Kindergartenbesuchen teilnehmen können, sind herzlich eingeladen, sich zu bewerben. Die Weiterbildung setzt keine gesanglichen Vorkenntnisse voraus, denn das Stimmcoaching selbst steht zentral auf der Agenda.

Ein Lied im Morgenkreis, ein paar Reime beim Zähneputzen, eine Aufräum-Melodie – mit Hilfe von Singen und Musik entstehen im Kindergarten-Alltag Rituale, die die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern stärken und ihnen Orientierung im Tagesverlauf geben. Studien belegen, dass Singen bei Kindern wesentlich zur Sprach- und Gehörentwicklung beiträgt, das Körperbewusstsein schult, Selbstvertrauen spendet, die Kooperationsfähigkeit fördert und Gemeinschaftsgefühl stiftet. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die viel singen, doppelt so häufig als „schulfähig“ eingestuft werden wie wenig singende. Damit entwickelt sich das Singen im Kindergarten- und Vorschulalter von einem rein spielerischen Angebot zu einem wirksamen Förderinstrument.

„Das gemeinsame Singen ist etwas, das letztlich unsere Kooperationsfähigkeit schult. Und das kann man nicht früh genug lernen. Es ist nicht nur später im Arbeitsleben wichtig, um Großartiges zu leisten, sondern auch als Gesellschaft brauchen wir diese Kompetenz. Wenn wir kooperativ miteinander umgehen, kann eine liberale Demokratie gelingen. So gesehen ist Singen etwas, das die Grundfesten unsere Gesellschaft stärkt”, erläutert Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung.

Seit 2009 wächst die dm‑Initiative stetig weiter: Über 10.000 Erzieherinnen und Erzieher haben bereits den positiven Effekt des Weiterbildungsangebots erfahren. Dafür erarbeiten unabhängige erfahrene Musikpädagoginnen und -pädagogen die Programminhalte nach aktuellem Forschungsstand. Sie unterstützen die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten bei der praktischen Umsetzung und vermitteln musikalisches Lernen als spielerischen, schöpferischen und sinnstiftenden Prozess. Dabei werden traditionelle Kinderlieder aus aller Welt, anlassbezogen umgedichtete Kinderlieder sowie eigene Verse der Erzieherinnen, Erzieher und Kinder gesungen.

Die Teilnehmenden können wählen, ob sie die gesamte Weiterbildung digital absolvieren möchten, oder in einer Kombination aus Online- und Präsenz-Workshops. Dabei finden die drei ganztägigen Workshops in Präsenz in 13 Städten deutschlandweit statt – diesmal in Berlin, München, Hamburg, Kaiserslautern, Erfurt, Dresden, Braunschweig, Pforzheim, Rostock, Osnabrück, Gießen, Dortmund und Singen (am Hohentwiel).

Digitale Schnupperkurse und kostenfreie Liederbücher für alle Interessierten 

Bei digitalen Schnupperkursen können Kindergärten und Familien erste Einblicke und praktische Impulse für das Singen und Bewegen mit Kindern erhalten. Die einstündigen Workshops finden mehrmals im Jahr statt: Unter www.singende-kindergaerten.de finden Interessierte die Termine und können sich anmelden. Hier können auch die vier eigens für die Weiterbildung konzipierten Liederbücher kostenfrei bestellt werden. Das kleine quadratische Format passt perfekt in Kinderhände und ist liebevoll illustriert, zudem kann man alle Lieder auf der Webseite anhören.

Foto: © dm-drogerie markt

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Wirtschaft

ifo Institut: Automobilindustrie schafft es nicht aus der Krise heraus

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München 04.05.2026

– Das Geschäftsklima in der Automobilindustrie hat sich im April verschlechtert. Der Indikator fiel auf minus 23,8 Punkte, von minus 19,0* Punkten im März. Die Unternehmen bewerteten zwar ihre aktuelle Geschäftslage besser als im Vormonat, blicken aber erheblich pessimistischer auf die kommenden Monate. Die Geschäftserwartungen fielen auf minus 30,7 Punkte, von minus 15,3 Punkten im März. „Die Iran-Krise belastet die ohnehin geschwächte Autoindustrie zusätzlich“, sagt ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl. 

In der Autoindustrie machen sich erste Anzeichen von Materialknappheit bemerkbar. Bei 9,3 Prozent der Unternehmen fehlten im April wichtige Vorprodukte, im März waren es noch knapp ein Prozent. „Die Iran-Krise beeinträchtigt etwa die Produktion und Lieferung von Helium“, sagt Wölfl, „einem Edelgas, das direkt und indirekt für die Automobilproduktion wichtig ist.“ Helium wird zum Beispiel in der Chipproduktion, für Airbags, bei der Metallbearbeitung und der Leckortung von Batterien verwendet. Die EU bezieht mit etwa 40 Prozent einen bedeutenden Anteil ihres Heliumbedarfs aus Katar, so die Deutsche Rohstoffagentur; alternative Importquellen sind rar. 

