Welt
Pflanzenvielfalt als Versicherung gegen Klimawandel
Potsdam 13.10.2026
– Ein starker Verlust der Pflanzenvielfalt könnte dazu führen, dass Grasländer wie Wiesen und Weiden weltweit gegen Mitte des Jahrhunderts rund 15 Prozent weniger CO₂ durch Photosynthese aufnehmen als bei erhaltener Vielfalt. In besonders stark betroffenen Regionen könnte der Unterschied bis zu 50 Prozent betragen, warnt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
„Durch den Klimawandel können Pflanzen, die heute eine Weide oder Wiese prägen, an Produktivität verlieren. Bleibt die Pflanzenvielfalt erhalten, können andere Pflanzen wichtiger werden, etwa weil sie mit Trockenheit besser zurechtkommen und ihre Rolle übernehmen“, erklärt Stephen Wirth, PIK-Forscher und Erstautor der Studie. „Es geht um mehr als eine geringere Photosyntheseleistung: Der Verlust von Pflanzenvielfalt schwächt auch die Futtergrundlage für Weidetiere, was wiederum die Lebensgrundlage der Menschen gefährden kann, die von Weidewirtschaft leben. Gleichzeitig speichern Böden weniger Kohlenstoff und tragen damit weniger zum Klimaschutz bei.“
Dass Pflanzenvielfalt die Leistungsfähigkeit von Grasländern unterstützt, ist aus lokalen Experimenten bekannt. Die Studie untersucht erstmals mit einem globalen Vegetationsmodell, wie sich der Verlust dieser Vielfalt unter Klimawandel auf die CO₂-Aufnahme und die Kohlenstoffspeicherung im Boden auswirkt. Mit einem Computermodell verglichen die Forschenden, wie sich Grasländer mit erhaltener und stark verringerter Pflanzenvielfalt entwickeln. Sie nahmen einen extremen Verlust der Pflanzenvielfalt an, um dessen mögliche Folgen zu untersuchen. Dabei untersuchten sie zwei Klimaszenarien mit einer globalen Erwärmung von unter zwei beziehungsweise etwa vier Grad.
Deutliche Unterschiede bis 2050
Bei einer Erwärmung von unter zwei Grad nehmen Grasländer mit stark reduzierter Vielfalt im Jahr 2050 weltweit ca. 11 Milliarden Tonnen weniger CO₂ pro Jahr durch Photosynthese auf als bei erhaltener Vielfalt. Diese geringere jährliche Aufnahme wäre vergleichbar mit dem Verlust einer durchschnittlich produktiven Graslandfläche ungefähr von der Größe der arktischen Tundra. Auch die Böden speichern dem Modell zufolge dann weniger Kohlenstoff.
Besonders große regionale Unterschiede zeigen sich bis 2050 in vielen tropischen und subtropischen Regionen. Dort nehmen Grasländer mit stark verringerter Vielfalt bis zur Hälfte weniger CO₂ auf als bei erhaltener Vielfalt. Wie stark Grasländer von Vielfalt profitieren, ist nicht überall gleich, betont Susanne Rolinski, PIK-Forscherin und Ko-Autorin der Studie: „In einzelnen Regionen können die verbleibenden Pflanzen den Verlust anderer Typen ausgleichen oder die Produktivität kann sogar steigen. Weltweit überwiegen jedoch in beiden Klimaszenarien die Vorteile erhaltener Vielfalt.“ Die genaue Größenordnung ist den Forschenden zufolge mit Unsicherheiten verbunden, da das Modell die Eigenschaften und Wechselwirkungen der Pflanzen vereinfacht abbildet.
„Um die Produktivität von Grasländern im Klimawandel zu erhalten, brauchen wir eine Bewirtschaftung, die bestehende Vielfalt langfristig bewahrt und Überweidung vermeidet“, sagt Friedhelm Taube, CAU-Forscher und Ko-Autor der Studie. „Die Agrarpolitik sollte Landwirtinnen und Landwirte dabei unterstützen, ihre Betriebe entsprechend an den Klimawandel anzupassen. So können wir die Lebensgrundlagen der Menschen stärken, die von der Weidewirtschaft abhängig sind, besonders im globalen Süden.“
Welt
USA: Anstieg der Gesamtinflation von 3,4 auf 3,6 Prozent erwartet
Berlin 13.10.2026
US-Inflationsdaten und Auftakt der Berichtssaison dürften die Märkte beschäftigen
In dieser Woche stehen in den USA die Inflationsentwicklung und die Einzelhandelsumsätze sowie der Auftakt der Unternehmensberichtssaison im Mittelpunkt. In der Eurozone richtet sich der Blick auf die Industrieproduktion.
