Politik

Zeitungskommentare zur Landtagswahl in Baden-Württemberg

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Berlin 10.03.2026

Zwar konnte die Alternative für Deutschland (AfD), die Europa und Demokratie feindlich gesinnt ist und eine Bedrohung für die Freiheit darstellt, bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg mit 18 % der Stimmen ihre Popularität unter Beweis stellen, doch der Spitzenplatz der Grünen und der zweite Platz der CDU sind eine Erleichterung für alle. Sie zeigen, dass es derzeit keinen Grund zur Sorge um die Demokratie in Deutschland gibt.

Dies bedeutet jedoch nicht Selbstzufriedenheit oder die Schwäche der Nationalisten zu ignorieren. Vielmehr sendet es ein klares Signal, unsere Anstrengungen zum Erhalt von Freiheit und Demokratie zu verdoppeln und unsere Arbeit für die soziale und kulturelle Integration zu intensivieren.

Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER spricht von Störfeuern aus Berlin. „Es ist Zeit, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Die CDU ist die Nummer 2 in Baden-Württemberg. Manuel Hagel hat die Wahlschlappe mit echter Größe auf seine Kappe genommen. Das sollte honoriert werden, besonders weil sein Ergebnis eine echte Koalition auf Augenhöhe ermöglicht.“

Die Zeitung DIE WELT befasst sich mit der CDU näher: „Der Eindruck verfestigt sich, dass die CDU in Baden-Württemberg wie im Rest des Landes eigentlich eine Partei sein will, die nicht mehr so ist wie zu Zeiten Angela Merkels. Aber sie ist weiterhin genau das. Nur ohne Merkel an der Spitze. Wenn die Partei so weitermacht, wird sie in zehn Jahren so dastehen wie die SPD jetzt. Die große Gefahr für die Christdemokratie sind nicht nur die politischen Ränder, die Populisten, das Anwachsen von AfD und Linken. Die große Gefahr ist, dass die CDU in der Mitte erodiert, dass sich dort dauerhaft erst die Grünen ausbreiten und dann andere. Und alle werden erzählen, sie seien ‚die Mitte‘.“ Wir zitierten DIE WELT.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU nennt Gründe für das schlechte Abschneiden der Sozialdemokraten: „Der SPD fehlt es an Biss, Courage und Ausstrahlung. Ihr Desaster im Südwesten ist nicht durch das Wettrennen von CDU und Grünen oder durch die AfD verursacht worden. Dieses Debakel ist hausgemacht.“

Das Portal T-ONLINE hält fest: „Nur fünf bis sieben Prozent der Arbeiter machten ihr Kreuz bei der SPD. Bei solchen Werten müssten im Willy-Brandt-Haus eigentlich seit Sonntagabend ununterbrochen die Alarmglocken schrillen. Nicht der Kurs des Pragmatikers Lars Klingbeil wurde bei der Wahl abgestraft, sondern seine wenig glaubwürdige Umsetzung. Wenn die SPD daraus nicht die richtigen Lehren zieht, wird der Absturz weitergehen.“

Der KÖLNER STADT-ANZEIGER erläutert: „Die SPD hat versagt, weil sie viele Menschen in diesen aufgewühlten nationalen und internationalen Zeiten nicht mehr erreicht. Nach den Wahlergebnissen ist sie sowohl im Bund als auch in vielen Ländern keine Volkspartei mehr. Überhaupt kommen Zweifel über Volksnähe in ihren Reihen auf. Der Absturz in Stuttgart könnte das allerletzte Warnsignal für die Bundespartei vor dem schleichenden Untergang sein.“

Das HANDELSBLATT blickt auf die AfD: „Sie hat in Baden-Württemberg ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in einem westdeutschen Bundesland erzielt und damit ein politisches Signal gesetzt, das weit über Prozentpunkte hinausreicht. Es ist mehr als eine Momentaufnahme: Es ist Ausdruck einer fortschreitenden Normalisierung, die selbst durch handfeste Skandale kaum zu bremsen ist. Die Partei fischt nicht mehr nur am rechten Rand. Dass fast ebenso viele Wähler von der FDP wie von der CDU zur AfD wechseln, verweist auf eine tiefe Entfremdung im wirtschaftsliberalen und wertkonservativen Spektrum. Die AfD profitiert dort, wo Union und Liberale an Profil verloren haben“, analysiert das HANDELSBLATT.

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