Europa
Biodiversitätsziele werden nicht erreicht
Berlin, Straßburg 19.10.2026
– Neuer Bericht des Kongresses des Europarates: Internationale Biodiversitätsziele sind ohne dringendes Handeln auf lokaler und regionaler Ebene nicht zu erreichen
Der Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates ist die politische Versammlung, die die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften in den 46 Mitgliedstaaten vertritt. Er hat die Aufgabe, die lokale Demokratie zu fördern und zu überwachen.
„Dieser innovative Bericht des Kongresses der Gemeinden und Regionen schlägt neue, dynamische Ansätze vor, um den Rückgang der biologischen Vielfalt auf lokaler und regionaler Ebene umzukehren“, erklärte Hermanni Backer Johnsen (Finnland, SOC/G/PD), einer der Berichterstatter des Kongresses. Er wird dies am Dienstag, dem 20. Oktober, in Jerewan (Armenien) im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Natur am Rande: Wie lokale und regionale Gebietskörperschaften die Biodiversität fördern können“ darlegen.
Der Kongress veranstaltet diese Begleitveranstaltung während der Konferenz der Vertragsparteien des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (COP17). Sie findet um 11:00 Uhr Ortszeit im „Nordischen Pavillon“ statt. Vorgestellt wird der erste Bericht des Kongresses, der sich gezielt mit dem Verlust der biologischen Vielfalt befasst. Er schlägt unter anderem subnationale Aktionspläne, innovative Finanzierungsmodelle sowie weitere neue politische Maßnahmen vor, um die Biodiversität zu fördern und zur Erfüllung nationaler und internationaler Verpflichtungen beizutragen.
„Seit 1980 ist die Zahl der Vögel in der europäischen Agrarlandschaft um 60 % zurückgegangen – das entspricht einem Verlust von mehr als 300 Millionen Vögeln. Die Bestände von Schmetterlingen im Grasland – einem wichtigen Indikator für unsere Bestäuber – sind seit 1991 um 47 % geschrumpft. Zudem schwindet der Lebensraum, den diese Arten benötigen, buchstäblich unter unseren Füßen: Zwischen 2012 und 2018 wurden in der EU und im Vereinigten Königreich 3.581 Quadratkilometer Land für die städtische Entwicklung in Anspruch genommen“, so der Berichterstatter.
„Internationale und nationale Ziele sind unerlässlich. Damit sie jedoch erreicht werden können, müssen sie fest auf dem Fundament lokaler und regionaler Steuerung verankert sein“, betonte er. Dabei hob er die Schlüsselrolle hervor, die lokale und regionale Gebietskörperschaften bei der Förderung der Biodiversität spielen können – etwa durch Raumplanung, Regulierungs- und Genehmigungsverfahren, Forstwirtschaft, die Bewirtschaftung öffentlicher Flächen, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie durch gemeinschaftsbasierte Naturschutzinitiativen. Der Entschließungsentwurf des Berichts – der im März 2027 auf der Plenartagung des Kongresses zur Debatte und Verabschiedung vorgelegt wird – bietet lokalen und regionalen Gebietskörperschaften eine Orientierung, um eine ehrgeizige und zentrale Rolle bei der aktiven Förderung der biologischen Vielfalt im Rahmen eines Mehrebenen-Governance-Ansatzes zu übernehmen. Konkret werden sie dazu aufgefordert:
lokale und regionale Strategien und Aktionspläne für die biologische Vielfalt zu entwickeln, die ökologische Ziele in nicht-umweltbezogene Sektoren – etwa in die kommunale Haushaltsplanung, den Verkehr sowie die Raum- und Bauleitplanung – integrieren;
ihr Handeln auf ein Verständnis für den tatsächlichen Wert der biologischen Vielfalt zu stützen – einschließlich des Nutzens der Natur für die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden –, das Konzept der „Rechte der Natur“ auf subnationaler Ebene anzuwenden sowie schädliche Subventionen abzuschaffen und Ausgaben in Richtung einer „grünen“ öffentlichen Beschaffung umzulenken;
eine Umweltrechnungslegung zu etablieren, die Naturkapital als einen Vermögenswert begreift, dessen Verlust in der Regel mit langfristigen finanziellen Kosten verbunden ist, die die kurzfristigen Gewinne übersteigen; inklusive Konsultationsprozesse für die lokale Bevölkerung, Unternehmen und andere Interessengruppen zu gewährleisten, wobei auch Modelle deliberativer Demokratie – wie etwa Bürgerversammlungen – zum Einsatz kommen können.
Der Bericht setzt sich zudem dafür ein, Wege zu finden, den Zugang zu Finanzmitteln – auch aus internationalen Institutionen – zu erweitern und zu schaffen.
Wie der Bericht aufzeigt, lassen sich durch die Umsetzung konkreter Schritte und bewährter Verfahren Fortschritte dabei erzielen, den Rückgang der biologischen Vielfalt umzukehren und eine gesunde Zukunft für die europäische Natur zu sichern.
An der Debatte werden auch Ignace Schops – Träger des Goldman Environmental Prize und Leiter der belgischen NGO „Regionaal Landschap Kempen en Maasland“ (RLKM) – sowie Michael Hošek, Präsident der EUROPARC-Föderation (die Europas Schutzgebiete vertritt), teilnehmen.