US-Inflation als wichtiger Faktor für die Fed
Am Mittwoch und Donnerstag werden in den USA die Inflationsdaten für September und die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Die Inflation dürfte für die nächsten geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank Fed von Bedeutung bleiben. Erwartet wird ein Anstieg der Gesamtinflation von 3,4 auf 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch die Kerninflation dürfte von 2,4 auf 2,5 Prozent zulegen. Im Monatsvergleich wird hingegen ein Anstieg um 0,2 Prozent erwartet, nach 0,3 Prozent im Vormonat.
Bei den Einzelhandelsumsätzen rechnen die Prognosen mit einem weiteren Wachstum, allerdings in einem langsameren Tempo als im August. Erwartet wird ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, nach zuvor 1,2 Prozent. Dazu dürfte auch der Rückgang der Autoverkäufe beitragen.
Industrieproduktion in der Eurozone stagniert voraussichtlich
Für die Industrieproduktion in der Eurozone im August gehen die Konsensprognosen von einer Stagnation aus. Damit steht die erwartete Entwicklung der Industrieaktivität einem weiterhin positiven Bild gegenüber, das die Umfragen zum Geschäftsklima zeichnen.
Unternehmensberichtssaison nimmt Fahrt auf
Darüber hinaus beginnt in dieser Woche die Berichtssaison für das dritte Quartal, die in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt erreichen dürfte. Neben den Ergebnissen der US-Banken, darunter JPMorgan, Goldman Sachs und Bank of America, stehen die Zahlen von ASML und TSMC im Fokus. Sie könnten wichtige Hinweise auf den Investitionszyklus im Bereich künstliche Intelligenz liefern.
Für die Unternehmen im S&P 500 erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von rund 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Sollten sich diese Prognosen bestätigen, würden die Unternehmensgewinne zum achten Mal in Folge zweistellig wachsen.
Politik
Deutsch-Saudische Gespräche
Berlin 13.10.2026
– Bundeskanzler Merz hat heute mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman telefoniert. Gegenstand der Gespräche waren die Angriffe der Huthis, unter anderem auf den Flughafen Riad, die Lage im Nahen und Mittleren Osten und die Auswirkungen auf die Energiepreise in Deutschland.
Die terroristischen Angriffe der von Iran unterstützen Huthis verurteilte der Bundeskanzler auf das Schärfste. Der Bundeskanzler und der Kronprinz waren sich einig, dass diese Angriffe sofort aufhören müssen. Die Seeblockaden durch den Iran und die Huthis in der Straße von Hormus und am Bab al-Mandab müssen sofort enden. Iran muss endlich ernsthaft verhandeln und aufhören, die Region zu destabilisieren. Gleichzeitig muss er die Straße von Hormus dauerhaft und ohne Einschränkungen öffnen und sein militärisches Nuklearprogramm einstellen.
Der Bundeskanzler und der Kronprinz berieten über Möglichkeiten, wie der Konflikt beendet und die Energiepreise stabilisiert werden können.
Politik
Humanitäre Lage in Gaza laut Bundesregierung „katastrophal“
Berlin 13.10.2026
– Die humanitäre Lage in Gaza bleibt nach Angaben der Bundesregierung „katastrophal“. Wie sie in der Antwort (21/8377) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (21/7911) schreibt, bestehe die „Notwendigkeit umfassender Verbesserungen bei der humanitären Versorgung des Gazastreifens“. Als einer der größten bilateralen Geber habe Deutschland bis zu 420 Millionen Euro für humanitäre Hilfe seit dem 7. Oktober 2023 bereitgestellt. „Die humanitäre Lage kann nur nachhaltig verbessert werden, wenn die im 20-Punkte-Friedensplan für Gaza vereinbarte Entwaffnung der Hamas, die für den monströsen Terror vom 7. Oktober 2023 verantwortlich war, und Rehabilitierung ziviler Infrastruktur stattfinden“, schreibt die Bundesregierung.
