Politik
Pressestimmen zur Münchener Konferenz
Berlin 16.02.2026
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER geht auf die Rede von US-Außenminister Rubio in München ein: „In der Sache blieb Rubio hart. Es hörte sich in seinem versöhnlichen Ton nur nicht so schlimm an. Um neues Vertrauen in die USA aufzubauen, werden die Partnerstaaten in der EU und in der NATO einen langen Weg zurücklegen müssen. Deutschland mit seiner lange unverbrüchlich geglaubten Beziehung zu den USA wird es besonders schwer haben. Rubio hat nun immerhin einen ersten Schritt auf Europa zu gemacht. Das könnte ein Anfang sein. Es könnte damit aber auch schon morgen wieder ein Ende haben“, gibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER zu bedenken.
Auch die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG bleibt skeptisch: „Es herrschte Erleichterung, nachdem der amerikanische Außenminister seine Rede gehalten hatte. Das Publikum erhob sich von den Plätzen und spendete Applaus, Konferenzleiter Ischinger bedankte sich für die Rückversicherung an die Verbündeten. Das war eine Reaktion darauf, dass Rubio in seinen Ausführungen hervorgehoben hatte, dass die Vereinigten Staaten und Europa historisch und kulturell zusammengehörten und weiter zusammenarbeiten sollten. Trotzdem sollte man Rubios Auftritt nicht als Wiederbelebung alter transatlantischer Harmonie missverstehen. Der Außenminister trat in München verbindlicher auf als Vizepräsident J. D. Vance im vergangenen Jahr. Aber die Botschaft war immer noch Trumpismus pur“, stellt die FAZ klar.
„Egal, was der Außenminister persönlich denken mag – die Maga-Ideologie ist inzwischen so tief in die Außenpolitik der USA eingesickert, dass er daran nicht vorbeikommt“, hält die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fest. „Dass Trump auf allen Werten, Normen und Institutionen herumtrampelt, ohne die der Westen nicht der Westen ist, fällt Rubio offenbar nicht auf. Er glaubt vielleicht, er diene dem Retter des Westens, aber in Wahrheit dient er dem Zerstörer.“
Die TAGESZEITUNG aus Berlin warnt: „Hinter der Liebeserklärung an Europa, in der Rubio von der langen gemeinsamen kulturellen Geschichte sprach und die Errungenschaften der westlichen Zivilisation hervorhob, versteckte sich eine düstere Botschaft: die Ablehnung aller globalen Strukturen hin zu einer Weltordnung, in der die Interessen der einzelnen Länder wieder ganz oben stehen.“
In der THÜRINGER ALLGEMEINEN aus Erfurt ist zu lesen: „Bald wird sich am Schicksal der Ukraine und an der Iran-Frage zeigen, wie belastbar die von Rubio angesprochenen gemeinsamen Wurzeln von Europa und USA sind. Die bisherige US-Linie macht wenig Hoffnung.“
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf fügt an: „Wer Tauwetter in den transatlantischen Beziehungen erwartet hatte, der sieht sich enttäuscht. Der befürchtete Eklat ist zwar ausgeblieben, aber die tiefen Gräben zwischen Europa und den USA sind erneut sichtbar geworden. Anders als US-Vizepräsident J.D. Vance vor einem Jahr hielt der US-Außenminister Rubio keine Krawallrede, sondern umwarb die Europäer während seiner mit Spannung erwarteten Ansprache ein ums andere Mal. Doch die Rede trug ganz klar die Handschrift des Weißen Hauses unter Präsident Trump. Die Kernbotschaft lautet übersetzt: Wer Trump nicht folgt, bleibt zurück. Kanzler Merz machte sehr deutlich, dass die Europäer die Kritik der USA an mangelndem Engagement Europas etwa in der NATO nachvollziehen können. Aber der deutsche Regierungschef machte auch sehr deutlich, dass Deutschland und Europa den demokratischen und liberalen Werten treu bleiben“, findet die RHEINISCHE POST.
„Den Europäern rief Merz zu, mehr Selbstbewusstsein zu zeigen und eigene Stärke zu entwickeln. Das hat man oft gehört, doch langsam bewegt sich wirklich etwas“, konstatiert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. „Neue Handelsabkommen mit Südamerika, eine gesteuerte Migrationspolitik und der erfolgreiche Widerstand der Europäer in der Grönland-Krise waren erste Schritte. Die Schockstarre jedenfalls scheint endgültig überwunden. Transatlantische Verklärung ist von Ernüchterung in Realismus übergegangen.“