Welt
UNRWA-Chef warnt vor Hungersnot in Gaza
Berlin, 18.0.2024
Der Chef des Palästinenser-Hilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA), Philippe Lazzarini, hat bei seinem Besuch im Menschenrechtsausschuss am Mittwoch vor einer weiteren Verschlechterung der humanitären Situation in Gaza gewarnt. Das Palästinensergebiet sei zu einer „Ödnis geworden, in der man nicht mehr leben kann“, sagte Lazzarini. Die Menschen dort kämpfen täglich ums Überleben, gegen Krankheiten und Hunger. Gaza stehe kurz vor dem Winter am Rande einer Hungersnot. Die Zahl der Hilfslieferungen sei zuletzt wieder deutlich zurückgegangen, auch im Norden des Gebiets. Vor allem die Situation der Kinder sei äußerst kritisch, sie lebten zwischen Trümmern und Abfällen. Viele seien durch den Krieg traumatisiert, verletzt und verstümmelt oder zu Waisen geworden, berichtete der UNRWA-Generalkommissar. 600.000 Schulkinder erhielten keine Bildung. Wenn man verhindern wolle, dass sie in Hass aufwachsen, müssten sie so bald wie möglich nach einem Waffenstillstand wieder unterrichtet werden.
Gleichzeitig warnte Lazzarini vor den Folgen eines Gesetzentwurfs der israelischen Regierung, über den die Knesset, das israelische Parlament, gegenwärtig berate. Dieser sieht vor, dem Hilfswerk die Arbeit in Israel zu verbieten. Israel wirft der UNRWA eine Unterwanderung durch die radikalislamische Hamas vor. Mehrere Mitarbeiter des UNRWA sollen nach israelischen Angaben am Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 beteiligt gewesen sein. Er rechne damit, dass bis Ende des Monats das Gesetz verabschiedet und das UNRWA aus den besetzten Gebieten ausgeschlossen werde, sagte Lazzarini. Die Auswirkungen dieses Schrittes seien gravierend: Es gebe in Gaza weder eine funktionierende staatliche Verwaltung noch eine andere VN-Organisation oder Nichtregierungsorganisation, die die Bildung der Kinder und Jugendlichen übernehmen könne. Es drohe, eine Generation geopfert zu werden. Das Aus für UNRWA bedeute auch eine weitere Schwächung des „multilateralen Instrumentariums“. Angriffe auf VN-Institutionen könnten sich anderswo wiederholen, so Lazzarinis Sorge.
Das UNRWA versorgt Millionen Palästinenser nicht nur in Gaza, sondern auch im Westjordanland, in Jordanien, im Libanon und in Syrien in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sozialdienste und andere Hilfsleistungen. Lazzarini bezifferte die Zahl der UNRWA-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in der Region auf 33.000. Auch andere VN-Organisationen, wie etwa das Welternährungsprogramm, nutzten die Infrastruktur seines Hilfswerks. Implodiere es, erschwere das auch die Arbeit anderer.
Zur Kritik, die UNRWA habe eine zu große Nähe zur Hamas zugelassen, mit der sich Lazzarini im Ausschuss seitens der Unionsfraktion und der AfD-Fraktion erneut konfrontiert sah, sagte der UNRWA-Generalkommissar, man habe seit dem „Colonna-Bericht“ viel getan. So würden Mitarbeiter überprüft, Verdächtige suspendiert, man gebe quartalsweise Listen an die israelischen Behörden weiter, arbeite mit Finanzinstitutionen zusammen, in der Organisation herrsche überhaupt eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Neutralitätsproblemen. Lazzarini kündigte an, Fortschritte bei der Umsetzung von Reformen über eine Internetseite öffentlich zu machen. Ein unabhängiger Untersuchungsausschuss der VN unter dem Vorsitz der früheren französischen Außenministerin Catherine Colonna hatte dem UNRWA im April „Neutralitätsprobleme“ nachgewiesen und 50 Empfehlungen für Reformen gegeben. Man tue alles, um sie umzusetzen, versicherte Lazzarini den Abgeordneten. Man nehme die Sache sehr ernst.
Angesichts der Not in Gaza verwies der UNRWA-Chef auch auf die angespannte finanzielle Lage des Hilfswerks. Aufgrund der Anschuldigungen hatten 16 Geldgeber des UNRWA, darunter auch Deutschland, ihre Zahlungen vorübergehend ausgesetzt. Inzwischen hätten alle bis auf die USA sie wieder aufgenommen, bestätigte Lazzarini. Bis zum Ende des Jahres sei die Finanzierung des Hilfswerks gedeckt. Doch gerade die Nothilfe sei unterfinanziert.
Politik
Mehr Sport – mehr Schutz
Berlin DGM 07.08.2026
– Regelmäßige körperliche Aktivität stellt eine wesentliche Säule der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Ob für alle Personengruppen die empfohlenen 150 Minuten pro Woche ausreichen, um eine deutliche Risikoreduktion zu erreichen, untersuchte eine Beschleunigungssensor-basierte Kohortenstudie mit Daten von 17 088 Teilnehmern.
Aktuelle Empfehlungen der WHO sehen wöchentlich 150 – 300 Minuten mittlere oder 75 – 150 Minuten intensive körperliche Aktivität vor. Für Kinder und Jugendliche werden täglich 60 Minuten Aktivität mittlerer bis hoher Intensität empfohlen. Möglicherweise sind aber noch größere Anstrengungen erforderlich, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam vorzubeugen, besonders bei bisher inaktiven Personengruppen. Darauf deuten die Ergebnisse einer Kohortenstudie hin, die den Zusammenhang zwischen Bewegung und Herz-Kreislauf-Risiko analysierte.
Wie viel Sport für weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Innerhalb dieser Kohortenstudie wurden Daten von Studienteilnehmern der UK-Biobank analysiert, deren körperliche Aktivität zwischen 2013 und 2015 mit einem Beschleunigungssensor erfasst worden war. Unterschieden wurde körperliche Aktivität mittlerer oder hoher Intensität (moderate to vigorous physical activity, MVPA) < 150 Minuten und ≥ 150 Minuten pro Woche. Die kardiorespiratorische Fitness (VO2max) war bei der Eingangsuntersuchung ermittelt worden.
Der primäre, zusammengesetzte Endpunkt umfasste Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall. Zusätzlich wurden mit zwei Mendelschen Randomisierungen durchgeführt, bei denen genetische Marker für Fitness und körperlichen Aktivität mit dem Auftreten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Beziehung gesetzt wurden.
