Wirtschaft
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Mai 2025
Berlin 19.05.2025
– Die Produktion im Produzierenden Gewerbe konnte zum Ende des ersten Quartals preis‑, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat mit 3,0 % kräftig zulegen. In der Industrie (+3,6 %) und im Baugewerbe (+2,1 %) stieg die Ausbringung deutlich an, die Energieproduktion nahm jedoch um 1,8 % ab. Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe – insbesondere aus dem Ausland – legten im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 3,6 % spürbar zu Dabei dürften auch Vorzieheffekte im Zusammenhang mit den erwarteten US-Zollerhöhungen von Bedeutung gewesen sein.
– Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im März gegenüber dem Vormonat leicht um 0,4 % gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel ein reales Umsatzplus von 3,0 %. Neuzulassungen von Pkw insgesamt haben im April im Vormonatsvergleich um kräftige 10,6 % zugenommen; im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich nahmen sie jedoch um 6,9 % ab. Gegenüber April 2024 kam es zu einem geringfügigen Rückgang von 0,2 %. Aktuelle Frühindikatoren zeigen überwiegend eine leichte Aufhellung der Verbraucherstimmung an, ausgehend von einem niedrigen Niveau.
– Die Inflationsrate ist im April mit +2,1 % erneut etwas gesunken. Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln hat sich wieder etwas abgeschwächt, bleibt aber oberhalb der Gesamtinflation. Die Energiepreise gingen dagegen spürbar zurück. Die Kernrate ist wieder recht deutlich gestiegen. Im weiteren Verlauf dürfte sich die Inflation infolge geringerer Energie- und Rohstoffpreise, moderater Tariflohnsteigerungen sowie der gedämpften gesamtwirtschaftlichen Nachfrage weiter im Bereich um 2 % bewegen.
– Trotz schwacher Frühjahrsbelebung hat sich der Arbeitsmarkt im April etwas besser entwickelt als in den vorangegangenen Monaten. Die Arbeitslosigkeit ist saisonbereinigt lediglich um 4 Tsd. Personen gestiegen und die Erwerbstätigkeit konnte im März um 6 Tsd. Personen zulegen. Angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit durch die US-Zollpolitik und der weiterhin schwachen Beschäftigungsaussichten ist eine Trendwende am Arbeitsmarkt jedoch nicht absehbar.
– Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist nach amtlichen Daten im Februar 2025 um 13,0 % gegenüber dem Vormonat und um 15,9 % gegenüber Februar 2024 angestiegen. Mit 2.068 beantragten Verfahren wurde der höchste Wert seit Juli 2015 verzeichnet. Auch der IWH-Insolvenzmonitor legte zu, im April gab es 11,4 % mehr Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften als im März.
LEICHTE WACHSTUMSBELEBUNG ZU JAHRESBEGINN
Im ersten Quartal hat sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland leicht erholt. Laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamt ist das Bruttoinlandsprodukt preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Positive Wachstumsbeiträge gingen nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes vor allem vom privaten Konsum sowie den Investitionen aus. Da sich vor dem Hintergrund der angekündigten US-Zollanhebungen auch die Ausfuhrtätigkeit zu Jahresbeginn belebt hat, wobei Warenlieferungen zum Teil wohl vorgezogen wurden, dürfte auch vom Außenbeitrag ein positiver Impuls ausgegangen sein.
Entstehungsseitig deuten die aktuellen Indikatoren eine etwas ausgewogenere Entwicklung der einzelnen Wirtschaftsbereiche als in der jüngsten Vergangenheit an: So dürfte sich die Wertschöpfung im stark exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe – nach sieben Quartalen mit Rückgängen – dank der Nachfragebelebung aus dem Ausland im ersten Quartal etwas erholt haben. Hierauf deutet der kräftige Anstieg der Produktion im März hin, insbesondere in den gewichtigen Bereichen Kfz und Kfz-Teile, pharmazeutische und chemische Produkte sowie im Maschinenbau. Trotz der hohen handelspolitischen Unsicherheit und der zuletzt gedämpften Geschäftserwartungen hat sich die Geschäftslage in der Industrie im ersten Quartal als insgesamt recht robust erwiesen. Auch im Baugewerbe dürfte im Zuge der milden Witterung ein Anstieg der Aktivität im ersten Quartal zu verzeichnen gewesen sein. Positiv dürften sich zu Jahresbeginn auch die konsumnahen Dienstleister im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe entwickelt haben. Hierauf deuten die gestiegenen Umsätze im Einzelhandel sowie in den Bereichen Verkehr und Lagerei hin.
Die leichte wirtschaftliche Erholung zu Jahresbeginn war auch anhand der jüngsten Aufhellung der Stimmungsindikatoren, vor allem der Geschäftslage, absehbar gewesen. Auch die Verbraucherstimmung, gemessen an dem GfK-Konsumklima und dem HDE-Konsumbarometer, tendierte zuletzt positiver. Allerdings deuten die aktuellen Umfragen zu den Geschäftserwartungen vor dem Hintergrund der angekündigten und zum Teil temporär ausgesetzten US-Zollerhöhungen sowohl bei der Industrie als auch bei den Dienstleistern auf eine erneute Eintrübung hin. Vor diesem Hintergrund ist eine erneute konjunkturelle Abschwächung im weiteren Jahresverlauf nicht auszuschließen.
KURZFRISTIG VORZIEHEFFEKTE, IM WEITEREN VERLAUF ABER GEDÄMPFTE AUSSICHTEN FÜR DIE WELTKONJUNKTUR
Nach den Einbrüchen und Schwankungen an den Finanzmärkten in Reaktion auf die weitreichenden US-Zollankündigungen Anfang April hat sich die Lage inzwischen wieder etwas stabilisiert. Die Kurse an den globalen Märkten haben sich vielerorts wieder erholt und finanzmarktbasierte Stimmungsindikatoren haben einen Teil des massiven Einbruchs im April im Mai wieder wettgemacht. Der Sentix-Indikator für die Weltwirtschaft verbleibt aber mit -3,7 Punkten weiterhin im negativen Bereich. Während sich die Konjunkturerwartungen der befragten Finanzinvestoren mit einem Anstieg der Erwartungskomponente von -19,6 Punkte auf -1,6 Punkte wieder etwas aufgehellt haben, hat sich die Lageeinschätzung nochmals verschlechtert; hier ist der Index von -4,0 auf -5,7 Punkte auf seinen tiefsten Wert seit Anfang 2023 zurückgegangen.
Im ersten Quartal dürfte die weltweite Industrieproduktion dagegen – gestützt durch Vorzieheffekte – weiter zugelegt haben. Im Februar expandierte sie saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat nach dem vorangegangenen leichten Rückgang wieder um 0,8 %. Binnen Jahresfrist lag sie damit um 2,9 % im Plus. Frühindikatoren für den weiteren Verlauf der Weltkonjunktur weisen aber auf eine gedämpfte Entwicklung der Weltkonjunktur hin: Der Stimmungsindikator von S&P Global für die Weltwirtschaft ist im April sowohl im Dienstleistungsbereich als auch in der Industrie gesunken. Der Gesamtindex blieb trotz eines Rückgangs von 52,0 auf 50,8 Punkte oberhalb der Wachstumsschwelle, signalisiert damit jedoch ein geringeres Wachstum der Weltwirtschaft als im Vormonat.
