Wirtschaft
ifo Geschäftsklimaindex leicht gestiegen
München, 25.08.2025
– Die Stimmung unter den Unternehmen in Deutschland hat sich leicht aufgehellt. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg im August auf 89,0 Punkte, nach 88,6 Punkten im Juli. Der Anstieg war auf verbesserte Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Die aktuelle Lage wurde hingegen geringfügig schlechter eingeschätzt. Die Erholung der deutschen Wirtschaft bleibt schwach.
Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index leicht gesunken. Die Unternehmen zeigten sich etwas weniger zufrieden mit den laufenden Geschäften. Auch die Erwartungen wurden leicht nach unten korrigiert. Bei der Auftragsentwicklung zeichnet sich weiterhin keine Belebung ab. Bei den Investitionsgüterherstellern verbesserte sich die Stimmung merklich.
Im Dienstleistungssektor hat sich das Klima etwas verschlechtert. Auf der einen Seite wurde die aktuelle Lage merklich besser beurteilt. Auf der anderen Seite fielen die Erwartungen skeptischer aus. Bei den Architektur- und Ingenieurbüros stieg der Geschäftsklimaindikator.
Im Handel ist das Geschäftsklima gesunken. Grund dafür waren schlechter laufende Geschäfte. Die Erwartungen fielen hingegen etwas weniger negativ aus.
Im Bauhauptgewerbe gab der Index nach vielen Monaten etwas nach. Die Unternehmen zeigten sich weniger zufrieden mit der aktuellen Lage. Der Ausblick auf die kommenden Monate hellte sich auf.
Technik
ifo Institut: Digitalisierung birgt Gesundheitsrisiko außerhalb klassischer Bürojobs
München 23.09.2026
– Bei Beschäftigten mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten geht mehr Digitalisierung des Arbeitsplatzes mit schlechterer Gesundheit und mehr Krankheitstagen einher. Das zeigt eine neue Studie des ifo Instituts gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Universität Konstanz. „Beschäftigte ohne klassische Bürojobs berichten bei stärkerer Digitalisierung von geringerem gesundheitlichem Wohlbefinden und mehr Fehlzeiten“, sagt Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft in Fürth. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der digitale Wandel bestehende gesundheitliche Ungleichheiten verstärken könnte.“
Die Studie vergleicht zwei Gruppen: Beschäftigte mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten und Beschäftigte mit überwiegend geistigen oder bürotypischen Tätigkeiten. Beide Gruppen erleben im Zuge der Digitalisierung, der zunehmenden Nutzung intelligent-vernetzter Soft- und Hardware zu der auch KI gehört, ähnlich starke Veränderungen im Job: Die Aufgaben werden komplexer, Zeit- und Leistungsdruck nehmen zu. Dennoch berichten lediglich Beschäftigte mit körperlichen Tätigkeiten, dass sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. Sie fehlen digitalisierungsbedingt im Schnitt rund 20 Prozent mehr Tage im Jahr. Bei den Büro- und Wissensberufen zeigt sich hingegen kein nachweisbarer negativer Zusammenhang. Die Digitalisierung könnte damit bestehende gesundheitliche Ungleichheiten verschärfen, denn gerade Beschäftigte mit körperlichen Tätigkeiten und niedriger formaler Bildung sind ohnehin bereits häufiger gesundheitlich belastet. „Eine mögliche Erklärung ist Technostress: Neue digitale Anforderungen können besonders dann belasten, wenn Beschäftigten die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen fehlen“, sagt Schlenker.
Gezieltes Digital-Training und Unterstützung seitens des Arbeitgebers scheinen den Zusammenhang abzumildern. Betroffene Beschäftigte, die an Schulungen teilnehmen, zeigen kaum schlechtere Gesundheit und keine zusätzlichen Fehltage. Auch eine unterstützende Führungskultur scheint entlastend. Beschäftigte, die sich von ihren Vorgesetzten gut unterstützt fühlen, haben deutlich weniger zusätzliche Krankheitstage, wenn ihr Arbeitsplatz digitaler wird. Zugleich finden die Forschenden keinen Hinweis darauf, dass steigende Löhne die gesundheitlichen Belastungen ausgleichen.
Die Studie grenzt Digitalisierung klar von klassischer Computerisierung ab. Während Computer und Standardsoftware schon lange zum Alltag vieler Beschäftigter gehören, meint Digitalisierung hier vor allem smarte Technik. Dazu gehören vernetzte Maschinen, Sensoren, Big-Data-Anwendungen, Robotik, Künstliche Intelligenz oder virtuelle und erweiterte Realität.
