Wirtschaft
Vorsichtige Stabilisierung in fragilem globalen Umfeld
Berlin 14.07.2026
– Die wirtschaftliche Ausgangslage und die Perspektiven hatten sich zur Jahresmitte im Zuge der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und dem Iran Mitte Juni und den in der Folge deutlich gesunkenen Energiepreisen etwas aufgehellt. Die Ausbringung im Produzierenden Gewerbe legte im April und Mai leicht zu, wobei vor allem das Baugewerbe mit einem Aufholen der witterungsbedingen Einbrüche zu Jahresbeginn deutliche Impulse setzte. Aber auch die Industrieproduktion erhöhte sich in den vergangenen beiden Monaten etwas, wobei neben der Produktion von Kfz- und Kfz-Teilen auch energieintensive Bereiche wie die chemische Industrie sowie Metallerzeugnisse von einer höheren Nachfrage profitierten.
Vor dem Hintergrund der Verhandlungen zur Lösung des Irankonflikts haben sich die Stimmungsindikatoren in der Wirtschaft im Juni aufgehellt: Sowohl das ifo-Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe als auch der S&P Einkaufsmanagerindex legten zu und deuten eine weitere leichte Erholung im Verlauf des zweiten Quartals an. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher blickten trotz der energiepreisbedingten Kaufkraftverluste und der anhaltend schwachen Arbeitsmarktentwicklung zuletzt wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Hierauf deuten der jüngste Anstieg des GfK-Konsumklimaindexes wie auch des HDE-Konsumbarometers hin, ausgehend allerdings von einem niedrigen Niveau. Insbesondere die Einkommens- und Konjunkturerwartungen haben sich demnach erholt. Diese Aufhellung spiegelt sich auch in einer Belebung der Einzelhandelsumsätze im Mai sowie des ifo-Geschäftsklimas im Handel für den Juni, bei dem sich sowohl die Lage- als auch die Erwartungskomponente verbesserten. Im Dienstleistungssektor insgesamt zeigen die jüngsten Produktionsdaten, die aktuell bis April vorliegen, nach dem Einbruch im März eine Stabilisierung an, die vor allem von den konsumnahen Bereichen ausgeht, während die Unternehmensdienstleistungen bis zuletzt leicht rückläufig waren.
Ungeachtet dieser etwas positiveren Indikatoren-Lage dürften die zwischenzeitlich deutlich gestiegenen und nach wie vor erhöhten Energie- und Rohstoffpreise über Kostensteigerungen in Unternehmen und Kaufkraftverlusten bei privaten Haushalten die Konjunktur zunächst noch dämpfen. Zudem bleibt die Unsicherheit mit Blick auf den weiteren Konfliktverlauf und die Entwicklung der Energiepreise angesichts der jüngsten militärischen Eskalation im Nahen Osten und der erneuten Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hoch. Die Industriekonjunktur dürfte in den kommenden Monaten im Spannungsfeld gestiegener Auftragseingänge und -bestände, insbesondere bei den energieintensiven Industrien sowie beim sonstigen Fahrzeugbau auf der einen Seite, und sich erst langsam auflösenden Lieferkettenproblemen, ungünstigeren Finanzierungsbedingungen sowie erhöhten Rohstoff- und Energiekosten auf der anderen Seite verbleiben. So lässt der deutliche Rückgang des LKW-Maut-Fahrleistungsindexes im Juni eine Abschwächung der Industrieproduktion am aktuellen Rand erwarten. Bei den privaten Haushalten dürften die bisherigen Kaufkraftverluste sowie die anhaltende geopolitische Unsicherheit die Konsumlaune zunächst noch dämpfen, was sich in einer anhaltend geringen Anschaffungsneigung widerspiegelt. Im weiteren Jahresverlauf dürften im Falle einer Verringerung der belastenden Auswirkungen der gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise die fiskalischen Impulse stärker zum Tragen kommen und die erwartete konjunkturelle Erholung unterstützen. Mittel- bis längerfristig zielen die jüngsten Reformvorhaben der Bundesregierung auf eine Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen, eine nachhaltige Stabilisierung der Sozialversicherungssysteme und damit auch auf eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ab.
AUSWIRKUNGEN DES NAHOST-KONFLIKTS AUF DIE WELTWIRTSCHAFT BISLANG ÜBERSCHAUBAR, KI-BOOM STÜTZT
Die weltweite Industrieproduktion ist im April mit saisonbereinigt – 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat erneut zurückgegangen und liegt damit im Vorjahresvergleich nur noch um 1,0 Prozent im Plus. Während die Ausbringungsmenge in den Industrieländern im Vergleich zum März 2026 mit + 0,5 Prozent moderat expandierte, wurde sie in den Schwellenländern um 1,5 Prozent gedrosselt. Die Frühindikatoren für die Weltkonjunktur signalisieren nach wie vor eine robuste Entwicklung der Weltwirtschaft: Der Einkaufsmanagerindex von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im Juni geringfügig um 0,1 auf 52,0 Punkte gestiegen und signalisiert damit nach wie vor moderates Wachstum. Während sich die Stimmung in der Industrie nach der positiven Entwicklung in den Vormonaten etwas eintrübte (-0,5 auf 52,2 Punkte), deutet der Index für den Dienstleistungssektor auf eine etwas höhere Dynamik als im Vormonat hin (+ 0,4 auf 51,7 Punkte). Die Konjunkturerwartungen der Finanzinvestoren haben sich im Juli weiter aufgehellt. Der Sentix-Index hat seine Erholung nach dem Stimmungseinbruch im März und April mit einem Anstieg von 8,0 auf 13,3 Punkte fortgesetzt. Damit befindet er sich wieder nahe den Werten vom Jahresbeginn 2026. Anlegerinnen und Anleger rechnen insbesondere in den USA und in Asien mit einer anziehenden Konjunktur, wohingegen die Erwartungen für den Euroraum weniger optimistisch ausfallen. Allerdings basieren diese Umfragewerte auf dem Zeitraum vor dem erneuten Aufflammen des Konflikts im Iran.
Der Welthandel stieg im April laut dem niederländischen Forschungsinstitut CPB saisonbereinigt um 0,7 Prozent gegenüber März, der einen Rückgang um 2,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zu aufwies. Der Konflikt im Iran scheint im April vor allem den Handel in der Golfregion beeinträchtigt zu haben, während die globalen Auswirkungen wohl begrenzt blieben. Ein durch den Konflikt beschleunigter Lageraufbau sowie die starke Nachfrage nach KI-bezogener Elektronik dürften zudem gestützt haben.
Laut Schiffsbewegungs- und Containerumschlagsdaten dürfte sich der Welthandel im zweiten Quartal insgesamt verhalten entwickeln. Nach den vorangegangenen beiden Rückgängen hat sich der RWI/ISL-Containerumschlagindex im Mai mit einem leichten Anstieg um 0,3 auf 141,9 Zähler stabilisiert. Dies dürfte mit den allmählich nachlassenden Belastungen durch die bis Ende April stark gestiegenen Öl- und Erdgaspreise zusammenhängen. Während der Nordrange-Index etwas zulegte, ging die Aktivität in den chinesischen Häfen nach dem starken Jahresstart erneut zurück. Der Trade Monitor des Internationalen Währungsfonds deutet im Mai auf eine Stagnation des weltweiten Handelsvolumens hin.
Laut dem kürzlich veröffentlichten Update des World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds hat die Weltwirtschaft den Energiepreis- und Angebotsschock durch den Konflikt im Iran bislang besser überstanden als zunächst befürchtet. Die Beeinträchtigungen durch die mehrmonatige Sperrung der Straße von Hormus dürften sich allerdings erst schrittweise vollumfänglich bemerkbar machen. Denn der Abbau von Lagerbeständen bei Rohstoffen hat vorübergehend für Entlastung angesichts der reduzierten Energielieferungen gesorgt. Gleichzeitig deuten Indikatoren für Lieferkettenstress oder Einkaufsmanagerindizes im Verarbeitenden Gewerbe auf eine nachlassende Dynamik hin. Unter der Annahme, dass sich der Konflikt im Nahen Osten beruhigt, geht der IWF in seiner Juli-Prognose von einer Wachstumsabschwächung der Weltwirtschaft auf 3,0 Prozent im laufenden Jahr und einer allmählichen Erholung mit einem BIP-Zuwachs von 3,4 Prozent im Jahr 2027 aus.