Nach Angaben der Vereinten Nationen habe sich die Einfuhr humanitärer Güter in den Gazastreifen seit Inkrafttreten des Waffenstillstands von Oktober 2025 erhöht. Der Zugang für humanitäre Nichtregierungsorganisationen habe sich aufgrund neuer israelischer Registrierungsregeln seit September 2025 allerdings verschlechtert.
Wie die Bundesregierung weiter schreibt, setze sie sich im Rahmen ihrer humanitären Diplomatie gegenüber der israelischen Regierung und den zuständigen israelischen Stellen „ohne Unterlass für eine Verbesserung der humanitären Zugänge ein“. Diese humanitären Kernanliegen würden eng und fortlaufend mit humanitären Organisationen bis auf die Detailebene abgestimmt und an aktuelle Entwicklungen und Bedarfe angepasst. „Dabei werden Zugangshindernisse – zum Beispiel in den Bereichen Zoll und ‚Dual-Use‘ – aber auch die Einfuhr spezifischer Güter wie Benzin, Motoröl und wasserfeste Zelte angesprochen.“
Berlin
Klimatag in Berlin
Berlin 13.10.2026
„Klimaschutz mit Anschluss“
–Unter diesem Motto eröffnete die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium den „5. Deutschen Klimatag.
Es diskutieren Spitzenvertreter*innen aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft, wie der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas sozial gerecht gelingt und Deutschland den Anschluss an eine klimaneutrale Zukunft schafft.
Die diesjährige Veranstaltung stand unter dem Motto „Verantwortung heißt Klimaschutz“ und hat u.a. die Pläne der neuen Regierung zum Klimaschutz in den Blick genommen, ist auf die Verantwortung von Medien bei der Klimaberichterstattung eingegangen, hat Räume für neue Ideen geschaffen und natürlich ausreichend Möglichkeiten für den Austausch im Netzwerk gegeben.
Europa
Antifolter-Ausschuss Bericht des Europarats
Berlin, Brüssel 12.10.2026
• Türkei: Antifolter-Ausschuss fordert umfassende Gesetze zur psychischen Gesundheit und Schutzmaßnahmen für ausländische Kinder.
• Ausschuss zur Verhütung von Folter veröffentlicht Berichte über seine Besuche in der Türkei in den Jahren 2018 und 2022.
Straßburg, 12. Oktober 2026
– Die Türkei sollte umfassende Gesetze zur psychischen Gesundheit erlassen und die Schutzvorkehrungen für Personen stärken, die zwangsweise in psychiatrischen Einrichtungen und sozialen Betreuungszentren untergebracht sind; dies erklärte der Antifolter-Ausschuss des Europarats.
Zudem forderte der Ausschuss zur Verhütung von Folter (CPT) die türkischen Behörden auf, von der Inhaftierung von Familien mit Kindern in Abschiebezentren abzusehen und sicherzustellen, dass alle Inhaftierten respektvoll behandelt werden, wobei jegliche Form von Misshandlung oder Übergriff sanktioniert werden muss.
Diese Punkte gehören zu den wichtigsten Ergebnissen zweier separater Berichte, die heute veröffentlicht wurden und sich auf die Besuche beziehen, die der Ausschuss in den Jahren 2018 und 2022 in der Türkei durchgeführt hat. Der jüngste Bericht befasste sich zudem mit den Haftbedingungen und der Behandlung der vier Gefangenen, die im Hochsicherheitsgefängnis „Imralı“ (Typ F) inhaftiert sind. Rechtliche Mängel untergraben das psychische Gesundheitssystem in der Türkei.
Nach ihrem Besuch im Jahr 2018 begrüßte das Komitee zur Verhütung von Folter die Bemühungen der Türkei zur Reform des psychischen Gesundheitswesens, äußerte jedoch Besorgnis über das Fehlen eines spezifischen Gesetzes zur psychischen Gesundheit. Dies führte zu verschiedenen Mängeln – insbesondere in Bezug auf die zwangsweise Unterbringung in Krankenhäusern, die Einwilligung in Behandlungen und die Anwendung körperlicher Zwangsmaßnahmen.
Das Komitee stellte fest, dass die materiellen Bedingungen in psychiatrischen Einrichtungen und sozialen Betreuungszentren im Allgemeinen gut waren; allerdings hatten einige Patienten über Wochen – oder sogar Monate – hinweg keinerlei Möglichkeit zu körperlicher Betätigung im Freien. Zudem waren einige Mitarbeiter einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt, was sich bisweilen auf das Angebot an organisierten Aktivitäten auswirkte.
