Politik

Ansichten zu einem Krieg

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Berlin 25.03.2026

– Im Jahr 2014, zum 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs, erklärte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, dass das Scheitern der Diplomatie in jenem Jahr maßgeblich zum Kriegsausbruch beigetragen habe. Zwölf Jahre nach diesem Vortrag, in einer Rede am Dienstag, dem 24. März, anlässlich des 75. Jahrestages des Auswärtigen Amtes, sagte Präsident Steinmeier, der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran wäre nicht ausgebrochen, hätte die Diplomatie nicht die Chance erhalten, eine zufriedenstellende Einigung zwischen der US-Regierung und dem Iran über die Urananreicherung zu erzielen. Er argumentierte, eine solche Einigung hätte die Regierung von Benjamin Netanjahu möglicherweise zum Einlenken bewegt. Er bezeichnete das militärische Vorgehen gegen den Iran als leichtsinniges Abenteuer ohne internationale Legitimität, das jene unterstütze, die einen viel diskutierten Dritten Weltkrieg erwarteten und nur darauf warteten, dass ihn jemand auslöse.

Jürgen Röttgen, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, erklärte in einem Vortrag, das iranische Regime genieße weltweit mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit als die Trump-Administration. Denn der Trump-Administration fehle es an konkreten Beweisen dafür, dass Teheran eine Atommacht sei, und die von Benjamin Netanjahus Büro verbreitete Propaganda, die weltweit Ängste schüre, müsse gestoppt werden.

Stimmt es aber, wie die New York Times und das Wall Street Journal berichten, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Präsident Trump zum Krieg gegen den Iran gedrängt und ihn kürzlich aufgefordert hat, den Krieg fortzusetzen, da er darin eine historische Chance sehe, den iranischen Einfluss im Nahen Osten einzudämmen? Womöglich. Experten mit umfassenden Kenntnissen über den Nahen Osten schließen dies jedoch aus, da sie die Erklärung der beiden Zeitungen als Deckmantel für den Krieg der amerikanischen Regierung gegen den Iran im Namen der Sicherheit der arabischen Golfregion betrachten. Andere wiederum sehen darin eine Aufstachelung gegen den saudischen Prinzen aus Abu Dhabi aufgrund des Konflikts um Einfluss im arabischen Golf und anderswo zwischen Mohammed bin Salman und dem Präsidenten der Emirate, Mohammed bin Zayed.

Die Golfstaaten geraten im Nahost-Krieg zunehmend unter Druck. Nun mehren sich Zeichen, dass ihre militärische Zurückhaltung ein Ende haben könnte.

Saudi-Arabiens faktischer Herrscher Mohammed bin Salman soll Präsident Donald Trump in den vergangenen Tagen dazu gedrängt haben, den Krieg gegen den Iran fortzusetzen. Das berichten die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider. Demnach habe der Kronprinz den Konflikt als „historische Chance“ bezeichnet, den Nahen Osten neu zu gestalten und die Macht des Iran in der Region dauerhaft zu brechen.

Der Vorstoß kommt in einer Phase, in der die Golfstaaten selbst zunehmend unter Druck geraten. Seit Beginn der Angriffe durch die USA und Israel vor einem Monat sehen sie sich iranischen Raketen- und Drohnenattacken auf ihre Energieanlagen, Städte und Infrastruktur a

Gleichzeitig ist die für den Öltransport zentrale Straße von Hormus massiv gestört. Trotz dieser direkten Betroffenheit hatten sich die Golfstaaten bislang militärisch zurückgehalten und betont, nicht in den Krieg hineingezogen werden zu wollen.

Öffentlich hält Riad an dieser Linie fest. In einer Stellungnahme erklärte die saudische Regierung, sie habe sich „stets für eine friedliche Lösung dieses Konflikts eingesetzt“. Es sei ihr Hauptanliegen, sich gegen die „täglichen Angriffe auf unser Volk und unsere zivile Infrastruktur zu verteidigen.“ Doch gleichzeitig erklärte der Außenminister Faisal bin Farhan: „Saudi-Arabiens Geduld mit iranischen Angriffen ist begrenzt.“

Nach Darstellung der „New York Times“ argumentierte Mohammed bin Salman in den Gesprächen mit Trump nun, dass ein vorzeitiges Ende des Krieges riskant sei. Ein unvollständiger militärischer Schlag könnte den Iran zwar schwächen, ihn aber nicht daran hindern, weiterhin die Golfstaaten anzugreifen. Deshalb habe der Kronprinz darauf gedrängt, den Druck zu erhöhen, auch durch Angriffe auf zentrale Energieanlagen des Iran.

Golfstaaten rücken näher an die Front

Gleichzeitig weitet Saudi-Arabien die Unterstützung für die USA aus. Die Monarchie hat laut „Wall Street Journal“ die Nutzung des König-Fahd-Luftwaffenstützpunkts für Angriffe gegen den Iran erlaubt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gehen nach Angaben des Blatts schärfer gegen iranische Strukturen im eigenen Land vor. Demnach wurden in Dubai ein Krankenhaus des Iranischen Roten Halbmonds und der Iranische Club geschlossen.

Die Regierung in Abu Dhabi erklärte, gezielt Einrichtungen mit direkten Verbindungen zum iranischen Regime und zu den Revolutionsgarden zu verbieten. Zudem steht im Raum, iranische Vermögenswerte in Milliardenhöhe einzufrieren. Das könnte Teheran wirtschaftlich empfindlich treffen, weil die Emirate seit Jahren ein wichtiger Finanz- und Handelsplatz für iranische Unternehmen und Privatpersonen sind.

Derweil geht der Irak einen anderen Weg. Das Land ist längst von beiden Seiten in die Auseinandersetzung hineingezogen worden. So wurden bei Luftangriffen auf Stellungen der regulären Streitkräfte, die auch vom Iran unterstützte Milizen umfassen, zuletzt 15 Kämpfer getötet. Die Milizen machen die USA dafür verantwortlich. Zugleich wurde im Nordirak ein Stützpunkt der kurdischen Peschmerga mit iranischen Raketen angegriffen; dabei wurden sechs Kämpfer getötet und 30 weitere verletzt.

Der Irak ist damit nicht nur zum Transit- und Aufmarschraum, sondern selbst zum Angriffsziel geworden. Raketen und Drohnen fliegen seit Kriegsbeginn regelmäßig über irakisches Gebiet oder schlagen dort ein. Politisch versucht sich die Regierung in Bagdad jetzt von Washington zu lösen. Ministerpräsident Mohammed Shiaa al-Sudani kündigte laut „Arab Weekly“ an, das Ende der von den USA geführten Anti-IS-Koalition im eigenen Land vorzuziehen. Ausländische Truppen sollen den Irak so bald es geht verlassen.

The Week

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