Für ihre Analyse nutzen die Forschenden repräsentative Betriebs- und Beschäftigtenbefragungen zur Nutzung digitaler Technologien sowie Sozialversicherungsdaten von 2011 bis 2019. Die Studie misst Gesundheit auf zwei Arten. Zum einen bewerten Befragte ihre eigene Gesundheit auf einer Skala von 0 bis 10. Zum anderen erfasst die Studie die Zahl der Krankheitstage im Jahr vor der Befragung. Andere Einflüsse wie Alter, Einkommen, Bildung, frühere Gesundheit, Persönlichkeit, Branche, Beruf und Betriebsmerkmale sind dabei statistisch berücksichtigt.
Politik
Finanzielle Aufwendungen für Rohstoffpolitik
Berlin 23.09.2026
–Eine Summe der Gesamtausgaben zu finanziellen Aufwendungen der Bundesregierung zur Sicherung der Rohstoffversorgung und zur Förderung der Ressourceneffizienz im In- und Ausland lässt sich nicht seriös ableiten. Das geht aus der Antwort (21/8025) der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (21/7519) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor.
Die Bundesregierung verfolge einen breiten Ansatz zur Unterstützung der Wirtschaft bei der Diversifizierung ihrer Rohstoffversorgung. Eine systematische und übergreifende Erfassung aller haushaltsrelevanten Maßnahmen, die dazu geeignet seien, einen Beitrag zur Diversifizierung der Rohstoffversorgung zu leisten, liege der Bundesregierung nicht vor.
Allerdings könnten verschiedene Vorhaben genannt werden. So beliefen sich etwa die Gesamtausgaben des Bundes für das Sektorvorhaben „Rohstoffe und Entwicklung“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 1. Juli 2026 auf rund 15 Millionen Euro. Die Gesamtausgaben des Bundes für die Kompetenzzentren Bergbau beziehungsweise Rohstoffe an Auslandshandelskammern beliefen sich in dem Zeitraum auf rund 9,1 Millionen Euro. Für die Extractive Industries Transparency Initiative Germany (D EITI; Umsetzung, Koordinierung, Betreuung) des Bundes seien im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 1. Juli 2026 rund 9,8 Millionen Euro gezahlt worden. Die Gesamtausgaben des Bundes im Rahmen des Programms FONA (bis 2020) und der FONA-Strategie (ab 2020), jeweils mit Rohstoffbezug, betrugen den Angaben zufolge rund 159,6 Millionen Euro.
Der Bund bezuschusste laut Antwort in der Zeit auch verschiedene Forschungs- und Förderprogramme des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) mit Rohstoffbezug, wie die DigiRess I, DigiRess II (NRW) und DigiRess Circular, sowie den Green AI Hub, die im genannten Zeitraum mit 30, 6 Millionen Euro gefördert wurden. Im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) seien rohstoffbezogene Initiativen, Programme oder Veranstaltungen der Außenhandelskammern (AHKs) und der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert worden.
Berlin
Berlin steigt im GDS-Index auf Rang 3
Berlin 23.09.2026
– Berlin gehört zur internationalen Spitzengruppe bei der nachhaltigen Destinationsentwicklung: Im heute veröffentlichten Global Destination Sustainability Index (GDS-Index) erreicht die deutsche Hauptstadt Rang 3 der nachhaltigsten Metropolen und eine Gesamtperformance von 85 Prozent. Damit verbessert sich Berlin gegenüber dem Vorjahr um einen Platz, fünf Prozentpunkte und erzielt sein bislang bestes Ergebnis. Vor Berlin liegen im Ranking der Metropolen mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern nur Sydney und Montreal.
- Deutsche Hauptstadt erreicht erstmals Rang 3 der nachhaltigen Metropolen und eine Gesamtperformance von 85 Prozent
- Berlin verbessert sich gegenüber 2025 um einen Platz und erzielt sein bislang bestes Ergebnis
- visitBerlins Zertifizierungsprogramm Sustainable Berlin, die Klima-Roadmap und „Reisen für alle“ für mehr Barrierefreiheit stärken die nachhaltige Tourismus- und Veranstaltungsentwicklung
- Neue Berliner Nachhaltigkeitsstrategie bindet zukunftsfähige Tourismusentwicklung stärker in die gesamtstädtische Politik ein
Sabine Wendt, Geschäftsführerin von visitBerlin: „Zukunftsgerichtete Destinationsentwicklung ist in Berlin Teamarbeit. Erstmals Platz 3 der Metropolen im internationalen GDS-Index zeigt, was wir gemeinsam mit vielen engagierten Partnerinnen und Partnern in der Stadt erreichen. Entscheidend ist für uns, dass Nachhaltigkeit nicht abstrakt bleibt, sondern im Berlin-Erlebnis spürbar wird – für unsere Gäste ebenso wie für die Berlinerinnen und Berliner. Das sehr gute Ergebnis ist Anerkennung und Ansporn zugleich, diesen Weg konsequent weiterzugehen.“
Auf gesamtstädtischer Ebene gewinnt der GDS-Index an Bedeutung: Die 2026 beschlossene Berliner Nachhaltigkeitsstrategie greift ihn als internationalen Orientierungs- und Vergleichsrahmen für die nachhaltige Tourismusentwicklung auf. Damit wird der Berlin-Tourismus stärker in die Nachhaltigkeitspolitik des Landes Berlin eingebunden. Dies trug dazu bei, dass Berlin in der Environmental-Kategorie sogar den ersten Platz belegt.