AUSSENHANDEL TROTZ RÜCKSETZER WEITER AUFWÄRTSGERICHTET
Nach der dynamischen Entwicklung im April kam es beim Außenhandel im Mai zu einem Rücksetzer. Die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen, saison- und kalenderbereinigt um 2,4 Prozent gegenüber April zurück, nachdem sie zuvor um 4,2 Prozent zugelegt hatten. Während die Warenausfuhren in die EU-Staaten nachgaben, nahmen die Lieferungen in die übrigen Länder zu. Insbesondere die Warenexporte in die USA stiegen kräftig und lagen damit nach einer ausgeprägten zollbedingten Schwächephase wieder auf dem Niveau von März 2025. Auch im Auslandsgeschäft mit China war ein spürbares Plus zu verzeichnen. Die Dienstleistungsexporte gingen gleichzeitig um 4,6 Prozent zurück. Insgesamt blieben die Exporte von Waren und Dienstleistungen aber weiterhin aufwärtsgerichtet: Seit Januar lagen sie um 3,4 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen im Mai um 4,8 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Sowohl aus der EU als auch aus den Drittstaaten wurden weniger Güter bezogen, allerdings legte der Handel mit den USA auch importseitig zu. Die Dienstleistungsimporte reduzierten sich im Vormonatsvergleich um 3,4 Prozent. Seit Jahresbeginn liegen die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen damit im Vorjahresvergleich insgesamt immer noch um 3,7 Prozent im Plus. Der monatliche Saldo im Handel mit Waren und Dienstleistungen nahm nach den vorangegangenen Rückgängen im Mai um 3,6 Milliarden Euro auf 12,0 Milliarden Euro zu.
Die Einfuhrpreise sind im Mai nach den vorangegangenen kräftigen Anstiegen saisonbereinigt mit + 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat weiter gestiegen. Während insbesondere importierte Vorleistungsgüter zum Preisaufrieb beitrugen, gaben die Importpreise für Mineralölerzeugnisse erstmals seit Dezember 2025 etwas nach. Die Ausfuhrpreise nahmen gleichzeitig um 0,5 Prozent zu. Damit verschlechterten sich die Terms of Trade den fünften Monat in Folge, von April auf Mai um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. In realer Rechnung dürften die Rückgänge der Ex- und Importe damit stärker ausgefallen sein.
Die Frühindikatoren zeichnen trotz des latent schwelenden Konflikts im Nahen Osten ein etwas günstigeres Bild als in den Vormonaten: Die ifo-Exporterwartungen haben sich im Juni um 2,0 auf – 3,7 Saldenpunkte etwas verbessert. Die Elektroindustrie rechnet mit einem deutlichen Anstieg ihrer Ausfuhren, die chemische Industrie erwartet nach dem vorangegangenen Einbruch nur noch ein leicht rückläufiges Auslandsgeschäft. Die Automobil- sowie die Metallbranche gehen dagegen weiterhin von rückläufigen Exporten aus.
Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im Mai nach dem Rücksetzer im Vormonat wieder um 2,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen und lagen damit im Dreimonatsvergleich um 4,9 Prozent im Plus. Während sich die Bestellungen aus dem Euroraum – v.a. dank Neuaufträgen im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus – wieder erholten (+ 11,2 Prozent), ging die Nachfrage aus den Drittstaaten zurück (- 3,2 Prozent).
Trotz des Energiepreisschocks bleibt die Dynamik des Welthandels robust, was vor allem auf die starke Handelsdynamik in Asien in Zusammenhang mit dem KI-Boom zurückzuführen ist. Durch den jüngsten Rückgang der Ölpreise dürfte der Welthandel zusätzlich gestützt werden. Allerdings ist die handels- und geopolitische Unsicherheit weiterhin hoch und ab Ende Juli stehen neue US-Zollanpassungen bevor. Insgesamt bleiben die Absatzperspektiven der deutschen Exporteure herausfordernd.
Auftragseingänge und Produktion stabilisieren sich
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im Mai spürbar gestiegen. Preis-, kalender- und saisonbereinigt nahm sie gegenüber dem Vormonat um 0,9 Prozent zu und liegt damit in kalenderbereinigter Betrachtung wieder auf Vorjahresniveau. Im Dreimonatsvergleich fällt die Ausbringung saisonbereinigt in etwa so hoch aus wie im Vorzeitraum (+ 0,1 Prozent). Die während der Wintermonate beobachteten Produktionsrückgänge konnten somit nahezu aufgeholt werden.
Nachdem im bisherigen Jahresverlauf vor allem von der Energie- und Bauproduktion positive Impulse ausgingen, legte im Mai auch die Industrieproduktion wieder zu (+ 0,8 Prozent). Allerdings fällt der Ausstoß von Industriegütern weiterhin deutlich geringer aus als im Vorjahr (- 1,0 Prozent). Das Baugewerbe verzeichnete gegenüber April ein Plus von 0,9 Prozent und bewegte sich damit um 3,5 Prozent oberhalb der Ausbringungsmenge des Vorjahres. Auch die Energieproduktion expandierte im Mai um 0,8 Prozent und liegt damit weiterhin deutlich über Vorjahresniveau (+ 2,0 Prozent).
Innerhalb der industriellen Gütergruppen meldeten die Produzenten von Investitions- (+ 1,3 Prozent) und Konsumgütern (+ 1,2 Prozent) eine deutlich höhere Ausbringung. Auch die Investitionsgüterproduktion wurde damit erstmals in diesem Jahr ausgeweitet, liegt jedoch weiter deutlich unter ihrem Vorjahreswert (- 2,7 Prozent). Dagegen war bei den Vorleistungsgütern ein leichter Rückgang gegenüber dem Vormonat zu beobachten (- 0,4 Prozent).
Der Produktionszuwachs im Baugewerbe wurde im Mai vom Ausbaugewerbe getragen (+ 1,5 Prozent). Der Hochbau entwickelte sich weiterhin schwach (- 0,4 Prozent), der Tiefbau erlebte nach kräftigen Anstiegen aufgrund witterungsbedingter Nachholeffekte in den beiden Vormonaten im Mai einen Rücksetzer (- 1,0 Prozent). Im Vorjahresvergleich liegt das Produktionsniveau im Tiefbau jedoch weiter deutlich im Plus (+ 4,6 Prozent).
Die einzelnen industriellen Wirtschaftszweige entwickelten sich unterschiedlich: Während die Produktion von Kfz und Kfz-Teilen (+ 3,6 Prozent), Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (+ 2,3 Prozent), Metallerzeugnissen (+ 1,7 Prozent) und chemischen Erzeugnissen (+ 1,0 Prozent) deutlich erhöht wurde, war die Ausbringung im sonstigen Fahrzeugbau (- 4,0 Prozent), von elektrischen Ausrüstungen (- 1,4 Prozent), pharmazeutischen Erzeugnissen (-0,5 Prozent) und im Maschinenbau (- 0,5 Prozent) rückläufig. In den energieintensiven Industrien setzte sich der seit Jahresbeginn beobachtete Aufwärtstrend mit abgeschwächter Dynamik fort (+ 0,2 Prozent) und übertraf das Vorjahresniveau damit um knapp drei Prozent.
Die im Mai leicht aufwärtsgerichtete Produktion im Produzierenden Gewerbe wird insbesondere von der positiven Entwicklung im Baugewerbe und im Energiebereich getragen. Die Industrieproduktion fasste zuletzt zwar wieder etwas Tritt, sie ist jedoch weiterhin von sektoralen Unterschieden und starken Schwankungen in den einzelnen Wirtschaftszweigen geprägt.
Auch die Auftragslage stabilisiert sich zur Mitte des zweiten Quartals: Im Mai legten die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 1,9 Prozent zu. Dabei waren erneut Großaufträge bedeutsam. Ohne deren Berücksichtigung betrug der Zuwachs 1,0 Prozent. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich nahm das gesamte Ordervolumen mit – 0,2 Prozent leicht ab. Im Vorjahresvergleich lag die Nachfrage im Mai arbeitstäglich bereinigt jedoch 6,2 Prozent höher.
Zuletzt nahm die Auslandsnachfrage (+ 2,2 Prozent) stärker zu als die Inlandsnachfrage (+ 1,3 Prozent). Dabei gingen allerdings weniger Bestellungen aus Drittländern ein (- 3,2 Prozent), während es zu einem starken Orderplus aus dem Euroraum kam (+ 11,2 Prozent).