Der Welthandel hat sich nach den Zuwächsen um die Jahreswende im Februar gegenüber dem Vormonat seitwärts bewegt und lag mit +2,9 % weiterhin spürbar über dem Niveau des Vorjahresmonats. Februar-Daten zum Welthandel zeigen, dass die US-Gütereinfuhren nur geringfügig gegenüber dem Vormonat zurückgingen und damit auf dem hohen Niveau verblieben, das sie nach ihrem kräftigen Anstieg von 12,2 % im Januar erreicht hatten. Damit mehren sich die Anzeichen für Vorzieheffekte im Handel mit den USA infolge der angekündigten Zollerhöhungen. Dies wird auch durch aktuelle Containerumschlagsdaten gestützt: Im März lagen die Einfuhren in den Häfen an der Westküste der USA, über die der Großteil des Asienhandels abgewickelt wird, um 12 % über dem Vorjahresniveau. Beim weltweiten Seehandel zeigen sich aber erste Schwächetendenzen; so ist der RWI/ISL-Containerumschlag-Index im März saisonbereinigt auf 135,3 Punkte gegenüber 137,6 Punkte im Vormonat zurückgegangen. Nachdem der Containerumschlag in den europäischen Häfen bereits im Vormonat gesunken war, ging der Schiffshandel zum Ende des ersten Quartals in nahezu allen Weltregionen zurück. Vor dem Hintergrund der nach wie vor unklaren US-Zollpolitik bleibt die handels- und wirtschaftspolitische Unsicherheit deutlich erhöht, was neben direkten Effekten auf den Welthandel im weiteren Verlauf auch negative Auswirkungen auf die globale Produktions- und Investitionstätigkeit mit sich bringen kann.
DEUTSCHE EXPORTE IM ERSTEN QUARTAL SPÜRBAR BELEBT
Zum Ende des ersten Quartals wurde die seit Januar beobachtete Aufwärtsbewegung bei den Exporten unterbrochen. Im März gaben die nominalen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen saison- und kalenderbereinigt leicht um 0,4 % gegenüber dem Vormonat nach, nachdem sie im Januar und Februar um 1,6 % bzw. 2,0 % expandiert hatten. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich war damit im ersten Quartal aber immer noch ein deutlicher Zuwachs von 3,2 % zu verzeichnen, der auch auf Vorzieheffekte im Warenhandel mit Blick auf die angekündigten US-Zollanhebungen zurückzuführen sein dürfte. Nachdem die Lieferungen in die USA schon im Februar mit +9,0 % kräftig gestiegen waren, legten sie im März um weitere 2,4 % zu. Auch im Handel mit den EU-Ländern war ein Zuwachs von 3,1 % zu beobachten. Besonders dynamisch entwickelten sich die Ausfuhren nach China mit +10,2 %. Gleichzeitig lagen die nominalen Einfuhren von Waren und Dienstleistungen im März saison- und kalenderbereinigt um 1,2 % gegenüber dem Vormonat im Minus. Im Quartalsvergleich war aber mit +1,1 % – wie bei den Exporten – ein Anstieg zu verzeichnen. Infolge des geringeren Rückgangs der Exporte im Vergleich zu den Importen nahm der monatliche Überschuss im Handel mit Waren und Dienstleistungen im März gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt von 13,4 Milliarden Euro auf 14,6 Milliarden Euro zu.
Nach den Preissteigerungen in den vorangegangenen Monaten haben die Einfuhrpreise im März saisonbereinigt um 1,1 % gegenüber dem Vormonat nachgegeben. Die Ausfuhrpreise gingen mit -0,3 % weniger stark zurück, so dass sich die Terms of Trade gegenüber dem Vormonat mit +0,8 % recht deutlich verbesserten. In realer Rechnung dürfte der Rückgang der Aus- und Einfuhren von Waren und Dienstleistungen entsprechend etwas geringer ausgefallen sein.
Die Frühindikatoren haben sich zuletzt angesichts der erratischen US-Zollpolitik und der im April in Kraft gesetzten Zollanhebungen überwiegend wieder eingetrübt. Die Exportaussichten wurden – über einen Großteil der Sektoren hinweg – im April spürbar negativer beurteilt, so dass die ifo Exporterwartungen von -2,3 auf -9,8 Punkte fielen. Gewichtige Exportbranchen wie der Automobil- und der Maschinenbau oder die Chemiebranche erwarten wieder rückläufige Ausfuhren. Die Auftragseingänge aus dem Ausland sind im März saisonbereinigt um 4,7 % gegenüber dem Vormonat gestiegen, wobei besonders aus dem Euroraum mit +8,0 % mehr bestellt wurde als im Vormonat. Während die Auslandsbestellungen für Konsum- (+14,2 %) und Investitionsgüter (+6,2 %) merklich zulegten, ging die Nachfrage nach Vorleistungen mit -0,5 % etwas zurück. Im ersten Quartal insgesamt lagen die Auslandsorder aber immer noch um 1,8 % im Minus.
Insgesamt dürfte die Exporttätigkeit im ersten Quartal von vorgezogenen Bestellungen mit Blick auf die angekündigten US-Zollanhebungen gestützt worden sein. Die Frühindikatoren deuten aber auf eine erneute Abschwächung der Weltkonjunktur sowie der ausländischen Nachfrage hin. Damit ist eine erneute Abschwächung des deutschen Außenhandels in den kommenden Monaten zu erwarten.
ERHOLUNG DER INDUSTRIEPRODUKTION IM ERSTEN QUARTAL
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im März preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat mit +3,0 % kräftig zugelegt, nachdem sie im Februar um 1,3 % gesunken war. Besonders deutlich stieg die Ausbringung mit +3,6 % in der Industrie, aber auch das Baugewerbe verzeichnete mit +2,1 % einen spürbaren Zuwachs. Die Energieproduktion ging hingegen um 1,8 % zurück.
Die einzelnen Wirtschaftszweige innerhalb der Industrie entwickelten sich dabei überwiegend positiv: Besonders deutlich stieg die Ausbringung pharmazeutischer Erzeugnisse (+19,6 %). Aber auch in den gewichtigen Bereichen Kfz und Kfz-Teile (+8,1 %), dem Maschinenbau
(+4,4 %) und der Herstellung von Metallerzeugnissen (+2,1 %) konnte die Produktion deutlich ausgeweitet werden. Auch die Produktion chemischer Erzeugnisse (+2,0 %), elektrischer Ausrüstungen (+3,7 %) sowie die Herstellung von DV-Geräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (+2,4 %) nahm spürbar zu. Rückgänge waren dagegen neben dem Bereich der Nahrungs- und Futtermittel (-1,4 %) u.a. in der Kokerei und Mineralölverarbeitung (-4,5 %), der Bekleidungsindustrie (-2,2 %) sowie bei der Herstellung von Papier und Pappe (-0,2 %) zu beobachten.
Im gesamten ersten Quartal 2025 legte die Produktion im Produzierenden Gewerbe gegenüber dem Schlussquartal 2024 mit +1,4 % ebenfalls merklich zu. Dabei konnten sowohl die Industrie (+1,7 %), als auch das Baugewerbe (+0,7 %) und die Energieerzeugung (+1,0 %) Zuwächse verzeichnen. Das Vorjahresniveau unterschritt die Produktion im Produzierenden Gewerbe im ersten Quartal allerdings noch um 2,0 %.
Auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben sich nach der Stagnation im Februar zuletzt deutlich erhöht. Die Bestellungen sind im März gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt um 3,6 % gestiegen. Die Nachfrage aus dem Ausland wuchs mit +4,7 % stärker an als die inländischen Aufträge, die um 2,0 % expandierten. Besonders stark fiel das Plus bei den Ordern aus dem Euroraum mit +8,0 % aus. Aber auch die Auftragseingänge aus dem Nicht-Euroraum nahmen um deutliche 2,8 % zu. Bereinigt um Großaufträge erhöhten sich die Ordereingänge insgesamt um 3,2 % gegenüber dem Vormonat.
Im ersten Quartal insgesamt verringerten sich die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vorquartal um 2,3 %. Dabei gingen die Eingänge aus dem Inland um 3,3 % und aus dem Nicht-Euroraum um 3,1 % zurück. Bei den Bestellungen aus dem Euroraum war dagegen eine leichte Zunahme um 0,3 % zu verbuchen.
Der kräftige Anstieg der Industrieproduktion und der Auftragseingänge zum Ende des ersten Quartals dürfte auch auf Vorzieheffekte im Zusammenhang mit den zollpolitischen Ankündigungen der US-Administration zurückzuführen sein. Die Unsicherheit über den weiteren handelspolitischen Kurs der USA drückt sich jedoch in deutlich gedämpften Geschäfts- und Exporterwartungen aus. Demensprechend könnte es im weiteren Jahresverlauf auch wieder zu einer Abschwächung der Industriekonjunktur kommen.
