Politik

Krieg im Nahen Osten, Tel Aviv und Washington gegen den Iran

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Berlin 04.04.2026

Wir glauben nicht, dass irgendjemand, der die Entwicklungen im Iran verfolgt, über die Tötung des iranischen Führers Ali Khamenei und einiger Generäle der sogenannten Revolutionsgarde geweint hat. Wir glauben auch nicht, dass der Militäreinsatz von Washington und Tel Aviv auf internationaler Legitimität oder der Unterstützung der israelischen Siedler und der amerikanischen Bevölkerung beruht. Politische und Geheimdienstexperten sind sich einig, dass die Behauptungen Teherans über dessen Vorgehen gegen Tel Aviv und Washington erfunden sind und dass die Behauptungen der Regierung Benjamin Netanjahu über Teherans Atomprogramm vergleichbar sind mit Washingtons Behauptungen über Saddam Husseins angeblichen Besitz von Massenvernichtungswaffen – Behauptungen, die sich später als falsch erwiesen.

Jeder, der das Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump im Oval Office beobachtet hat, konnte deutlich erkennen, dass Trump durch einen Militäreinsatz seiner politischen Zwickmühle entkommen will und glaubt, der Bundeskanzler könne ihn aus seiner misslichen Lage in Teheran befreien. Merz‘ Besuch beim amerikanischen Präsidenten ist bedeutungslos, und wer glaubt, Bundeskanzler Merz werde Trump gegenüber seine Ablehnung des Krieges zum Ausdruck bringen, irrt sich. Merz ist nicht wie sein Vorgänger Gerhard Schröder, der sich mutig der Arroganz von Präsident George Bush entgegenstellte. Jede Ära hat ihre eigenen Persönlichkeiten.

Zum Treffen von US-Präsident Trump und Bundeskanzler Merz schreibt der KÖLNER STADT-ANZEIGER: „Trumps Auftritt mit Friedrich Merz im Weißen Haus war vor allem dies: eine Show. Und für den Bundeskanzler ein Showdown, eine enorme Kraftanstrengung. In seinem Bemühen, auch im sicherheitspolitischen Sinne Deutschlands und Europas irgendwie einen Draht zu dem nach Großmacht strebenden und jetzt auch Krieg führenden Präsidenten aufrechtzuerhalten, vermied er bewusst jede Konfrontation. Auch wenn er anderer Meinung war. Der Lohn: Trump bleibt ihm gewogen und lobt ihn als ‚erfolgreich‘ und ‚beliebt‘. Der Preis: Merz muss sich den Vorwurf des Kuschelkurses mit dem angehenden Autokraten gefallen lassen“, heißt es im KÖLNER STADT-ANZEIGER.

Die TAZ schreibt in ihrer Online-Ausgabe: „Trump hielt bei Merz‘ Besuch im Oval Office die übliche Suada: Ein Stakkato von Selbstlob, Beschimpfungen und grotesken Lügen, etwa dass die USA im Iran ausschließlich militärische, der Iran nur zivile Ziele getroffen hätten. Merz saß daneben und beteuerte, Deutschland unterstütze den Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Die Deutschen werden zur Staffage in einem Drama, in dem sie keine Rolle spielen. Die Trump-Regierung ist der irrigen Ansicht, dass der Mächtige am stärksten alleine ist, und verachtet Europa – in diesem Fall vielleicht zu Recht. Die EU wäre von einem instabilen Iran und Migrationsströmen direkt betroffen – ist aber geopolitisch in diesem Krieg nicht auf dem Platz. Dabei würde es Hebel geben, die USA nutzen Ramstein als militärisches Drehkreuz. Aber ein deutscher Kanzler, der wie der spanische Ministerpräsident den USA mit dem Entzug der Nutzung von Basen für diesen völkerrechtswidrigen Krieg droht, ist kaum vorstellbar. Stattdessen sekundierte Musterschüler Merz Trumps Hassrede gegen Spanien brav mit dem Hinweis, Madrid müsse seinen Wehretat erhöhen“, ärgert sich die TAZ.

Wegen des Irankriegs sitzen zehntausende Urlauber in der Golfregion fest. „Soll die Bundesregierung die Gestrandeten zurückholen?“, fragt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: „Ja, das sollte sie – und zwar in Zusammenarbeit mit den Reiseveranstaltern, die vorrangig in der Pflicht sind, aber wohl nicht überall und rasch werden helfen können. Die Urlauber haben sich nicht fahrlässig in diese Situation begeben. Sie sind nicht in ein Bürgerkriegsgebiet gereist, nicht in ein Land, für das das Auswärtige Amt bereits eine Reisewarnung ausgegeben hatte. Es gab noch am Freitag reguläre Flüge an und über die großen Drehkreuze der Region. Reiseveranstalter wie Tui, die eigene Abteilungen in ihren Häusern haben, um Sicherheitslagen zu bewerten, haben weiterhin Pauschalurlauber in den Nahen Osten befördert und Schiffe dorthin fahren lassen. Beide, Regierung und Reiseveranstalter, werden allerdings die Frage beantworten müssen, ob sie die Lage falsch eingeschätzt haben.“ Das war die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG vermerkt: „Natürlich möchte man derzeit nicht in der Haut der deutschen Urlauber stecken, die seit Beginn des Irankriegs in der Golfregion festsitzen. Es ist aber Unsinn, für diese Situation nun die Bundesregierung, allen voran den deutschen Außenminister Johann Wadephul verantwortlich zu machen. Wadephul mag kein großer (Krisen-) Kommunikator sein. Dennoch hatte er recht, als er den deutschen Reisenden in der Region zumindest eine Mitverantwortung für ihre Lage bescheinigte, da es nicht ganz unbekannt gewesen sei, dass es gefährlich werden könnte. Das bedeutet nicht, dass man die Urlauber nun sich selbst überlassen sollte. Das hatte die Bundesregierung gar nicht vor, auch nicht Wadephul. Es ist aber verständlich, dass eine solche Evakuierung Vorbereitung und eine gewisse Zeit braucht“, ist in der F.A.Z. zu lesen.

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