Insgesamt stellte das Komitee fest, dass der Besuch eine Reihe von Mängeln sowohl auf gesetzgeberischer Ebene als auch in der Praxis aufzeigte; so wurden beispielsweise viele Patienten oder Bewohner – die offiziell als „freiwillige“ Fälle eingestuft waren – faktisch ihrer Freiheit beraubt, ohne über angemessene Schutzgarantien zu verfügen. Die Türkei sollte die Unterbringung von Kindern in Abschiebezentren vermeiden.
Das Hauptziel des Besuchs des Komitees im Jahr 2022 bestand darin, die Behandlung und die Haftbedingungen ausländischer Staatsangehöriger, die auf der Grundlage von Einwanderungsbestimmungen festgehalten wurden, sowie die gegen sie eingeleiteten Abschiebeverfahren zu überprüfen.
Der Europäische Ausschuss zur Verhütung von Folter (CPT) erkannte die enormen Herausforderungen im Bereich der Migration an, mit denen die Türkei in den letzten Jahren konfrontiert war, und würdigte die von den türkischen Behörden ergriffenen Maßnahmen. Gleichzeitig betonte der Ausschuss die Notwendigkeit, verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, um die Inhaftierung von Familien mit Kindern in Abschiebehaftzentren zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Dauer der Inhaftierung von Kindern in solchen Einrichtungen auf das absolute Minimum beschränkt bleibt.
Während ihres Besuchs erhielt der Ausschuss Berichte über körperliche Misshandlungen und unverhältnismäßige Gewaltanwendung durch Personal und Gendarmerieangehörige in zahlreichen türkischen Abschiebehaftzentren sowie Beschwerden über verbale Misshandlungen ausländischer Staatsangehöriger. Der Ausschuss forderte die türkischen Behörden nachdrücklich auf, eine respektvolle Behandlung aller Inhaftierten zu gewährleisten sowie jegliche Form von Misshandlung oder Übergriff strikt zu untersagen und zu sanktionieren.
Ernste Bedenken hinsichtlich der im Gefängnis Imralı inhaftierten Gefangenen
Im Rahmen ihres Besuchs im Jahr 2022 inspizierte der Ausschuss auch das Hochsicherheitsgefängnis Imralı (Typ F), um sich ein Bild von der Situation der dort inhaftierten vier Gefangenen zu machen.
Obwohl die Gesundheitsversorgung und die Haftbedingungen im Allgemeinen zufriedenstellend waren, äußerte der Ausschuss große Besorgnis darüber, dass sich das auf die Gefangenen angewandte Haftregime seit dem Besuch im Jahr 2019 in keiner Weise verbessert hat.
So verblieben alle Gefangenen über Jahre hinweg in Einzelhaft. Mit Ausnahme eines einzigen Falls wurde den Gefangenen seit August 2019 jeglicher Familienbesuch sowie der Kontakt zu ihren Anwälten verwehrt.
Der Ausschuss betonte, dass die kumulative Wirkung dieser strengen Beschränkungen leicht Fragen im Hinblick auf Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention aufwerfen könnte, der Folter sowie unmenschliche oder erniedrigende Behandlung untersagt.
Berlin
UNRWA Christian Saunders in Berlin
Berlin 12.10.2026
– Das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) steht vor einer außergewöhnlichen und beispiellosen Finanzkrise, die den vollständigen Zusammenbruch seiner humanitären Arbeit drohen lässt.
Die Ausmaße dieser Krise lassen sich wie folgt zusammenfassen:
• Ausmaß des Finanzdefizits: Das Hilfswerk leidet unter einem akuten Liquiditätsengpass von schätzungsweise 100 Millionen US-Dollar. Es benötigt dringend 90 Millionen US-Dollar, um die Betriebskosten zu decken, die kontinuierliche Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen zu gewährleisten und die Gehälter der Mitarbeitenden bis zum Jahresende zu zahlen.
• Hauptursachen: Die Krise ist im Wesentlichen auf den Wegfall von Beiträgen wichtiger Geber – allen voran der USA, die ihre Finanzierung vollständig eingestellt haben – sowie auf den Rückgang internationaler Entwicklungshilfe zurückzuführen. Zudem deckte das veranschlagte Budget des Hilfswerks nur 63 % des tatsächlichen Gesamtbedarfs ab.