EINZELHANDELSUMSATZ TRITT AUF DER STELLE; FRÜHINDIKATOREN ZEIGEN AUFHELLUNG
Die preisbereinigten Umsätze im Einzelhandel (ohne Kfz) sind im März gegenüber dem Vormonat leicht um 0,4 % gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat meldete der Einzelhandel im März ein reales Umsatzplus von 3,0 %. Der Handel mit Lebensmitteln zog im März ebenfalls etwas an (+0,5 %). Der Umsatz im Internet- und Versandhandel stieg um 0,9 % gegenüber dem Vormonat und um deutliche 9,7 % gegenüber dem Vorjahr.
Neuzulassungen von Pkw insgesamt sind im April im Vormonatsvergleich um kräftige 10,6 % gestiegen; im aussagekräftigeren Dreimonatsvergleich nahmen sie jedoch um 6,9 % ab. Gegenüber April 2024 kam es zu einem geringfügigen Rückgang von 0,2 %. Bei den PKW-Neuzulassungen durch Privatpersonen ergab sich im April im Vormonatsvergleich ein Plus von 8,5 %; in der Drei-Monats-Betrachtung sanken sie um 8,8 %. Pkw-Neuzulassungen von Unternehmen und Selbstständigen erhöhten sich im März um 11,7 %. Das Gastgewerbe verzeichnete im Februar gegenüber dem Vormonat einen nominalen Umsatzrückgang von 1,2 %; preisbereinigt belief sich das Minus auf 1,7 %. Gegenüber Februar 2024 setzte das Gastgewerbe real 3,2 % weniger und nominal 0,8 %. mehr um.
Die Aufhellung der Konsumstimmung in Verbindung mit steigenden Realeinkommen dürften den privaten Konsum im weiteren Jahresverlauf stützen.
INFLATIONSRATE MIT 2,1 % WEITER RÜCKLÄUFIG
Die Inflationsrate (Preisniveauanstieg binnen Jahresfrist) ist im April mit +2,1 % erneut etwas gesunken. Gegenüber März erhöhte sie sich um 0,4 %. Der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln hat sich mit +2,8 % gegenüber dem Vorjahresmonat wieder etwas abgeschwächt, bleibt aber oberhalb der Gesamtinflation. Die Energiepreise gingen dagegen im Vorjahresvergleich spürbar um 5,4 % zurück, so dass sich deren inflationsmindernder Effekt verstärkte.
Die Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) ist dagegen recht deutlich auf +2,9 % gestiegen. Hierzu haben maßgeblich die mit +3,9 % wieder anziehenden Preise im Bereich der Dienstleistungen beigetragen. Dies dürfte nicht zuletzt auf den späten Termin der Osterfeiertage dieses Jahr zurückzuführen sein, die im Jahr 2024 Ende März lagen, in diesem Jahr aber erst Mitte April. Typischerweise steigen in dieser Zeit die Kosten für Dienstleistungen wie Reisen, Gastronomie und Übernachtungen temporär überproportional.
Auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen verringerte sich der Preisdruck zuletzt etwas: Die Erzeugerpreise gaben im März gegenüber dem Vormonat um 0,7 % nach, gegenüber dem Vorjahresmonat sanken sie um 0,2 %. Auch die Einfuhrpreise gingen im März im Vormonatsvergleich recht deutlich um 1,0 % zurück und lagen damit nur noch um 2,1 % über ihrem Vorjahreswert. Die Verkaufspreise im Großhandel nahmen im März gegenüber Februar um 0,2 % ab, im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen sie – vor allem wegen höherer Preise für Nahrungsmittel – um 1,3 % höher.
An den Spotmärkten notierte der Preis für Erdgas nach wie vor über den Werten des vorigen Jahres; nach den vorangegangenen deutlichen Anstiegen lag der TTF Base Load zuletzt mit rund 35 Euro/MWh knapp 20 % über dem Vorjahresniveau. Gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Gaspreise um fast 6 % verringert. Die Markterwartungen deuten für die kommenden Quartale ebenfalls auf Erdgaspreise von etwa 30 Euro/MWh hin. Rohöl der Sorte Brent wurde mit zuletzt rund 58 Euro/Barrel rund 24 % unter dem Niveau des Vorjahres gehandelt. Gegenüber dem Vormonat erhöhte er sich leicht um 2,4 %.
Im weiteren Verlauf dürfte die Inflation infolge geringerer Energie- und Rohstoffpreise, moderater Tariflohnsteigerungen sowie der gedämpften gesamtwirtschaftlichen Nachfrage weiter um zwei Prozent schwanken.
LEICHTE FRÜHJAHRSBELEBUNG AM ARBEITSMARKT
Trotz schwacher Frühjahrsbelebung hat sich der Arbeitsmarkt im April etwas besser entwickelt als in den vorangegangenen Monaten. So ist die Arbeitslosigkeit im April saisonbereinigt (sb) nur noch um 4 Tsd. Personen gestiegen und die Unterbeschäftigung verzeichnete mit sb -3 Tsd. Personen sogar einen leichten Rückgang. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit geht dabei auf den Rechtskreis des SGB III zurück, während die Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des SGB II zuletzt leicht abnahm. Die Erwerbstätigkeit hat im März mit sb +6 Tsd. Personen leicht zugelegt und auch die SV-pflichtige Beschäftigung verzeichnete im Februar mit sb 12 Tsd. Personen einen Zuwachs. Insgesamt stagnierte die Beschäftigungsentwicklung in den letzten Monaten jedoch weitgehend. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag im Februar abermals bei 240 Tsd. Personen, die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit entwickelt sich dabei leicht rückläufig.
Die Frühindikatoren haben sich trotz handelspolitischer Turbulenzen im April stabilisiert. Sowohl das IAB-Arbeitsmarktbarometer als auch das ifo-Beschäftigungsbarometer bewegen sich im historischen Vergleich jedoch weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. Demnach ist vorerst mit einer anhaltenden Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Auch wenn die Beschäftigungsaussichten sich im Verarbeitenden Gewerbe, im Handel und im Dienstleistungssektor zuletzt etwas verbessert haben, zeichnet sich insgesamt weiterhin eine rückläufige Beschäftigungsdynamik ab. Angesichts der anhaltend hohen Unsicherheit durch die US-Zollpolitik ist eine spürbare Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt noch nicht absehbar.
UNTERNEHMENSINSOLVENZEN ERREICHEN 10-JAHRES-HOCH
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im Februar 2025 nach endgültigen Ergebnissen um 13,0 % gegenüber dem Vormonat und um 15,9 % gegenüber Februar 2024 auf 2.068 beantragte Verfahren angestiegen. Dies ist der höchste Monatswert seit Juli 2015 (2.187). Zuvor bewegten sich die Insolvenzen von November bis Januar im Bereich um 1.800 Fälle. Auch die Zahl der betroffenen Beschäftigten sowie die Höhe der voraussichtlichen Forderungen haben auf Vormonatsbasis deutlich zugenommen. Als Ursachen für die weiterhin dynamische Entwicklung des Insolvenzgeschehens sind mehrere Faktoren zu nennen, darunter die weiterhin gedämpfte gesamtwirtschaftliche Entwicklung, strukturelle Herausforderungen, gestiegene Kosten und geopolitische Unsicherheiten.
Der im Vergleich mit der amtlichen Statistik methodisch enger gefasste und zeitlich aktuellere IWH-Insolvenztrend für Personen- und Kapitalgesellschaften weist im April mit 1.626 Insolvenzen einen Anstieg von 11,4 % gegenüber dem Vormonat bzw. 20,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Das IWH rechnet in den kommenden Monaten mit sinkenden Insolvenzzahlen, vorausgesetzt die kleineren Verfahren nähern sich wieder dem langjährigen Durchschnitt an.