Mit Blick auf die Gütergruppen konnten die Konsumgüter die stärksten Zugewinne verzeichnen (+ 2,4 Prozent), gefolgt von den Investitionsgütern (+ 2,2 Prozent). Die Bestellungen von Vorleistungsgütern erhöhte sich unterproportional (+ 1,4 Prozent). Im Dreimonatsvergleich ergaben sich für die Investitionsgüter allerdings Auftragseinbußen (- 4,2 Prozent). Dagegen blieb die Tendenz bei Konsum- und Vorleistungsgütern aufwärtsgerichtet (+ 4,9 Prozent bzw. + 5,4 Prozent).
In den einzelnen Wirtschaftszweigen konnte der Sonstige Fahrzeugbau eine massive Auftragssteigerung von 85,0 Prozent verzeichnen, zu dem Großaufträge aus dem In- und Ausland geführt haben. Deutlich voller wurden die Auftragsbücher auch in anderen gewichtigen Bereichen wie der Herstellung elektrischer Ausrüstungen (+ 5,7 Prozent), im Maschinenbau (+ 3,7 Prozent), in der Metallerzeugung (+ 3,4 Prozent) und bei der Produktion pharmazeutischer Erzeugnisse (+ 1,7 Prozent). Demgegenüber mussten einige Sektoren einen deutlichen Rückgang der Auftragseingänge hinnehmen. Dazu gehören Kfz- und Kfz-Teile (- 3,8 Prozent), Datenverarbeitungs-, elektrische und optische Geräte (- 7,8 Prozent) und Metallerzeugnisse (- 3,1 Prozent).
Nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten ist es nachfrageseitig zunächst zu Vorzieheffekten und im Anschluss zu einem erwartbaren Rückprall gekommen. Zuletzt scheinen die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe jedoch ihrem Aufwärtstrend, der in der zweiten Jahreshälfte 2025 eingesetzt hat, wieder fortzusetzen. Allerdings ist die Entwicklung aufgrund von Großaufträgen nach wie vor sehr volatil.
Auch wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zuletzt wieder angelaufen ist, bleibt die Unsicherheit bezüglich einer Normalisierung der Handelsaktivitäten hoch. Vor dem Hintergrund nach wie vor volatiler Auftragseingänge und anhaltender Lieferkettenstörungen ist eine breit angelegte Belebung der Industriekonjunktur derzeit noch nicht absehbar.
Erlöse im Einzelhandel im Plus; Frühindikatoren zeigen weiterhin Stabilisierung
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (saisonbereinigt, ohne Kfz) sind im Mai um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, was in etwa auch der Zunahme im Handel mit Lebensmitteln und Nicht-Lebensmitteln entsprach. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete der Einzelhandel im Mai ein Plus von 1,5 Prozent, getragen vor allem vom Wachstum im Handel mit Nicht-Lebensmitteln (+ 2,4 Prozent). Der Handel mit Motorenkraftstoffen (Tankstellen) wirkte sich mit – 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr erneut dämpfend aus, während der Internet- und Versandhandel um 7,0 Prozent zulegte. Im Dreimonatsvergleich stagnierte der Gesamtumsatz im Einzelhandel, wobei die Umsätze mit Nicht-Lebensmitteln um 0,9 Prozent zunahmen und die mit Lebensmitteln um 1,0 Prozent sanken.
Der Umsatz im Gastgewerbe stagnierte im April preisbereinigt und legte nominal leicht um 0,4 Prozent zu. Gegenüber dem Vorjahresmonat ergab sich ein deutlicher realer Rückgang von 7,1 Prozent und ein nominales Plus von 0,7 Prozent.
Die Dynamik der Neuzulassungen von Pkw insgesamt hat sich im Juni im Vormonatsvergleich mit 0,2 Prozent verlangsamt. Im Vorjahresvergleich legten sie hingegen kräftig zu und auch im Dreimonatsvergleich war weiterhin ein spürbarer Anstieg von 1,4 Prozent zu verzeichnen. Während sich der Absatz von Diesel- und Benzin-PKW deutlich reduzierte, nahm die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und Hybrid-PKW weiter kräftig zu. Vor dem Hintergrund des Förderprogramms für Elektroautos nahmen vor allem die Neuzulassungen durch Privatpersonen gegenüber Juni 2025 dynamisch zu (+ 28,6 Prozent). Im Vormonats- und Dreimonatsvergleich belief sich der Zuwachs auf 2,1 bzw. 11,1 Prozent. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen waren gegenüber dem Vorjahresmonat zwar deutlich im Plus (+ 9,3 Prozent), nahmen gegenüber Mai jedoch spürbar ab (- 0,9 Prozent) und stagnierten im Dreimonatsvergleich.
Nach starken Rückgängen infolge des Konflikts im Nahen Osten haben sich die Frühindikatoren für die Entwicklung des privaten Konsums mit Beginn der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zur Beilegung der Auseinandersetzung stabilisiert, zeichnen jedoch weiterhin ein gedämpftes Bild. Laut Prognose der GfK wird sich das Konsumklima im Juli mit einer geringfügigen Zunahme um 0,5 Zähler auf – 29,2 Punkte auf niedrigem Niveau stabilisieren. Positiv wirkte sich der leichte Anstieg der Einkommenserwartungen im Juni aus, die schon im Vormonat Mai deutlich zugelegt hatten. Die Anschaffungsneigung nahm minimal ab und die Sparneigung blieb unverändert. Das HDE-Konsumbarometer legte im Juni zwar erneut zu, liegt aber weiterhin deutlich unter Vorjahresniveau. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel (einschließlich Kfz) stieg im Juni um 4,8 Zähler auf – 32,4 Punkte. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Geschäftslage wurden positiver beurteilt. Die Verkaufspreiserwartungen stiegen wieder an, blieben aber hinter dem Aprilwert zurück, der mit 44,5 Punkten einen 3-Jahres-Höchststand markiert hatte. Das Stimmungsbild hat sich am aktuellen Rand weiter stabilisiert, bleibt aber fragil und bewegt sich auf niedrigem Niveau. Trotz insgesamt leichter Aufhellung deuten die Frühindikatoren weiterhin keine Belebung der Konsumentwicklung im zweiten Quartal 2026 an. Insbesondere die schwierigen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran und die nach wie vor kritische Lage im Nahen Osten mit ihren weltwirtschaftlichen Folgen dürften dafür sorgen, dass die Unsicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher hoch bleibt. Positiv dürften sich dagegen die sinkenden Rohölpreise und die damit zusammenhängenden rückläufigen Inflationserwartungen auswirken.
Inflation LÄSST IM MAI ETWAS NACH
Die Inflationsrate ist im Juni auf + 2,3 % gefallen, nach + 2,6 % im Mai. Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) blieb mit + 2,5 % unverändert erhöht. Energie- und Nahrungsmittelpreissteigerungen trugen nur geringfügig zur Inflation bei. Der Preisdruck dürfte nur langsam weiter nachlassen. Die ifo‑Preiserwartungen sind zuletzt deutlich gestiegen. Insbesondere im Einzelhandel, aber auch im Verarbeitenden Gewerbe und bei Dienstleistungen planen die Unternehmen laut ifo deutlich mehr Preissteigerungen als Preissenkungen. Zudem dürfte das Auslaufen der Energiesteuersatzsenkung auf Benzin und Diesel zu Ende Juni die Inflation wieder etwas antreiben.
Arbeitsmarkt startet schwunglos in die Sommermonate
Der Stellenabbau setzte sich zuletzt mit leicht verringerter Dynamik fort. Die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit hat im Mai um achttausend Personen abgenommen, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnete im April einen Rückgang um fünftausend Personen. Die Zahl der Arbeitslosen bewegte sich im Juni mit Minus eintausend in etwa auf Vormonatsniveau. Gleichzeitig nahm die Unterbeschäftigung um achttausend Personen ab. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit ging im April leicht zurück und liegt mit 133 Tausend Personen voraussichtlich um etwa 100 Tausend unterhalb ihres Vorjahresniveaus. Die Anzeigen von Kurzarbeit dürften nach vorläufigen Meldungen im Juni in etwa auf Vormonatsniveau verharren. Die Folgen des anhaltenden Konflikts in Nahen Osten machen sich damit auf dem Arbeitsmarkt bisher nicht unmittelbar bemerkbar.