• Ergriffene Sparmaßnahmen: Um handlungsfähig zu bleiben, sah sich das UNRWA zu drastischen Schritten gezwungen. Dazu gehörten eine Kürzung der Dienstleistungszeiten um 20 %, eine Reduzierung der Gehälter für lokale Mitarbeitende sowie die Verkürzung der Unterrichtstage in einigen Gebieten von fünf auf vier Tage pro Woche.
• Humanitäre Auswirkungen: Die Vereinten Nationen warnen, dass dieser gravierende Mangel mit äußerst schwierigen Bedingungen vor Ort und widrigen Witterungsverhältnissen – insbesondere im Hinblick auf den nahenden Winter – zusammentrifft. Dies droht die Versorgung von Millionen palästinensischer Flüchtlinge in den fünf Einsatzgebieten (Gaza, Westjordanland einschließlich Jerusalem, Jordanien, Libanon und Syrien) mit Bildungsangeboten, Gesundheitsversorgung und sauberem Wasser zu unterbrechen
Foto: © PWO
Welt
Caritas: Humanitäre Lage in Gaza ist dramatisch
Freiburg/Gaza-Stadt 09.10.2026
– Fast ein Jahr nach dem Waffenstillstand vom 10. Oktober 2025 und drei Jahre nach dem Überfall der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ist die humanitäre Situation im Gazastreifen nach wie vor dramatisch. Caritas international warnt: „Die Menschen in Gaza stehen vor einem dramatischen Winter.“
„Die Versorgungslage der Menschen ist auch nach einem Jahr relativer Waffenruhe immer noch katastrophal und ohne Perspektiven“, bilanziert Oliver Müller, Leiter von Caritas international und Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbandes. „Wenn die Hilfslieferungen und deren Finanzierung nicht spürbar gesteigert werden, sehen die Menschen im Gazastreifen einem bitteren Winter entgegen.“
Nach wie vor fehlt es an den nötigsten Dingen. Sauberes Trinkwasser, Lebensmittel und andere Güter des alltäglichen Gebrauchs sind für die 2,1 Millionen hilfsbedürftigen PalästinenserInnen in Gaza nicht in ausreichenden Mengen verfügbar. „Die Einfuhr von Gütern bleibt unberechenbar. Immer wieder werden die Trucks an den Grenzübergängen zurückgewiesen, ohne dass die Gründe hierfür transparent nachvollziehbar sind“, kritisiert Müller. Laut Vereinten Nationen wird am ägyptischen Grenzübergang Rafah nur jeder zweite LKW durchgelassen. „Die Caritas und ihre Partner konnten trotz der schwierigen Rahmenbedingungen und zahlreichen Zugangshürden innerhalb von zehn Monaten mehr als 760 LKW in den Gazastreifen bringen. Die israelische Regierung trägt als kontrollierende Macht an den Grenzübergängen eine besondere Verantwortung dafür, dass humanitäre Hilfe die Zivilbevölkerung erreicht“, stellt Müller klar.
Zerstörte Infrastruktur
Dringend gebraucht werden auch robuste Zelte, die der Witterung standhalten und den Menschen im Winter Schutz bieten. Durch den Krieg wurden rund 85 Prozent aller Gebäude des Gazastreifens zerstört oder beschädigt. Mehr als 1,7 Millionen Menschen müssen in Behelfsunterkünften ausharren. Von einem Wiederaufbau ist der Gazastreifen weit entfernt. „Viele Zelte sind zerschlissen und müssen dringend erneuert werden. Doch selbst neue Zelte hereinzubringen, wird von den israelischen Behörden behindert“, kritisiert Müller. Die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen stellt zudem ein großes Problem dar. Etwa 82 Prozent der Bevölkerung leiden unter Wassermangel. Zerstörte Infrastruktur und fehlende Ersatzteile sowie Treibstoffe machen Tankwagen zur Hauptquelle der Wasserlieferungen.
