Berlin
Strenge Sicherheitsvorkehrungen wegen Selenskyj – Pressüberblick
Berlin 15.12.2025 – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj führt heute, Montag, den 15. Dezember, in Berlin Gespräche mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Mehrere europäische Staats- und Regierungschefs, darunter der französische Präsident, der britische Premierminister und die Präsidentin der Europäischen Kommission, nehmen ebenfalls an den Gesprächen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen teil. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Frage, wie der Krieg Russlands gegen die Ukraine beendet werden kann. Dieser Krieg geht in wenigen Wochen in sein viertes Jahr, ohne dass es Anzeichen für einen Waffenstillstand gibt.
Bei dem Treffen werden die Vorschläge von US-Präsident Donald Trump erörtert, die vorsehen, dass die Ukraine einen Teil ihres Territoriums an Russland abtritt und Kiew auf die NATO-Mitgliedschaft verzichtet. Diese Vorschläge sind nicht neu und finden in den am Krieg Russlands gegen die Ukraine beteiligten europäischen Ländern keine Unterstützung. Der heutigen Konferenz in Berlin gingen kleinere Treffen und laufende Diskussionen über die Vorschläge des US-Präsidenten voraus, die die Europäer ablehnen und denen sie auch Präsident Selenskyj dringend raten, sie abzulehnen. Sie sind sich jedoch einig, dass die Ukraine ihren Traum vom NATO-Beitritt aufgeben sollte, um Moskau nicht weiter zu verärgern.
Der russisch-ukrainische Konflikt ähnelt dem achtjährigen Iran-Irak-Krieg. Europa, Washington und die Golfstaaten unterstützten den ehemaligen irakischen Diktator Saddam Hussein im Krieg, nur um ihn anschließend im Stich zu lassen. Nun lassen die Europäer, zusammen mit Washington, Selenskyj im Stich.
Selenskyjs heutige Gespräche in Berlin könnten seine letzten sein. Er ist der europäischen Unterstützungsversprechen, des Ausschlusses seines Landes von der NATO und der Versuche der US-Regierung, ihn zu unterdrücken, überdrüssig. Er hat seine Bereitschaft erklärt, Neuwahlen in seinem Land anzusetzen.
Die OSTSEE-ZEITUNG aus Rostock geht auf die Gespräche über den US-Friedensplan für die Ukraine im Kanzleramt ein: „Dass Trumps Leute nun nach Berlin gekommen sind, ist nicht nur Zugeständnis, sondern auch Aufforderung: Für die Umsetzung des Friedensplans will Washington nicht allein zuständig sein. Die schwierige Aufgabe von Bundeskanzler Friedrich Merz und dem Team EU wird es sein, die US-Regierung zu einem nachhaltigen Beitrag zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu verpflichten. Ohne diese wäre keine schriftliche Einigung etwas wert“, gibt die OSTSEE-ZEITUNG zu bedenken.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG glaubt: „In diesen Tagen entscheidet sich nicht nur, ob in der Ukraine endlich die Waffen schweigen. Es entscheidet sich auch, ob die Menschen in der Ukraine auf eine Zukunft in einem freien und sicheren Land hoffen dürfen. Von seinem Ziel, die Ukraine zu unterjochen, wird Putin nicht lassen. Territorien, die man Russland überlässt, erwartet kein Friede, sondern Putins Gewaltherrschaft. Alles hängt deshalb nun davon ab, ob die Ukraine militärisch in der Lage bleibt, sich zu verteidigen und sich im Falle einer neuen russischen Aggression auf den Beistand der USA und der Europäer verlassen kann. Gelingt das nicht, wird Putin daraus seine Schlüsse ziehen – mit absehbar fürchterlichen Folgen nicht nur für die Ukraine, sondern ganz Europa“, mahnt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus wirft ein: „Die Ukraine weiß, dass dies wahrscheinlich der letzte Anlauf sein dürfte, den die USA unternehmen werden, um zumindest einen Waffenstillstand mit dem Aggressor Russland zu erreichen. Umso wichtiger, dass die Europäer weiter am Ball bleiben und dafür sorgen, dass eine Lösung nicht nur im Sinne der USA und Russlands ist – sondern vor allem eine kriegsfreie Zukunft in Europa ermöglicht“, unterstreicht die LAUSITZER RUNDSCHAU.