Hinzu kommen indirekte Wirkungen aus der Iran-Krise, die sich in den gesunkenen Geschäftserwartungen niederschlagen: Die generelle Unsicherheit bei Unternehmen und Haushalten steigt. Zusammen mit den hohen Energiepreisen könnte dies für Kaufzurückhaltung beim Kauf von Neuwagen sorgen. 

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Wirtschaft

ifo Institut: Geschäftsklima in der Chemische Industrie auf Dreijahrestief

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München 06.05.2026

– Das Geschäftsklima in der Chemischen Industrie hat sich im April eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex sank auf minus 29,0 Punkte, nach minus 25,1* Punkten im März. Das ist der niedrigste Wert seit fast drei Jahren. Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen mit minus 27,1 Punkten etwas besser ein als im März mit minus 31,2* Punkten. Hingegen brachen die Erwartungen regelrecht ein: von minus 18,6* auf minus 30,9 Punkte. „Die Chemiebranche blickt sehr pessimistisch in die Zukunft, trotz vereinzelter Lichtblicke im laufenden Geschäft“, sagt ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. 

Die aktuellen Turbulenzen in den globalen Lieferketten – ausgelöst durch die Iran-Krise – haben im April zu einer paradoxen Entwicklung geführt: Einerseits melden Unternehmen einen Anstieg der Auftragseingänge, weil Kunden auf einheimische Produkte ausweichen. Gleichzeitig kämpft jedes dritte Unternehmen mit Materialknappheit. So stiegen die Preise für Chemikalien und die Unternehmen erwarten weitere Preissprünge. Die Unternehmen bewerten die gestiegene Nachfrage allerdings als vorübergehend: Für die kommenden Monate planen sie wieder mit einer geringeren Produktion, auch die Beschäftigungspläne bleiben restriktiv. „Die schwache Belebung der Geschäftslage im April ist vor allem das Spiegelbild gestörter Lieferketten und nicht eines tragfähigen Aufschwungs“, sagt Wolf.

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Wirtschaft

Ungenutztes Arbeitskräftepotenzial 2025

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Insgesamt fast 4,9 Millionen Nichterwerbstätige mit Arbeitswunsch im Alter von 15 bis 74 Jahren und damit gut 240 000 Personen mehr als im Vorjahr

Ein Großteil der Erwerbslosen und der Personen in Stiller Reserve verfügt über ein mittleres oder hohes Qualifikationsniveau

In der Stillen Reserve sind bei Frauen Betreuungspflichten ein Hauptgrund für Inaktivität am Arbeitsmarkt, bei Männern gesundheitliche Einschränkungen

Wiesbaden 06.05.2026 

– Im Jahr 2025 wünschten sich in Deutschland fast 4,9 Millionen Nichterwerbstätige im Alter von 15 bis 74 Jahren Arbeit, das waren gut 240 000 Personen oder 5,2 % mehr als im Vorjahr. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 mitteilt, setzte sich das ungenutzte Arbeitskräftepotenzial bei Nichterwerbstätigen aus knapp 1,7 Millionen Erwerbslosen und gut 3,2 Millionen Menschen in Stiller Reserve zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl der Erwerbslosen um 170 000 (+11,3 %) und die Zahl der Personen in Stiller Reserve um 70 000 (+2,3 %).

Nichterwerbstätige mit Arbeitswunsch zählen nur dann zu den Erwerbslosen, wenn sie in den letzten vier Wochen aktiv nach einer Tätigkeit gesucht haben und eine eventuell angebotene Arbeit innerhalb von zwei Wochen aufnehmen könnten. Zur Stillen Reserve zählen Personen, die kurzfristig nicht für den Arbeitsmarkt verfügbar sind oder momentan nicht aktiv nach Arbeit suchen, sich aber trotzdem Arbeit wünschen.

Geschlechterverteilung und Qualifikationsniveau

Die Gruppe der Erwerblosen bestand im Jahr 2025 aus 962 000 Männern und 723 000 Frauen. Der Männeranteil lag damit bei 57,1 %. Bei der Stillen Reserve überwogen dagegen Frauen mit einem Anteil von 55,2 % (knapp 1,8 Millionen Frauen zu gut 1,4 Millionen Männern).

68,3 % der Erwerbslosen und 59,5 % der Stillen Reserve hatten 2025 ein mittleres oder hohes Qualifikationsniveau, das heißt mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung oder die Hoch-/Fachhochschulreife. Bei den Frauen hatten 72,4 % (Erwerbslose) beziehungsweise 61,9 % (Stille Reserve) eine mittlere oder hohe Qualifikation (Männer: 65,2 % bzw. 56,5 %).