Wirtschaft
ifo Institut: Knapp einem Viertel der Unternehmen fehlen Fachkräfte
München 21.08.2026
– Der Fachkräftemangel in Deutschland hat wieder etwas zugenommen. Im Juli gaben 23,2 Prozent der Unternehmen an, dass ihnen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen, nach 21,1 Prozent im April. Trotz des Anstiegs bleibt der Fachkräftemangel damit unter dem langfristigen Durchschnitt, der bei 31,7 Prozent liegt. „Die schwache Konjunktur hält den Fachkräftebedarf derzeit in Grenzen“, sagt ifo-Forscherin Daria Schaller. „Mit einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung dürfte auch der Fachkräftemangel aber wieder deutlicher zunehmen.“
Im Dienstleistungssektor liegt der Anteil von Unternehmen, die zu wenig Fachkräfte finden, nahezu unverändert bei 25,7 Prozent. In einzelnen Branchen stieg dieser allerdings deutlich an. In der Telekommunikation erhöhte er sich von 16,3 auf 31,1 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert seit Oktober 2023. In der Rechts- und Steuerberatung sowie der Wirtschaftsprüfung stieg der Anteil ebenfalls kräftig – auf 64,7 Prozent nach zuletzt 52,4 Prozent. Im Handel bleibt der Fachkräftemangel mit 16,2 Prozent auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. In der Industrie meldeten 18,7 Prozent einen Mangel an Fachkräften – ein spürbarer Anstieg von 4,5 Prozentpunkten im Vergleich zum April. Vor allem die Papierindustrie (35,0 Prozent) findet schwieriger adäquat ausgebildete Mitarbeiter. Im Bauhauptgewerbe berichtet fast jedes dritte Unternehmen (32,6 Prozent) von Fachkräftemangel.
„Mehr Arbeitslose bedeuten nicht automatisch mehr verfügbare Fachkräfte“, sagt Schaller. „Entscheidend ist, ob Qualifikation und Anforderungen der offenen Stellen zusammenpassen„
Wirtschaft
Kraftfahrzeug-Exporte
Berlin 20.08.2026
– Die wichtigste Exportgüter Deutschlands waren im 1. Halbjahr 2026 Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile mit einem Wert von 124,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 sanken die Kraftfahrzeug-Exporte um 5,8 %. An zweiter Stelle lagen Maschinen mit einem Wert von 107,7 Milliarden Euro (-0,9 %). Auf Rang 3 der Exporte lagen Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse im Wert von 73,1 Milliarden Euro vor den chemischen Erzeugnissen mit einem Warenwert von 71,6 Milliarden Euro. Bei diesen beiden Warengruppen konnten Zuwächse von 9,5 % beziehungsweise 1,4 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 verzeichnet werden.
Wichtigste Importgüter Deutschlands waren im 1. Halbjahr 2026 Kraftwagen und Kraftwagenteile mit einem Wert von 77,1 Milliarden Euro (+3,7 % zum 1. Halbjahr 2025) sowie Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse mit 75,6 Milliarden Euro (+10,0 %).
Der größte Exportüberschuss wurde im Handel mit Maschinen mit 54,0 Milliarden Euro erzielt, gefolgt von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen mit 47,6 Milliarden Euro. Umgekehrt wurden beim Handel mit Erdöl und Erdgas beziehungsweise bei den Erzeugnissen der Landwirtschaft deutlich mehr Waren importiert als exportiert. Hier betrug der Importüberschuss 35,5 Milliarden beziehungsweise 16,5 Milliarden Euro.
Politik
10 % mehr Anerkennungen ausländischer Berufsabschlüsse 2025
Wiesbaden 19.08.2026
– Die Zahl der im Ausland erworbenen und in Deutschland anerkannten
Berufsabschlüsse ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Wie das Statistische
Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden 2025 rund 86 600 Anerkennungsanträge
positiv beschieden, das sind knapp 10 % mehr als im Jahr 2024 (79 100). Damit
zeigt sich allerdings eine Verlangsamung des Wachstums, das in den beiden
vorherigen Jahren wesentlich höher lag (2024: +21 %, 2023: +25 %). Knapp 84 %
der positiv beschiedenen Anerkennungsverfahren gingen im Jahr 2025 auf nach
Bundesrecht geregelte Berufe zurück, 16 % auf nach Landesrecht geregelte
Berufe.
• Anstieg fällt geringer aus als in den Vorjahren
• Deutlich mehr Anerkennungen aus Syrien, weniger Anerkennungen aus Bosnien und Herzegowina
Wirtschaft
ifo Institut: Jedes vierte Unternehmen fürchtet um seine Wettbewerbsfähigkeit
München 19.08.2026
– Jedes vierte Unternehmen in Deutschland (25,4 Prozent) fürchtet, auf Märkten außerhalb der EU an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Das ergab eine aktuelle Befragung des ifo Instituts im Juli. Die Wettbewerbsposition deutscher Industrieprodukte auf dem europäischen Markt verschlechtert sich nach Ansicht von 17 Prozent der Unternehmen. „Die deutsche Industrie kann auf den internationalen Märkten weiterhin keinen Boden gutmachen“, sagt Klaus Wohlrabe. „Gerade außerhalb Europas bleibt der Wettbewerbsdruck hoch.“
Zum Vergleich: Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit außerhalb Europas sehen nur 5,2 Prozent, in Bezug auf die Konkurrenz innerhalb Europas sind es 6,3 Prozent. Besonders schwierig ist die Lage in der Automobilindustrie. Dort berichten 43,0 Prozent der Unternehmen von einer schlechteren Wettbewerbsposition auf Märkten außerhalb der EU. In der Metallerzeugung und -bearbeitung sind es 29,1 Prozent, in der Chemischen Industrie 26,0 Prozent und im Maschinenbau 25,5 Prozent. Auch bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (25,3 Prozent) und elektrischen Ausrüstungen (24,5 Prozent) sieht rund jedes vierte Unternehmen seine Wettbewerbsposition auf den internationalen Märkten geschwächt.
Viele Unternehmen stehen auch innerhalb der EU unter Druck. Besonders häufig berichten die Automobilindustrie (24,8 Prozent) und die Chemische Industrie (22,1 Prozent) von einer schlechteren Wettbewerbsposition. „Die Wettbewerbsprobleme der deutschen Industrie sind struktureller Natur“, so Wohlrabe. „Kurzfristige konjunkturelle Verbesserungen allein werden daran wenig ändern.“
Eine positive Ausnahme ist die Getränkeindustrie. Sie ist die einzige Branche, die ihre Wettbewerbsposition sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU verbessern konnte
Wirtschaft
Energiewende-Barometer 2026: Investitionen verlassen Deutschland
Berlin 18.08.2026
Lt. DIHK stellen hohe Energiekosten für immer mehr Unternehmen eine ernsthafte Belastungsprobe dar: Investitionen werden verschoben, Produktionskapazitäten wandern ins Ausland ab, und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland gerät unter Druck. Das geht aus dem aktuellen Energiewende-Barometer der IHK-Organisation hervor. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von rund 3.100 Unternehmen aller Branchen und Regionen im Juni 2026.
Dabei steht für die Betriebe nicht die Energiewende als solche infrage. Sie unterstützen das Ziel der Klimaneutralität grundsätzlich, erwarten jedoch gleichzeitig eine Klimapolitik, die Transformation und Wettbewerbsfähigkeit verbindet. Nach Einschätzung vieler Unternehmen besteht hier erheblicher Handlungsbedarf. Vor allem energieintensive Betriebe sehen sich mit steigenden Belastungen konfrontiert, die durch internationale Krisen und anhaltende strukturelle Schwächen des hiesigen Standorts zusätzlich verschärft werden.
Energiewende beeinträchtigt Wettbewerbsfähigkeit
In den vergangenen zwölf Monaten sind die Energiekosten weiter in die Höhe geschossen: 49 Prozent der Unternehmen berichten von höheren Strompreisen, 67 Prozent von gestiegenen Kosten für Wärme, vor allem Gas und Heizöl. Entsprechend verschlechtert sich auch der Wert des Energiewende-Barometers, das die Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit misst. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung liegt der Wert 2026 auf einer Skala von minus 100 bis plus 100 bei minus 11,5 Punkten.
