Politik
Die unterschätzte Katastrophe
Berlin 25.06.2026
Wenn die Klimakrise zur Flucht zwingt und Konflikte verschärft. Klimawandel und Umweltzerstörung sind schon heute oft ein Auslöser für Flucht und Abwanderung. Kürzungen bei der Entwicklungshilfe verschärfen das Problem. Es ist Zeit, zu handeln!
Auch die Klimakrise vertreibt weltweit mehr und mehr Menschen. Zwar ist sie meist nicht der alleinige Auslöser dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Doch sie verstärkt das Risiko in Ländern, in denen die Situation eh schon angespannt ist. Denn die Klimakrise verknappt Ressourcen. Gewaltkonflikte wie Bürgerkriege, Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen und gewaltsame Proteste werden wahrscheinlicher. Die Klimakrise verstärkt Faktoren wie Armut, wirtschaftliche Probleme und instabile Institutionen.
Menschen, die in Gebieten leben, die von gewalttätigen Konflikten betroffen sind und gleichzeitig den Auswirkungen der Klimakrise ausgesetzt sind, sind besonders gefährdet. Sowohl der IPCC-Bericht als auch das Pariser Klimaabkommen bestätigen, dass die Klimakrise ein wesentlicher Faktor für globale Migration ist.
Auch in Europa verlieren Menschen infolge der Klimakrise ihre Heimat: Der Schutz vor Klimarisiken ist vielerorts unzureichend. So wurden etwa bei den Sturzfluten in Valencia im Jahr 2024 Warnungen zu spät ausgegeben – obwohl funktionierende Frühwarnsysteme vorhanden waren. Fehlender Hochwasserschutz und die weitgehende Versiegelung ehemaliger Überflutungsflächen verschärften die Folgen zusätzlich.
Ein weiteres Beispiel ist Süddeutschland: Dort kam es im Juni 2024 nach Starkniederschlägen zu großflächigen Überschwemmungen – begünstigt durch fehlende Rückhaltebecken, versiegelte Böden und unzureichenden Hochwasserschutz. Beide Fälle stehen exemplarisch für ein systemisches Problem: Vielerorts fehlen Investitionen in präventive Schutzmaßnahmen und Frühwarnsystemen.
Dass Klimaflucht und Klimavertreibung mittlerweile sogar Deutschland betrifft, zeigt unter anderem das Ahrtal: Nach der verheerenden Flut 2021 durften 34 zerstörte Häuser im Hochrisikogebiet nicht wieder aufgebaut werden. Weitere Beispiele sind die Umsiedlung von zwei Ortsteilen: Röderau-Süd in der Elbaue in Sachsen wurde 2003 nach der Flutkatastrophe der Elbe umgesiedelt. Isarmünd, ein Ortsteil der niederbayerischen Gemeinde Moos, musste nach einem Hochwasser 2013 ebenfalls dem Hochwasserschutz weichen.
Weltweit geht es dabei natürlich um weit schlimmere Dimensionen und ganz andere zahlen von Klimaflüchtenden.
Die Klimakrise wird immer drängender: 2025 war das weltweit drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Europa erwärmt sich dabei etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Deutschland erlebte 2024 das bislang heißeste Jahr. Diese Tatsache muss mehr als bisher beachtet werden. Wir können es uns nicht länger leisten, die Katastrophen zu unterschätzen, die sich überall auf der Welt abspielen.
Wie die Klimakrise Konflikte verschärft
Universität Hamburg und der Gesellschaft für Umwelt- und Entwicklungsforschung im Auftrag von Greenpeace (2026) zeigt: Die Klimakrise ist zunehmend auch eine soziale und sicherheitspolitische Bedrohung. Das Update analysiert wissenschaftliche Daten und politische Entwicklungen. Das Ergebnis ist alarmierend: Wetterextreme und schleichende Umweltveränderungen treffen vielerorts auf bestehende soziale Ungleichheiten. Das führt in immer mehr Regionen zu Hunger, Vertreibung und wachsender Gewalt. Verschärft wird dies durch weltweite Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit. Die wichtigsten Erkenntnisse des Updates im Überblick:
1. Die Kernkrise
• Mehr Menschen fliehen: Im vergangenen Jahr wurden 82,2 Millionen Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.
• Verschiebung der Ursachen: Mittlerweile fliehen mehr Menschen vor klimabedingten Naturkatastrophen als vor Kriegen.
• Wer hilft: Über 95 Prozent dieser Vertriebenen werden von armen Nachbarländern im Globalen Süden aufgenommen, nicht von wohlhabenden Staaten.
2. Das Geldproblem
• Starke Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit: Wohlhabende Nationen im Globalen Norden streichen Hilfsgelder. Die weltweite Entwicklungs- und humanitäre Hilfe brach in nur einem Jahr um 23,1 Prozent ein (auf 175 Milliarden USD). Das ist so wenig wie seit zehn Jahren nicht mehr.
• Steigende Militärausgaben: Statt Frieden oder Hilfe zu finanzieren, stiegen die weltweiten Ausgaben für Armeen und Waffen auf einen Rekordwert von 2,9 Billionen US-Dollar.
• Verschärfte Klimakrise : Banken und Finanzinstitute steigerten ihre Investitionen in Öl und Gas um acht Prozent und heizen damit buchstäblich Wetterextreme an, vor denen Menschen fliehen.
3. Die täglichen Auswirkungen
• Weil Entwicklungsländer stark auf den Import von Treibstoffen und Düngemitteln angewiesen sind, lösen massive Preissprünge bei Öl und Gas weitreichende Lebensmittel- und Hungerkrisen aus.
4. Die „stille Revolution“ (Der Hoffnungsschimmer)
• Trotz des Verlusts staatlicher Hilfe nehmen die Menschen und Unternehmen in Afrika die Dinge selbst in die Hand.
• Da schwere Dürren große Wasserkraftwerke lahmlegen, haben sich die Importe chinesischer Solarpanels nach Afrika im vergangenen Jahr vervierfacht. Die Bevölkerung umgeht traditionelle Stromnetze, verzichtet auf teure Dieselgeneratoren und baut sich eine eigene, saubere Energierversorgung auf.