Kohortenstudie mit Daten von 17 088 Teilnehmern
Die Studie umfasste Daten von 103 700 Teilnehmern. In die Endauswertung gingen Daten von 17 088 Teilnehmern ein (mittleres Alter 57,4 Jahre), die den Sensor durchgehend für 7 Tage getragen hatten. Während der Nachbeobachtungszeit über im Schnitt 7,85 Jahre traten 1 233 kardiovaskuläre Ereignisse auf. Studienteilnehmer, die mindestens 150 Minuten pro Woche körperlich aktiv waren, zeigten über alle Fitnesslevel hinweg ein 8 – 9 % geringeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse.
Für einen höheren Schutz waren deutlich mehr Anstrengungen nötig: Für eine Risikoreduktion > 30 % waren je nach persönlicher Fitness 3 – 4-fach höhere Aktivitätslevel (560 – 610 Minuten pro Woche) erforderlich. Menschen mit geringerer Fitness müssten dabei deutlich mehr Zeit für sportliche Aktivitäten aufbringen als gut trainierte Personen.
Die Analysen mittels Mendelscher Randomisierung unterstützen die Ergebnisse teilweise: Eine anhand genetischer Indikatoren gemessene höhere kardiorespiratorische Fitness ging mit einem geringeren Herzinsuffizienzrisiko einher (Odds Ratio, OR: 0,79; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,63 – 0,99), während die Zusammenhänge für genetische Merkmale körperlicher Aktivität schwächer und weniger konsistent waren.
Mehr Bewegung für besseren Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Da große Teile der Bevölkerung Schwierigkeit haben, 150 Minuten Sport pro Woche in ihrem Alltag unterzubringen, plädieren die Autoren dafür, die offizielle Empfehlung weiter zu unterstützen: Mit 150 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität kann über alle Fitnesslevel ein substanzieller Beitrag zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geleistet werden. Mit einer an die Fitness angepassten Verordnungs-Matrix bietet die Studie eine Grundlage für individuelle Sport-Empfehlungen.
Politik
Hungerkrise gefährdet Versorgung von Babys im Gazastreifen
Berlin 06.08.2026
– Aufgrund der Hungerkrise im Gazastreifen können Zehntausende Mütter ihre Babys nicht ausreichend ernähren. Mehr als zwei Drittel der von den Vereinten Nationen untersuchten schwangeren und stillenden Frauen im Gazastreifen benötigen zusätzliche Ernährungshilfe. Save the Children warnt vor dramatischen Folgen für Säuglinge und Kleinkinder.
Einige Mütter berichten, dass sie ihren Babys Wasser mit gemahlenen Kichererbsen oder Tahini geben, weil sie nicht ausreichend stillen können und andere Lebensmittel fehlen oder unerschwinglich geworden sind.
Laut den Vereinten Nationen haben mindestens 13 Prozent der Mütter im Gazastreifen Schwierigkeiten beim Stillen. Verschärft wird die Lage durch anhaltende Kampfhandlungen und Vertreibungen, prekäre Lebensbedingungen, weit verbreitete Ernährungsunsicherheit sowie den eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsdiensten und lebenswichtigen Gütern wie frischen, nährstoffreichen Lebensmitteln, Kochgas und Treibstoff.
Rund 24.600 Frauen betroffen
Trotz der vor knapp zehn Monaten in Kraft getretenen „Waffenruhe“ bleibt die Ernährungsunsicherheit im Gazastreifen hoch. Aktuelle Prognosen der IPC, der international anerkannten Initiative zur Bewertung von Hungersituationen, gehen davon aus, dass bis April 2027 etwa 24.600 schwangere und stillende Frauen dringende Ernährungshilfe benötigen werden.
„Stillen ist nach wie vor eine der wirksamsten lebensrettenden Maßnahmen für Säuglinge im Gazastreifen“, so Mervat, Gesundheits- und Ernährungsberaterin von Save the Children in den besetzten Palästinensischen Gebieten. „Muttermilch bietet Immunschutz und eine verlässliche Nahrungsquelle, wenn Lebensmittel, sauberes Wasser, medizinische Versorgung und lebenswichtige Güter fehlen. Die Unterstützung des Stillens kann für die jüngsten und schutzbedürftigsten Kinder den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.“
Viele Mütter könnten mit gezielter Unterstützung weiter stillen, doch entsprechende Angebote sind häufig unzureichend. Gleichzeitig zwingen chronische Finanzierungsengpässe humanitäre Organisationen dazu, lebensrettende Ernährungs- und Gesundheitsprogramme zurückzufahren, obwohl immer mehr Familien darauf angewiesen sind. Auch Save the Children musste aufgrund internationaler Hilfskürzungen Teile seiner Arbeit, darunter spezialisierte Mutter-Kind-Angebote, einschränken. Trotz dieser Herausforderungen bietet die Kinderrechtsorganisation weiterhin Stillberatung an und unterstützt insbesondere Mütter, Säuglinge und Kleinkinder mit Ernährungsprogrammen.
Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland, fügt hinzu: „Für Kinder im Gazastreifen gibt es keinen Frieden und sicheren Alltag. Kürzlich kam es wieder zu Angriffen, bei denen auch Kinder ums Leben kamen. Viele Familien wissen nicht, wie sie ihre Jüngsten am nächsten Tag ernähren sollen. Die israelischen Behörden müssen die Beschränkungen für die Einfuhr und Lieferung humanitärer Hilfe und lebenswichtiger Güter unverzüglich aufheben und der Gewalt ein Ende setzen. Gleichzeitig sind internationale Geber gefordert, ihre finanzielle Unterstützung deutlich aufzustocken, damit Kinder in Not und ihre Familien erreicht werden können.“
Save the Childrenist seit 1953 in den besetzten Palästinensischen Gebieten tätig. Die Kinderrechtsorganisation betreibt im Gazastreifen derzeit unter anderem zwei Gesundheitskliniken und 14 Ernährungsstationen. Darüber hinaus bietet Save the Children Kinderschutz- und Bildungsprogramme an sowie psychosoziale Betreuung und unterstützt Familien mit Wasser-, Sanitär- und Bargeldhilfen.
Politik
Presseschau zur Situation in Spanien
Berlin 05.08.2026
– Der Flüchtlingsstatus ist nicht nur Bürgern der Entwicklungsländer vorbehalten; auch Europa erlebte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts große Vertreibungskrisen.