Und trotz des Waffenstillstands ist die Sicherheitslage im Gazastreifen äußerst fragil. Laut den Vereinten Nationen wurden seit dem 10. Oktober 2025 bis zum 20. September 1.402 Palästinenser_innen getötet, mehr als 4.880 wurden verletzt. „Die Menschen in Gaza können an ein einigermaßen sicheres Leben nicht einmal denken“, sagt Müller. Sehr angespannt ist zudem die Finanzierung der Hilfen. Die für das Jahr veranschlagten vier Milliarden Dollar wurden erst zu knapp 40 Prozent – 1,61 Milliarden Dollar – von der internationalen Gemeinschaft aufgebracht. „Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell die Aufmerksamkeit für die humanitäre Situation im Gazastreifen schwindet. Für die Bevölkerung dort heißt das nichts Gutes, dabei wäre das Gegenteil so wichtig: die Menschen brauchen wirklichen Frieden und eine Perspektive.“
Der Gaza-Krieg begann am 7. Oktober 2023 mit dem Überfall der Terror-Organisation Hamas auf Israel, bei dem nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 1.200 Menschen ermordet und 5.400 verletzt wurden. In den folgenden zwei Jahre Krieg kamen fast 74.000 PalästinenserInnen ums Leben, fast 175.000 wurden verletzt. Caritas international leistet seit Beginn an Hilfe über ihre Partnerorganisationen im Gazastreifen.
Welt
Weniger Verstorbene aufgrund von Herz-Kreislauf-
Wiesbaden, Berlin 09.8.2026
– Im Jahr 2025 sind in Deutschland 334 100 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben. Damit war dies trotz eines Rückgangs um 1,5% gegenüber dem Vorjahr auch 2025 die häufigste Todesursache. Gegenüber dem Jahr 2022 ging die Zahl der Verstorbenen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 6,7% zurück und damit stärker als die Zahl der Sterbefälle insgesamt (-5,6 %).
Deutliche Rückgänge gab es darunter bei Herzinfarkten (-15,2 %) und zerebrovaskulären Krankheiten, zu denen Schlaganfälle, Hirnblutungen und Hirninfarkte gehören (-6,3%).
• Zahl der Todesfälle wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen seit 2022 um 6,7% gesunken, darunter Todesfälle durch Herzinfarkt: -15,2 %
• Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Krankheiten des Atmungssystems waren die drei häufigsten Todesursachen
• Gesamtzahl der Sterbefälle nahezu konstant
Politik
Uneingeschränkte Unterstützung für den jüdischen Staat
Berlin 07.10.2026
„Am heutigen Jahrestag der furchtbaren Hamas-Terroranschläge vom 7. Oktober 2023 sind unsere Gedanken bei den Opfern und ihren Hinterbliebenen, den Überlebenden und den ehemaligen Geiseln. Wir gedenken der Toten. Wir trauern mit den Hinterbliebenen. Und wir hoffen, dass der tiefe Schmerz und die Wunden, die dieser Tag, die diese monströsen, barbarischen Taten geschlagen haben, heilen können.
Deutschland steht fest an der Seite Israels. Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt. Wir stehen für die Sicherheit und Existenz Israels ein – das ist Lehre aus der Shoah und Teil deutscher Identität.
Es muss nun darum gehen, das Fundament einer neuen Ordnung zu legen, in der Israelis, Palästinenser und ihre Nachbarn in Frieden und Sicherheit leben können. Dafür setzt sich die Bundesregierung ein. Unserer Überzeugung nach ist dieses Ziel am besten durch die Gründung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels zu erreichen.
In Deutschland erleben wir heute einen zunehmenden Antisemitismus, der viel zu oft unwidersprochen bleibt. Die Bundesregierung wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um Antisemitismus in all seinen neuen und alten Formen konsequent zu bekämpfen. Jüdinnen und Juden müssen in ganz Deutschland ohne Angst leben können. Jüdisches Leben muss sich in unserer Gesellschaft weiter entfalten können. Deshalb gehen wir gegen antisemitische Vorfälle und Angriffe mit aller Entschlossenheit vor. Und wir treten denjenigen entgegen, die das Existenzrecht Israels relativieren oder gar in Frage stellen. Nicht nur am 7. Oktober, sondern jeden Tag.“
Haitham Arash, Redaktion
Politik
Bundeswehr beendet nach 11 Jahren seinen Einsatz im Irak
Berlin 01.10.2026
– Zum 30.September 2026 endete die militärische Präsenz der Bundeswehr im Irak. Bis auf das Personal des Militärattachéstabes an der Botschaft in Bagdad haben die 28 letzten deutschen Soldatinnen und Soldaten auf Wunsch der irakischen Regierung das Feldlager in Erbil an die irakische Regierung übergeben und das Land verlassen.
