Wirtschaft
ifo Institut: Sparen in der Krankenkasse kann Kosten in anderen Versicherungen erhöhen
München 16.07.2026
– Kürzungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verringern dort die Ausgaben, können aber gleichzeitig Kosten in der Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung und bei privaten Haushalten erhöhen. Davor warnen Ökonomen des ifo Instituts und der Stanford University. „Wer nur auf den Beitragssatz der Krankenkasse schaut, sieht bestenfalls die halbe Rechnung“, sagt ifo-Forscher Roman Klimke. „Eine Leistungskürzung, die heute Geld spart, kann morgen Erwerbsfähigkeit kosten – und damit Beitragseinnahmen mindern sowie Ausgaben in anderen Teilen des Sozialstaats erhöhen.“
Dies sei jedoch kein Freibrief für höhere Gesundheitsausgaben um jeden Preis: Leistungen ohne nachgewiesenen Nutzen gehörten nicht in die solidarische Finanzierung. „Entscheidend sei, Kosten und Nutzen nicht allein innerhalb des GKV-Haushalts zu bewerten“, sagt Klimke.
Die Finanzkommission Gesundheit hat den kurzfristigen Handlungsbedarf in der GKV beziffert und teils weitreichende Einschnitte empfohlen. Klimke und seine Koautorin Maria Polyakova von der Stanford University plädieren dafür, Gesundheitspolitik zusätzlich an ihren langfristigen Wirkungen auf Erwerbsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit und öffentliche Finanzen zu messen. Dieselbe Person sei im Lebensverlauf Patientin, Arbeitnehmerin, Beitragszahlerin und später möglicherweise pflegebedürftig – Einsparungen in einem System können deshalb Lasten in ein anderes verschieben. Schon heute berichte fast die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen von einer langanhaltenden Krankheit, was zeige, wie eng Gesundheit und Erwerbsfähigkeit im höheren Alter verknüpft sind. „Eine Reform, die Ausgaben nur von einer Kasse in die andere verlagert, ist keine echte Einsparung für den Sozialstaat“, sagt Klimke. Die Autoren schlagen deshalb eine Sozialstaatsrechnung vor, die Kosten und Nutzen über Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitsmarktinstitutionen hinweg bewertet.