Politik
Kommentare zum Berlin-Besuch von Reza Pahlavi
Berlin 24.04.2026
– Reza Pahlavi, Sohn des ehemaligen Schahs von Iran, Mohammad Reza Pahlavi, besuchte gestern, Donnerstag, den 23. April, Berlin. Sein Besuch löste in Teilen der iranischen Gesellschaft, die die Wiedereinführung der Monarchie befürworten, laut Protesten große Unruhe aus. Diese Gruppe repräsentiert zwischen 9 und 11 Prozent der iranischen Bevölkerung, während der Anteil derjenigen, die sich gegen die Wiedereinführung der Monarchie aussprechen, laut einer Studie des Europäischen Instituts für Menschenrechte und die Verfolgung von Kriegsverbrechern (EHRCA) mit Sitz in Berlin und Brüssel zwischen 52 und 60 Prozent liegt. Trotz des großen Medienechos und der massiven Sicherheitsvorkehrungen wurde Reza Pahlavi von iranischen Demonstranten beschimpft, die gegen das Teheraner Regime und die ehemalige Monarchie protestieren, deren Wiedereinführung Reza Pahlavi anstrebt. Ein Demonstrant bewarf die Kleidung des iranischen Oppositionsführers mit roter Farbe. Dieser wurde von keinem Mitglied der Bundesregierung, sondern von einer kleinen Gruppe von Bundestagsmitgliedern höflichkeitshalber empfangen, damit er nicht vergeblich gekommen ist. Es ging dabei nicht um seine Rückkehr nach Teheran auf einem amerikanischen Panzer, sondern lediglich darum, ihm zuzuhören.
Schah Mohammad Reza Pahlavi unterdrückte das iranische Volk, und die Volksrevolution gegen ihn war eine Folge der von ihm verübten Repression und der Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten. Die Revolution des iranischen Volkes gegen den Schah hatte nichts mit dem religiösen Oppositionsführer Khomeini zu tun, obwohl dieser die Revolution für seine eigenen Zwecke instrumentalisierte. Nun nutzt Reza Pahlavi den Zorn des iranischen Volkes über die Barbarei der Mullah-Herrschaft, die die Lehren des Islam verfälscht hat, für seinen eigenen Vorteil aus.
Die Weigerung der Bundesregierung, Reza Pahlavi zu empfangen, ist ein deutliches Zeichen ihres Misstrauens gegenüber seinen Vertretern.
Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg ist nicht überzeugt von Pahlavi: „Er polarisiert und musste einen hässlichen Soßenangriff hinnehmen. Die Bundesregierung hingegen ignoriert ihn, niemand wollte mit ihm reden. Das hat gute Gründe. Pahlavi trägt dick auf und redet von einem ‚Berliner-Mauer-Moment‘ im Iran. Die unbekannte Größe ist die schweigende Mehrheit seiner Landsleute. Mit einer Wiederauflage der Schah-Monarchie könnten sie aber vom Regen in die Traufe geraten. Von einem Regimewechsel im Iran reden die Amerikaner jedenfalls kaum noch. Dafür bräuchte es eine überzeugende Figur an der Spitze. Genau das ist Reza Pahlavi nicht“, ist die VOLKSSTIMME überzeugt.
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN meinen: „Wenn Schah-Sohn Pahlavi nun sagt, die Iraner hätten zu Tausenden ihr Leben bei den Protesten und den feindlichen Angriffen nicht für einen Nuklear-Deal gelassen, sondern für die Freiheit, dann hat er einen Punkt. Als im Iran einige die US-Intervention begrüßten, unterlagen sie einem tödlichen Missverständnis in Bezug auf die Definition des Begriffs Regimewechsel“, beobachten die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
Die Zeitung DIE GLOCKE aus Oelde notiert: „Pahlavi ist zwar das prominenteste Gesicht der iranischen Exil-Opposition, aber mitnichten der Vertreter sämtlicher oppositioneller Iraner. Es gibt viele Iraner, die ihn aus guten Gründen als mögliche künftige Führungsfigur nach einem Sturz des Mullah-Regimes strikt ablehnen. Als Sohn des letzten iranischen Schahs hat er sich nicht von den Verbrechen, die während der autoritären Herrschaft seines Vaters verübt worden sind, distanziert. Zudem ist er bisher nur als politischer Aktivist in Erscheinung getreten, Erfahrung als Politiker hat er keine“, gibt DIE GLOCKE zu bedenken.
Nun zur TAGESZEITUNG – TAZ: „Die deutsche Bundesregierung empfing den Möchtegern-Monarchen nicht. Für sie ist Pahlavi offenbar nicht einmal relevant genug, um eine halbe Stunde für ihn freizuschaufeln. Das ist nicht verwunderlich. Denn es sieht leider nicht so aus, als würde das iranische Mullah-Regime bald fallen. Auch die US-Regierung, die den Schah-Sohn zumindest vor dem Krieg noch als möglichen Ajatollah-Nachfolger ins Spiel brachte, hat längst das Interesse an ihm verloren. Schon vor einigen Wochen äußerte der US-Präsident Zweifel, ob der Iraner für den Job geeignet sei – treffen wollte er ihn ebenfalls nicht. Als potenzieller Übergangsregent spielt Reza Pahlavi damit, wenn überhaupt, nur noch für seine Fans eine Rolle“, resümiert die TAZ.
Anders sieht es der CICERO: „Insbesondere linke und postkolonial geprägte Iraner in der Diaspora sehen in Reza Pahlavi ein Instrument amerikanischer und israelischer Interessen – längst ist darüber ein Streit um die Deutungshoheit entbrannt. Doch eines können selbst linke Iraner nicht leugnen: Reza Pahlavi hat in den vergangenen Monaten im eigenen Land sichtbar an Zuspruch gewonnen. Für Millionen Iraner im In- und Ausland ist der Schah-Sohn zur Hoffnungsfigur einer demokratischen Zukunft geworden“, vermerkt der CICERO.