GDS-Index als Benchmark für nachhaltige Destinationen
Der Global Destination Sustainability Index (GDS-Index) ist ein international anerkannter Vergleichsindex für die Tourismus- und Veranstaltungsbranche. Er bewertet Destinationen in vier Bereichen: städtische Umweltstrategie und Infrastruktur, soziale Nachhaltigkeit, das Engagement der Visitor Economy sowie Strategien und Initiativen des Destinationsmanagements. Die Ergebnisse ermöglichen es Destinationen, ihre Entwicklung international einzuordnen und weitere Handlungsfelder zu identifizieren. Zu Berlins Ergebnis tragen insbesondere folgende Maßnahmen und Entwicklungen bei:
Mehr zertifizierte Angebote
76 Prozent der Hotelzimmer in den Berliner Hotels mit mindestens 75 Zimmern verfügen über eine aktive Nachhaltigkeitszertifizierung durch Dritte. Bei den Veranstaltungsorten sind 81 Prozent der im Rahmen der Einreichung betrachteten Kongresszentren und auf Konferenzen spezialisierten Locations entsprechend zertifiziert. Aktuell sind außerdem 75 Partner der Berliner Visitor Economy über Sustainable Berlin zertifiziert. Das Programm sieht einen unabhängigen Auditprozess vor; Grundlage ist ein vom Global Sustainable Tourism Council (GSTC) anerkannter Kriterienkatalog mit 59 Kriterien.
Klima-Roadmap schafft eine gemeinsame Grundlage
Für den Berliner Tourismus- und MICE-Sektor hat visitBerlin mit wissenschaftlicher Unterstützung eine Klima-Roadmap entwickelt. Grundlage sind CO2-Bilanzierungen, eine Klimarisikoanalyse und Emissionsszenarien bis 2030. Die Roadmap zeigt mögliche Wege auf, um Emissionen zu reduzieren und den Sektor klimaresilient weiterzuentwickeln.
Wirtschaft
Neue Elektroautos mit einem Exportanteil von 28,1 %
Wiesbaden 22.09.2026
– Von Januar bis Juli 2026 wurden rund 2,0 Millionen neue Pkw im Wert von 73,5 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Exporte von Neuwagen mengenmäßig um 4,0 %. Wertmäßig nahm der Export von neuen Pkw um 8,9 % ab.
Die wichtigsten Zielländer für deutsche Pkw waren in den ersten sieben Monaten 2026 das Vereinigte Königreich, die USA und Italien. In diese drei Länder gingen 32,7 % der neuen Pkw. In das Vereinigte Königreich wurden rund 258 000 Pkw oder 13,0 % der Neuwagen exportiert, in die USA 245 000 Pkw (12,3 %) und nach Italien 147 000 Pkw (7,4 %).
Der Export von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor machte in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 den mengenmäßig größten Anteil aus: 52,7 % der deutschen Exporte von Neuwagen hatten diese Antriebsart. Danach folgten Pkw mit Elektromotor (28,1 %) und Hybridfahrzeuge (19,2 %). Diese Anteile blieben weitgehend unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Exporte von Pkw mit Verbrennungsmotor gingen im Zeitraum Januar bis Juli 2026 um 2,9 % auf 1 Million Stück zurück, während die Exporte von Elektroautos um ebenfalls 2,9 % auf 560 000 Stück und von Hybridfahrzeugen um 8,2 % (auf 380 000 Pkw) gegenüber dem Vorjahreszeitraum sanken.
Politik
ifo-Präsident Fuest: Rüstungsausgaben sind eine Investition in den Frieden
München 22.09.2026
– Höhere Verteidigungsausgaben sind ökonomisch vor allem als Investition in die Wahrung des Friedens zu bewerten – auch dann, wenn sie Einschnitte bei den Sozialausgaben erzwingen. „Der Rückzug der USA aus Europa und der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine liefern starke Argumente dafür, dass Deutschland sich mehr für seine Verteidigung engagieren sollte“, sagt ifo-Präsident Clemens Fuest. „In einem Kriegsfall wären die wirtschaftlichen Einschnitte ungleich größer.“
Insbesondere die Parteien AfD und BSW haben im Wahlkampf gefordert, die Rüstungsausgaben zugunsten höherer Sozialausgaben zurückzufahren. In diesem Zusammenhang verweist Fuest auf die Debatte über den NATO-Doppelbeschluss aus den 1980er Jahren, als der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt die Stationierung von Nuklearwaffen in Deutschland durchgesetzt hatte. Auch dies sei eine Investition in den Frieden gewesen, durch die Deutschland weiter wirtschaftlich prosperieren konnte.