Die Frühindikatoren am Arbeitsmarkt bleiben zu Beginn des dritten Quartals schwach. Insbesondere die Beschäftigungsaussichten im Handel und im Dienstleistungssektor haben sich abermals eingetrübt. Die Zahl der bei der Bundesagentur gemeldeten Stellen hat sich im Vorjahresvergleich zwar stabilisiert, die Zugänge an neuen Stellen fallen jedoch weiterhin sehr gering aus. Neben der schwachen Arbeitskräftenachfrage und hoher geopolitischer Unsicherheit prägen strukturelle Anpassungsprozesse infolge der zunehmenden Bedeutung künstlicher Intelligenz und den Folgen des demografischen Wandels die Arbeitsmarktentwicklung. Auch wenn sich die Dynamik von Beschäftigungsverlusten und Arbeitslosigkeit zuletzt verringert hat, deutet sich noch keine Verbesserung der Perspektiven am Arbeitsmarkt an.
Wirtschaft
Energiewende-Barometer 2026: Investitionen verlassen Deutschland
Berlin 18.08.2026
Lt. DIHK stellen hohe Energiekosten für immer mehr Unternehmen eine ernsthafte Belastungsprobe dar: Investitionen werden verschoben, Produktionskapazitäten wandern ins Ausland ab, und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland gerät unter Druck. Das geht aus dem aktuellen Energiewende-Barometer der IHK-Organisation hervor. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von rund 3.100 Unternehmen aller Branchen und Regionen im Juni 2026.
Dabei steht für die Betriebe nicht die Energiewende als solche infrage. Sie unterstützen das Ziel der Klimaneutralität grundsätzlich, erwarten jedoch gleichzeitig eine Klimapolitik, die Transformation und Wettbewerbsfähigkeit verbindet. Nach Einschätzung vieler Unternehmen besteht hier erheblicher Handlungsbedarf. Vor allem energieintensive Betriebe sehen sich mit steigenden Belastungen konfrontiert, die durch internationale Krisen und anhaltende strukturelle Schwächen des hiesigen Standorts zusätzlich verschärft werden.
Energiewende beeinträchtigt Wettbewerbsfähigkeit
In den vergangenen zwölf Monaten sind die Energiekosten weiter in die Höhe geschossen: 49 Prozent der Unternehmen berichten von höheren Strompreisen, 67 Prozent von gestiegenen Kosten für Wärme, vor allem Gas und Heizöl. Entsprechend verschlechtert sich auch der Wert des Energiewende-Barometers, das die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit misst. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung liegt der Wert 2026 auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 bei minus 11,5 Punkten.
Besonders kritisch fällt die Bewertung in Industrie und Handel aus. Beide Branchen kommen auf einen Wert von minus 22 Punkten. Während die Industrie direkt unter hohen Energiekosten leidet, wirken sich diese im Handel eher indirekt über steigende Material-, Transport- und Logistikkosten aus. Gleichzeitig schwächt die sinkende Kaufkraft vieler Verbraucherinnen und Verbraucher die Nachfrage.
Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. In Norddeutschland werden die Auswirkungen der Energiewende teilweise positiver beurteilt, da erneuerbare Energien dort zunehmend selbst zum Wirtschaftsfaktor geworden sind. In West-, Süd- und Ostdeutschland hat sich die Bewertung dagegen gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.
Deindustrialisierung wird zur Realität
Problematisch ist die Entwicklung bei den Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Ausgaben für ihre Kernprozesse, weil hohe Energiekosten finanzielle Spielräume einschränken. Auch Klimaschutzmaßnahmen sowie Forschungs- und Innovationsprojekte werden vertagt. In der Industrie ist die Zurückhaltung besonders ausgeprägt: Hier geben 35 Prozent der Betriebe an, eigentlich notwendige Investitionen wegen der hohen Energiekosten aufzuschieben.
Die finanziellen Belastungen wirken sich zudem unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus: Mehr als 40 Prozent von ihnen sehen ihre Marktposition durch die ungünstigen Kostenstrukturen geschwächt, in der Industrie sind es sogar rund zwei Drittel. Gleichzeitig setzen sich Betriebsschließungen fort: Rund 20 Prozent aller Unternehmen prüfen, ob sie wirtschaftliche Tätigkeit in Deutschland einstellen, beziehungsweise haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet oder umgesetzt. In der Industrie gilt das für 40 Prozent der Betriebe, bei großen Industrieunternehmen sogar für fast 60 Prozent. Die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung wächst.
Politische Gegenmaßnahmen gewünscht
Vor diesem Hintergrund befürworten viele Unternehmen Maßnahmen zur Stärkung der Energieinfrastruktur, einen beschleunigten Ausbau der Netze sowie eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Strom. Kritisch bewertet werden dagegen zusätzliche Belastungen durch regulatorische Vorgaben oder steigende CO₂-Kosten. Die Diskussion über die Reform des europäischen Emissionshandels zeigt zugleich, dass das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Folgen der Transformation wächst und die Frage nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Wirtschaft
Hitzebedingte Verluste
Berlin 18.08.2026
– Die Ernte 2026 fällt in Deutschland und der EU insgesamt durchwachsen aus, geprägt von Hitze, Trockenheit und regionalen Unwettern, mit Rückgängen bei Getreide, Erdbeeren und Spargel, während Raps stabil bleibt.
Getreide und Ölsaaten
Die Getreideernte in Deutschland wird auf rund 42,7 Millionen Tonnen geschätzt, was einem Rückgang von 5,6 % gegenüber 2025 entspricht. Die Hitzewelle im Juli hat vielerorts zu Ertragsverlusten geführt, insbesondere bei Weizen, dessen Winterware im Vergleich zum Vorjahr um 12 % zurückgeht. Gerste war die erste erntereife Sorte, während die Winter- und Sommergetreide von Mitte Juni bis Ende August geerntet werden. Raps zeigt sich stabil mit einer Prognose von gut vier Millionen Tonnen, leicht über dem Vorjahr, trotz regionaler Unwetterschäden. In Niedersachsen ist die Wintergerstenernte bereits abgeschlossen, jedoch haben Starkregen und Hagel Schäden auf etwa 100.000 Hektar Ackerfläche verursacht,
Obst und Gemüse
Die Erdbeerernte im Freiland wird voraussichtlich 71.300 Tonnen betragen, ein Rückgang von 11,3 % gegenüber 2025 und der niedrigste Wert seit 1995. Die abnehmenden Anbauflächen tragen zu diesem Rückgang bei, insbesondere in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Spargelernte wird auf 100.300 Tonnen geschätzt, leicht unter dem Vorjahreswert, jedoch stabiler als in den Vorjahren. Die größten Spargelmengen werden in Niedersachsen, Bayern und Brandenburg erwartet www.destatis.de.
EU-weite Lage
Die EU-Kommission hat ihre Ertragserwartungen für 2026 nach unten korrigiert. Besonders betroffen sind Sonnenblumenkerne, Körnermais und Sojabohnen, während Raps regional durch Flächenkorrekturen in Kanada teilweise ausgeglichen wird. Die extreme Wetterlage seit Mitte Juni führt zu Ertragseinbußen von bis zu 2 Mrd. € in der EU. Die Handelsströme werden durch geopolitische Spannungen, wie die eingeschränkte Schifffahrt über das Schwarze Meer, zusätzlich belastet. Die Preise für Weizen und Raps reagieren stark auf diese Entwicklungen, wobei die Erzeugerpreise für Raps bei etwa 510 €/t liegen
Zusammenfassung
Die Ernte 2026 ist durch extreme Wetterbedingungen geprägt, die zu regionalen Ertragsrückgängen führen. Während Raps stabil bleibt, sind Getreide, Erdbeeren und Spargel von Rückgängen betroffen. Die Situation wird durch geopolitische Faktoren und Handelsbeschränkungen verschärft, was die Marktpreise beeinflusst. Insgesamt bewegt sich die Ernte noch im Bereich einer durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Ernte, wobei einzelne Regionen deutlich stärker betroffen sind
Wirtschaft
36 % aller Übernachtungen in Österreich von Gästen aus Deutschland
Wiesbaden 18.08.2026
– Ob in Skandinavien, den Alpen oder am Mittelmeer: In vielen Urlaubsländern trifft man oft auf andere Reisende aus Deutschland. Gemessen an der Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben ist das in Österreich am wahrscheinlichsten. 35,9 % aller Übernachtungen in Österreich im Jahr 2024 entfielen auf Gäste aus Deutschland, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Ergebnissen der europäischen Statistikbehörde Eurostat mitteilt. Hinter der benachbarten Alpenrepublik folgte Kroatien mit dem zweithöchsten Anteil. Dort waren 22,5 % aller Übernachtungen von Gästen aus Deutschland. Beide Länder verzeichneten deutlich mehr Übernachtungen von Gästen aus Deutschland als von Gästen aus dem eigenen Land (Österreich: 28,3 %, Kroatien: 9,3 %).