Die Erinnerung an den alten Kontinent, Europa, ist verblasst; man vergisst, dass er im 20. Jahrhundert Hunderttausende Migranten als Flüchtlinge aufnahm. Während der Russischen Revolution von 1917 und des darauffolgenden Bürgerkriegs flohen etwa eine Million Russen nach Europa. Hunderttausend von ihnen, die in Konstantinopel (Istanbul) gestrandet waren, erhielten in der einen oder anderen Form Hilfe von französischen und britischen Militärmissionen, dem Amerikanischen Roten Kreuz und dem ehemaligen Russischen Roten Kreuz. Ihr Bedarf beschränkte sich jedoch nicht auf Nahrung und materielle Hilfe; sie benötigten auch Ausweispapiere, ein Gastland und Arbeit, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auch die Erinnerung der Europäischen Union und insbesondere Deutschlands an den deutschen Arzt und Journalisten Robert Neudeck (1939–2016), den Gründer der humanitären Hilfsorganisation Cap Anamur, ist verblasst – oder wurde vielleicht bewusst verdrängt. Diese Organisation erwarb ein Schiff, das die Weltmeere befuhr, um Opfern von Kriegen zu helfen, die durch die Gier und Habgier des Kolonialismus angezettelt wurden. Dieser versklavte Völker und ließ sie nach der Plünderung ihrer Ressourcen im Stich.
Eine internationale Konferenz zur Untersuchung der Ursachen von Vertreibung ist dringend notwendig geworden.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG kommentiert: „Die Kritiker Spaniens in der EU, und das sind immerhin 22 von 27 Mitgliedstaaten, haben durchaus anerkannt, dass allem Anschein nach ein spanisches Gerichtsurteil der Auslöser war für den jüngsten Massenansturm auf Ceuta. Die Regierung Sánchez ist nicht verantwortlich dafür, wenn das Urteil in den sozialen Netzwerken instrumentalisiert wird, von wem auch immer. Aber der Punkt, auf den so viele Regierungen hingewiesen haben, von der italienischen bis zur deutschen, ist relevant. Spanien hat durch die Massenlegalisierung das Signal ausgesandt, dass eine illegale Einreise in die EU mit etwas Glück in einen legalen Aufenthalt münden kann“, findet die FAZ.
.Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG richtet den Fokus auf die Opfer in Ceuta: „Wären bei einem Anschlag, einem Brand in den USA, in Frankreich oder gar Deutschland 72 Menschen ums Leben gekommen – kaum jemanden hier würde das unberührt lassen. Doch die Toten von Ceuta verschwinden hinter Worten wie ‚Massenandrang‘, ‚Ansturm‘ oder ‚Angriff‘ – werden entmenschlicht in der Vorstellung einer die Grenzen Europas stürmenden Horde. An der Politik, der Berichterstattung, den Gedanken im Kopf jedes Einzelnen zeigt sich, wie sehr rechtspopulistische Parteien in Europa die Wirklichkeit bestimmen. Dazu brauchen sie nicht mal Regierungsverantwortung: 72 Tote sind kaum noch ein Schulterzucken wert, Hauptsache, die 50.000 Menschen kehren dorthin zurück, wo sie herkamen“, heißt es in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.
Die britische TIMES vermutet dahinter ein „politisches Manöver Marokkos“: „Es war ein Versuch, die Legitimität des spanischen Anspruchs auf diesen kleinen Landstreifen infrage zu stellen. Mehr noch: Es war ein beunruhigendes Beispiel dafür, wie plötzliche Massenmigrationswellen als Druckmittel eingesetzt werden. Der Ansturm auf Ceuta wurde mit ziemlicher Sicherheit durch den jüngsten Besuch des spanischen Ministerpräsidenten Sánchez in Algerien ausgelöst. Algerien lehnt die Herrschaft Marokkos über die ehemalige spanische Kolonie Westsahara ab. Und jedes Anzeichen einer Annäherung zwischen Spanien und Algerien löst in Marokko Unmut aus. Dort hat man Erfahrung mit solchen Taktiken. Im Jahr 1975 wurden rund 350.000 Menschen angespornt, in die Westsahara einzumarschieren und Anspruch auf das Gebiet zu erheben, das zu dieser Zeit von Spanien regiert wurde. Im folgenden Jahr trat Spanien das Gebiet an Marokko ab“, ruft die TIMES aus London in Erinnerung.
Die dänische Zeitung POLITIKEN sieht es ähnlich: „Die Wut von Spaniens Regierungschef Sánchez über die fehlende europäische Solidarität ist vollkommen verständlich. Als Belarus und Russland Migranten zur finnischen und polnischen Grenze schickten, gab es volle Unterstützung durch die EU. Spanien wurde dagegen verurteilt, obwohl es seine Außengrenzen deutlich besser kontrolliert als beispielsweise Italien. Heute treffen sich die EU-Innenminister zu einem eilig einberufenen Krisengipfel. Das ist eine gute Idee. Die Krise hat Europas Schwäche und Spaltung auf demütigende Weise bloßgestellt. Dass Spaniens Grenzkontrollen versagt haben, ist problematisch genug, aber noch schlimmer ist, wenn die EU trotz aller Forderungen nach Zusammenhalt so schnell in Streit gerät“, mahnt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Politik
Beitrag zur Verbesserung der humanitären Lage im Gazastreifen
Berlin 07.08.2026
– Das Bundesministerium der Verteidigung wird entlang eines trilateralen Memorandum of Understanding zwischen Israel, den USA und Deutschland leihweise zwei Fahrzeugdurchleuchtungsanlagen an Israel übergeben. Damit sollen die Einfuhren von Hilfsgütern in den Gazastreifen deutlich erhöht werden.
Eine Fahrzeugdurchleuchtungsanlage soll voraussichtlich ab September am Grenzübergang Erez eingesetzt werden und dessen Wiederöffnung ermöglichen. Die zweite Anlage soll am israelischen Hafen in Aschdod nach Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen zum Ende des Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Der operative Betrieb der Anlagen und damit die Verantwortung über die Kontrolle der nach Gaza zu transportierenden Gütern erfolgt ausschließlich durch israelisches Personal.
Um die technische Betreuung der Fahrzeugdurchleuchtungsanlage am Grenzübergang Erez bis zur Übernahme durch die israelische Industrie zu gewährleisten, werden neben einem privaten Unternehmen zudem zwei Bundeswehrangehörige bis Ende 2026 die Systemadministration vor Ort außerhalb des Gazastreifens unterstützen. Diese werden ausschließlich zu diesem Zweck zum International Gaza Support Center in Israel entsandt. Von dort wird bereits der deutsche Beitrag zur Verbesserung der humanitären Lage koordiniert.
Durch diesen Beitrag trägt das Bundesministerium der Verteidigung zu dem Ziel der Bundesregierung, die humanitäre Lage im Gazastreifen durch Erhöhung der Einfuhrkapazitäten zu verbessern, wesentlich bei.