Allerdings sieht Fuest auch das Gegenargument kritisch, Rüstungsausgaben wirkten wie ein Konjunkturprogramm für die deutsche Industrie. „Kurzfristig könnten Rüstungsaufträge bei brachliegenden Kapazitäten die Nachfrage stützen – das gilt aber ebenso für höhere Sozialausgaben. Mittel- bis langfristig fehlen Ingenieurinnen und Ingenieure sowie andere gut ausgebildete Fachkräfte, die in der Rüstungsindustrie gebunden sind, in anderen Sektoren“, so Fuest.
Besondere gesamtwirtschaftliche Effekte entstehen laut Fuest vor allem dort, wo Mittel in Forschung und Entwicklung fließen. Viele Technologien haben militärische wie zivile Anwendungen, von denen über Wissenstransfer auch andere Branchen profitieren. Tatsächlich entfalle derzeit aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil des deutschen Verteidigungsetats auf Forschung.
Politik
Energietransparenz
Berlin 22.09.2026
– Wie steht es um die Bürgerenergie in Deutschland – und wie hat sie sich im letzten Jahr entwickelt? Eine umfassende Antwort darauf gibt es bislang nicht: Die Daten sind verstreut und nur lückenhaft aufbereitet.
Dazu erarbeitet das Bündnis Bürgerenergie gemeinsam mit dem ECOLOG Institut diesen Herbst den ersten Bürgerenergiebericht. Er soll mit belastbaren Daten zeigen, was Bürgerenergie heute leistet, in welchen Geschäftsfeldern sie aktiv ist, vor welchen Herausforderungen Bürgerenergiegemeinschaften stehen und wie sich die Bürgerenergielandschaft entwickelt.
Wirtschaft
Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Zahl der neuen Auszubildenden gestiegen
Wiesbaden 16.09.2026
• Frauenanteil bei neuen Auszubildenden bei 2,4 %.
• Knapp jede vierte erwerbstätige Person in der Berufsgruppe ist zwischen 55 und 64 Jahre alt
• Preise für Handwerksleistungen in der Branche deutlich gestiegen
– Egal ob Wärmepumpen oder Klimaanlagen – für die Installation und Wartung solcher Geräte braucht es entsprechend ausgebildete Fachkräfte. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, begannen im Jahr 2025 knapp 14 400 Menschen eine Ausbildung in einem Beruf der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Damit nahm die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Zehn- Jahres- Vergleich um 30,5 % zu. 2015 hatte sie bei rund 11 000 gelegen. Zu dem Bereich zählen neben Anlagenmechanikerinnen und -mechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik vereinzelt auch Ofen- und Luftheizungsbauerinnen und -bauer.
Wirtschaft
ifo Institut: Zuversicht im Wohnungsbau wächst
München 16.09.2026
– Die Stimmung im Wohnungsbau hat sich im August deutlich verbessert. Das Geschäftsklima stieg von minus 29,0 auf minus 22,7 Punkte. Ausschlaggebend waren die Erwartungen der Unternehmen: Der Indikator kletterte von minus 35,6 auf minus 23,3 Punkte. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage blieb dagegen unverändert, ist aber noch von einer gewissen Unzufriedenheit gekennzeichnet. „Die Unternehmen sehen zunehmend Licht am Ende des Tunnels“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Die steigenden Baugenehmigungen nähren die Hoffnung, dass sich die Auftragslage in den kommenden Monaten belebt.“
In den Auftragsbüchern ist davon bislang allerdings wenig zu sehen. Der Anteil der Unternehmen mit Auftragsmangel blieb mit 41,3 Prozent nahezu unverändert. Auch werden nach wie vor viele Vorhaben storniert: 13,4 Prozent der Unternehmen berichteten von abgesagten Projekten. An Material kommen die befragten Unternehmen hingegen leichter. Nur noch 2,9 Prozent berichteten im August von Engpässen bei wichtigen Vorprodukten, nach 8,5 Prozent im Juli. „Die bessere Stimmung ist bislang vor allem ein Vorschuss auf die Zukunft“, sagt Wohlrabe. „Für eine nachhaltige Erholung müssen aus den genehmigten Projekten nun auch konkrete Aufträge werden.“
Wirtschaft
ifo Institut: Rentensplitting macht Ehepaare ärmer
München 11.09.2026
– Ein verpflichtendes Rentensplitting als Ersatz für die Witwenrente würde die meisten verheirateten Paare in Deutschland finanziell schlechterstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des ifo Instituts. Die Alterssicherungskommission hatte im Juni 2026 angeregt, die Hinterbliebenenversorgung zu überarbeiten. Die ifo Studie nimmt diese Anregung zum Anlass, ein Rentensplitting als eine mögliche Ausgestaltungsvariante durchzurechnen. „Auch wenn ein Partner in der Ehe von einem Rentensplitting profitiert, würde das Ehepaar als Ganzes in fast allen Fällen verlieren“, sagt Marcel Thum, Leiter der ifo Niederlassung Dresden. „Profitieren würde die gesetzliche Rentenversicherung, deren Ausgaben erheblich sinken, sollte die Witwenrente durch ein Rentensplitting ersetzt werden.“
Die Studie untersucht verschiedene Ehekonstellationen – etwa nach Heiratsalter, Einkommensunterschieden und Altersabstand der Partner. Auf Grundlage typischer Rentenbiografien zeigt sich: Beim Rentensplitting verlieren die Paare im Lebensverlauf teils einen sechsstelligen Euro-Betrag. Die gesetzliche Rentenversicherung gewinnt spiegelbildlich dazu. Nur in einzelnen Fällen, wenn das Paar früh geheiratet hat und der hinterbliebene Partner deutlich weniger verdient und nur eine kleine eigene Rente aufbaut, wäre das Rentensplitting profitabler. Je nach Ehekonstellation reichen die berechneten Effekte von einem Plus von rund 153.000 Euro bis hin zu einem Minus von rund 152.000 Euro über das gesamte Leben.