Auf Rang drei der EU-Staaten mit dem höchsten Anteil an Übernachtungen von Gästen aus Deutschland lagen die Niederlande (19,2 %). Im EU-Ausland insgesamt waren 11,6 % aller Gästeübernachtungen im Jahr 2024 von Reisenden aus Deutschland. Sie stellten in rund der Hälfte der EU-Staaten die jeweils größte Gruppe aller Reisegäste aus dem Ausland, so zum Beispiel auch in Italien, Frankreich oder Tschechien.
Anteil der Gästeübernachtungen aus Deutschland in Rumänien, der Slowakei und Finnland EU-weit am geringsten
EU-weit am geringsten ist der Anteil der Übernachtungen von Gästen aus Deutschland in Rumänien. Dort entfielen nur 1,6 % aller Übernachtungen im Jahr 2024 auf Gäste aus Deutschland. Darauf folgten die Slowakei (2,5 %) und Finnland (3,1 %). Auch in Schweden (4,3 %) und Frankreich (4,7 %) machen Reisende aus Deutschland einen eher kleineren Teil der Gästeübernachtungen insgesamt aus. In Spanien war der Anteil ihrer Übernachtungen mit 10,9 % ebenfalls etwas kleiner als im EU-Ausland insgesamt (11,6 %).
Außerhalb der EU liegen der europäischen Statistikbehörde Eurostat nur für ausgewählte Länder die Übernachtungszahlen nach dem Herkunftsland der Reisenden vor. So waren etwa in der Türkei 14,9 % aller Übernachtungen im Jahr 2024 von Reisenden aus Deutschland. In der Schweiz waren es 9,9 % und in Norwegen 6,3 %. Auch in diesen drei Ländern machten Gäste aus Deutschland den jeweils größten Anteil an den Übernachtungen von ausländischen Reisenden aus.
65,3 Millionen Übernachtungen von Gästen aus Deutschland in Italien
Gemessen an den absoluten Übernachtungszahlen gab es EU-weit die meisten Reisegäste aus Deutschland 2024 in Italien (65,3 Millionen Übernachtungen), Spanien (54,9 Millionen), Österreich (47,1 Millionen), den Niederlanden (27,9 Millionen) und Frankreich (21,3 Millionen).
Wirtschaft
ifo Institut / EconPol Europe: Niedriger CO₂-Preis und hohe Preisschwankungen bremsen klimafreundliche Investitionen
München 18.08.2026
– Deutsche Industrieunternehmen würden mehr in klimafreundliche Technologien investieren, wenn der CO₂-Preis höher und zugleich verlässlich wäre. Dies zeigt eine aktuelle ifo-Umfrage. „Für viele Unternehmen machen planbare CO₂-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet“, sagt ifo-Forscher Mathias Dolls. „Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Bei zu starken Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.“
Bei einem niedrigen CO₂-Preis von etwa 50 Euro pro Tonne lehnen die befragten Unternehmen das Klimaschutzprojekt im Durchschnitt ab. Steigt der erwartete CO₂-Preis auf 175 Euro, fällt die Entscheidung klar zugunsten der klimafreundlichen Investition aus. „Aktuell liegen die Preise des europäischen Emissionshandels von etwa 70 bis 90 Euro nahe an der Schwelle, an der ein durchschnittliches Industrieunternehmen in Deutschland beginnt, klimafreundlich zu investieren, aber ein großer Teil dürfte noch zögern“, sagt ifo-Forscher Gerome Wolf.
Neben der Höhe des CO₂-Preises spielen Preisschwankungen eine zentrale Rolle für die Investitionsentscheidungen der Unternehmen. „Der CO₂-Preis entfaltet seine volle Wirkung nur, wenn es keine starken Preisschwankungen gibt. Sobald Unternehmen mit einer hohen Schwankungsbreite rechnen, warten sie ab und investieren selbst dann nicht, wenn der Durchschnittspreis hoch ist“, sagt Matti Liski, Professor an der Aalto Universität. Nimmt die Schwankungsbreite um einen Prozentpunkt zu, muss der CO₂-Preis um rund 1,40 Euro steigen, um die Investitionswahrscheinlichkeit konstant zu halten. Verlässliche politische Rahmenbedingungen seien daher für Investitionsentscheidungen ausschlaggebend. Unternehmen, die den politischen Kurs beim Klimaschutz für verlässlich halten, zeigen im Schnitt eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft in klimafreundliche Projekte als Firmen mit geringem Vertrauen.
Die Untersuchungen beruhen auf einer Sonderbefragung im Rahmen der ifo Konjunkturumfrage vom Februar 2026 unter 830 Industrieunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten. Jedes Unternehmen erhielt fünf hypothetische Investitionsszenarien zu einem Klimaschutzprojekt, das den CO₂-Ausstoß senkt und Energie einspart. Die Szenarien unterschieden sich mit Blick auf die Höhe des CO₂-Preises (zwischen 50 und 200 Euro pro Tonne) und in der Spanne, in der dieser Preis schwanken könnte (zwischen plus/minus 0 und 100 Prozent).
Politik
Betreuungspflichten sind ein häufiger Grund für den Nichterwerbsstatus junger Menschen
Wiesbaden 17.08.2026
– Der Anteil junger Menschen, die nicht in Ausbildung oder Beschäftigung sind, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In Deutschland lag er unter den 20- bis 24-Jährigen im Jahr 2025 bei 10,0 %, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis internationaler Vergleichsdaten der europäischen Statistikbehörde Eurostat mitteilt. In den vergangenen Jahren ist der Anteil hierzulande kontinuierlich leicht gestiegen: Im Jahr 2022 waren noch 8,8 % der 20- bis 24-Jährigen nicht in Ausbildung oder Beschäftigung.
Trotz Anstiegs hierzulande anteilig weniger junge Menschen betroffen als im EU-Schnitt
Im Vergleich der 27 EU-Staaten hat Deutschland trotz des Anstiegs eine vergleichsweise niedrige NEET-Quote (Not in Employment, Education or Training – Nicht in Ausbildung, Weiterbildung oder Beschäftigung). Im EU-Schnitt waren 12,9 % der 20- bis 24-Jährigen nicht in Ausbildung oder Beschäftigung. Am niedrigsten war der Anteil in den Niederlanden (5,6 %), Schweden (7,3 %) und Tschechien (7,6 %). In Rumänien (22,8 %), Bulgarien (17,3 %) und Frankreich (16,2 %) waren junge Menschen anteilig am häufigsten nicht in Ausbildung oder Beschäftigung. Für Luxemburg liegen keine Daten für das Jahr 2025 vor (2024: 10,8 %).
Anteil junger Frauen etwas höher als der junger Männer
Unter jungen Frauen ist der Anteil derjenigen, die nicht in Ausbildung oder Beschäftigung sind, etwas höher als unter jungen Männern. 2025 waren in Deutschland 10,5 % der jungen Frauen und 9,6 % der jungen Männer im Alter von 20 bis 24 Jahren betroffen. Im EU-Schnitt waren es 13,2 % der jungen Frauen und 12,5 % der jungen Männer. In knapp zwei von drei EU-Staaten waren junge Frauen stärker betroffen als junge Männer.
Mit Blick auf die Situation junger Menschen in größeren Städten und ländlichen Gebieten ergibt sich ein uneinheitliches Bild. In Deutschland waren junge Menschen in größeren Städten (10,6 %) häufiger nicht in Ausbildung oder Beschäftigung als in ländlichen Gebieten (7,9 %). In der EU insgesamt waren dagegen junge Menschen in ländlichen Gebieten (15,4 %) deutlich häufiger betroffen als in größeren Städten (11,5 %).
