Politik
Zahl getöteter und verletzter Kinder stieg 2025 im Jemen um 70 Prozent
Berlin 16.01.2026
– „An jedem einzelnen Tag starb 2025 ein Kind im Jemen durch Waffengewalt oder wurde schwer verletzt – oft durch Bomben, Landminen oder andere Explosivwaffen. Die Folgen sind verheerend: Amputationen, Verbrennungen oder der Verlust von Augenlicht oder Gehör“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. „Wenn Kinder Gliedmaßen verlieren, brauchen sie Rehabilitation und regelmäßig neue Prothesen. Doch all das – medizinische Betreuung, Reha und auch die nötige psychologische Unterstützung – ist im Jemen völlig unterfinanziert oder schlicht nicht vorhanden, sodass die meisten Kinder keine angemessene Versorgung erhalten.“
Laut Daten des Civilian Impact Monitoring Project wurden im Jahr 2025 mindestens 103 Kinder im Jemen getötet und 246 verletzt – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024, als 44 Todesfälle und 161 verletzten Minderjährige registriert wurden. Zu den Hauptursachen gehören Luftangriffe, bei denen mindestens 155 Kinder getötet oder verletzt wurden. Einer der verheerendsten Monate war der September: Am 25. September wurden bei einem Angriff des israelischen Militärs auf Häuser nahe einer Schule neben weiteren Zivilist*innen auch 67 Kinder getötet oder verletzt – die höchste Opferzahl des Jahres bei einem einzelnen Vorfall.
Verletzungen durch Explosivwaffen sind die mit Abstand häufigste Todesursache für Kinder in Konflikten. Überleben Kinder einen Angriff, sind die Folgen für sie meist gravierender als für Erwachsene, weil ihre Körper kleiner, fragiler und noch im Wachstum sind. So ist die Wahrscheinlichkeit, an den Folgen einer solchen Verletzung zu sterben, bei Kindern siebenmal höher.
Eskalation der Gewalt
Die 13-jährige Nadin* nahm im vergangenen Mai an einer Hochzeit teil, als Artilleriegeschosse das Haus der Feiernden trafen. Sie erlitt schwere Verletzungen, ein Bein musste amputiert werden. Drei weitere Kinder kamen mit ihr ins Krankenhaus; ein neun Monate alter Junge verlor seine Hand. Nadin hofft nun, eine Prothese zu bekommen, damit sie endlich wieder zur Schule gehen kann. Save the Children übernahm die Kosten für ihre Operation und unterstützt das Mädchen durch psychologische Betreuung.
Die Eskalation der Gewalt im Süden des Jemen erhöht aktuell erneut die Gefahr für Kinder, bei Angriffen getötet oder verletzt zu werden. „Wir fordern die Konfliktparteien auf, diese Krise zu deeskalieren, den Einsatz explosiver Waffen einzustellen und das humanitäre Völkerrecht einzuhalten, um weiteren Schaden für Zivilist*innen zu verhindern“, mahnt Florian Westphal. „Gleichzeitig müssen Geber dringend mehr Mittel für den Jemen bereitstellen, damit Menschen – insbesondere Kinder – angemessen versorgt und über die Gefahren durch Minen und andere Explosivwaffen aufgeklärt werden können. Diese wichtige Arbeit musste durch die internationalen Hilfskürzungen leider stark zurückgefahren werden.“
Der Humanitarian Needs and Response Plan der UN für den Jemen für das Jahr 2025 war Ende Dezember nur zu knapp 28 Prozent finanziert. Von den umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro, die benötigt werden, fehlen noch1,6 Milliarden Euro. Besonders stark betroffen sind Gesundheits- und Schutzdienste.
Save the Children ist seit 1963 im Jemen tätig. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist der Kinderschutz, unter anderem mit spezialisierter Hilfe für Kinder, die durch Landminen, Blindgänger oder andere Explosivwaffen verletzt wurden.