Politik
Der Grundsatz der Nichtzurückweisung muss gewahrt bleiben
Berlin, Straßburg 04.08.2026
– Gemeinsame Erklärung von Sandra Zampa (Italien, SOC), Vorsitzende des Ausschusses für Migration der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE), und Christiana Erotokritou (Zypern, SOC), PACE-Berichterstatterin zum Thema „Frontstaaten: die Rolle des Europarates bei der Umsetzung des EU-Pakts zu Migration und Asyl“:
„Zwischen dem 20. und 31. Juli erlebte das spanische Hoheitsgebiet Ceuta einen beispiellosen Anstieg irregulärer Ankünfte von Migranten; rund fünfzigtausend Menschen gelangten auf dem Land- und Seeweg von Marokko aus auf spanisches Territorium. Die lokalen Aufnahmekapazitäten waren überlastet, und bis Freitag, den 31. Juli, war der Großteil derjenigen, die die Grenze überquert hatten, nach Marokko zurückgekehrt.
Tragischerweise bestätigen offizielle Berichte, dass bei diesen gefährlichen Überquerungen mindestens 72 Menschen ihr Leben verloren haben. Wir bekunden unser tiefes Mitgefühl für die Opfer und unsere Solidarität mit ihren Familien, deren Leid nicht ignoriert werden darf. Ebenso stehen wir an der Seite der Bevölkerung von Ceuta, die mit einer außergewöhnlichen humanitären Krise konfrontiert war, welche die lokalen Ressourcen bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit beanspruchte.
Wir erinnern daran, dass die Mitgliedstaaten des Europarates und die Europäische Union die lokalen Behörden finanziell, technisch und administrativ bei der Bewältigung von Notsituationen unterstützen müssen, die durch die Ankunft einer großen Zahl von Menschen entstehen – wie es die Versammlung kürzlich bekräftigt hat. In solchen Situationen müssen wir die europäischen Werte der Solidarität und Einheit in Wort und Tat wahren.
Während die EU-Innenminister heute zu Krisengesprächen über die Ereignisse in Ceuta zusammenkommen, fordern wir zudem alle EU-Mitgliedstaaten auf, die Bestimmungen des EU-Pakts zu Migration und Asyl uneingeschränkt einzuhalten – insbesondere den Solidaritätsmechanismus sowie die Verordnung für Krisen- und Fälle höherer Gewalt. Diese bieten wirksame Rechtsinstrumente, um auf Krisen wie diese entschlossen, aber menschenwürdig zu reagieren.
Unter diesen Umständen müssen die Staaten den Grundsatz der Nichtzurückweisung uneingeschränkt achten, selbst wenn Migration instrumentalisiert wird. Wie die Parlamentarische Versammlung bereits gewarnt hat, dürfen nationale Sicherheitsbedenken nicht als Rechtfertigung für Kollektivausweisungen oder Ausnahmen von menschenrechtlichen Verpflichtungen herangezogen werden.“ „Eine entschlossene, aber humane Reaktion ist unerlässlich: der Kampf gegen kriminelle Schleusernetzwerke, die Wahrung des Non-Refoulement-Prinzips, die Unterstützung der Grenzregionen sowie die Verankerung von Solidarität, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit im Zentrum des europäischen Migrationsmanagements.“
Politik
Zeit für einen Wandel im Nahen Osten?
Berlin 04.08.2026
– Der Nahe Osten scheint dazu verdammt, in einer prekären Lage zu verharren.
Betrachten wir die Geschichte der Region der letzten 35 Jahre, insbesondere den Juli 1990, als die irakische Armee in Kuwait einmarschierte. Dies folgte auf das Ende des achtjährigen Iran-Irak-Krieges, der beide Länder erschöpft hatte. Die Vertreibung der irakischen Armee aus Kuwait durch die von den USA angeführte internationale Koalition brachte die Golfregion unter direkte US-Kontrolle. Die USA stationierten dort ihre Streitkräfte unter dem Vorwand, die Region zu schützen. Als der ehemalige saudische Verteidigungsminister, Prinz Sultan bin Abdulaziz, den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton aufforderte, die US-Truppen aus Saudi-Arabien abzuziehen, da der Irak keine Bedrohung mehr darstelle, lehnte Clinton dies widerwillig ab und behauptete, die irakische Bedrohung bestehe weiterhin. Nur wenige Stunden später, im Juni 1996, wurde die saudische Stadt Khobar angegriffen – ein Akt, der die fortgesetzte Präsenz der US-Truppen in der Golfregion rechtfertigte.
Schon vor dem Zusammenbruch des iranischen Regimes war der Nahe Osten, unterstützt von Washington und europäischen Ländern, in einen Hegemoniekampf zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten verwickelt, was die Rufe nach einer neuen Nahostpolitik verstärkte.
Ist es an der Zeit, diesen Wandel im Nahen Osten umzusetzen?
Der von den Vereinigten Staaten und Israel gegen den Iran begonnene Krieg, der Anfang Februar 2016 ausbrach, leitete eine neue Phase offener militärischer Konfrontation ein und veränderte die Sicherheitslage im Nahen Osten grundlegend. Selbst wenn ein dauerhafter Waffenstillstand und andere Friedensabkommen erfolgreich umgesetzt werden, wird die gesamte Region auf absehbare Zeit von Instabilität, dem Risiko einer umfassenden Eskalation und internen Spannungen in vielen Bereichen geprägt bleiben. Anders als frühere Eskalationen in der Region ist die aktuelle Situation das Ergebnis mehrerer sich überschneidender Konflikte: die direkte Konfrontation zwischen Iran und Israel, die Blockade der Straße von Hormus, die andauernden Kämpfe im Gazastreifen, die erneuten Zusammenstöße zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah im Südlibanon und schließlich die beispiellos intensiven iranischen Luftangriffe auf Anlagen in den Golfstaaten.
Die globale Dimension dieses komplexen Konfliktgeflechts zeigt sich deutlich in seinen Auswirkungen auf die weltweite Energieversorgung. Laut Daten der US-Energieinformationsbehörde wurden zuvor rund 23 % des weltweit gehandelten Rohöls, also etwa 20 Millionen Barrel pro Tag, durch die Straße von Hormus transportiert. Schon in der Vergangenheit führten sporadische iranische Drohungen, Öltanker zu inspizieren oder den Schiffsverkehr zu behindern, regelmäßig zu Schwankungen der Energiepreise. Nun ist klar, dass Drohnen- und Raketenangriffe, die vom Iran durchgeführt oder in Auftrag gegeben werden, gegen den Ölsektor und die Logistikinfrastruktur in Saudi-Arabien und im Irak die globalen Lieferketten unmittelbar beeinträchtigen.