Hauptgründe für Inaktivität am Arbeitsmarkt bei der Stillen Reserve

Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigten sich bei den Hauptgründen für die Inaktivität am Arbeitsmarkt in der Altersgruppe der 25- bis 59-Jährigen: So gaben 30,7 % beziehungsweise 354 000 der Frauen zwischen 25 und 59 Jahren in der Stillen Reserve an, dass sie aufgrund von Betreuungspflichten derzeit keine Arbeit aufnehmen können. Von den 25- bis 59-jährigen Männern in der Stillen Reserve nannten dagegen nur 5,3 % beziehungsweise rund 40 000 Personen bestehende Betreuungspflichten als Hauptgrund für ihre Inaktivität. Dagegen spielen in dieser Altersgruppe gesundheitliche Einschränkungen insbesondere bei Männern eine bedeutende Rolle, werden aber auch bei Frauen häufig genannt: für 35,6 % der Männer und 23,6 % der Frauen in der Stillen Reserve war dies der Hauptgrund, nicht auf dem Arbeitsmarkt aktiv zu sein.

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Wirtschaft

EZB: Vorsorgliche Zinserhöhungen könnten den Markt beruhigen

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Berlin 30.04.2026

„Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen heute bei 2 % belassen, doch Präsidentin Lagarde machte deutlich, dass Alternativen, darunter auch eine Zinserhöhung, aktiv diskutiert wurden. Sie betonte, dass die sechs Wochen bis zur Sitzung im Juni entscheidend für die Entscheidungsfindung sein werden, und deutete an, dass eine Zinserhöhung durchaus im Raum steht, sollte der Konflikt den Inflationsdruck weiter anheizen. Die EZB startet aus einer Position der Stärke: Sie hat den globalen Lockerungszyklus angeführt und ist nach wie vor die einzige große Zentralbank, die ihre Geldpolitik wieder auf einen neutralen Kurs zurückgeführt hat. Ein oder zwei vorsorgliche Zinserhöhungen könnten dazu beitragen, die Märkte zu beruhigen und die Inflationserwartungen zu verankern, während gleichzeitig die Flexibilität gewahrt bleibt, den Kurs schnell wieder umzukehren, sobald sich die Aussichten klären.“

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Wirtschaft

ifo Institut: Stellenabbau verschärft sich

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München 29.04.2026

– Die Pläne zum Stellenabbau in den Unternehmen haben sich weiter verschärft. Das ifo Beschäftigungsbarometer sank im April auf 91,3 Punkte, nach 93,4 Punkten im März. Das ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. „Die geopolitische Unsicherheit greift auf die Personalplanungen der Unternehmen über“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Es werden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut.“ 

Die Arbeitsmarktsituation in der Industrie bleibt angespannt. Das Barometer hat sich verschlechtert. Kaum eine Branche bleibt vom Arbeitsplatzabbau verschont. Gleiches gilt für den Groß- und Einzelhandel. Bei den Dienstleistern ist der Indikator eingebrochen und auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Corona-Krise gesunken. In der Logistik schlagen sich die gestiegenen Kosten nun auch in den Personalplanungen nieder. Auch der Tourismus ist vom Arbeitsplatzabbau betroffen. „Eine nachhaltige Entspannung am Arbeitsmarkt ist erst zu erwarten, wenn die Unsicherheiten deutlich nachlassen“, sagt Wohlrabe.

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Politik

Philippinen öffnen Märkte wieder für deutsches Schweinefleisch

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Berlin 27.04.2026

Die Republik der Philippinen erlaubt nach fast sieben Jahren wieder die Einfuhr von Schweinefleisch und -innereien aus Deutschland. Damit wird ein bedeutender Exportmarkt für deutsche Produzenten geöffnet. Vorausgegangen waren jahrelange aufwändige Verhandlungen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).

Dazu sagt Bundesminister Alois Rainer: „Märkte für unsere Produzenten und Unternehmen zu erschließen hat für mein Haus und mich höchste Priorität. Es ist daher eine sehr gute Nachricht für die Land- und Ernährungswirtschaft, dass die Philippinen nach vielen Jahren wieder Importe von deutschem Schweinefleisch zulassen – so wie bereits Südkorea. Das zeigt: Mit unserer Agrarexportstrategie setzen wir die richtigen politischen Akzente.“

Hintergrund für die Einfuhrsperre war das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der EU und im Jahr 2020 in Deutschland. In der Folge verboten mehrere Staaten außerhalb der Europäischen Union den Import von deutschem Schweinefleisch und daraus gewonnenen Produkten. Mit Schreiben vom 22. April 2026 bestätigte das Landwirtschaftsministerium der Philippinen nun die Anerkennung der sogenannten Regionalisierung für die ASP sowie die Aufhebung der Einfuhrsperre von 2019. Damit ist der Export von Schweinefleisch und -innereien in die Republik der Philippinen trotz ASP ab sofort wieder möglich.

