Welt
Misereor: Anstrengungen für Frieden verstärken
Berlin 17.07.2026
– Eine Welt unter Druck Hunger nimmt zu. Gewaltkonflikte nehmen zu. Vertreibung, Klimafolgen, autoritäre Tendenzen – sie alle nehmen zu. Gleichzeitig geraten internationale Institutionen unter Druck. Das Vertrauen in gemeinsame Regeln, in multilaterale Zusammenarbeit, in die Wirksamkeit des Völkerrechts: es ist erschüttert. Gerade jetzt darf Deutschland nicht den Eindruck erwecken, internationale Verantwortung sei verhandelbar, solange nur genügend Geld für andere Prioritäten bereitsteht. Wenn bei Armutsbekämpfung, Krisenprävention, Ernährungssicherung, Gesundheitsversorgung, Bildung und Stärkung der Zivilgesellschaft gekürzt wird – dann trifft das keine abstrakten Programme. Es trifft Menschen. Kinder, die nicht mehr zur Schule gehen können. Familien ohne ausreichende Nahrung oder sauberes Wasser. Menschen ohne medizinische Versorgung. Partnerorganisationen, die demokratische Räume in autokratischen Ländern offenhalten – oft unter hohem persönlichem Risiko.
„Die weltweiten Folgen der aktuellen Kriege und Krisen, wie im Nahen Osten, Sudan und im Kongo sind dramatisch, die Zahl der Menschen, die durch bewaffnete Konflikte in den Hunger getrieben wurden, hat sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht dazu führen, dass Druck auf verantwortliche Akteure zurückgehalten wird“, erklärte Misereor-Hauptgeschäftsführer Andreas Frick.
Angesichts der Zunahme an Kriegen und Konflikten kritisierte Frick die einseitige Fokussierung auf Militärausgaben bei gleichzeitigen Kürzungen im Entwicklungsetat: „Frieden entsteht nicht allein durch militärische Abschreckung. Frieden entsteht dort, wo Menschen Perspektiven haben. Wo Hunger bekämpft wird. Wo junge Menschen Bildung und Arbeit finden. Wer hier kürzt, spart nicht an Nebensächlichkeiten. Er untergräbt genau jene Grundlagen, die langfristig Sicherheit ermöglichen. Das ist strategisch kurzsichtig“.
Keine weiteren Kürzungen
Der Misereor-Hauptgeschäftsführer machte auch auf den engen Zusammenhang zwischen bewaffneten Konflikten, extremer Armut und Gesundheit mit Blick auf den Ebola Ausbruch im Kongo aufmerksam. Das Virus trifft auf eine Region, in der Gewalt, Vertreibung, zerstörte Infrastruktur und ein chronisch unterfinanziertes Gesundheitssystem zusammenkommen. „Unsere Partnerorganisation BDOM Mahagi – ein Netzwerk aus 24 Gesundheitseinrichtungen, darunter fünf Krankenhäuser – konnte in dieser Situation Schutzmaßnahmen verstärken, Personal schulen und die Bevölkerung in lokalen Sprachen informieren. Genau solche Strukturen entscheiden darüber, ob eine Epidemie eingedämmt wird – oder außer Kontrolle gerät“, so Frick.
Der Vorsitzende der katholischen Zentralstelle für Globale Entwicklung, Prälat Karl Jüsten, appellierte angesichts dieser weltweiten Krisenlage zu einem Stopp bei weiteren Kürzungen der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit: „Wir fordern eine Haltelinie, um Planungssicherheit für unsere Projektpartner im Globalen Süden zu erhalten. Die Folgen eines weiteren Abwärtstrends hätten fatale Konsequenzen für die verletzlichsten Mitmenschen in den Ländern des Globalen Südens und für Deutschlands Ansehen in der Welt“.
234 Millionen Gesamteinnahmen
Misereor-Geschäftsführerin Annette Ptassek bedankte sich bei den Spenderinnen und Spendern für die nach wie vor große Solidarität mit den Menschen in Ländern mit hoher Armutsquote. „Es bleibt ein deutliches Zeichen, dass die Menschen in Deutschland gerade nicht an Mitmenschlichkeit und Solidarität sparen wollen“, so Ptassek. Insgesamt standen Misereor 2025 einschließlich der Gelder aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 234 Millionen Euro zur Verfügung. Aktuell unterstützt Misereor weltweit mehr als 1600 Partnerorganisationen in über 80 Ländern.