Dies stellt die Vereinigten Staaten und die europäischen Länder vor ein grundlegendes Problem. Die Region bleibt entscheidend für Energie, Handel und Sicherheit, während ihr politischer Einfluss schwindet. Versuche, durch multilaterale Mechanismen wie das Atomabkommen mit dem Iran von 2015 Stabilität zu schaffen, sind kläglich gescheitert, und neue Lösungsansätze sind nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die deutsche und europäische Politik gegenüber dem Nahen und Mittleren Osten neu ausgerichtet werden muss, sodass sie stärker von pragmatischen politischen Erwägungen und weniger von normativen Erwartungen geleitet wird.
Politik
Presseschau zur Flüchtlingssituation in Spanien
Berlin 03.08.2026
– Die jüngste Massenflucht nach Spanien hat die Problematik von Ceuta und Melilla erneut in den Vordergrund gerückt. Am Donnerstag überquerten rund 60.000 Migranten die Grenze von der marokkanischen Küste nach Ceuta auf dem Land- und Seeweg. Heute wurde bekannt gegeben, dass mehr als die Hälfte von ihnen nach Marokko zurückgekehrt ist.
Dies ist einer der größten Versuche der letzten Jahre, europäisches Territorium zu erreichen. Mindestens 34 Menschen ertranken dabei. Die Region befindet sich in einem Zustand des Chaos, da die Zahl der Ankünfte stetig steigt.
Die Region erlebt aufgrund der steigenden Zahl der Ankünfte ein Chaos.
Die Drohung von US-Präsident Donald Trump, auf diejenigen zu schießen, die unter dem Vorwand, Spanien und Europa vor einer marokkanischen Invasion zu verteidigen, nach Spanien fliehen, erinnert frappierend an die Hetze eines prominenten ungarischen Priesters während der Flüchtlingskrise 2015. Er bezeichnete den Zustrom als islamischen Angriff zur Eroberung Europas.
Die Politik hat es nicht geschafft, den Zustrom junger Afrikaner und anderer Menschen, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu gelangen, einzudämmen. Sie fliehen vor Armut und suchen dort nach einer Existenzgrundlage. Trotz Vorschlägen zur Ansiedlung von Industrieunternehmen in Afrika, insbesondere in Tunesien, Marokko und Algerien, um junge Afrikaner zur Arbeit und Produktion zu motivieren, blieben diese Vorschläge bisher nur leere Worte.
Europa wird durch den Zustrom von Flüchtlingen keine Entlastung erfahren.
Für die FRANKFURTER RUNDSCHAU… „…gibt es keinen Zweifel: Die jüngsten Vorgänge in Ceuta an der nordafrikanischen Küste, einem der Nadelöhre für Migrationsbewegungen gen Europa, kommen einer Bankrotterklärung des globalen Nordens gleich. Dass jemand wie US-Präsident Trump die erschreckenden Bilder für Wahlkampfzwecke missbraucht, ist von ihm nur konsequent. Das ist aber auch so schäbig, dass man das Gefühl hat, selbst davon beschmutzt worden zu sein und sich bei der Welt für Trumps Existenz doch auch entschuldigen zu müssen. Die Schuldzuweisungen jener dramatischen Stunden – das arrogante Spanien, das verbarrikadierte Europa – waren nicht unbedingt falsch, aber sie erfolgten im Affekt einer über jeden Zweifel erhabenen moralischen Empörung. Und so greifen sie dann doch zu kurz“, gibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU zu bedenken.
„Das Thema Migration ist mächtig, weil es sich hervorragend eignet, Angst zu schüren“, wirft das HANDELSBLATT aus Düsseldorf ein: „Angst vor dem Fremden, vor einer Invasion von Mittellosen, die in die Sozialsysteme einwandern und Einheimischen Jobs rauben. Das ist die Erzählung der Rechtsextremen. Deshalb sind die Bilder von Ceuta so gefährlich. Genau deshalb fielen am Freitag zahlreiche Regierungschefs über den spanischen Ministerpräsidenten Sánchez her. Manche wie US-Präsident Trump, um die eigene eiserne Migrationspolitik zu rechtfertigen. Andere wie Italiens Regierungschefin Meloni, um der Konkurrenz am rechten Rand zuvorzukommen. Dabei hat bis heute kein einziger Migrant aus Ceuta das europäische Festland erreicht“, konstatiert das HANDELSBLATT.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG richtet den Fokus auf Sánchez: „Der Sozialist verkörpert für viele Menschen in Europa eine friedliche, menschenfreundliche, bessere EU. Er fordert nicht nur Klimaschutz, sondern kommt mit der ökologischen Transformation der Wirtschaft wirklich voran. Er bietet Trump die Stirn, wenn er dessen Verstöße gegen das Völkerrecht benennt und die Forderungen nach höheren Rüstungsausgaben nicht erfüllt. Und nicht zuletzt verweigert er sich immer wieder den Asylrechtsverschärfungen, die von Rechten und Konservativen in Europa bis an die Grenze des Erträglichen vorangetrieben werden. Das muss man sich erst mal trauen“, betont die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, um dann aber auch darauf hinzuweisen, dass… „…der begnadete Wahlkämpfer Sánchez seine europäische Nische auch immer wieder rücksichtslos zur Profilierung ausnutzt.“
„Die harsche Reaktion in Europa zeigt, dass sie Erinnerungen wachruft an 2015“, heißt es im HAMBURGER ABENDBLATT: „Damals waren Tausende Flüchtlinge in Budapest gestrandet; die Kanzlerin Angela Merkel öffnete ihr Herz und die Grenzen. Erst strömten Tausende, dann Zehntausende, dann Hunderttausende über die Balkanroute nach Mitteleuropa. Eine humanitäre Großtat verwandelte sich in eine politische, ökonomische und gesellschaftliche Überforderung. Seitdem hat sich Europa verändert. 2015 beobachteten viele Nachbarn Merkels Kurs eher reserviert; heute stößt jede Politik der Offenheit sofort an Grenzen. Das bekommt der sozialistische Ministerpräsident Sánchez brutal zu spüren, der zuvor mit seiner liberalen Migrationspolitik Spanien zum Fluchtziel Nummer eins gemacht hatte. Italiens Ministerpräsidentin Meloni fordert sogar, das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr gegenüber Spanien vorübergehend auszusetzen. Die Festung Europa wird Wirklichkeit. Das mag man kritisieren, aber was wäre die Alternative? Vermutlich Bilder wie aus Ceuta in Dauerschleife. Die aber halten Europas Demokratien nicht mehr aus“, ist das HAMBURGER ABENDBLATT überzeugt.