Betreuungspflichten, gesundheitliche Einschränkungen und Suche nach Ausbildung oder Studium sind häufige Gründe
Warum junge Menschen im Alter von 20 bis 24 Jahren weder in einer Bildungsmaßnahme noch in einer Beschäftigung sind, kann unterschiedliche Gründe haben. Für Deutschland liegen dazu Angaben aus dem nationalen Bildungsbericht für das Jahr 2024 vor. Demnach waren 25 % von ihnen arbeitssuchend, sie gelten als Erwerbslose. 66 % standen dem Arbeitsmarkt dagegen nicht zur Verfügung und gelten damit als Nichterwerbspersonen. Weitere 6 % starteten demnächst eine Ausbildung oder ein Studium und 4 % standen vor einem neuen Job.
Unter den 20- bis 24-jährigen Nichterwerbspersonen nannten 20 % Betreuungspflichten und 18 % gesundheitliche Einschränkungen als Grund. Weitere 17 % suchten aus bildungsbezogenen Gründen keine Arbeit, möglicherweise weil sie auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz warteten.
In den Niederlanden (5,6 %) sind junge Menschen am seltensten betroffen, in Rumänien (22,8 %) am häufigsten
Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau leicht verbessert
München 17.08.2026
– Die Stimmung im Wohnungsbau hat sich im Juli etwas verbessert. Das Geschäftsklima stieg von minus 30,6 auf minus 29,3 Punkte. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage besser. Die Erwartungen trübten sich dagegen geringfügig ein und bleiben pessimistisch. „Die gestiegenen Baugenehmigungen kommen offenbar langsam in der Branche an“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Bis daraus eine breite Erholung entsteht, ist es aber noch ein weiter Weg.“
Auch bei der Auftragslage zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Der Anteil der Unternehmen, die über zu wenig Aufträge berichten, sank von 43,7 auf 41,2 Prozent. Gleichzeitig nahmen jedoch die Stornierungen deutlich zu. 13,1 Prozent der Unternehmen berichteten von abgesagten Projekten, nach 11,4 Prozent im Vormonat. Bei der Materialversorgung hat sich die Situation etwas entspannt: Der Anteil der Unternehmen mit Engpässen bei wichtigen Vorprodukten sank von 9,7 auf 8,5 Prozent. „Die Auftragslage entwickelt sich langsam in die richtige Richtung, gleichzeitig werden wieder mehr Projekte storniert“, sagt Wohlrabe. „Das zeigt, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau weiterhin ist.“
Politik
ifo Institut: Unternehmen schützen sich wenig gegen technische Abhängigkeit von den USA
München 11.08.2026
– Gut jedes fünfte Unternehmen in Deutschland hält die eigene Abhängigkeit von digitalen Produkten und Diensten US-amerikanischer Anbieter für riskant, plant aber keinerlei Gegenmaßnahmen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts. „Die Unternehmen wissen recht genau, wo sie stehen – sie ziehen daraus kaum Konsequenzen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Befragungen. „Gründe können sein, dass Unternehmen vor den Zusatzkosten dieser Risikovorsorge zurückschrecken und dass sie nicht sicher sein können, dass Lieferanten oder Kunden diese Investitionen in digitale Unabhängigkeit ebenfalls auf sich nehmen wollen.“
Knapp 88 Prozent der Unternehmen nutzen Produkte US-amerikanischer Anbieter, 31 Prozent sehen sich stark von ihnen abhängig. Von jenen, die darin ein Risiko erkennen, wollen mehr als vier von zehn nichts dagegen unternehmen. Anlass für die Befragung ist die vorübergehende Sperrung der leistungsfähigsten KI-Modelle des US-Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer, die das US-Handelsministerium Mitte Juni angeordnet und Ende Juni wieder aufgehoben hatte.
Am stärksten betroffen fühlt sich der Dienstleistungssektor mit 39 Prozent, am wenigsten das Bauhauptgewerbe mit 15 Prozent. Auffällig ist, dass die am stärksten betroffenen Firmen das Risiko nicht unbedingt am höchsten einschätzen. In der Werbung und Marktforschung sehen sich 72 Prozent der Unternehmen stark abhängig, aber nur 51 Prozent halten dies für sehr riskant.
Wo Unternehmen handeln wollen, richtet sich der Blick nach Europa: Der Umstieg auf europäische Alternativen ist mit 34 Prozent die am häufigsten genannte Maßnahme, vor der Diversifizierung der Anbieter mit 30 Prozent. Der Aufbau eigener IT-Infrastruktur folgt mit 18 Prozent weit dahinter. Auf die Europäische Union entfallen jedoch weniger als 5 Prozent der weltweit erfassten Rechenkapazität für KI-Anwendungen.
„Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. „Europa muss den Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur deutlich beschleunigen und Genehmigungsverfahren von Jahren auf Monate verkürzen. Zugleich sollte der Staat seine eigene Nachfragemacht nutzen: Verbindliche Abnahmezusagen der öffentlichen Hand würden europäischen Anbietern jene Planungssicherheit geben, die aus verstreuter privater Nachfrage nicht entsteht.“
Wirtschaft
Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe
Berlin 07.08.2026
– Der moderate Aufwärtstrend der Produktion im Produzierenden Gewerbe setzt sich zur Jahresmitte fort. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist dessen Ausbringung im Juni zum dritten Mal in Folge gestiegen und liegt preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 Prozent über dem Vormonat.[1] Im gesamten zweiten Quartal erhöhte sich die Produktion damit um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Niveau des Vorjahresquartals unterschritt sie allerdings noch leicht um 0,3 Prozent.
Wie schon im Mai legte vor allem die Energieerzeugung zuletzt deutlich um 1,9 Prozent im Vormonatsvergleich zu. Die Industrieproduktion (+ 0,0 Prozent) wie auch das Baugewerbe (+ 0,1 Prozent) stagnierten dagegen. Im Vorquartalsvergleich holte vor allem das Baugewerbe den witterungsbedingten Einbruch zu Jahresbeginn mit einem Zuwachs von + 1,9 Prozent im zweiten Quartal mehr als auf. Auch die Energieproduktion erholte sich mit + 0,8 Prozent im Quartalsvergleich spürbar, während die Ausbringung in der Industrie nur um + 0,3 Prozent zulegte. Die Produktion in den energieintensiven Industrien schwächte sich zuletzt mit – 1,8 Prozent im Vormonatsvergleich ab; im Vorquartalsvergleich weist sie aber einen kräftigen Anstieg um 2,5 Prozent auf.
Bei den industriellen Gütergruppen weisen die Konsumgüterproduzenten einen spürbaren Zuwachs im Vormonatsvergleich auf (+ 1,0 Prozent). Die Produktion bei Investitionsgütern stagnierte dagegen nahezu (+ 0,2 Prozent) und die Vorleistungsgüterproduzenten mussten einen Rückgang (- 0,9 Prozent) verzeichnen. Auch im Vorquartalsvergleich weisen die Konsumgüterproduzenten den kräftigsten Zuwachs auf (+ 2,0 Prozent), gefolgt von den Vorleistungsgüterproduzenten (+ 1,4 Prozent). Die Investitionsgüterproduktion war dagegen erneut rückläufig (- 1,1 Prozent).
Im Baugewerbe entwickelte sich zuletzt vor allem der Tiefbau mit einem Anstieg von 1,2 Prozent im Vormonatsvergleich positiv, während die Produktion im Hochbau (+ 0,1 Prozent) und im Ausbaugewerbe (- 0,1 Prozent) im Juni stagnierte. Im Vorquartalsvergleich zeigten aber alle Bereiche, insbesondere der witterungsabhängige Tiefbau, spürbare Zuwächse.