Besonders kritisch fällt die Bewertung in Industrie und Handel aus. Beide Branchen kommen auf einen Wert von minus 22 Punkten. Während die Industrie direkt unter hohen Energiekosten leidet, wirken sich diese im Handel eher indirekt über steigende Material-, Transport- und Logistikkosten aus. Gleichzeitig schwächt die sinkende Kaufkraft vieler Verbraucherinnen und Verbraucher die Nachfrage.
Regional zeigt sich ein differenziertes Bild. In Norddeutschland werden die Auswirkungen der Energiewende teilweise positiver beurteilt, da erneuerbare Energien dort zunehmend selbst zum Wirtschaftsfaktor geworden sind. In West-, Süd- und Ostdeutschland hat sich die Bewertung dagegen gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.
Deindustrialisierung wird zur Realität
Problematisch ist die Entwicklung bei den Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Ausgaben für ihre Kernprozesse, weil hohe Energiekosten finanzielle Spielräume einschränken. Auch Klimaschutzmaßnahmen sowie Forschungs- und Innovationsprojekte werden vertagt. In der Industrie ist die Zurückhaltung besonders ausgeprägt: Hier geben 35 Prozent der Betriebe an, eigentlich notwendige Investitionen wegen der hohen Energiekosten aufzuschieben.
Die finanziellen Belastungen wirken sich zudem unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus: Mehr als 40 Prozent von ihnen sehen ihre Marktposition durch die ungünstigen Kostenstrukturen geschwächt, in der Industrie sind es sogar rund zwei Drittel. Gleichzeitig setzen sich Betriebsschließungen fort: Rund 20 Prozent aller Unternehmen prüfen, ob sie wirtschaftliche Tätigkeit in Deutschland einstellen, beziehungsweise haben entsprechende Schritte bereits eingeleitet oder umgesetzt. In der Industrie gilt das für 40 Prozent der Betriebe, bei großen Industrieunternehmen sogar für fast 60 Prozent. Die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung wächst.
Politische Gegenmaßnahmen gewünscht
Vor diesem Hintergrund befürworten viele Unternehmen Maßnahmen zur Stärkung der Energieinfrastruktur, einen beschleunigten Ausbau der Netze sowie eine Senkung von Steuern und Abgaben auf Strom. Kritisch bewertet werden dagegen zusätzliche Belastungen durch regulatorische Vorgaben oder steigende CO₂-Kosten. Die Diskussion über die Reform des europäischen Emissionshandels zeigt zugleich, dass das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Folgen der Transformation wächst und die Frage nach einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Wirtschaft
Hitzebedingte Verluste
Berlin 18.08.2026
– Die Ernte 2026 fällt in Deutschland und der EU insgesamt durchwachsen aus, geprägt von Hitze, Trockenheit und regionalen Unwettern, mit Rückgängen bei Getreide, Erdbeeren und Spargel, während Raps stabil bleibt.
Getreide und Ölsaaten
Die Getreideernte in Deutschland wird auf rund 42,7 Millionen Tonnen geschätzt, was einem Rückgang von 5,6 % gegenüber 2025 entspricht. Die Hitzewelle im Juli hat vielerorts zu Ertragsverlusten geführt, insbesondere bei Weizen, dessen Winterware im Vergleich zum Vorjahr um 12 % zurückgeht. Gerste war die erste erntereife Sorte, während die Winter- und Sommergetreide von Mitte Juni bis Ende August geerntet werden. Raps zeigt sich stabil mit einer Prognose von gut vier Millionen Tonnen, leicht über dem Vorjahr, trotz regionaler Unwetterschäden. In Niedersachsen ist die Wintergerstenernte bereits abgeschlossen, jedoch haben Starkregen und Hagel Schäden auf etwa 100.000 Hektar Ackerfläche verursacht,
Obst und Gemüse
Die Erdbeerernte im Freiland wird voraussichtlich 71.300 Tonnen betragen, ein Rückgang von 11,3 % gegenüber 2025 und der niedrigste Wert seit 1995. Die abnehmenden Anbauflächen tragen zu diesem Rückgang bei, insbesondere in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die Spargelernte wird auf 100.300 Tonnen geschätzt, leicht unter dem Vorjahreswert, jedoch stabiler als in den Vorjahren. Die größten Spargelmengen werden in Niedersachsen, Bayern und Brandenburg erwartet www.destatis.de.
EU-weite Lage
Die EU-Kommission hat ihre Ertragserwartungen für 2026 nach unten korrigiert. Besonders betroffen sind Sonnenblumenkerne, Körnermais und Sojabohnen, während Raps regional durch Flächenkorrekturen in Kanada teilweise ausgeglichen wird. Die extreme Wetterlage seit Mitte Juni führt zu Ertragseinbußen von bis zu 2 Mrd. € in der EU. Die Handelsströme werden durch geopolitische Spannungen, wie die eingeschränkte Schifffahrt über das Schwarze Meer, zusätzlich belastet. Die Preise für Weizen und Raps reagieren stark auf diese Entwicklungen, wobei die Erzeugerpreise für Raps bei etwa 510 €/t liegen
Zusammenfassung
Die Ernte 2026 ist durch extreme Wetterbedingungen geprägt, die zu regionalen Ertragsrückgängen führen. Während Raps stabil bleibt, sind Getreide, Erdbeeren und Spargel von Rückgängen betroffen. Die Situation wird durch geopolitische Faktoren und Handelsbeschränkungen verschärft, was die Marktpreise beeinflusst. Insgesamt bewegt sich die Ernte noch im Bereich einer durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Ernte, wobei einzelne Regionen deutlich stärker betroffen sind
Wirtschaft
36 % aller Übernachtungen in Österreich von Gästen aus Deutschland
Wiesbaden 18.08.2026
– Ob in Skandinavien, den Alpen oder am Mittelmeer: In vielen Urlaubsländern trifft man oft auf andere Reisende aus Deutschland. Gemessen an der Zahl der Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben ist das in Österreich am wahrscheinlichsten. 35,9 % aller Übernachtungen in Österreich im Jahr 2024 entfielen auf Gäste aus Deutschland, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Ergebnissen der europäischen Statistikbehörde Eurostat mitteilt. Hinter der benachbarten Alpenrepublik folgte Kroatien mit dem zweithöchsten Anteil. Dort waren 22,5 % aller Übernachtungen von Gästen aus Deutschland. Beide Länder verzeichneten deutlich mehr Übernachtungen von Gästen aus Deutschland als von Gästen aus dem eigenen Land (Österreich: 28,3 %, Kroatien: 9,3 %).
Auf Rang drei der EU-Staaten mit dem höchsten Anteil an Übernachtungen von Gästen aus Deutschland lagen die Niederlande (19,2 %). Im EU-Ausland insgesamt waren 11,6 % aller Gästeübernachtungen im Jahr 2024 von Reisenden aus Deutschland. Sie stellten in rund der Hälfte der EU-Staaten die jeweils größte Gruppe aller Reisegäste aus dem Ausland, so zum Beispiel auch in Italien, Frankreich oder Tschechien.
Anteil der Gästeübernachtungen aus Deutschland in Rumänien, der Slowakei und Finnland EU-weit am geringsten
EU-weit am geringsten ist der Anteil der Übernachtungen von Gästen aus Deutschland in Rumänien. Dort entfielen nur 1,6 % aller Übernachtungen im Jahr 2024 auf Gäste aus Deutschland. Darauf folgten die Slowakei (2,5 %) und Finnland (3,1 %). Auch in Schweden (4,3 %) und Frankreich (4,7 %) machen Reisende aus Deutschland einen eher kleineren Teil der Gästeübernachtungen insgesamt aus. In Spanien war der Anteil ihrer Übernachtungen mit 10,9 % ebenfalls etwas kleiner als im EU-Ausland insgesamt (11,6 %).