Das letzte Kontingent wurde heute auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf von Staatssekretär Nils Hilmer, Generalleutnant Günter Katz und Abgeordneten des Deutschen Bundestages sowie von Angehörigen in Empfang genommen. Dabei wurden die Leistungen der insgesamt 25 Kontingente gewürdigt.
Das deutsche Engagement im Irak bestand im Rahmen des mandatierten Einsatzes Counter Daesh/ Capacity Building Iraq (CD/CBI) größtenteils aus Beratungs-, Sanitäts-, IT- und Stabspersonal. Das erste Kontingent nahm im Februar 2015 seinen Einsatzauftrag im Irak auf.
Seit Beginn des Einsatzes haben unsere Soldatinnen und Soldaten gemeinsam mit unseren Partnern und Verbündeten, insbesondere dem Irak selbst, große Fortschritte bei der Zurückdrängung der Bedrohung durch terroristische Kräfte, und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit in der Region und auch in Europa geleistet.
Mit Unterstützung der Bundeswehr wurden die irakischen Streit- und Sicherheitskräfte befähigt, die Sicherheit des Landes eigenständig zu gewährleisten und die dazu notwendigen militärischen Strukturen aufzubauen.
Der Abzug der internationalen Streitkräfte erfolgte auf Wunsch der irakischen Regierung, die den Kampf gegen bewaffnete Gruppierungen künftig eigenständig weiterführen wird. Der Rückbau sowie die Übergabe des Camps erfolgte in den vergangenen Wochen trotz der angespannten Sicherheitslage planmäßig.
Deutschland wird der irakischen Regierung auch weiterhin eng verbunden bleiben und steht auch künftig zur Unterstützung von Sicherheit und Stabilität im Irak bereit.
Das deutsche Kontingent in Jordanien ist vom Abzug nicht betroffen.
Politik
Keine Schiffe unter deutscher Flagge im Persischen Golf
Berlin 30.09.2026
– Seit dem Beginn der Kampfhandlungen befinden sich nach Angaben der Bundesregierung keine Schiffe unter deutscher Flagge im Persischen Golf. Es würden sich derzeit 15 Schiffe „mit Bezug zu Deutschland“ im Persischen Golf aufhalten, welche primär für den internen Liniendienst im Persischen Golf vorgesehen seien, heißt es in der Antwort der Regierung (21/8181) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (21/7875). Der Großteil der Schiffe mit deutschem Bezug, die sich seit Februar in der Region aufhielten, habe diese in den vergangenen Monaten verlassen können.
Das Auswärtige Amt und weitere zuständige Behörden stünden mit betroffenen Reedereien in Kontakt, wird mitgeteilt. Die Lage der Besatzungen sei in den Gesprächen thematisiert worden. „Der Bundesregierung sind keine Fälle bekannt, in denen eine von den Reedereien organisierte Ausreise mit kommerziellen Mitteln nicht erfolgen konnte“, heißt es in der Antwort.
Politik
153. Versammlung der Interparlamentarischen Union in Arusha, Tansania
Berlin. 30.09.2026
– Eine Delegation des Deutschen Bundestages wird an der 153. Versammlung der Interparlamentarischen Union (IPU) teilnehmen, die vom 5. bis 9. Oktober 2026 in Arusha stattfindet.
Leiter der Delegation ist Abg. Alexander Radwan (CDU/CSU), der Delegation gehören darüber hinaus die Abg. Dr. Malte Kaufmann und Stefan Keuter (beide AfD), Dr. Rolf Mützenich (SPD), Claudia Roth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sowie Katrin Fey (Die Linke) an. Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) wird über den Sondersitz für junge Parlamentarier, der in der IPU-Satzung vorgesehen ist, an der Versammlung teilnehmen.
Das Thema der Generaldebatte, in der Abg. Radwan eine Rede halten wird, lautet „Stärkung einer guten Regierungsführung und Stärkung der Gemeinden durch Inklusion, Vertrauen und Chancen für alle“. Dabei soll es insbesondere um die Frage gehen, mit welchen Maßnahmen die Parlamente die Eigenverantwortung in den Gemeinden stärken können, um die Beteiligung von Frauen, jungen Menschen, Menschen mit Behinderungen und anderen unterrepräsentierten Gruppen sicherzustellen. Parlamente sollen in die Lage versetzt werden, dahingehende Entscheidungen unter anderem durch eine bessere Nutzung von Daten, Forschungsergebnissen, öffentlichen Konsultationen und Evaluierungen sowie durch die Verwendung neuer Technologien zu treffen. Die 153. IPU-Versammlung wird eine Resolution zu diesem Themenkomplex verabschieden.