Seit mehreren Jahren bereits hatte sich das BMLEH intensiv bemüht, diese Sperre durch ein Regionalisierungsabkommen aufzuheben, zuletzt im Rahmen von Gesprächen im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA). Die dabei in Aussicht gestellte Einigung musste im Folgenden durch detaillierte fachliche Informationen zur Tiergesundheit in Deutschland unterlegt werden.

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Wirtschaft

ifo Institut: Exporterwartungen leicht gestiegen

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München 27.04.2026

– Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft hat sich etwas verbessert. Die ifo Exporterwartungen stiegen im April auf plus 0,1 Punkte, nach minus 0,7 Punkten im März. Positive und negative Erwartungen halten sich damit die Waage. „Für die Exportwirtschaft geht es gegenwärtig weder vor noch zurück“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Die hohe geopolitische Unsicherheit belastet die Planungen.“

Die Exporterwartungen in der Automobilindustrie fielen zwar etwas niedriger aus als zuletzt, sind aber weiterhin eher optimistisch. Gleiches gilt für die Elektronikbranche und die Möbelhersteller. Die Erwartungen der Nahrungsmittel- und Getränkehersteller zogen sogar merklich an. Schwierig bleibt die Lage dagegen für viele energieintensive Branchen. Dort wird eher mit rückläufigen Exporten gerechnet.

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Politik

Bericht zu Wettbewerbsbeschränkungen

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Berlin 27.4.2026 

– Der Bericht gemäß Paragraf 19a Absatz 4 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen liegt als Unterrichtung (21/5449) der Bundesregierung vor.

Diese Dokumentation evaluiert die Erfahrungen mit der 2021 eingeführten Vorschrift über die Aufsicht von Unternehmen mit überragender marktübergreifender Bedeutung (ÜMÜB) für den Wettbewerb. Das Bundeskartellamt hat in der Zeit gegen die fünf großen Digitalunternehmen Alphabet/Google, Amazon, Apple, Meta und Microsoft entsprechende Verfahren gegen Wettbewerbsgefährdung eingeleitet. Die Möglichkeit dazu wurde durch die 10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) im Jahr 2021 möglich.

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Berlin

Berlin startet die „City Challenge 2026″

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Berlin 27.4.2026 

– Berlin startet auch 2026 den Innovationswettbewerb „City Challenge“. Dabei handelt es sich um ein Vorhaben zur Entwicklung und Erprobung digitaler Lösungen für die Berliner Verwaltung. Ziel ist es, gemeinsam mit Start-ups, kleinen und mittleren Unternehmen sowie Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen innovative Wege für eine moderne, effiziente und bürgernahe Verwaltung zu entwickeln.

Im Rahmen des Wettbewerbs werden konkrete Lösungsvorschläge für zwei Herausforderungen der Berliner Verwaltung gesucht: Für eine „intelligente Sprachassistenz“, die Echtzeitübersetzung und Transkription für die Verwaltung bieten kann, sowie für eine „smarte Baustelleninformation“, die Staus vermeiden soll.

Die überzeugendsten Konzepte werden in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Verwaltungen als Pilotprojekte umgesetzt. Interessierte Akteure können ihre Lösungsideen bis zum 17. Mai 2026 einreichen. Pro Challenge werden die drei besten Einreichungen mit einer Prämie von 1.000 Euro zu einer Weiterentwicklung des Konzeptes aufgefordert. Im Anschluss wählt eine Jury je eine Gewinnerlösung aus, die anschließend gemeinsam mit der jeweiligen Verwaltung als Pilotprojekt umgesetzt wird. Die Senatskanzlei stellt dafür jeweils 25.000 Euro zur Verfügung.

Die Smart City Unit der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH hat den Wettbewerb im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei initiiert.

Matthias Hundt, Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung sowie CDO des Landes Berlin: „Mit der City Challenge bietet sich auch in diesem Jahr die Chance, intelligente Lösungsansätze für die Berliner Verwaltung mit Hilfe von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft Realität werden zu lassen. Ich freue mich auf Vorschläge für unsere beiden Herausforderungen.“

Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner: „Mit der zweiten Ausgabe der City Challenge nutzen wir das ausgeprägte Innovationsökosystem Berlins für konkrete Umsetzungsprojekte und mit einem reellen Nutzen für Verwaltung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft.  Damit stärken wir nicht nur die kreativen Köpfe aus den Bereichen GovTech und UrbanTech, sondern auch die Strahlkraft Berlins als ‚Stadt der Ermöglichung‘. Berlin ist genau hier smart, weil verschiedene Stakeholder gemeinsam an Lösungen für eine zukunftsfähige Stadt arbeiten.“ 

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