Außerhalb der EU liegen der europäischen Statistikbehörde Eurostat nur für ausgewählte Länder die Übernachtungszahlen nach dem Herkunftsland der Reisenden vor. So waren etwa in der Türkei 14,9 % aller Übernachtungen im Jahr 2024 von Reisenden aus Deutschland. In der Schweiz waren es 9,9 % und in Norwegen 6,3 %. Auch in diesen drei Ländern machten Gäste aus Deutschland den jeweils größten Anteil an den Übernachtungen von ausländischen Reisenden aus.
65,3 Millionen Übernachtungen von Gästen aus Deutschland in Italien
Gemessen an den absoluten Übernachtungszahlen gab es EU-weit die meisten Reisegäste aus Deutschland 2024 in Italien (65,3 Millionen Übernachtungen), Spanien (54,9 Millionen), Österreich (47,1 Millionen), den Niederlanden (27,9 Millionen) und Frankreich (21,3 Millionen).
Wirtschaft
ifo Institut / EconPol Europe: Niedriger CO₂-Preis und hohe Preisschwankungen bremsen klimafreundliche Investitionen
München 18.08.2026
– Deutsche Industrieunternehmen würden mehr in klimafreundliche Technologien investieren, wenn der CO₂-Preis höher und zugleich verlässlich wäre. Dies zeigt eine aktuelle ifo-Umfrage. „Für viele Unternehmen machen planbare CO₂-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet“, sagt ifo-Forscher Mathias Dolls. „Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO₂ liegt. Bei zu starken Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.“
Bei einem niedrigen CO₂-Preis von etwa 50 Euro pro Tonne lehnen die befragten Unternehmen das Klimaschutzprojekt im Durchschnitt ab. Steigt der erwartete CO₂-Preis auf 175 Euro, fällt die Entscheidung klar zugunsten der klimafreundlichen Investition aus. „Aktuell liegen die Preise des europäischen Emissionshandels von etwa 70 bis 90 Euro nahe an der Schwelle, an der ein durchschnittliches Industrieunternehmen in Deutschland beginnt, klimafreundlich zu investieren, aber ein großer Teil dürfte noch zögern“, sagt ifo-Forscher Gerome Wolf.
Neben der Höhe des CO₂-Preises spielen Preisschwankungen eine zentrale Rolle für die Investitionsentscheidungen der Unternehmen. „Der CO₂-Preis entfaltet seine volle Wirkung nur, wenn es keine starken Preisschwankungen gibt. Sobald Unternehmen mit einer hohen Schwankungsbreite rechnen, warten sie ab und investieren selbst dann nicht, wenn der Durchschnittspreis hoch ist“, sagt Matti Liski, Professor an der Aalto Universität. Nimmt die Schwankungsbreite um einen Prozentpunkt zu, muss der CO₂-Preis um rund 1,40 Euro steigen, um die Investitionswahrscheinlichkeit konstant zu halten. Verlässliche politische Rahmenbedingungen seien daher für Investitionsentscheidungen ausschlaggebend. Unternehmen, die den politischen Kurs beim Klimaschutz für verlässlich halten, zeigen im Schnitt eine deutlich höhere Investitionsbereitschaft in klimafreundliche Projekte als Firmen mit geringem Vertrauen.
Die Untersuchungen beruhen auf einer Sonderbefragung im Rahmen der ifo Konjunkturumfrage vom Februar 2026 unter 830 Industrieunternehmen mit mindestens 25 Beschäftigten. Jedes Unternehmen erhielt fünf hypothetische Investitionsszenarien zu einem Klimaschutzprojekt, das den CO₂-Ausstoß senkt und Energie einspart. Die Szenarien unterschieden sich mit Blick auf die Höhe des CO₂-Preises (zwischen 50 und 200 Euro pro Tonne) und in der Spanne, in der dieser Preis schwanken könnte (zwischen plus/minus 0 und 100 Prozent).
Politik
Betreuungspflichten sind ein häufiger Grund für den Nichterwerbsstatus junger Menschen
Wiesbaden 17.08.2026
– Der Anteil junger Menschen, die nicht in Ausbildung oder Beschäftigung sind, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In Deutschland lag er unter den 20- bis 24-Jährigen im Jahr 2025 bei 10,0 %, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis internationaler Vergleichsdaten der europäischen Statistikbehörde Eurostat mitteilt. In den vergangenen Jahren ist der Anteil hierzulande kontinuierlich leicht gestiegen: Im Jahr 2022 waren noch 8,8 % der 20- bis 24-Jährigen nicht in Ausbildung oder Beschäftigung.
Trotz Anstiegs hierzulande anteilig weniger junge Menschen betroffen als im EU-Schnitt
Im Vergleich der 27 EU-Staaten hat Deutschland trotz des Anstiegs eine vergleichsweise niedrige NEET-Quote (Not in Employment, Education or Training – Nicht in Ausbildung, Weiterbildung oder Beschäftigung). Im EU-Schnitt waren 12,9 % der 20- bis 24-Jährigen nicht in Ausbildung oder Beschäftigung. Am niedrigsten war der Anteil in den Niederlanden (5,6 %), Schweden (7,3 %) und Tschechien (7,6 %). In Rumänien (22,8 %), Bulgarien (17,3 %) und Frankreich (16,2 %) waren junge Menschen anteilig am häufigsten nicht in Ausbildung oder Beschäftigung. Für Luxemburg liegen keine Daten für das Jahr 2025 vor (2024: 10,8 %).
Anteil junger Frauen etwas höher als der junger Männer
Unter jungen Frauen ist der Anteil derjenigen, die nicht in Ausbildung oder Beschäftigung sind, etwas höher als unter jungen Männern. 2025 waren in Deutschland 10,5 % der jungen Frauen und 9,6 % der jungen Männer im Alter von 20 bis 24 Jahren betroffen. Im EU-Schnitt waren es 13,2 % der jungen Frauen und 12,5 % der jungen Männer. In knapp zwei von drei EU-Staaten waren junge Frauen stärker betroffen als junge Männer.
Mit Blick auf die Situation junger Menschen in größeren Städten und ländlichen Gebieten ergibt sich ein uneinheitliches Bild. In Deutschland waren junge Menschen in größeren Städten (10,6 %) häufiger nicht in Ausbildung oder Beschäftigung als in ländlichen Gebieten (7,9 %). In der EU insgesamt waren dagegen junge Menschen in ländlichen Gebieten (15,4 %) deutlich häufiger betroffen als in größeren Städten (11,5 %).
Betreuungspflichten, gesundheitliche Einschränkungen und Suche nach Ausbildung oder Studium sind häufige Gründe
Warum junge Menschen im Alter von 20 bis 24 Jahren weder in einer Bildungsmaßnahme noch in einer Beschäftigung sind, kann unterschiedliche Gründe haben. Für Deutschland liegen dazu Angaben aus dem nationalen Bildungsbericht für das Jahr 2024 vor. Demnach waren 25 % von ihnen arbeitssuchend, sie gelten als Erwerbslose. 66 % standen dem Arbeitsmarkt dagegen nicht zur Verfügung und gelten damit als Nichterwerbspersonen. Weitere 6 % starteten demnächst eine Ausbildung oder ein Studium und 4 % standen vor einem neuen Job.
Unter den 20- bis 24-jährigen Nichterwerbspersonen nannten 20 % Betreuungspflichten und 18 % gesundheitliche Einschränkungen als Grund. Weitere 17 % suchten aus bildungsbezogenen Gründen keine Arbeit, möglicherweise weil sie auf einen Studien- oder Ausbildungsplatz warteten.