In zahlreichen Podiumsdiskussionen und Workshops diskutieren die Parlamentarier darüber hinaus unter anderem zur künstlichen Intelligenz in politischen und gesellschaftlichen Räumen, zur parlamentarischen Kontrolle der Rohstoffindustrie, zur gesunden Ernährung in Zeiten des Klimawandels und zum Schutz von Berg- und Meeresökosystemen.
Die Versammlung endet mit der Wahl einer neuen IPU-Präsidentschaft.
Politik
Deutschland und Kasachstan auf neuer wirtschaftlicher, politischer und bildungspolitischer Ebene.
Dies wurde heute, Dienstag, den 29. September, in Gesprächen zwischen dem kasachischen Präsidenten Kassym-Jomart Tokajew, Präsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz vereinbart.
Kasachstan ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Zentralasien mit einem Handelsvolumen von rund 8 Milliarden Euro im Jahr 2025, und die Staaten vertiefen ihre Kooperation aktuell im September 2026 bei einem Wirtschaftsforum in Berlin durch 37 neue Projekte im Wert von 1,8 Milliarden Euro.
Foto: © PWO
Politik
Umsetzung des EU-Mercosur-Abkommens
Berlin 29.09.2026
– Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Gesetzes (21/8240) zu dem Partnerschaftsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vorgelegt. Durch die Vereinbarungen im Handelsbereich im Partnerschaftsabkommen sollen innerhalb von 15 Jahren sukzessive mehr als 91 Prozent der EU-Ausfuhren in die Mercosur-Staaten von Zöllen befreit sowie Vereinfachungen für den Dienstleistungssektor und für kleine und mittlere Unternehmen sowie weitere Handelserleichterungen eingeführt werden.
Das Abkommen schaffe einen umfassenden Rahmen für die verstärkte politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenarbeit auf der Grundlage gemeinsamer Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte, schreibt die Bundesregierung. Begleitet würden die Bestimmungen von der Vereinbarung der wirksamen Umsetzung ambitionierter multilateraler Standards, etwa in den Bereichen Umwelt und Arbeit. Dadurch solle das Partnerschaftsabkommen zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und einer verbesserten Integration der Vertragsparteien in die Weltwirtschaft beitragen.
Das Abkommen löst innerstaatlich das Erfordernis eines Vertragsgesetzes gemäß Artikel 59 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes aus.
Politik
Deutsch-Türkische Parlamentariergruppe zu Gesprächen nach Istanbul und Ankara
Berlin 28.09.2026
– Vom 29. September bis 4. Oktober 2026 wird eine Delegation der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe unter der Leitung des Vorsitzenden, Serdar Yüksel (SPD), in die Türkei reisen. Die weiteren Delegationsmitglieder sind die stellvertretenden Vorsitzenden der Parlamentariergruppe: Achim Köhler (AfD), Ayse Asar (Bündnis 90/Die Grünen) und Mirze Edis (Die Linke.).
Die Delegationsreise dient dem bilateralen parlamentarischen Austausch und damit der Vertiefung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Regierung und Opposition, Ausschüssen, Unternehmen sowie weiteren Akteuren aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
In Istanbul wird die Delegation Gespräche mit Repräsentanten der Zivilgesellschaft führen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Situation der Menschenrechte sowie den Rechten und der gesellschaftlichen Teilhabe der LGBTQI+ Bewegung. Darüber hinaus werden Gespräche mit der Leiterin der Abteilung für Frauen und Familienpolitik der Istanbuler Großstadtverwaltung stattfinden.
In Ankara ist ein Gespräch mit dem Präsidenten des türkischen Parlaments, Numan Kurtulmuş, vorgesehen. Die Delegation wird zudem die türkisch-deutsche Freundschaftsgruppe sowie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener türkischen Parteien, darunter der YEP und der DEM Parti, treffen, um aktuelle politische Entwicklungen in der Türkei sowie Fragen der bilateralen und europäischen Zusammenarbeit zu erörtern.
Darüber hinaus wird die Delegation das Unternehmen MAN Türkiye besuchen, welches sich auf die Produktion von Stadtbussen, Überlandbussen und Reisebussen spezialisiert hat.
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