Innerhalb der Industrie wies im Juni die Mehrzahl der Wirtschaftszweige eine rückläufige Entwicklung auf. Vor allem im gewichtigen Maschinenbau (- 3,9 Prozent) sowie bei den chemischen Erzeugnissen (- 1,8 Prozent), Gummi und Kunststoffwaren (- 2,4 Prozent), Metallerzeugnissen (- 1,3 Prozent) und Metallerzeugung und -bearbeitung (- 2,0 Prozent) war die Ausbringung rückläufig. Zuwächse wiesen dagegen die Produktion von Kfz und Kfz-Teilen (+ 3,6 Prozent), pharmazeutischen Erzeugnissen (+ 3,5 Prozent), elektrischen Ausrüstungen (+ 1,1 Prozent) sowie dem sonstigen Fahrzeugbau (+ 8,4 Prozent) aus.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich ungeachtet der außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht widerstandsfähig erwiesen. Neben der Erholung im Baugewerbe könnte auch eine relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten eine Rolle gespielt haben. Letztere waren aufgrund ihrer höheren Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Nahen Osten stärker von Preiserhöhungen und Versorgungsengpässen betroffen. Die Umlenkung der Nachfrage auf europäische und auch deutsche Lieferanten zeigt sich auch in dem Anstieg der Auslandsumsätze der deutschen energieintensiven Industrien in den vergangenen Monaten.
Neben den anhaltenden Unsicherheiten um die weitere Entwicklung im Nahen Osten ist mit den aktuell historischen Niedrigwasserständen auf zentralen Binnenschifffahrtsstraßen in Deutschland eine zusätzliche Herausforderung für die regionale Rohstoff- und Materialversorgung bei Industrieunternehmen entstanden. Auch wenn viele Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Transportlogistik umgestellt haben, alternative Transportwege nutzen und größere Lagerbestände vorhalten, um ihre Lieferketten resilienter zu machen, sind bei einem längeren Anhalten der reduzierten Binnenschifffahrtskapazitäten temporäre Einschränkungen bei der Produktionstätigkeit von betroffenen Unternehmen nicht auszuschließen.
Wirtschaft
ifo Institut: Knapp die Hälfte der Selbständigen klagt über Auftragsmangel
München 07.08.2026
– Etwa jeder zweite Selbständige (47,3 Prozent) in Deutschland berichtet von fehlenden Aufträgen. Das zeigt eine aktuelle ifo Umfrage. „Viele Selbständige spüren, dass ihre Kunden sich bei der Vergabe von Projekten zurückhalten“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. „Gleichzeitig bleibt die private Konsumnachfrage gedämpft.“
Mehr als ein Fünftel (21,2 Prozent) der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen sieht die eigene wirtschaftliche Existenz akut gefährdet. Dafür sind Finanzierungsprobleme verantwortlich, die zu den fehlenden Aufträgen hinzukommen. Jeder zehnte Selbständige berichtet davon. „Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen fehlen oft die finanziellen Reserven, um längere Durststrecken zu überbrücken“, erläutert Demmelhuber.
Trotz dieser unsicheren Situation stieg der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“ im Juli von minus 25,9 auf minus 22,6 Punkte. Das Niveau bleibt damit jedoch sehr niedrig. Die Selbständigen bewerteten ihre laufenden Geschäfte weniger negativ, auch bei ihren Erwartungen nahm der Pessimismus ab.
Politik
ifo Institut / EconPol Europe: Förderung junger Erwachsener bringt mehr als bei älteren
München 06.08.2026
– Ein Euro öffentlicher Unterstützung für junge Erwachsene erzielt einen rund dreimal so hohen sozialen Nutzen wie ein Euro für ältere Personen im Erwerbsalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von EconPol auf der Grundlage von Daten für Frankreich. „Leistungen, die jungen Erwachsenen ermöglichen, in Ausbildung zu bleiben, sind besonders wertvoll, weil sie sich teilweise über höhere spätere Einkommen und Steuerzahlungen selbst finanzieren“, sagt Marion Brouard, Wissenschaftlerin am ifo Institut. „Junge Erwachsene sind heute die Altersgruppe mit dem größten Bedarf an zusätzlicher sozialer Unterstützung. Die Politik trägt diesem Wandel bislang nicht ausreichend Rechnung.“
In der Europäischen Union sind laut Eurostat rund 24 Prozent der jungen Erwachsenen von Armut bedroht, gegenüber etwa 19 Prozent der älteren Personen im Erwerbsalter. Diese Lücke hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert. In Deutschland stieg die Armutsgefährdung junger Erwachsener von 24 Prozent im Jahr 2015 auf 27 Prozent im Jahr 2025, in Frankreich von 22 Prozent auf 25 Prozent. „Armut hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von den Älteren zu den Jüngeren verlagert“, sagt Brouard. Die Wohlfahrtsstaaten in Europa reagierten darauf jedoch nur langsam. „Frankreich zeigt das besonders deutlich. Das zentrale Sicherungssystem, die französische Mindestsicherungsleistung (Revenu de solidarité active), bleibt Menschen unter 25 Jahren verschlossen. Eine solche Altersgrenze findet sich auch in anderen Ländern.“
Wenn junge Erwachsene zusätzliches Einkommen erhalten, geben sie laut der Studie durchschnittlich 45 Cent von jedem zusätzlichen Euro aus, verglichen mit nur 24 Cent bei älteren Menschen. „Dass junge Erwachsene fast doppelt so viel von jedem zusätzlichen Euro ausgeben, weist auf stärkere finanzielle Einschränkungen hin“, sagt Brouard. „Sie müssen fast jeden zusätzlichen Euro für alltägliche Ausgaben verwenden. Das zeigt, dass sie kaum ein finanzielles Polster haben.“
Eine seit langem bestehende Sorge ist, dass staatliche Transfers eine private Unterstützung lediglich ersetzen. Wenn der Staat einer jungen erwachsenen Person 100 Euro gibt und die Eltern ihre Unterstützung im gleichen Umfang kürzen, verbessert sich deren Lage nicht. Dieses Verdrängungsargument hat Forderungen nach einer stärkeren Unterstützung junger Erwachsener lange gebremst. Aber die empirischen Befunde stützen diesen Einwand nicht. Zwar schmälert dieser Effekt die Gewinne einer gezielten Unterstützung junger Erwachsener, doch letztlich kommen rund 88 Prozent einer staatlichen Transferleistung bei ihnen an.
Auch in der Bevölkerung findet eine stärkere Unterstützung junger Erwachsener Rückhalt. In einer repräsentativen Umfrage in Frankreich befürworteten die Befragten eine stärkere Umverteilung zugunsten junger Erwachsener im Vergleich zu älteren Personen. „Wenn Regierungen öffentliche Mittel dort einsetzen wollen, wo sie den höchsten sozialen Ertrag erzielen, sollten sie junge Erwachsene stärker finanziell unterstützen“, sagt Brouard.
Wirtschaft
Rentner sind häufiger erwerbstätig als Rentnerinnen
Wiesbaden 05.08.2026
– Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten, obwohl sie bereits eine Altersrente beziehen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 mitteilt, waren 14 % der Rentnerinnen und Rentner im Alter von 65 bis 74 Jahren hierzulande erwerbstätig. Ein Jahr zuvor hatte ihr Anteil noch bei 13 % gelegen. Rentner (16 %) gingen zuletzt häufiger einer Arbeit nach als Rentnerinnen (11 %).
Anteil der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner sinkt mit dem Alter und steigt mit dem Bildungsniveau
Der Anteil der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner nimmt mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab. So arbeitete von den 65- und 66-jährigen Rentenbeziehenden knapp ein Fünftel (19 %), von den 73- und 74-jährigen Rentnerinnen und Rentnern gingen noch 8 % einer Arbeit nach.Auch zwischen dem Bildungsniveau und der Erwerbstätigkeit im höheren Alter gibt es einen Zusammenhang: Während 18 % der Rentenbeziehenden mit höherem Bildungsniveau erwerbstätig waren, lag der Anteil unter Rentnerinnen und Rentnern mit mittlerem oder niedrigerem Bildungsniveau bei 12 % beziehungsweise 10 %. Ein Grund dafür könnte sein, dass Rentnerinnen und Rentner mit höherem Bildungsniveau häufiger aufgrund der Freude an der Tätigkeit weiterarbeiten.
Gut ein Viertel (27 %) der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner ist selbständig tätig
Insgesamt arbeiteten 73 % der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner als abhängig Beschäftigte, 27 % waren selbstständig tätig. Knapp zwei Drittel (65 %) der abhängig beschäftigten Rentnerinnen und Rentner gaben an, geringfügig beschäftigt zu sein. Als geringfügig beschäftigt galten im Jahr 2025 Personen, die im Monat maximal 556 Euro verdienten (Minijob, „Ein-Euro-Job“) oder höchstens drei Monate beziehungsweise maximal 70 Arbeitstage im Jahr einer Beschäftigung nachgingen.