Beim Rentensplitting teilen sich Partner die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche jeweils zur Hälfte. Die Witwen- oder Witwerrente, bei der bis zu 55 Prozent der Rente des Verstorbenen an den hinterbliebenen Partner gehen, fällt dabei weg. Die Rentenansprüche vor der Eheschließung bleiben unangetastet.
Die Studie bildet typische Ehepaare über den gesamten Lebensverlauf ab. Sie variiert den Beginn der Ehe, den Altersunterschied sowie die Einkommensdifferenz der Ehepartner. Für das heutige Recht mit Witwenrente und für das alternative System mit verpflichtendem Rentensplitting berechnen die Autoren jeweils den Barwert aller künftigen Rentenzahlungen. Dieser Wert umfasst alle erwarteten Renten ab dem Renteneintritt, abgezinst mit einem Zinssatz von 2 Prozent pro Jahr.
Die Berechnungen unterstellen, dass sich das Verhalten der Paare bei einem Wechsel zum Rentensplitting nicht ändert. Die Studienautoren diskutieren aber mögliche Verhaltensreaktionen durch veränderte Arbeitsanreize. Sie weisen darauf hin, dass sich diese möglichen Verhaltensreaktionen nicht präzise berechnen lassen. Die Politik sollte sie in einer Reformdiskussion jedoch mitbedenken.
Technik
Streaming ist Mainstream – doch der Markt wird kleinteiliger
Berlin 11.09.2026
Die Postbank Digitalstudie 2026 zeigt: Streaming ist bei Jüngeren nahezu selbstverständlich, Mehrfach-Abos werden zum Normalfall – und die Nutzungsintensität nähert sich über Altersgruppen hinweg an.
Streaming hat in Deutschland den Status eines Zusatzangebots hinter sich gelassen. Was früher als Alternative zum linearen Fernsehen galt, ist für viele Haushalte längst Teil der alltäglichen Medienversorgung. Laut der repräsentativen „Postbank Digitalstudie 2026“ nutzen 72 Prozent der Deutschen mindestens einen kostenpflichtigen Streaming-Dienst im Haushalt. Besonders deutlich ist die Verankerung bei den 18- bis 39-Jährigen: In dieser Altersgruppe kommen kostenpflichtige Angebote auf eine Reichweite von 90 Prozent.
Vom Leitmedium zum Plattform-Mix
Auffällig ist dabei nicht allein die hohe Nutzung, sondern die Art, wie Haushalte ihre Medienzugänge organisieren. Das klassische Einzel-Abo verliert an Gewicht: 46 Prozent der Haushalte zahlen bereits für zwei oder mehr Streaming-Dienste, mehr als jeder fünfte sogar für drei oder mehr Angebote. Der Markt entwickelt sich damit zunehmend zu einem Baukastensystem, in dem Nutzerinnen und Nutzer je nach Inhalt, Preis und Gewohnheit mehrere Plattformen kombinieren. „Streaming hat sich vor allem bei jüngeren Menschen fest im Alltag etabliert. Auffällig ist aber nicht nur die Reichweite, sondern auch die wachsende Parallel-Nutzung mehrerer Plattformen. Viele Haushalte stellen sich ihr Programm heute individuell über verschiedene Dienste hinweg zusammen“, sagt David Dommel, Leiter digitales Performance-Marketing der Postbank.
Generation Gap bei der Reichweite – nicht beim Vielstreaming
Der eigentliche Generationenunterschied liegt weniger in der Intensität als in der grundsätzlichen Verbreitung. Während neun von zehn unter 40-Jährigen kostenpflichtige Streaming-Angebote nutzen, liegt der Anteil bei den ab 40-Jährigen bei 63 Prozent. Umgekehrt verzichten nur zehn Prozent der Jüngeren komplett auf Streaming, aber 37 Prozent der Älteren. Wer jedoch streamt, unterscheidet sich in der Nutzungsdauer weniger stark, als es die Reichweitenwerte vermuten lassen: 35 Prozent der unter 40-Jährigen sehen oder hören mehr als acht Stunden pro Woche kostenpflichtige Streaming-Inhalte, bei den ab 40-Jährigen sind es 29 Prozent.
