Wirtschaft
Deutsche Banken weiterhin deutlich vom 1,5-Grad-Ziel entfernt
Berlin 19.12.2025
– Die Berliner NGO Facing Finance hat ihren “Fair Finance Guide Deutschland (FFG)” zur Nachhaltigkeitsleistung deutscher Banken aktualisiert. Die Analyse zeigt: Trotz einzelner Anpassungen bleiben grundlegende Fortschritte aus. Deutsche Banken sind weiterhin weit davon entfernt, ihre Finanzierungs- und Investitionspraktiken mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens in Einklang zu bringen.
Für das Update 2025 bewertete der “Fair Finance Guide” die aktuellen Finanzierungs- und Investitionsrichtlinien von 17 Banken anhand von 14 Themenfeldern und 226 detaillierten Kriterien. Grundlage ist eine im März 2025 überarbeitete Methodik, die insbesondere Klimaschutz, fossile Energien, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, Biodiversität, Transparenz sowie Waffenfinanzierung stärker gewichtet.
Vor dem Hintergrund weltweit steigenden Drucks auf Nachhaltigkeitsziele stagnieren auch die Nachhaltigkeitsleistungen der analysierten deutschen Banken, so Facing Finance. Weder seien nennenswerte Verbesserungen noch gravierende Rückschritte bei den untersuchten Banken festzustellen. Ein grundlegender Kurswechsel hin zu glaubwürdiger Nachhaltigkeit und Transformation bleibe aus.
Einerseits hätten die meisten Banken Emissionsreduktionsziele für einzelne, besonders emissionsintensive Sektoren in ihren Kreditportfolios definiert. Andererseits verfolge keine der untersuchten Banken durchgängig 1,5-Grad-kompatible Ziele für alle Sektoren – weder in der Finanzierung noch in den Anlageportfolios.
Lockerungen bei Rüstungsfinanzierung
Besorgniserregend seien zudem Rückschritte im Bereich der Finanzierung der Rüstungsindustrie. Mehrere Institute, darunter Apobank, Sparkasse KölnBonn, Stadtsparkasse Düsseldorf und DWS, hätten zum Beispiel bestehende Einschränkungen im Asset Management gelockert.
Auch bei fossilen Energien bleibe die Mehrheit der Banken hinter den Erfordernissen des Klimaschutzes zurück, konstatiert der Fair Finance Guide. So sei die Finanzierung neuer Öl- und Gasprojekte weiterhin vielfach erlaubt. «Lediglich vier Institute – GLS Bank, EthikBank, KD-Bank und Tomorrow – schließen Öl- und Gasexploration sowie -förderung vollständig aus. Zwar haben einige große Banken wie Commerzbank, ING und LBBW projektbezogene Ausschlüsse für neue Upstream-Vorhaben eingeführt, andere Institute – darunter Deutsche Bank, DZ Bank, BayernLB, Deka und UniCredit – setzen weiterhin auf unzureichende oder bedingte Regelungen, die fossile Expansion ermöglichen.»
Uneinheitliche Kohlerichtlinien
Auch beim Thema Kohle zeigt sich Facing Finance zufolge ein uneinheitliches Bild. Nur fünf Finanzinstitute – GLS Bank, EthikBank, KD-Bank, Tomorrow und DZ Bank – schlössen neue Kohlekraftwerke und -minen konsequent aus. Während einige Banken die Finanzierung neuer Kohleprojekte untersagten, fehle es bei den meisten an umfassenden Ausstiegsregeln für bestehende Investitionen. Insbesondere viele öffentliche Banken erlaubten weiterhin die Unterstützung von Unternehmen, die ihre Kohleaktivitäten ausweiten.
Der Schutz der Biodiversität sei weiterhin unzureichend verankert. Nur wenige Banken – darunter Tomorrow, GLS Bank, ING und KD-Bank – verfügten über substanzielle Richtlinien zu Plastikverschmutzung und biodiversitätsschädlicher Expansion.
Der Fair Finance Guide Deutschland bewertet regelmäßig, inwieweit Banken durch ihre Richtlinien zu Finanzierung und Investitionen ökologische und soziale Verantwortung übernehmen. Er erscheint in Kooperation mit Südwind und wird von Misereor gefördert.