Politik
Friedrich Merz zur Lage in Ceuta
Berlin 31.07.2026
„Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration. Ich habe die klare Erwartung an alle EU-Mitgliedstaaten, dass sie dieser Pflicht nachkommen. Wir stehen dazu in Kontakt mit der spanischen Regierung.
Spanien will und muss die Situation in Ceuta schnellstmöglich wieder in den Griff bekommen. Ich begrüße daher die spanische Absicht, die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen. Von Marokko erwarten wir, dass sie die illegalen Migranten unverzüglich wieder zurücknehmen. Es ist gut, dass die Europäische Kommission und Kommissar Magnus Brunner ihre Unterstützung hierfür zugesagt haben. Die im Juni verabschiedete Rückkehrverordnung muss nun unverzüglich und umfassend umgesetzt werden“, so Bundeskanzler Friedrich Merz zu Lage im spanischen Ceuta.
Politik
Atlas der Zivilgesellschaft 2026
Berlin 29.07.2026
Nur 3,4 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit vollständig garantiert sind. 73 Prozent hingegen leben in autoritären Staaten oder Diktaturen. Wir zeigen die Lage weltweit und warum Desinformation zivilgesellschaftliche Spielräume weiter einschränkt.
Der Atlas der Zivilgesellschaft 2026 von Brot für die Welt zeigt die Lage der Zivilgesellschaft weltweit. Setzt sich die Tendenz der vergangenen Jahre fort und steigt der Druck auf die Zivilgesellschaft? Welches Land steigt auf der Skala der Freiheit ab und welches steigt auf? Eine lebendige und freie Zivilgesellschaft ist für Entwicklungsgerechtigkeit besonders wichtig. Sie macht Ungleichheit sichtbar und stärkt die Positionen benachteiligter Gruppen.
Für den CIVICUS-Monitor, der die Datengrundlage für den Atlas der Zivilgesellschaft bildet, werden zahlreiche unabhängige Datenquellen kombiniert. Um aktuelle Trends zu erfassen, bezieht das weltweite zivilgesellschaftliche Netzwerk CIVICUS Beobachtungen und Daten von mehr als 20 regionalen Partnern aus der ganzen Welt mit ein. Dazu zählen Bewertungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und Berichte nationaler, regionaler und internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen. Relevant sind hierbei Informationen über die Vereinigungs-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit in den jeweiligen Ländern. Daten staatlicher Stellen fließen nicht ein. Diese externen Analysen führt CIVICUS dann mit der eigenen Analyse zusammen für die Länderbewertungen. Wie frei die Zivilgesellschaft ist, wird in fünf Kategoriendargestellt: offen, beeinträchtigt, beschränkt, unterdrückt oder geschlossen. Nicht alle typischen Merkmale einer Kategorie treffen zwingend auf alle Länder dieser Kategorie zu.
Zahlen und Fakten
Nur 3,4 Prozent der Menschen weltweit leben in Staaten, in denen volle Meinungs- und Versammlungsfreiheit garantiert ist. Das sind jene 39 Länder, die im CIVICUS-Monitor als „offen“ klassifiziert und in der Karte dunkelgrün gefärbt sind. Hier leben 277 Millionen Menschen.
Dahingegen leben rund 73 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Zivilgesellschaft unterdrückt oder geschlossen ist. Das betrifft fast sechs Milliarden Menschen. Ihre Regierungen beschneiden die Freiheitsrechte erheblich und drangsalieren, verhaften oder töten kritische Menschen. Das trifft auf 83 von 197 Ländern zu. 15 Länder wurden 2025 gegenüber dem Vorjahr herabgestuft, darunter Deutschland, und drei Länder haben sich verbessert: Gabun, Mauretanien und Senegal.
Europa
Waldbrände in Spanien und Frankreich: die EU hilft
Berlin 28.07.2026
Die Europäische Union unterstützt im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus sowohl Frankreich als auch Spanien beim Kampf gegen die verheerenden Waldbrände. Mehr als 300.000 Menschen mussten bereits ihre Häuser verlassen.
Die EU hatte bereits zur Vorbereitung auf die diesjährige Waldbrandsaison Brandbekämpfungsteams aus anderen europäischen Ländern in Frankreich und Spanien stationiert. Sie konnten die nationalen Einsatzkräfte sofort verstärken.
Gemeinsam gegen die Waldbrände
Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Vorsorge, Krisenmanagement und Gleichstellung, betonte: „Im Moment sind Hunderttausende Menschen gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen, während Feuerwehrleute unter dramatischen Bedingungen gegen das Flammenmeer kämpfen, um Leben und Ortschaften zu retten. Kein Land sollte sich jemals allein einer Katastrophe dieses Ausmaßes entgegenstellen müssen. Genau aus diesem Grund hat Europa eine gemeinsame Reaktionsfähigkeit aufgebaut: Flugzeuge am Himmel, Feuerwehrleute am Boden und mehr Unterstützung, die sofort bereitsteht, wenn sie gebraucht wird. Europa wird den Menschen in Frankreich und Spanien zur Seite stehen, bis die Brände vorbei sind“.
Überblick über die Hilfe
- Frankreich
Die EU hat sieben Flugzeuge und vier Hubschrauber eingesetzt, die meisten Maschinen stammen aus der rescEU-Flotte. Die Hilfe kam aus Deutschland, Tschechien, Kroatien, Portugal, der Slowakei, Schweden und der Türkei.
- Spanien
In Spanien hat die EU sechs Flugzeuge aus Griechenland, Italien und der Türkei mobilisiert und 134 Einsatzkräfte sowie 41 Fahrzeuge aus Portugal entsandt.
Weitere europäische Unterstützung
Der Copernicus-Satellitendienst der EU hat sogenannte rapid emergency maps zur Verfügung gestellt, also Geodaten zur Unterstützung der Einsätze vor Ort.
Außerdem steht das EU-Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen weiterhin in engem Kontakt mit den französischen und spanischen Behörden, um zu bewerten, welche weitere Unterstützung mobilisiert werden kann.
Zusätzlich ist ein Verbindungsbeamter der Europäischen Kommission in Bordeaux, um die französischen Behörden bei der Koordinierung der EU-Hilfe zu unterstützen.
Politik
Humanitäre Hilfe für den Südsudan
Berlin 27.07.2026
– In den Jahren von 2022 bis 2026 hat die Bundesregierung rund 123,8 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Linderung der Lage im Südsudan zur Verfügung gestellt. Das geht aus einer Antwort (21/7232(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (21/6495(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Fraktion Die Linke hervor.