Auch in der Spitzengruppe der Vielnutzer zeigt sich kaum noch ein Altersgefälle: Jeweils zehn Prozent der Jüngeren und der Älteren streamen mehr als 15 Stunden pro Woche. Für Medienanbieter ist das ein relevanter Befund. Die jüngeren Zielgruppen treiben zwar weiterhin die Reichweite, doch intensive Nutzung entsteht nicht ausschließlich dort. „Streaming ist längst über einzelne Altersgruppen hinausgewachsen. Zwar ist die Nutzung bei Jüngeren verbreiteter. Wer aber streamt, kann unabhängig vom Alter viel Zeit mit Serien, Filmen, Sport oder Musik verbringen“, sagt Dommel.
Hintergrundinformationen zur Postbank Digitalstudie 2026
Für die „Postbank Digitalstudie 2026 – die digitalen Deutschen“ wurden im April und Mai dieses Jahres 3.050 Einwohnerinnen und Einwohner befragt. Die Postbank untersucht mit der Studie im zwölften Jahr in Folge, welche Entwicklungen sich in verschiedenen Lebensbereichen in Bezug auf Digitalisierung allgemein und insbesondere zu Finanzthemen abzeichnen. Um eine bevölkerungsrepräsentative Struktur abzubilden, erfolgte eine Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland (Proportionalisierung), Alter und Geschlecht. Als Referenzdatei wurde der Zensus 2022 des Statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet. Abweichungen in den Summen lassen sich durch Rundungsdifferenzen erklären.
Wirtschaft
ifo Institut: Zweckentfremdung
München 10.09.2026
– Mehr als ein Drittel (38,5 Prozent) der zusätzlichen Schulden, die der Bund 2025 im Rahmen der sogenannten Bereichsausnahme für Verteidigung (BAV) und Sicherheit aufgenommen hat, fließt nicht in zusätzliche Ausgaben für diesen Bereich. Das zeigt eine aktuelle Analyse des ifo Instituts. „Ein großer Teil der zusätzlichen Schulden hat nicht zu zusätzlichen Verteidigungsausgaben geführt. Stattdessen wurde der freigewordene Ausgabenspielraum im Kernhaushalt für andere Zwecke genutzt“, sagt ifo-Forscherin Emilie Höslinger.
Im Jahr 2024 lagen die Ausgaben des Bundes, die unter die Definition der BAV fallen, bei 54,6 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 waren es 72,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 17,6 Milliarden Euro. Die im Rahmen der BAV aufgenommenen zusätzlichen Schulden beliefen sich 2025 auf 28,6 Milliarden Euro. Damit bleiben 11 Milliarden Euro an zusätzlichen Schulden, die nicht zu zusätzlichen Ausgaben im Bereich Verteidigung und Sicherheit geführt haben. Daraus ergibt sich, dass 38,5 Prozent der Mittel für andere Zwecke eingesetzt wurden.
Unter die BAV fallen neben Verteidigungsausgaben auch die Ukrainehilfen, IT-Sicherheit, Zivil- und Bevölkerungsschutz und Nachrichtendienste. Der größte Teil des Zuwachses entfiel auf die Verteidigung selbst (plus 9 Milliarden Euro). Innerhalb der Verteidigung flossen die zusätzlichen Mittel vor allem in klassische Rüstungsgüter wie Munition und Fahrzeuge. Für Wehrforschung und -entwicklung wurden dagegen nur 884 Millionen Euro ausgegeben – gerade einmal 1,2 Prozent der gesamten BAV-Ausgaben und nur 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
ifo-Forscherin Höslinger sieht Gefahren in der Konstruktion der Bereichsausnahme, mit der der Bund Verteidigungsausgaben über Schulden finanzieren darf, die 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts übersteigen. „Mittelfristig sollte die 1-Prozent-Grenze erhöht werden, wenn vermieden werden soll, dass Verteidigungsausgaben langfristig die Staatsverschuldung und Zinskosten erhöhen. So ließe sich auch sicherstellen, dass Verteidigungsausgaben nicht dauerhaft aus dem regulären steuerfinanzierten Haushalt verdrängt werden“, so Höslinger.
