Politik

Vier von zehn Deutschen trauen Social Media mehr als ihrer eigenen Zeitung

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Berlin 03.09.2026

– Mehr als die Hälfte der 20- bis 49-Jährigen traut Social-Media-Posts mehr als klassischen Nachrichten – obwohl viele von ihnen schon Fake News auf denselben Plattformen bemerkt haben. Studienautor Roland Heintze findet das „demokratiepolitisch alarmierend“.

Roland Heintze, PER-Chef: Das schwindende Vertrauen in Redaktionen führe zu einer Verschiebung, wer die öffentliche Meinungsbildung prägt.

Vier von zehn Menschen in Deutschland haben laut Umfrage mehr Vertrauen in Social-Media-Posts als in klassische Nachrichten. Das geht aus dem „Social-Media-Atlas 2026“ hervor, für den rund 3.600 Internetnutzer ab 16 Jahren befragt worden sind. Der Wert von 43 Prozent bedeutet sechs Prozentpunkte Zuwachs zum Vorjahr.

„Bei Internetnutzerinnen und -nutzern zwischen 20 und 49 Jahren liegt der Anteil sogar bei mehr als der Hälfte“, teilte die Beratungsgesellschaft PER Agency in Hamburg mit, die die Studie zusammen mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung vom Marktforschungsunternehmen Toluna repräsentativ erstellen ließ. Der Branchendienst Horizont berichtete zuerst über die Umfragewerte.

Empfehlungen aus dem Umfeld haben viel Gewicht

„Dabei verlassen sich zwei Drittel der Befragten vor allem auf Posts, die sie von privaten Kontakten erhalten.“ Das Vertrauen in die Zusendungen von Freunden, Bekannten und Verwandten auf Social-Media-Plattformen unterliege allerdings Schwankungen. Nachdem es 2023 deutlich zurückgegangen war, sei es in diesem Jahr wieder leicht gestiegen, erläutern die Studienverfasser.

„35 Prozent der Befragten folgen im Schnitt häufig privaten Empfehlungen – das sind 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr“, so die Mitteilung. Für private Empfehlungen sind in der „Generation Z“ (16 bis 29 Jahre) sogar 47 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer empfänglich, in der „Generation Y“ (30 bis 45 Jahre) sind es 46 Prozent, während der Anteil mit zunehmendem Alter deutlich sinkt.

Viele berichten von Fake News auf Plattformen

„Das Ergebnis, dass im Schnitt vier von zehn Menschen Social-Media-Posts glaubwürdiger finden als redaktionelle Nachrichten, ist aus demokratiepolitischer Sicht alarmierend“, betonte Social-Media-Experte und PER-Chef Roland Heintze. „Klassische Medien durchlaufen Sorgfaltspflichten und Redaktionsprozesse, die Nachrichten auf Social Media nicht bieten, insbesondere, wenn privat gepostet wird. Das schwindende Vertrauen in Redaktionen führt zu einer Verschiebung, wer die öffentliche Meinungsbildung prägt.“

Die Reichweite der Social-Media-Plattformen vergrößere den Effekt, so PER. „84 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer sind in sozialen Medien aktiv. Zum Vergleich: Zu Beginn der Messung im Jahr 2011 waren es noch 64 Prozent.“ Die Spitzenplätze im Ranking der meistgenutzten Plattformen sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert: Whatsapp (77 Prozent), Youtube (74 Prozent), Facebook (64 Prozent), Instagram (60 Prozent) und Tiktok (47 Prozent) bilden wie schon 2025 die Top 5.

57 Prozent der Befragten hatten bereits auf Facebook das Gefühl, dass in Nachrichten die Wahrheit verdreht wird oder die Information nicht stimmt. Auf Tiktok sind es 51 Prozent, auf Instagram 45 Prozent.

Für den Social-Media-Atlas 2026 wurden rund 3.600 deutsche Internetnutzer ab 16 Jahren online befragt. Die repräsentative Umfrage erfolgte im Januar 2026. Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet.

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