Politik

Pressekommentare zur Iran-Situation

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Berlin 10.03.2026

US-Präsident Donald Trump kündigte das baldige Ende des Krieges an, den er und die Regierung von Benjamin Netanjahu gegen den Iran führen. Sollte Trump seine Ankündigung wahr machen, wäre dies ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Militäraktion gegen den Iran ungerechtfertigt war und die US-Regierung nun nach jemandem sucht, der sie aus dem von Benjamin Netanjahu verursachten Kriegssumpf befreit.

Niemand wird dem derzeitigen Mullah-Regime in Teheran nachtrauern, sollte eine tolerantere Regierung an die Macht kommen, die auf die Bedürfnisse des iranischen Volkes eingeht. Allerdings unterstützt im Westen, insbesondere in den Vereinigten Staaten, niemand die Wiedereinführung der Monarchie im Iran. Washington befürwortete das Ende der Monarchie; niemand hat die Aussage des ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter vergessen, dass Washington die Menschenrechte unterstützt und der Schah zurücktreten muss. Sollte Washington das Ende des derzeitigen Mullah-Regimes unterstützen, wird es sich bemühen, ein anderes Mullah-Regime zu etablieren – niemand hat Washingtons Unterstützung für die Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan vergessen.

Und wer weiß, was die kommenden Tage bringen? Sie bergen viele Überraschungen.

Nun in den Iran. Dort ist mitten im Krieg Modschtaba Chamenei, der Sohn des getöteten Ajatollahs, zum neuen religiösen und staatlichen Oberhaupt gewählt worden. Für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ist dies „… ein unmissverständliches Signal, dass das Regime nicht ans Aufgeben denkt. Das Venezuela-Modell hat bisher nicht funktioniert in Iran. US-Präsident Trump konnte trotz massiver Luftschläge nicht verhindern, dass die Führung des Landes an einen Mann überging, den er ausdrücklich abgelehnt hatte. Wird sich daran etwas mit zunehmender Dauer des Krieges ändern? Es dürfte auf beiden Seiten auch von technischen Voraussetzungen abhängen, Stichwort Munition. Jede Seite hat aber einen strategischen Nachteil. Die Iraner verlieren an Schlagkraft, wenn ihnen immer mehr Waffen weggeschossen werden. Die amerikanisch-israelische Allianz wiederum kann den Lauf der Dinge ohne Bodentruppen nicht ausreichend kontrollieren. Im Grunde ist auch Trump wieder mit einer Situation asymmetrischer Kriegführungen konfrontiert, an der der Westen in jüngerer Zeit so oft gescheitert ist. Iran ist seinen Angreifern weit unterlegen und weicht deshalb auf andere Ziele aus: Amerikas Verbündete, die globalen Ölmärkte, letztlich die öffentliche Meinung in den USA. Ausgang offen“, konstatiert die F.A.Z.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt zu Modschtaba Chamenei: „Klar ist, dass es keine echte Wahl war. Nicht die Kleriker bestimmten, sondern die Revolutionsgarde. Die Islamische Republik ist eine Militärdiktatur geworden, mit Chamenei als Erbverwalter, als Symbolfigur für Kontinuität. Bisher hat sich Chamenei nicht gezeigt. Würde er öffentlich auftreten, müsste er um sein Leben fürchten. Israel hat angekündigt, auch ihn zu töten. Schon allein deshalb wird Chamenei der Jüngere kaum die Rolle seines Vaters übernehmen können. Fürs Erste bleibt er, was er seit Jahren ist: ein Phantom. Und ein Symptom für ein scheiterndes, aber noch nicht gescheitertes System.“ Das war die Einschätzung der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

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