In den Niederlanden (5,6 %) sind junge Menschen am seltensten betroffen, in Rumänien (22,8 %) am häufigsten
Wirtschaft
ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau leicht verbessert
München 17.08.2026
– Die Stimmung im Wohnungsbau hat sich im Juli etwas verbessert. Das Geschäftsklima stieg von minus 30,6 auf minus 29,3 Punkte. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage besser. Die Erwartungen trübten sich dagegen geringfügig ein und bleiben pessimistisch. „Die gestiegenen Baugenehmigungen kommen offenbar langsam in der Branche an“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Bis daraus eine breite Erholung entsteht, ist es aber noch ein weiter Weg.“
Auch bei der Auftragslage zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Der Anteil der Unternehmen, die über zu wenig Aufträge berichten, sank von 43,7 auf 41,2 Prozent. Gleichzeitig nahmen jedoch die Stornierungen deutlich zu. 13,1 Prozent der Unternehmen berichteten von abgesagten Projekten, nach 11,4 Prozent im Vormonat. Bei der Materialversorgung hat sich die Situation etwas entspannt: Der Anteil der Unternehmen mit Engpässen bei wichtigen Vorprodukten sank von 9,7 auf 8,5 Prozent. „Die Auftragslage entwickelt sich langsam in die richtige Richtung, gleichzeitig werden wieder mehr Projekte storniert“, sagt Wohlrabe. „Das zeigt, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau weiterhin ist.“
Politik
ifo Institut: Unternehmen schützen sich wenig gegen technische Abhängigkeit von den USA
München 11.08.2026
– Gut jedes fünfte Unternehmen in Deutschland hält die eigene Abhängigkeit von digitalen Produkten und Diensten US-amerikanischer Anbieter für riskant, plant aber keinerlei Gegenmaßnahmen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des ifo Instituts. „Die Unternehmen wissen recht genau, wo sie stehen – sie ziehen daraus kaum Konsequenzen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Befragungen. „Gründe können sein, dass Unternehmen vor den Zusatzkosten dieser Risikovorsorge zurückschrecken und dass sie nicht sicher sein können, dass Lieferanten oder Kunden diese Investitionen in digitale Unabhängigkeit ebenfalls auf sich nehmen wollen.“
Knapp 88 Prozent der Unternehmen nutzen Produkte US-amerikanischer Anbieter, 31 Prozent sehen sich stark von ihnen abhängig. Von jenen, die darin ein Risiko erkennen, wollen mehr als vier von zehn nichts dagegen unternehmen. Anlass für die Befragung ist die vorübergehende Sperrung der leistungsfähigsten KI-Modelle des US-Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer, die das US-Handelsministerium Mitte Juni angeordnet und Ende Juni wieder aufgehoben hatte.
Am stärksten betroffen fühlt sich der Dienstleistungssektor mit 39 Prozent, am wenigsten das Bauhauptgewerbe mit 15 Prozent. Auffällig ist, dass die am stärksten betroffenen Firmen das Risiko nicht unbedingt am höchsten einschätzen. In der Werbung und Marktforschung sehen sich 72 Prozent der Unternehmen stark abhängig, aber nur 51 Prozent halten dies für sehr riskant.
Wo Unternehmen handeln wollen, richtet sich der Blick nach Europa: Der Umstieg auf europäische Alternativen ist mit 34 Prozent die am häufigsten genannte Maßnahme, vor der Diversifizierung der Anbieter mit 30 Prozent. Der Aufbau eigener IT-Infrastruktur folgt mit 18 Prozent weit dahinter. Auf die Europäische Union entfallen jedoch weniger als 5 Prozent der weltweit erfassten Rechenkapazität für KI-Anwendungen.
„Die Bereitschaft zum Wechsel ist da, das Angebot fehlt“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. „Europa muss den Ausbau von Rechenzentren und Energieinfrastruktur deutlich beschleunigen und Genehmigungsverfahren von Jahren auf Monate verkürzen. Zugleich sollte der Staat seine eigene Nachfragemacht nutzen: Verbindliche Abnahmezusagen der öffentlichen Hand würden europäischen Anbietern jene Planungssicherheit geben, die aus verstreuter privater Nachfrage nicht entsteht.“
Wirtschaft
Entwicklung der Produktion im Produzierenden Gewerbe
Berlin 07.08.2026
– Der moderate Aufwärtstrend der Produktion im Produzierenden Gewerbe setzt sich zur Jahresmitte fort. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist dessen Ausbringung im Juni zum dritten Mal in Folge gestiegen und liegt preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,2 Prozent über dem Vormonat.[1] Im gesamten zweiten Quartal erhöhte sich die Produktion damit um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das Niveau des Vorjahresquartals unterschritt sie allerdings noch leicht um 0,3 Prozent.
Wie schon im Mai legte vor allem die Energieerzeugung zuletzt deutlich um 1,9 Prozent im Vormonatsvergleich zu. Die Industrieproduktion (+ 0,0 Prozent) wie auch das Baugewerbe (+ 0,1 Prozent) stagnierten dagegen. Im Vorquartalsvergleich holte vor allem das Baugewerbe den witterungsbedingten Einbruch zu Jahresbeginn mit einem Zuwachs von + 1,9 Prozent im zweiten Quartal mehr als auf. Auch die Energieproduktion erholte sich mit + 0,8 Prozent im Quartalsvergleich spürbar, während die Ausbringung in der Industrie nur um + 0,3 Prozent zulegte. Die Produktion in den energieintensiven Industrien schwächte sich zuletzt mit – 1,8 Prozent im Vormonatsvergleich ab; im Vorquartalsvergleich weist sie aber einen kräftigen Anstieg um 2,5 Prozent auf.
Bei den industriellen Gütergruppen weisen die Konsumgüterproduzenten einen spürbaren Zuwachs im Vormonatsvergleich auf (+ 1,0 Prozent). Die Produktion bei Investitionsgütern stagnierte dagegen nahezu (+ 0,2 Prozent) und die Vorleistungsgüterproduzenten mussten einen Rückgang (- 0,9 Prozent) verzeichnen. Auch im Vorquartalsvergleich weisen die Konsumgüterproduzenten den kräftigsten Zuwachs auf (+ 2,0 Prozent), gefolgt von den Vorleistungsgüterproduzenten (+ 1,4 Prozent). Die Investitionsgüterproduktion war dagegen erneut rückläufig (- 1,1 Prozent).
Im Baugewerbe entwickelte sich zuletzt vor allem der Tiefbau mit einem Anstieg von 1,2 Prozent im Vormonatsvergleich positiv, während die Produktion im Hochbau (+ 0,1 Prozent) und im Ausbaugewerbe (- 0,1 Prozent) im Juni stagnierte. Im Vorquartalsvergleich zeigten aber alle Bereiche, insbesondere der witterungsabhängige Tiefbau, spürbare Zuwächse.
Innerhalb der Industrie wies im Juni die Mehrzahl der Wirtschaftszweige eine rückläufige Entwicklung auf. Vor allem im gewichtigen Maschinenbau (- 3,9 Prozent) sowie bei den chemischen Erzeugnissen (- 1,8 Prozent), Gummi und Kunststoffwaren (- 2,4 Prozent), Metallerzeugnissen (- 1,3 Prozent) und Metallerzeugung und -bearbeitung (- 2,0 Prozent) war die Ausbringung rückläufig. Zuwächse wiesen dagegen die Produktion von Kfz und Kfz-Teilen (+ 3,6 Prozent), pharmazeutischen Erzeugnissen (+ 3,5 Prozent), elektrischen Ausrüstungen (+ 1,1 Prozent) sowie dem sonstigen Fahrzeugbau (+ 8,4 Prozent) aus.
Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich ungeachtet der außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht widerstandsfähig erwiesen. Neben der Erholung im Baugewerbe könnte auch eine relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten eine Rolle gespielt haben. Letztere waren aufgrund ihrer höheren Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Nahen Osten stärker von Preiserhöhungen und Versorgungsengpässen betroffen. Die Umlenkung der Nachfrage auf europäische und auch deutsche Lieferanten zeigt sich auch in dem Anstieg der Auslandsumsätze der deutschen energieintensiven Industrien in den vergangenen Monaten.
Neben den anhaltenden Unsicherheiten um die weitere Entwicklung im Nahen Osten ist mit den aktuell historischen Niedrigwasserständen auf zentralen Binnenschifffahrtsstraßen in Deutschland eine zusätzliche Herausforderung für die regionale Rohstoff- und Materialversorgung bei Industrieunternehmen entstanden. Auch wenn viele Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Transportlogistik umgestellt haben, alternative Transportwege nutzen und größere Lagerbestände vorhalten, um ihre Lieferketten resilienter zu machen, sind bei einem längeren Anhalten der reduzierten Binnenschifffahrtskapazitäten temporäre Einschränkungen bei der Produktionstätigkeit von betroffenen Unternehmen nicht auszuschließen.
