Wirtschaft
ifo-Präsident: Europäische Forschung wird noch zu häufig in den USA zu Geld gemacht
München 23.10.2026
– Laut ifo-Präsident Clemens Fuest gibt es noch zu wenige Anstrengungen, die Innovationskraft Europas in wirtschaftliche Stärke zu übersetzen. In Europa geförderte Forschung fließe zudem häufig in Patente von US-Startups ein und begründe deren Markterfolg. „Wir müssen Fördermittel dorthin lenken, wo aus Forschungsergebnissen in Europa marktfähige Innovationen entstehen können“, sagt Fuest. Gemeinsam mit mehr als 50 weiteren Wissenschaftler*innen fordert er das in einem Beitrag in der Fachzeitschrift „Science“.
Als Beleg verweisen die Autoren darauf, dass Forschung, die der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert, überproportional in Patenten US-amerikanischer Start-ups zitiert wird. Zudem fließen nur etwa 1 bis 2 Prozent des ERC-Budgets in die Weiterentwicklung neuer Forschungsideen (Proof-of-Concept-Förderung). Auch die Fördersummen sind in Europa deutlich niedriger als in den USA: Während die europäischen Programme zur Frühphasenförderung (Pathfinder und Transition) zusammen nur rund 500 Millionen Euro ausgeben können, verfügen die US-Forschungsagenturen ARPA über ein gemeinsames Budget von mehr als 7 Milliarden Euro.
Die Autoren schlagen unter anderem vor, Mittel aus Programmen mit begrenztem Innovationspotenzial hin zu Förderungen von potenziellen Sprunginnovationen umzuschichten. So binde beispielsweise das Programm „Global Challenges and European Industrial Competitiveness“ über die Hälfte des Horizon-Europe-Budgets, für substanzielle Effekte auf Umsätze oder Patente dieses Programms gebe es aber keine Belege.
Außerdem sollen die Mitgliedstaaten Projekte mitfinanzieren, die EU-weit als exzellent bewertet, aus Budgetgründen aber nicht gefördert wurden. Die Autoren fordern darüber hinaus effizientere Prozesse in der Forschungsförderung: Allein die Vorbereitung eines Antrags beim Innovationsrat erfordere laut Studien derzeit noch 36 bis 45 Personentage.
Der Zeitpunkt für Änderungen sei nun günstig, so die Autoren: Die EU-Kommission hat für Horizon Europe 2028 bis 2034 ein Budget von knapp 175 Milliarden Euro vorgeschlagen, fast doppelt so viel wie im laufenden Programm. Über das Budget wird derzeit verhandelt.