Demnach habe die Bundesregierung in der Zeit von 2022 bis 2026 Nichtregierungsorganisationen aus Mitteln der humanitären Hilfe rund 84,52 Millionen Euro für humanitäre Projekte im Südsudan bereitgestellt. In den humanitären Länderfonds Südsudan der Vereinten Nationen wurden aus Mitteln der humanitären Hilfe in dem Zeitraum rund 39,3 Millionen Euro eingezahlt. Eine Aussage zu den Planungen für das Jahr 2027 sei aktuell noch nicht möglich, da dies von den verfügbaren Haushaltsmitteln abhängen werde, heißt es in der Antwort.
„Die humanitäre Lage im Südsudan ist weiterhin katastrophal“, schreibt die Bundesregierung. Gemäß Welternährungsprogramm (WFP) seien aktuell 7,8 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. In einigen konfliktbetroffenen Bezirken bestehe die Gefahr einer Hungersnot. Beide Konfliktparteien behinderten die Arbeit humanitärer Akteure. Der humanitäre Zugang sei in weiten Landesteilen eingeschränkt und erschwere die Versorgung der auf Hilfe angewiesenen Menschen.
Die Bundesregierung unterstütze die Vermittlungsbemühungen der Regionalorganisation Intergovernmental Authority on Development (IGAD), der Afrikanischen Union (AU) und deren Sondergesandten Jakaya Kikwete sowie der Friedensmission der vereinten Nationen in Sudan (UNMISS). Als Mitglied des sogenannten IGAD Partners Forum im Überwachungsmechanismus des Friedensabkommens Re constituted Joint Monitoring and Evaluation Commission (RJMEC) unterstütze Deutschland die laufenden Bemühungen, die Konfliktparteien zur Rückkehr zum Friedensabkommen zu bewegen.
Politik
Bundeswehr unterstützt bei Feuerlöscharbeiten in Frankreich
Berlin 27.07.2026
– Die Bundeswehr hat am Vormittag Hubschrauber und Feuerlöschmaterial in den Südwesten Frankreichs entsandt, um die französischen Kräfte bei der Bekämpfung der Waldbrände zu unterstützen. Die Waldbrände in Frankreich und Spanien haben sich in den letzten Tagen erheblich ausgeweitet und stellen für die Menschen vor Ort eine existentielle Bedrohung dar. Das Ausmaß der Zerstörung ist erschütternd. Eine Eindämmung der Brände ist bisher nicht gelungen.
Auf Anfrage der französischen Behörden haben wir umgehend geeignete Kapazitäten zur Unterstützung der Brandbekämpfung identifiziert und in Einsatzbereitschaft versetzt. Deutschland steht in dieser schwierigen Lage fest an der Seite unserer engen Freunde und Partner. Die Bundeswehr verlegt aktuell zur Unterstützung der französischen Kräfte zwei CH-53-Transporthubschrauber sowie Löschgerät und weiteres Material zur Bekämpfung der Brände mittels eines A400M zur französischen Militärbasis Cazaux. Der Einsatz der deutschen Unterstützungskräfte soll nach aktueller Planung bei den Waldbränden in der Umgebung von Bordeaux erfolgen und ist in Absprache mit unseren französischen Partnern zunächst auf fünf Tage begrenzt.
Welt
Gaza: Kinder in Gefahr
Berlin 27.07.2026
– „Wir könnten jeden Moment sterben“, sagt die 14-jährige Amani*. Damit ist sie nicht allein: Nach Angaben der Vereinten Nationen haben 96 Prozent der Kinder im Gazastreifen das Gefühl, ihr Tod könne jederzeit bevorstehen.
Wir sind für Kinder und Familien im Gazastreifen da, etwa in Schutz- und Spielräumen. Auch Amani findet dort Unterstützung: „Immer wenn mir etwas Angst macht, spreche ich hier darüber. Aber es gibt noch so viele Kinder, die diese Orte nicht kennen oder herkommen können. Wenn es noch mehr davon gäbe, könnten mehr Mädchen davon profitieren.“
Die meisten Gebäude im Gazastreifen liegen in Schutt und Asche, viele Kinder und Familien leben in Zelten. Mit den steigenden Temperaturen breiten sich dort aktuell Ratten, Kakerlaken, Fliegen und andere Schädlinge aus. Sie übertragen Krätze, Läuse und Hautinfektionen. Zudem ist Hunger allgegenwärtig und es gelangen bei weitem nicht ausreichend Hilfsgüter zu den Menschen.
So hilft Save the Children in Gaza
Derzeit betreiben wir zwei Gesundheitskliniken und 15 Ernährungszentren und helfen im Bereich Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Zudem haben wir Kinderschutzprogramme, einschließlich psychosozialer Betreuung, an 21 Standorten und sorgen für Unterricht in 63 provisorischen Lernräumen. Familien unterstützen wir mit Bargeldhilfen.
Im Jahr 2025 haben wir mehr als 1,8 Millionen Menschen im Gazastreifen, darunter 950.000 Kinder, mit unserer Hilfe erreicht.
Wir fordern: Die Waffenruhe muss uneingeschränkt respektiert und eingehalten werden. Kinder im Gazastreifen müssen endlich in Sicherheit leben können. Nur ein dauerhafter Waffenstillstand kann das Überleben der Kinder sichern. Die Menschen im Gazastreifen brauchen endlich sichere, verlässliche und langfristige Hilfe, damit weitere Todesfälle durch Hunger, Krankheiten und Verletzungen verhindert werden. Sie haben ein Recht auf den Zugang zu humanitärer Hilfe.
Politik
Verfassungsreform in Bosnien und Herzegowina befürwortet
Berlin 23.07.2026
– Die Bundesregierung setzt sich in Bosnien und Herzegowina für die territoriale und funktionale Integrität sowie Souveränität des Landes ein. Die Friedensordnung von Dayton und ihre Institutionen seien wichtige Eckpfeiler für Stabilität und Frieden im Land.
Gleichzeitig habe das Friedensabkommen von Dayton mit seinen vielen Mitbestimmungs-, Veto- und Blockademöglichkeiten dazu beigetragen, dass Bosnien und Herzegowina mehr als 30 Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens ein politisch gespaltenes Land bleibe, heißt es in der Antwort (21/7210(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (21/6537(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) der Linksfraktion.
Eine Reform der Verfassung von Bosnien und Herzegowina sei erstrebenswert, um Blockademöglichkeiten zu verringern und die Funktionalität des Staates zu erhöhen, heißt es in der Antwort. Ein Beitritt zur EU sei unter den gegebenen verfassungsmäßigen Umständen nicht möglich.
Die Bundesregierung unterstütze Bosnien und Herzegowina im Rahmen des leistungsbasierten EU-Beitrittsprozesses und setze sich für die formelle Aufnahme von Beitrittsverhandlungen ein. Auf diesem Weg seien die Stärkung der Demokratie, die Funktionsfähigkeit der staatlichen Institutionen, die Bekämpfung von Korruption sowie von organisierter Kriminalität wesentlich.
