Politik
Pressemeinungen zum Iran
Berlin 15.01.2026
Steht das Ende der Mullah-Herrschaft im Iran bevor, und ist die Rückkehr der Monarchie, die das iranische Volk einst unterdrückte, unmittelbar bevorstehend?
Die Khomeini-Revolution wäre ohne die Unterstützung der Regierung des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und Europas nicht erfolgreich gewesen. Religiöser Fanatismus widerspricht den Lehren des Christentums, des Islams und des Judentums. Er entfremdet die Menschen von der Religion, wie wir in Afghanistan und im Iran deutlich sehen. Darüber hinaus wurzelt religiöser Fanatismus in Unkenntnis von Rechtsprechung, Politik und Geschichte.
Dennoch müssen wir unabhängig bleiben. Ist das, was im Iran geschieht, nicht allein eine Folge des von den Mullahs praktizierten religiösen Fanatismus? Die iranische Regierung verfolgt eine rein nationalistische Politik. Diese Regierung und die Khomeini-Revolution repräsentierten nicht den Islam, insbesondere nicht die schiitischen Muslime weltweit. Wir dürfen auch die Kampagnen gegen den Islam vor und nach Khomeinis Rückkehr in den Iran nicht vergessen.
Die Massenproteste im Iran und das gewaltsame Vorgehen des Regimes in Teheran bleiben Thema auf den Meinungsseiten der Zeitungen. Die KÖLNISCHE RUNDSCHAU geht in ihrem Kommentar auf eine aktuelle Äußerung des Bundeskanzlers ein. „Friedrich Merz geht sehr weit: Nur noch Tage oder Wochen gibt er dem Regime im Iran. Kaum ein Iran-Experte wagt es zurzeit, sich dermaßen festzulegen – aber wichtiger ist die öffentliche Wirkung des Kanzler-Worts: Der iranische Außenminister sah sich genötigt, mit diffamierenden Worten zu antworten und der Merz-Prognose damit zusätzliche Resonanz zu verleihen. Der iranischen Demokratiebewegung kann das nur Mut machen. Umso wichtiger wäre es, den Wandel im Iran konkret zu befördern. Merz verweist dazu auf Bemühungen europäischer Botschaften. Die können helfen, aber sie allein reichen nicht. US-Präsident Donald Trump wendet sein Lieblingsinstrument Strafzölle an, ohne dass klar wäre, wie sie funktionieren sollen. China und andere Abnehmerländer umgehen beim Kauf iranischen Öls alle Sanktionen. Welche Handelstätigkeiten will Trump noch bestrafen, auch den Export von Medikamenten?“, fragt die KÖLNISCHE RUNDSCHAU.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG hält fest: „Das Regime in Teheran kämpft mit aller Härte um seine Herrschaft, so viel scheint sicher. Ist es deswegen schon am Ende, wie der Bundeskanzler sagt? Die Niederlage der Revolutionsgarden im strategischen Ringen mit Israel, vor allem aber die schwierige wirtschaftliche Lage haben die ohnehin geringe Popularität des Regimes sicherlich nicht vergrößert. Trotzdem sollte man mit Prognosen über seine Durchhaltefähigkeit vorsichtig sein. Deshalb stellt sich schon die Frage, wie Europa und die Vereinigten Staaten reagieren – vom Westen mag man ja schon kaum noch sprechen. Die Europäer werden wie üblich reden und ‚besorgt‘ sein, aber nicht entscheidend handeln. Am Ende läuft es wieder auf den früheren Isolationisten Trump hinaus, der weit mehr Mittel hat als die Zölle, mit denen er den Druck jetzt als Erstes erhöht hat“, analysiert die F.A.Z.