Kunst
AICA Deutschland zeichnet Kunstmuseum Wolfsburg aus
Małgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte erhält den Preis „Besondere Ausstellung 2025“
Berlin 04.02.2026
– Das Kunstmuseum Wolfsburg gehört erneut zur Spitze der internationalen Museumslandschaft: Die AICA Deutschland e. V. (Association Internationale des Critiques d’Art) hat die von Andreas Beitin im Kunstmuseum Wolfsburg kuratierte Ausstellung Małgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte als die „Besondere Ausstellung 2025“ ausgezeichnet. Mit dieser seit 1996 vergebenen Ehrung würdigt der internationale Kunstkritik-Verband AICA Ausstellungen, die Maßstäbe setzen – konzeptuell, kuratorisch und gesellschaftlich.
Am Samstag, 31. Januar 2026, vergab die deutsche Sektion des internationalen Kunstkritik-Verbands AICA auf ihrer Jahresversammlung in der Hamburger Kunsthalle die Auszeichnungen „Museum des Jahres“, „Ausstellung des Jahres“ und „Besondere Ausstellung des Jahres“.
Die diesjährige Wahl für das „Museum des Jahres 2025“ fiel auf das Georg Kolbe Museum in Berlin. Nominator Jan Verwoert betonte: „Der Leitung gelingt es, unter budgetär höchst prekären Bedingungen einen Ort zu schaffen, der auf kleinstem Raum und beispielhafte Weise Konzentration, Selbstreflexion und kritisches Engagement in der Beschäftigung mit der eigenen Sammlung und aktuellen Kunst möglich macht“.
Zur „Ausstellung des Jahres 2025“ kürt der deutsche Kunstkritikverband die Ausstellung „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“, die im Museum Ludwig Köln und im Museum Brandhorst in München zu sehen war. Nominatorin der Gruppe Ulrike Lehmann sieht das große Verdienst der Ausstellung darin, dass sie „die enge Verbindung der fünf Künstler und ihre Entwicklung nachzeichnet und dabei anhand der Werke auch die gesellschaftliche und politische Lage für queere Menschen in der McCarthy-Zeit für unsere Gegenwart reflektiert“.
Die Auszeichnung „Besondere Ausstellung 2025“ für Małgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte unterstreicht die herausragende Rolle des Kunstmuseum Wolfsburg als Ort international relevanter Gegenwartskunst und reflektierter kuratorischer Praxis. Bemerkenswert ist zudem, dass Andreas Beitin im Laufe seiner kuratorischen und leitenden Tätigkeit als bisher einziger Kulturschaffender in Deutschland in allen drei AICA-Kategorien – „Museum des Jahres“ (2018), „Ausstellung des Jahres“ (2018) und nun mit „Besondere Ausstellung“ – ausgezeichnet wurde.
Als Gründe für die Anerkennung der Auszeichnung nennt Ann-Katrin Günzel, AICA-Jurorin, unter anderem: „Es ist ihre erste große Einzelausstellung in Deutschland und auch wenn ihre Arbeiten bereits andernorts zu sehen waren und sie in der Kunstwelt keine Unbekannte mehr ist – nicht zuletzt hat sie 2022 als erste Roma-Künstlerin ihre Heimat Polen auf der Biennale in Venedig vertreten – so überzeugt diese Ausstellung dadurch, dass sie schon in der räumlichen Setzung einen ästhetischen Erfahrungsraum erschafft, der die Besucher*innen einlädt, teilzuhaben an Geschichte und Geschichten der Rom*nja. […] Die aktuelle Relevanz dieser Ausstellung ist evident in einem politischen Klima der europaweit erstarkenden rechten Parteien sowie den damit verbundenen Ängsten vor Migration und dem ,Fremden‘ und man muss sich nicht der Utopie hingeben, dass Kunst die Welt retten kann oder soll, aber die ,alternative Geschichte‘ ist ein visionärer Hinweis auf die Möglichkeit einer neuen Perspektive.“
Die Ausstellung Małgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte ist im Kunstmuseum Wolfsburg an ihrer dritten und letzten Station zu sehen, nachdem sie bereits bei den Kooperationspartnern im Kunstmuseum Luzern und dem Henie Onstad Kunstsenter in Høvikodden, Norwegen, präsentiert worden ist. Die Erstauswahl der Kunstwerke erfolgte im Kunstmuseum Luzern durch die dortige Direktorin und Kuratorin Fanni Fetzer. Im Kunstmuseum Wolfsburg wurde die Schau durch weitere Werke ergänzt. Des Weiteren wurde in Kooperation mit dem ERIAC European Roma Institute for Arts and Culture eine „Nomadic Library“ integriert, eine mobile Bibliothek, die Literatur über weitere Rom*nja-Künstler*innen und allgemeine Informationen für die Besucher*innen bereitstellt.
Andreas Beitin, Kurator der Ausstellung und Direktor des Kunstmuseum Wolfsburg: „Über diese erneute Auszeichnung der AICA freue ich mich außerordentlich, da mir die Ausstellung mit Małgorzata Mirga-Tas eine echte Herzensangelegenheit ist. Die Themen ihrer eindrucksvollen Kunstwerke sind dringender denn je: Solidarität, Zusammenhalt, Widerstand und Empowerment. Bereits in Venedig auf der Biennale von 2022 war ich begeistert von ihren Werken und wenige Wochen später habe ich weitere auf der documenta gesehen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, Małgorzatas beeindruckende Arbeiten bei uns in einem größeren Umfang zu zeigen. Besonders freut mich, dass wir fast den gesamten Zyklus aus Venedig präsentieren können.
Ich gratuliere auch sehr herzlich den ebenfalls von der AICA ausgezeichneten Kolleg*innen: Kathleen Reinhardt vom Georg Kolbe Museum sowie Yilmaz Dziewior und Achim Hochdörfer.“
Foto: © Kunstmuseum Wolfsburg