Wirtschaft
ifo Institut: Selbständige weniger pessimistisch
München 09.09.2026
– Das Geschäftsklima bei den Selbständigen und Kleinstunternehmen hat sich im August zum vierten Mal in Folge verbessert. Der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex“ stieg von minus 22,6 Punkten im Juli auf minus 19,7 Punkte im August. „Gestützt wurde der Indikator zuletzt vor allem durch die weniger pessimistischen Erwartungen. Diesmal bewerteten die Selbständigen jedoch auch ihre laufenden Geschäfte seltener negativ“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. „Trotz der positiven Signale bleibt die Situation herausfordernd.“
Die Selbständigen haben aktuell etwas weniger Schwierigkeiten, ihre künftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen. Im August gaben 32,2 Prozent der Befragten an, dass ihnen dies schwerfalle. Während der Verschärfung der Krise im Nahen Osten im April lag der Anteil mit 38,8 Prozent spürbar höher. „Wenn sich Krisen zuspitzen, wächst bei Selbständigen die Verunsicherung über die eigene Zukunft“, sagt Demmelhuber. „Sie sind auf stabile Rahmenbedingungen und Planungssicherheit angewiesen.“
Bei den Dienstleistern hat sich die Stimmung etwas verbessert. Dort zeigten sich die Selbständigen und Kleinstunternehmen deutlich seltener unzufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Auch ihre Geschäfts- und Umsatzerwartungen korrigierten sie im August nach oben. Auf Branchenebene äußerten sich IT-Dienstleister und Unternehmensberatungen im Vergleich zu den zurückliegenden Monaten zuversichtlicher. Im Gastgewerbe und bei den Kreativen bleibt die Situation schwierig.
Im Einzelhandel konnte der Geschäftsklimaindex zulegen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Der aktuelle Anstieg ging auf besser laufende Geschäfte zurück. Die Skepsis bei den Erwartungen hielt dagegen an.
Wirtschaft
ifo Institut: Optimismus in der Elektroindustrie steigt
München 08.092026
– Das Geschäftsklima in der Elektroindustrie* hat sich im August erneut verbessert. Der Index stieg auf 16,0 Punkte, nach 10,0 Punkten im Juli. Das ist der höchste Wert seit Mai 2023. Ausschlaggebend waren dafür vor allem die Geschäftserwartungen, die deutlich optimistischer ausfielen. Ihre aktuelle Lage bewerteten die Unternehmen zwar etwas zurückhaltender als im Vormonat, aber weiterhin klar positiv. „Die Elektroindustrie gehört derzeit zu den wenigen Bereichen der Industrie, in denen die Geschäfte gut laufen“, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe. „Zuletzt hat sich die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt zwar ebenfalls verbessert, die Elektroindustrie war aber bereits vorher deutlich optimistischer.“
Getragen wird die Zuversicht vom Auslandsgeschäft: Die Exporterwartungen sprangen in dieser Branche von minus 7,6 auf plus 24,7 Punkte. Generell entwickelt sich die Auftragslage sehr gut. Die Zahl der Neuaufträge nimmt kontinuierlich zu. Entsprechend wollen die Unternehmen ihre Produktion ausweiten und zusätzliche Mitarbeitende einstellen. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt planen die Firmen dagegen weiterhin Stellenabbau. Auch die Nachfrage zog in der Elektroindustrie erneut an, und die Kapazitätsauslastung stieg im Juli auf 81,2 Prozent, nach 79,7 Prozent im April. Ein Problem stellt die Versorgung mit Vorprodukten dar. Ein Drittel der Unternehmen berichtete von Materialmangel.
Im ähnlich gelagerten Bereich der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen zeigen sich vergleichbar positive Entwicklungen. Dort kletterte das Geschäftsklima im August auf 13,7 Punkte, nach 5,6 Punkten im Juli. „Hinter der Entwicklung steht vor allem die Digitalisierung“, sagt Wohlrabe. „Der Ausbau von Rechenzentren, die Investitionen in Künstliche Intelligenz und die Automatisierung in den Kundenbranchen schlagen direkt auf die Auftragsbücher durch. Das ist kein kurzzeitiges Strohfeuer, sondern das Ergebnis langfristiger Investitionen, das die Branche noch eine Weile stützen dürfte.“
Berlin
113 Fahrzeuge aus 17 Ländern
Berlin 08.09.2026
InnoTrans 2026 wird zum internationalen Showroom auf Schienen
Das Frei- und Gleisgelände gehört zu den Publikumsmagneten der InnoTrans. 2026 erwarten die Fachbesucher 113 Fahrzeuge aus 17 Ländern, darunter Südkorea und China. Ein besonderer Fokus liegt auf alternativen Antriebstechnologien.
- 130 Aussteller zeigen Innovationen auf rund 20.000 Quadratmetern
- Schnellzug aus Südkorea, Hybrid-Lok aus China: InnoTrans zeigt ganze Bandbreite der Branche
- Zu den Trends gehören neben alternativen Antriebstechnologien auch Nachtzugkonzepte
Vom modernen Hochgeschwindigkeitszug über Lokomotiven mit alternativen Antrieben bis hin zu innovativen Nachtzugkonzepten: Auf dem Frei- und Gleisgelände der InnoTrans 2026 (22. – 25. September) präsentieren Hersteller aus aller Welt ihre neuesten Fahrzeuge der internationalen Bahnindustrie. Insgesamt stellen Aussteller aus 17 Ländern in diesem Jahr 113 Fahrzeuge aus.