Welt
WELTERNÄHRUNGSBERICHT 2026: 645 MILLIONEN MENSCHEN SIND VON HUNGER BETROFFEN
Berlin 24.07.2026
645 Millionen Menschen weltweit leiden an Hunger – das zeigt der Welternährungsbericht, der morgen veröffentlicht wird. Gegenüber dem Vorjahr ist dies zwar ein leichter Rückgang. Von einem Trendwechsel kann jedoch keine Rede sein: Während einige Regionen Fortschritte verzeichnen, verschärft sich die Hungerkrise insbesondere in Afrika. Konflikte, Klimaschocks und drastische Mittelkürzungen drohen die globale Entwicklung erneut umzukehren.
„645 Millionen Menschen leiden Hunger, obwohl die Welt genug Nahrung für alle produziert. Diese Ungerechtigkeit ist die Folge von Konflikten, Ungleichheit und politischen Fehlentscheidungen. Wir müssen dringend in nachhaltige Ernährungssysteme investieren“, fordert Jan Sebastian Friedrich-Rust, Geschäftsführer von Aktion gegen den Hunger.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in Afrika: Mit 309 Millionen Betroffenen lebt dort erstmals die größte Zahl hungernder Menschen weltweit. Jede fünfte Person auf dem Kontinent ist von Hunger betroffen.
Das sind die Schlüsselzahlen des Welternährungsberichts 2026
Im Jahr 2025 sind schätzungsweise 645 Millionen Menschen beziehungsweise 7,8 Prozent der Weltbevölkerung von Hunger betroffen.
309 Millionen Menschen in Afrika leiden unter Hunger. Damit ist jede fünfte Person auf dem Kontinent betroffen.
Weltweit leben 2,1 Milliarden Menschen beziehungsweise 25,8 Prozent der Weltbevölkerung in moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, dass sie keinen regelmäßigen Zugang zu ausreichender Nahrung haben oder zeitweise sogar einen ganzen Tag ohne Essen auskommen müssen.
Frauen bleiben überproportional von Ernährungsunsicherheit betroffen. Zudem leidet inzwischen mehr als jede dritte Frau im Alter von 15 bis 49 Jahren (30,7 Prozent) an Anämie.
Nur 30,8 Prozent der Kinder im Alter von sechs bis 23 Monaten und 62,7 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren erreichen weltweit das Mindestmaß an Ernährungsvielfalt.
In Afrika erreichen lediglich 43 Prozent der Frauen und 20,5 Prozent der Kinder die Mindestanforderungen an eine vielfältige Ernährung.
Gesunde Ernährung bleibt für Milliarden Menschen unerschwinglich
Der Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Kosten gesunder Ernährung. Zwar ist der Anteil der Menschen, die sich eine gesunde Ernährung nicht leisten können, von 37,4 Prozent im Jahr 2021 auf 32,7 Prozent gesunken. Dennoch bleibt gesunde Ernährung für rund ein Drittel der Weltbevölkerung unerreichbar. Besonders dramatisch ist die Situation in Afrika: Dort können sich 66,6 Prozent der Menschen keine gesunde Ernährung leisten.
Die Kosten einer gesunden Ernährung sind ein wichtiger Indikator. Sie dürfen jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssen die Ungleichheiten und Machtverhältnisse entlang der gesamten Lebensmittelkette sowie die strukturellen Ursachen von Ernährungsunsicherheit angegangen werden.
Um den Zugang zu vielfältiger Ernährung zu verbessern, fordert Aktion gegen den Hunger einen Umbau der Ernährungssysteme auf Grundlage agrarökologischer Ansätze. Dazu gehört insbesondere die gezielte Umlenkung öffentlicher Subventionen und Forschungsgelder in diese Form der Landwirtschaft.
Mittelkürzungen senden das falsche Signal
Während die humanitären Bedarfe weltweit steigen, werden die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in Deutschland weiter gekürzt. Nach Einschnitten von rund einer Milliarde Euro im Entwicklungsetat und mehr als 50 Prozent bei der humanitären Hilfe im Jahr 2025 stehen 2026 für humanitäre Hilfe nur noch rund eine Milliarde Euro zur Verfügung – gerade einmal 0,2 Prozent des Bundeshaushalts. Auch der Etat des Entwicklungsministeriums sinkt auf zehn Milliarden Euro und erreicht damit den niedrigsten Anteil am Bundeshaushalt seit 15 Jahren.
Diese Kürzungen stehen in keinem Verhältnis zu den globalen Herausforderungen und den steigenden humanitären Bedarfen. Laut einer aktuellen forsa-Umfrage sind fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Meinung, die internationale Gemeinschaft müsse mehr Mittel gegen globalen Hunger und Armut bereitstellen.
„Kürzungen bei Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit sind keine abstrakten Haushaltsentscheidungen. Sie führen dazu, dass Gesundheitszentren schließen, Hilfslieferungen ausfallen und immer mehr Kinder hungern. Wer hier spart, trifft Entscheidungen mit direkten Folgen für Menschenleben“, sagt Jan Sebastian Friedrich-Rust.
-
Politik4 Tagen ago
Neuer Bitkom-DESI-Index zeigt Dänemark an der Spitze
-
Politik4 Tagen ago
Startup- und Scaleup-Strategie mit Schwerpunkt Rüstung
-
Politik5 Tagen ago
21,4 Millionen Euro für externe Kommunikationsleistungen
-
Wirtschaft5 Tagen ago
ifo Institut: Materialversorgung verbessert sich leicht
-
Politik5 Tagen ago
Friedrich Merz zur Lage in Ceuta
-
Wirtschaft4 Tagen ago
ifo Institut: Geschäftsklima im Einzelhandel leicht verbessert
-
Politik4 Tagen ago
Der Abgabeweg von Arzneimitteln wird streng reguliert
-
Politik5 Tagen ago
Digitale Brieftasche soll 2027 starten
-
Politik3 Tagen ago
Aus drei mach eins
-
Politik5 Tagen ago
Neues Agrarrecht soll Verwaltungsaufwand verringern
-
Politik3 Tagen ago
Der Grundsatz der Nichtzurückweisung muss gewahrt bleiben
-
Politik3 Tagen ago
Zeit für einen Wandel im Nahen Osten?
-
Politik5 Tagen ago
KI bislang nicht in Rüstungskontrolle eingesetzt
-
Politik4 Tagen ago
Deutschlandfonds wächst weiter:
-
Wirtschaft3 Tagen ago
Zahl der Brauereien sinkt