13 % der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner arbeiten mehr als 40 Wochenstunden
In der Regel arbeiten Rentnerinnen und Rentner mit reduziertem Stundenumfang: 40 % gingen normalerweise weniger als 10 Stunden in der Woche einer Erwerbstätigkeit nach. Ein Viertel (25 %) arbeitete 10 bis unter 20 Wochenarbeitsstunden. 12 % der Rentenbeziehenden mit einer Arbeit übten diese 20 bis unter 30 Stunden in der Woche aus. Bei 9 % waren es 30 bis unter 40 Stunden. 13 % der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner hatten eine Arbeitswoche mit mehr als 40 Stunden. Selbstständige Rentnerinnen und Rentner (28 %) arbeiteten dabei häufiger mehr als 40 Stunden in der Woche als abhängig beschäftigte Rentenbeziehende (8 %).
Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftserwartungen in der Autoindustrie deutlich verbessert
München 05.08.2026
– Der Geschäftsklimaindex in der Automobilindustrie ist deutlich gestiegen. Der Saldo lag im Juli bei minus 15,6 Punkten, nach minus 21,6* Punkten im Juni. Die Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage zwar weiterhin so schlecht wie im Vormonat und planen, weitere Stellen abzubauen. Bei den Geschäftserwartungen ging es dagegen weiter steil nach oben: Nach einem Tief von minus 30,7* Punkten im April stiegen sie im Juli auf minus 0,1 Punkte. „Die Auftragsbücher füllen sich wieder etwas und die Exporterwartungen sind gestiegen“, sagt ifo-Fachexpertin Anita Wölfl.
Für eine deutliche Verbesserung sprechen auch die offiziellen Daten zu den Auftragseingängen der Automobilindustrie, die bis Mai 2026 vorliegen. Dort zeigt sich ein positiver Trend für die Aufträge aus dem Inland und vor allem aus dem Euroraum. Eine wichtige Rolle spielen hier die Hersteller von Karosserien und Aufbauten einerseits und elektronischen Ausrüstungen andererseits. Diese stellen Geräte und Komponenten her, die auch außerhalb der Automobilindustrie, etwa in der Verteidigung, verwendet werden können. „Die europaweit steigenden Investitionen in Rüstungsgüter könnten Teilen der Automobilindustrie zugutekommen“, sagt Wölfl.
Wirtschaft
Wenig Zuspruch für Teilkrankschreibung
München 04.08.2026
– Fast die Hälfte der Unternehmen hält es für nicht sinnvoll, dass sich Beschäftigte künftig auch teilweise krankmelden können. Das ergab die aktuelle Personalleiterbefragung von Randstad und dem ifo Institut. Nur etwa jedes vierte Unternehmen findet diese Möglichkeit hilfreich, weitere 25 Prozent stehen dem Instrument neutral gegenüber. Mit einer Teilkrankschreibung könnten Arbeitnehmer bei einer länger andauernden Krankheit in reduziertem Maß arbeiten. „Die meisten Unternehmen befürchten eine schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig“, sagt ifo-Forscher Jonas Hennrich. „Außerdem erwarten sie einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand.“
Die Teilkrankschreibung ist nach Ansicht der Unternehmen auch nicht in jedem Bereich umsetzbar: am ehesten in der Administration (55 Prozent). Im Vertrieb/Kundenservice sehen 33 Prozent einen möglichen Einsatz dieses Instruments. In der Logistik (11 Prozent) und in der Produktion (8 Prozent) ist die Teilkrankschreibung nach Ansicht der Unternehmen wenig geeignet.
Die Hälfte der Unternehmen erwartet keine wesentlichen positiven Effekte dieses Instruments. Jeweils ein Drittel der Unternehmen hofft bei solchen Krankschreibungen auf kürzere Fehlzeiten beziehungsweise auf eine schnellere Rückkehr erkrankter Mitarbeitender. 21 Prozent der Unternehmen halten es für möglich, dass erkrankte Fachkräfte trotz gesundheitlicher Einschränkungen länger arbeiten; 12 Prozent halten unter diesen Umständen eine flexiblere Personalplanung für möglich.
Die beschlossene Regelung der Teilkrankschreibung sieht vor, dass bei länger andauernden Erkrankungen eine teilweise Arbeitsunfähigkeit ärztlich festgestellt werden kann und Beschäftigte ihre Arbeitszeit entsprechend reduzieren.
Wirtschaft
Zahl der Brauereien sinkt
Wiesbaden 04.08.2026
– Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist im Jahr 2025 auf 1 415 gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Internationalen Tag des Bieres am 7. August 2026 mitteilt, ist dies ein Rückgang um 53 Brauereien (-3,6 %) im Vergleich zum Jahr 2024 und um 137 Brauereien (-8,8 %) im Vergleich zum Jahr 2019, als die Zahl der Brauereien ihren höchsten Stand der letzten drei Jahrzehnte erreicht hatte. Dieser Trend dürfte auch auf den sinkenden Bierabsatz zurückzuführen sein.
In den meisten Bundesländern gab es 2025 weniger Brauereien als im Jahr zuvor
Bayern war auch im Jahr 2025 mit 588 Brauereien das Bundesland mit der höchsten Zahl an Braustätten, gefolgt von Baden-Württemberg mit 190 und Nordrhein-Westfalen mit 131 Brauereien. In den meisten Bundesländern ist die Zahl der Brauereien im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ausnahmen bilden Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auch gab es in den meisten Bundesländern zuletzt weniger Brauereien als im Rekordjahr 2019. Die deutlichsten Rückgänge verzeichneten Bayern (von 648 auf 588 Brauereien) und Nordrhein-Westfalen (von 162 auf 131 Brauereien).
Mehr als die Hälfte der Brauereien in Deutschland (821) waren zuletzt kleine Brauereien mit einer jährlich erzeugten Menge Bier von maximal 100 000 Liter. Zur größten Klasse mit mindestens 200 Millionen Liter gehörten im letzten Jahr 8 Brauereien. Die Zahl der Brauereien ging über nahezu alle Größenklassen hinweg zurück.
Bierabsatz im Vergleich zu 2019 um 15,7 % gesunken
Ein Grund für die Entwicklung dürfte der sinkende Bierabsatz sein. Im Jahr 2025 verkauften die Brauereien und Bierlager in Deutschland rund 7,8 Milliarden Liter Bier – das waren 6,0 % weniger als im Jahr zuvor (8,3 Milliarden Liter) und 15,7 % weniger als im Jahr 2019.
Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftsklima im Einzelhandel leicht verbessert
München 03.08.2026
– Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel ist im Juli auf minus 28,7 Punkte gestiegen, nach minus 32,4 Punkten im Juni. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage etwas weniger pessimistisch als im Vormonat. Die Geschäftserwartungen verbesserten sich etwas, bleiben aber überwiegend pessimistisch. „Das Geschäftsklima bei den Einzelhändlern hat sich zwar zum dritten Mal in Folge verbessert“, sagt ifo-Branchenexperte Patrick Höppner. „Die Stimmung bei den Unternehmen bleibt aber schlechter als vor der Eskalation des Konflikts im Iran Ende Februar.“ Viele Unternehmen schätzen die Geschäftsaussichten für den weiteren Jahresverlauf sehr zurückhaltend ein.
Im April und Mai war der Geschäftsklimaindikator auf die niedrigsten Werte seit 2023 abgerutscht. „Der Iran-Konflikt hat die konjunkturelle Unsicherheit erhöht und belastet die Verbraucherstimmung, auch wegen höherer Inflationsrisiken“, sagt Höppner. Dennoch haben sich viele Waren im Einzelhandel in der ersten Jahreshälfte nur wenig verteuert. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren im Juni nach der Verbraucherpreisstatistik des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt sogar günstiger als vor der Eskalation des Iran-Konflikts im Februar. Die Händler rechnen laut ifo Konjunkturumfrage für die kommenden Monate weiterhin eher mit steigenden als mit sinkenden Preisen.
54 Prozent der Einzelhändler schätzen die Nachfrage im Juli als unzureichend ein. Im zweiten Quartal kauften bei 48,2 Prozent der Unternehmen im stationären Einzelhandel weniger Kunden ein als saisonüblich. Bei Online-Shops registrierten dagegen nur rund 25,6 Prozent der Händler weniger Klicks als für diese Jahreszeit üblich.
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