In Summe sind 130 Aussteller auf dem Frei- und Gleisgelände vertreten, darunter 30 Unternehmen erstmals in diesem Bereich, der insgesamt rund 20.000 Quadratmeter Bruttofläche umfasst.
„Unser Frei- und Gleisgelände gehört für viele Fachbesucher zu den Highlights der InnoTrans. Nirgendwo sonst lässt sich die Vielfalt der internationalen Bahnindustrie so unmittelbar erleben“, sagt InnoTrans-Direktorin Kerstin Schulz: „113 Fahrzeuge aus 17 Ländern zeigen eindrucksvoll den Stellenwert der InnoTrans für die internationale Mobilitätsbranche.“
Von China und Südkorea bis zur InnoTrans nach Berlin
All die Fahrzeuge ausstellen zu können, erfordert eine komplexe Logistik. Besonders weit ist der Weg für Exponate aus Asien: Die Fahrzeuge aus China und Südkorea wurden zunächst per Schiff nach Europa transportiert. Anschließend ging es teilweise per Binnenschiff weiter in Richtung Berlin. Andere Fahrzeuge reisen auf der Schiene oder über die Straße an.
Politik
ifo Institut: PISA-Abstieg gefährdet unseren Wohlstand
München 08.09.2026
– Der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, warnt vor den wirtschaftlichen Folgen der schlechten PISA-Leistungen. „Die grundlegenden Kompetenzen der Bevölkerung sind von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Produktivität, individuelle Einkommen und gesamtwirtschaftliches Wachstum“, sagt Wößmann. „Deshalb muss der eklatante Abstieg der PISA-Ergebnisse zu einem Umdenken in der Bildungspolitik führen. Die Vermittlung der Basiskompetenzen muss höchste Priorität haben.“
Der Rückgang der Mathematik- und Leseleistungen seit der letzten Studie von 2022 entspricht langfristig einem durchschnittlichen Verlust im Erwerbseinkommen von 3 bis 4 Prozent. Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau von 2018 sind es sogar 9 bis 10 Prozent. Auch gesamtwirtschaftlich gehen der deutschen Volkswirtschaft Billionenbeträge verloren. Personen mit geringeren Basiskompetenzen sind weniger produktiv bei ihren wirtschaftlichen Tätigkeiten und üben eher Berufe mit geringerer Wertschöpfung aus. Darüber hinaus geht ein geringeres Bildungsniveau mit fehlender Innovationsfähigkeit einher. „Um in gut bezahlten Hightech-Berufen international wettbewerbsfähig zu sein, benötigen wir ein Bildungssystem, das Spitzenleistungen hervorbringt“, sagt Wößmann. Da Künstliche Intelligenz (KI) Antworten auf Faktenfragen leicht liefere, ginge es in Zukunft umso mehr darum, die richtigen Fragen zu stellen, Antworten zu hinterfragen und Problemlösungen zu entwickeln. Daher würden gute Basiskompetenzen nur noch wichtiger werden.
Die heute veröffentlichte PISA-Studie zeigt, dass die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen der deutschen 15-Jährigen nach dem Einbruch während der Coronazeit (2018-2022) bis 2025 noch einmal deutlich gesunken sind und historische Tiefststände erreicht haben. „Es ist auch nicht beruhigend, dass viele andere westliche Länder ebenfalls Rückgänge zu verzeichnen haben“, sagt Wößmann. „Das bedeutet lediglich, dass dort der Wohlstand ebenfalls gefährdet ist – zumal die Leistungen in vielen ostasiatischen Ländern uns mehrere Schuljahre voraus sind.“
Der PISA-Abstieg müsse in Politik und Gesellschaft zu einem neuen Fokus auf die Vermittlung von Basiskompetenzen führen. In den Schulen müssten die Lehrkräfte die in der Coronazeit abgesenkten Standards wieder auf das vorherige Anspruchsniveau anheben. Die Noteninflation müsse zurückgedreht werden. Auch in den Familien müssten Eltern ihre Kinder zum Lernen motivieren und begeistern. In der Bildungspolitik könnten jährliche deutschlandweit einheitliche Tests die Transparenz erhöhen. Gleichzeitig sollten Schulen mehr Autonomie erhalten, um den besten Weg zum Erreichen der Ziele zu finden. Kinder aus benachteiligten Hintergründen sollten durch Nachhilfe- und Mentoringprogramme gezielt gefördert werden. Schließlich müsse man früh ansetzen: Alle Kinder sollten wie in Hamburg mit viereinhalb einen Sprachtest machen – wer ein Mindestniveau nicht erreicht, bekommt automatisch Förderung.
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