Politik

Zeitungskommentare zum Militäreinsatz gegen den Iran

Published

on

Berlin 03.03.2026

Vorwort: Niemand, der die politischen Entwicklungen im Iran verfolgt, bestreitet, dass die Herrschaft der Teheraner Mullahs die Lehren des Islam verzerrt und die Menschen von ihm entfremdet hat. Unter den Flüchtenden befindet sich eine Gruppe von Iranern, die in Deutschland und Europa leben und ein Zentrum gegründet haben, das sie „Rat der Abtrünnigen vom Islam“ nennen – eine Folge des Fanatismus, der keine Grundlage in den islamischen Lehren hat.

Die iranischen Mullahs haben sich selbst geschadet und die Menschen durch die Unterstützung tyrannischer Regime entfremdet. Sie unterstützten den syrischen Diktator Baschar al-Assad mit Geld und Waffen, um das syrische Volk zu massakrieren, sie zerrissen den Jemen und sie schürten Hass im Irak und Libanon für eine widerwärtige Form von Rassismus, die unter dem Deckmantel des Islam praktiziert wird.

Während militärische Aktionen gegen den Iran unrechtmäßig sind, bietet der Tod des Obersten Führers der Khomeini-Revolution, Ali Khamenei, eine gewisse Erleichterung, nicht nur für die Iraner, sondern für einen Großteil der Weltbevölkerung. 

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass es die Regierung von US-Präsident Donald Trump war, die das von der Obama-Regierung mit dem iranischen Regime geschlossene Abkommen zur Lösung der Atomfrage brach. Dies überraschte die Europäer, insbesondere die am iranischen Atomprogramm Beteiligten, und veranlasste sie, ihr Bekenntnis zum Abkommen zu bekräftigen. Das Atomabkommen beunruhigte Israel, das 2016 als Reaktion auf die Aufkündigung des Abkommens mit Teheran durch die US-Regierung die Regierung von Benjamin Netanjahu austauschte.

Die Aktionen der israelischen und US-amerikanischen Regierung gegen den Iran haben nichts mit Menschenrechten zu tun. Netanjahus Regierung begeht eklatante Menschenrechtsverletzungen im Gazastreifen und im Westjordanland und ignoriert internationale Forderungen, den Hungertod der Palästinenser zu stoppen und die Siedlungspolitik zu beenden.

DER TAGESSPIEGEL vermutet, dass Trump keinen Plan für die Zukunft des Iran hat: „Dabei haben die Invasion des Irak 2003 und die Beseitigung des libyschen Machthabers Gaddafi einige Jahre später gezeigt, wo derartige Interventionen enden: in Chaos und Anarchie. Man möchte sich nicht ausmalen, was es hieße, wenn der Iran ebenso endet. Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Denn der Nahe Osten ist ein besonders schwieriges Umfeld. Das wird Trump kaum bedacht haben, als er den Befehl zum Angriff gab. Oder hat er billigend in Kauf genommen, dass mit dem Angriff auf den Iran die Region in Brand gesetzt werden könnte? Nein, das ist unwahrscheinlich. Diese Gemengelage könnte für ihn zu einem massiven Problem werden. Dann, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten als Oberbefehlshaber sein Land in einen langen, womöglich verlustreichen Krieg geführt hat“, warnt DER TAGESSPIEGEL.

Die österreichische Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG fragt: „Verstoßen die Angriffe auf den Iran gegen internationales Recht? Ja, es gilt ein Gewaltverbot. Und mit dem Recht auf Selbstverteidigung lässt sich auch nur über zwei Ecken argumentieren. Trump hat Irans Atomprogramm eigenen Angaben nach ja schon im Juni in der Operation ‚Mitternachtshammer‘ vernichtet. Israel, dessen Auslöschung der Iran anstrebt, spricht nun von einem ‚Präventivschlag‘. Doch die Islamische Republik plante zuletzt keinen Angriff. Im Gegenteil: Es waren weitere Verhandlungen über das Atomprogramm angesetzt und die israelisch-amerikanische Allianz schlug wie schon im Juni trotzdem zu. Dennoch klingt es ohrenbetäubend hohl, wenn ausgerechnet die iranische Regierung, die Terrorgruppen wie die Hamas unterstützt, nun die Verletzung des Völkerrechts beklagt“, unterstreicht die 

Wiener Zeitung DIE PRESSE AM SONNTAG.

Der Kommentator der Zeitung DIE ZEIT vermisst einen Plan für die Zukunft des Iran: „Der stärkste Einwand gegen diesen Krieg hat mit dem Danach zu tun, mit der Unklarheit über das angestrebte politische Ziel. Die iranische Opposition ist notorisch zerstritten; wie viel Unterstützung der Sohn des letzten Schahs, die prominenteste Figur unter den Regimegegnern, genießt, kann niemand verlässlich sagen. Welche Alternative zum weithin verhassten Mullah-Regime den Protestierenden im Iran selbst vorschwebt, wissen wir und vielleicht auch die Protestierenden selbst bei Weitem nicht genau genug. Ganz zu schweigen von der undurchschaubaren Dynamik im Machtapparat selbst, der sich ja auch im Fall einer deutlichen Niederlage und einer möglichen Enthauptung des Spitzenpersonals nicht einfach in Luft auflösen wird. Das alles bringt enorme Risiken mit sich“, hebt DIE ZEIT hervor.

Die Schweizer NZZ AM SONNTAG analysiert: „Die Terror- und Bürgerkriegsjahre im Irak oder der Zerfall Libyens nach einer anderen unüberlegten Intervention des Westens sollten eine Warnung sein. Auch dem Iran könnte ein solcher Weg in den Abgrund bevorstehen – einem Land, so groß wie Libyen und mit einer doppelt so großen Bevölkerung wie jene des Iraks. Doch seine Verantwortungslosigkeit begründet Trump mit der Eigenverantwortung der Iraner. Sie hätten es in der Hand, eine freie Regierung aufzubauen. Allein, ohne Waffen, gegen Revolutionswächter und Basijmiliz. Man möchte nicht in ihrer Haut stecken“, meint die NZZ AM SONNTAG aus Zürich.

Die türkische Zeitung HÜRRIYET aus Istanbul warnt vor einem Bürgerkrieg im Iran: „Ohne Bodenoffensive kann das Regime nur durch einen starken internen Aufstand gestürzt werden. Ein möglicher Aufstand könnte zu einem Bürgerkrieg führen. Das ist uns heute klar: Oman, Genf, Wien. Verhandlungen, Treffen, runde Tische. Aber es war alles Theater. Es war alles Täuschung. Es war alles nur gespielt.“

The Week

Die mobile Version verlassen