Politik
Merz auf der Münchner Sicherheitskonferenz
Berlin, München 13.02.2026
In seiner Eröffnungsrede auf der Münchner Sicherheitskonferenz am Freitag, dem 13. Februar, bezeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz die Konferenz als eine Art Seismometer, nicht nur für die transatlantischen Beziehungen, sondern für die gesamte globale politische Lage. „Seit Jahren ist im Münchner Konferenzsaal eine spürbare Spannung zu vernehmen“, sagte er.
Er fügte hinzu, die Welt sei, zumindest seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, in eine neue Phase explosiver Konflikte eingetreten. Konflikte, die „unsere Welt tiefgreifender verändern, als wir es uns seit vielen Jahren vorstellen konnten“. Merz schloss: „Alle müssen offener und dringender denn je darüber sprechen, wie wir der Zwickmühle eines verheerenden Krieges entkommen können.“ Der Kanzler beschrieb das Konferenzthema „Unter Krieg“ als Ausdruck dafür, dass „die auf Rechten und Regeln basierende internationale Ordnung am Rande des Zusammenbruchs steht“. Er fuhr fort: „Diese Ordnung existiert trotz ihrer Mängel, so unvollkommen sie selbst im besten Fall auch sein mag, in dieser Form nicht mehr.“ Er zitierte den Philosophen Peter Sloterdijk, der kürzlich schrieb, Europa habe seine lange Abwesenheit von der Weltgeschichte beendet. „Wir haben eine Schwelle überschritten und sind in eine Ära eingetreten, die erneut von Macht und Großmachtpolitik geprägt ist.“
Der Bundeskanzler warnte vor einer Bedrohung der Freiheit durch die Dominanz der Großmächte. „Die Großmächte nehmen unsere Freiheit nicht länger als selbstverständlich hin; sie ist bedroht“, sagte er. „Wer die Freiheit bewahren will, muss bereit sein, sich zu verändern und Opfer zu bringen.“
Merz sprach die deutsche Außenpolitik an und erklärte, sie habe in den letzten Jahrzehnten einen „normativen Überschuss“ erlebt. Deutschland habe lange gewarnt, gefordert und ermahnt, wolle nun aber die Realität besser berücksichtigen. Er fügte hinzu, die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik sei auf Europa ausgerichtet, „und Europa ist heute wertvoller denn je“. Er wies beispielsweise darauf hin, dass Russlands BIP bei rund zwei Billionen Euro liege, während das BIP der EU fast zehnmal so hoch sei. „Dennoch ist Europa heute nicht zehnmal so stark wie Russland.“ Europas Potenzial muss voll ausgeschöpft werden – militärisch, politisch, wirtschaftlich und technologisch.
Merz erklärte, die Neuordnung der Welt durch die Großmächte vollziehe sich schneller und tiefgreifender, als wir uns selbst stärken könnten. Es reiche nicht aus, lediglich intelligent auf die Launen und Manöver der Großmächte zu reagieren. All dies müsse aus europäischer Perspektive betrachtet werden. „Partnerschaftliche Führung: ja. Hegemonialillusionen: nein. Wir Deutschen werden niemals allein handeln“, sagte er. Merz betonte, wir könnten unsere Freiheit nur „gemeinsam mit unseren Nachbarn, Verbündeten und Partnern“ verteidigen.
Merz wünsche sich ein neues transatlantisches Bündnis mit den Vereinigten Staaten.
Laut Merz brauche das internationale Bündnis einen Neuanfang. Wenn wir Bestand haben wollen, müssten wir es von beiden Seiten neu aufbauen. Diese Begründung müsse konkret und nicht vage sein. Wir müssten auf beiden Seiten des Atlantiks einen Konsens erzielen: Der Westen habe an Glaubwürdigkeit verloren, zuerst in den Vereinigten Staaten und dann auch in Europa. Die Kluft zwischen den beiden Seiten hat sich vergrößert, wie US-Vizepräsident J.D. Vance in seiner Rede in München vor einem Jahr „ganz offen“ feststellte. Er hatte Recht, auch wenn er sich nicht an der Seite der USA am aktuellen „Kulturkampf“ um Zölle und Protektionismus beteiligt. Er glaubt weiterhin an Freihandel, Klimaabkommen und die Weltgesundheitsorganisation. „Denn wir sind überzeugt, dass wir globale Herausforderungen nur gemeinsam bewältigen können“, sagte er.