Politik
Islamische NATO?
Berlin 25.10.2026
– Am vergangenen Freitag, dem 23. Oktober2026 , traf Bundesaußenminister Johann Wadephul in Istanbul mit seinen Amtskollegen aus Saudi-Arabien, der Türkei, Pakistan und Ägypten zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Entwicklungen im Nahen Osten insbesondere der von den USA und Israel geführte Krieg gegen den Iran, die negativen Auswirkungen dieses Konflikts auf die Weltwirtschaft sowie mögliche Wege zur Beendigung des Krieges.
Die Ergebnisse der Gespräche sind noch unklar, dürften jedoch in den kommenden Tagen bekannt werden. Deutschland ist derzeit mit einem Militärverband im Golf von Oman präsent, der dort militärische Aktivitäten überwacht und den Schutz von Handelsschiffen – insbesondere von Öltankern gewährleistet.
Der Besuch von Bundesaußenminister Wadephul fiel zeitlich mit dem Besuch des pakistanischen Präsidenten Asif Zardari in Berlin zusammen, der dort zu einem kurzen Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier zusammentraf. Dieser Umstand befeuerte die Spekulationen sowohl über die Gespräche in Istanbul als auch über den rätselhaften Besuch des pakistanischen Präsidenten in Berlin.
Der deutsche Außenminister traf mit seinen Amtskollegen aus Saudi-Arabien, der Türkei, Pakistan und Ägypten zusammen, um unter anderem das „Mekka-Verteidigungsabkommen“ zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan zu erörtern. Deutschland und Ägypten hörten sich dabei die Ansichten der drei Unterzeichnerstaaten zu ihrem Abkommen an. Ein möglicher Beitritt Ägyptens zum Mekka-Abkommen könnte den Weg für den Beitritt weiterer islamischer Staaten zu diesem Bündnis ebnen. So bekundete der iranische Präsident Masoud Pezeshkian vor wenigen Tagen das Interesse seines Landes an einem Beitritt wohl wissend, dass das Bündnis ursprünglich zum Schutz Saudi-Arabiens *gegen* den Iran ins Leben gerufen wurde. Die Äußerungen des iranischen Präsidenten sind als Versuch zu werten, die Stimmung unter den am Mekka-Abkommen beteiligten Staaten auszuloten.
Zugleich dienen sie dazu, die Reaktion des Westens zu testen, wo das Mekka-Abkommen als möglicher Vorläufer eines Militärbündnisses islamischer Staaten betrachtet wird – ein Konzept, das oft als „islamische NATO“ bezeichnet wird und bereits seit geraumer Zeit Gegenstand von Diskussionen ist.
Obwohl es keine „islamische NATO“ im Sinne eines formalen Bündnisses gibt, zeichnet sich – ausgehend vom „Mekka-Abkommen zur gemeinsamen Verteidigung“ zwischen Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan – seit dem Zeitraum 2025–2026 ein Modell kollektiver Verteidigung ab. Dieses weist in einigen Aspekten Parallelen zu den Prinzipien der NATO auf, auch wenn ihm die entsprechenden institutionellen Strukturen fehlen.
Der Begriff wird in Medienberichten und Analysen verwendet, um neue sicherheitspolitische Rahmenbedingungen zu beschreiben, die mehrheitlich muslimisch geprägte Staaten zusammenführen. Er bezeichnet dabei kein formelles Militärbündnis, sondern vielmehr eine Tendenz zur Übernahme einer Logik kollektiver Verteidigung.
Obwohl die NATO-Mitgliedstaaten der Idee einer „islamischen NATO“ weitgehend gleichgültig gegenüberstehen, haben Beobachter der islamischen Welt und der Beziehungen zwischen islamischen Staaten und dem Westen in jüngster Zeit ihre Sorge geäußert, dass es in naher Zukunft zur Bildung eines islamischen Militärbündnisses kommen könnte. Gestützt wird diese Einschätzung durch die Thesen und Äußerungen des amerikanischen Denkers Samuel Huntington, der 1995 auf einem Symposium des Alfred-Herrhausen-Instituts in Frankfurt vor einem Konflikt zwischen der islamischen und der westlichen Zivilisation warnte – mit einem für den Westen ungünstigen Ausgang. Ebenso verweisen sie auf die Bedenken von John Galvin, der zwischen 1987 und 1992 als Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa fungierte: Er betonte bereits 1989, dass es zu einer Annäherung zwischen den islamischen Staaten kommen könnte, bei der sie sich gemeinsam gegen den Westen formieren würden.
Dennoch bleibt das militärische Abkommen von Mekka ohne Leben – bedingt durch das gegenseitige Misstrauen der Golfstaaten und deren Überzeugung, dass die Vereinigten Staaten von Amerika sie beschützen.