Wirtschaft
ifo Institut: Knapp die Hälfte der Selbständigen klagt über Auftragsmangel
München 07.08.2026
– Etwa jeder zweite Selbständige (47,3 Prozent) in Deutschland berichtet von fehlenden Aufträgen. Das zeigt eine aktuelle ifo Umfrage. „Viele Selbständige spüren, dass ihre Kunden sich bei der Vergabe von Projekten zurückhalten“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. „Gleichzeitig bleibt die private Konsumnachfrage gedämpft.“
Mehr als ein Fünftel (21,2 Prozent) der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen sieht die eigene wirtschaftliche Existenz akut gefährdet. Dafür sind Finanzierungsprobleme verantwortlich, die zu den fehlenden Aufträgen hinzukommen. Jeder zehnte Selbständige berichtet davon. „Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen fehlen oft die finanziellen Reserven, um längere Durststrecken zu überbrücken“, erläutert Demmelhuber.
Trotz dieser unsicheren Situation stieg der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“ im Juli von minus 25,9 auf minus 22,6 Punkte. Das Niveau bleibt damit jedoch sehr niedrig. Die Selbständigen bewerteten ihre laufenden Geschäfte weniger negativ, auch bei ihren Erwartungen nahm der Pessimismus ab.
Politik
ifo Institut / EconPol Europe: Förderung junger Erwachsener bringt mehr als bei älteren
München 06.08.2026
– Ein Euro öffentlicher Unterstützung für junge Erwachsene erzielt einen rund dreimal so hohen sozialen Nutzen wie ein Euro für ältere Personen im Erwerbsalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von EconPol auf der Grundlage von Daten für Frankreich. „Leistungen, die jungen Erwachsenen ermöglichen, in Ausbildung zu bleiben, sind besonders wertvoll, weil sie sich teilweise über höhere spätere Einkommen und Steuerzahlungen selbst finanzieren“, sagt Marion Brouard, Wissenschaftlerin am ifo Institut. „Junge Erwachsene sind heute die Altersgruppe mit dem größten Bedarf an zusätzlicher sozialer Unterstützung. Die Politik trägt diesem Wandel bislang nicht ausreichend Rechnung.“
In der Europäischen Union sind laut Eurostat rund 24 Prozent der jungen Erwachsenen von Armut bedroht, gegenüber etwa 19 Prozent der älteren Personen im Erwerbsalter. Diese Lücke hat sich in den vergangenen Jahren vergrößert. In Deutschland stieg die Armutsgefährdung junger Erwachsener von 24 Prozent im Jahr 2015 auf 27 Prozent im Jahr 2025, in Frankreich von 22 Prozent auf 25 Prozent. „Armut hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von den Älteren zu den Jüngeren verlagert“, sagt Brouard. Die Wohlfahrtsstaaten in Europa reagierten darauf jedoch nur langsam. „Frankreich zeigt das besonders deutlich. Das zentrale Sicherungssystem, die französische Mindestsicherungsleistung (Revenu de solidarité active), bleibt Menschen unter 25 Jahren verschlossen. Eine solche Altersgrenze findet sich auch in anderen Ländern.“
Wenn junge Erwachsene zusätzliches Einkommen erhalten, geben sie laut der Studie durchschnittlich 45 Cent von jedem zusätzlichen Euro aus, verglichen mit nur 24 Cent bei älteren Menschen. „Dass junge Erwachsene fast doppelt so viel von jedem zusätzlichen Euro ausgeben, weist auf stärkere finanzielle Einschränkungen hin“, sagt Brouard. „Sie müssen fast jeden zusätzlichen Euro für alltägliche Ausgaben verwenden. Das zeigt, dass sie kaum ein finanzielles Polster haben.“
Eine seit langem bestehende Sorge ist, dass staatliche Transfers eine private Unterstützung lediglich ersetzen. Wenn der Staat einer jungen erwachsenen Person 100 Euro gibt und die Eltern ihre Unterstützung im gleichen Umfang kürzen, verbessert sich deren Lage nicht. Dieses Verdrängungsargument hat Forderungen nach einer stärkeren Unterstützung junger Erwachsener lange gebremst. Aber die empirischen Befunde stützen diesen Einwand nicht. Zwar schmälert dieser Effekt die Gewinne einer gezielten Unterstützung junger Erwachsener, doch letztlich kommen rund 88 Prozent einer staatlichen Transferleistung bei ihnen an.
Auch in der Bevölkerung findet eine stärkere Unterstützung junger Erwachsener Rückhalt. In einer repräsentativen Umfrage in Frankreich befürworteten die Befragten eine stärkere Umverteilung zugunsten junger Erwachsener im Vergleich zu älteren Personen. „Wenn Regierungen öffentliche Mittel dort einsetzen wollen, wo sie den höchsten sozialen Ertrag erzielen, sollten sie junge Erwachsene stärker finanziell unterstützen“, sagt Brouard.
Wirtschaft
Rentner sind häufiger erwerbstätig als Rentnerinnen
Wiesbaden 05.08.2026
– Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten, obwohl sie bereits eine Altersrente beziehen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 mitteilt, waren 14 % der Rentnerinnen und Rentner im Alter von 65 bis 74 Jahren hierzulande erwerbstätig. Ein Jahr zuvor hatte ihr Anteil noch bei 13 % gelegen. Rentner (16 %) gingen zuletzt häufiger einer Arbeit nach als Rentnerinnen (11 %).
Anteil der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner sinkt mit dem Alter und steigt mit dem Bildungsniveau
Der Anteil der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner nimmt mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab. So arbeitete von den 65- und 66-jährigen Rentenbeziehenden knapp ein Fünftel (19 %), von den 73- und 74-jährigen Rentnerinnen und Rentnern gingen noch 8 % einer Arbeit nach.Auch zwischen dem Bildungsniveau und der Erwerbstätigkeit im höheren Alter gibt es einen Zusammenhang: Während 18 % der Rentenbeziehenden mit höherem Bildungsniveau erwerbstätig waren, lag der Anteil unter Rentnerinnen und Rentnern mit mittlerem oder niedrigerem Bildungsniveau bei 12 % beziehungsweise 10 %. Ein Grund dafür könnte sein, dass Rentnerinnen und Rentner mit höherem Bildungsniveau häufiger aufgrund der Freude an der Tätigkeit weiterarbeiten.
Gut ein Viertel (27 %) der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner ist selbständig tätig
Insgesamt arbeiteten 73 % der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner als abhängig Beschäftigte, 27 % waren selbstständig tätig. Knapp zwei Drittel (65 %) der abhängig beschäftigten Rentnerinnen und Rentner gaben an, geringfügig beschäftigt zu sein. Als geringfügig beschäftigt galten im Jahr 2025 Personen, die im Monat maximal 556 Euro verdienten (Minijob, „Ein-Euro-Job“) oder höchstens drei Monate beziehungsweise maximal 70 Arbeitstage im Jahr einer Beschäftigung nachgingen.
13 % der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner arbeiten mehr als 40 Wochenstunden
In der Regel arbeiten Rentnerinnen und Rentner mit reduziertem Stundenumfang: 40 % gingen normalerweise weniger als 10 Stunden in der Woche einer Erwerbstätigkeit nach. Ein Viertel (25 %) arbeitete 10 bis unter 20 Wochenarbeitsstunden. 12 % der Rentenbeziehenden mit einer Arbeit übten diese 20 bis unter 30 Stunden in der Woche aus. Bei 9 % waren es 30 bis unter 40 Stunden. 13 % der erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentner hatten eine Arbeitswoche mit mehr als 40 Stunden. Selbstständige Rentnerinnen und Rentner (28 %) arbeiteten dabei häufiger mehr als 40 Stunden in der Woche als abhängig beschäftigte Rentenbeziehende (8 %).
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