Technik
ifo Institut: Potenziale der Halbleiterindustrie bleiben in Deutschland teilweise ungenutzt
München 14.10.2026
– Das Potenzial der deutschen Halbleiterbranche für Innovation und Wachstum wird im Inland zu wenig ausgeschöpft. Das zeigt eine neue ifo-Studie, die den weltweiten „Halbleiter-Fußabdruck“ am Beispiel Deutschlands und der USA nachzeichnet. Im deutschen Markt gebe es deutlich weniger Nachfrage nach Hochtechnologie, was die Nachfrage nach Halbleitern bremst. „Hierzulande verläuft die Verbreitung von modernen, datengetriebenen Technologien wie der KI schleppend“, sagt ifo-Expertin Anita Wölfl.
International habe die deutsche Halbleiterindustrie einen starken Stand und erreiche rund ein Siebtel der US-Industrie, heißt es in der Studie. Diese Zahl bemisst sich daran, was die deutsche Halbleiterindustrie über alle Wertschöpfungsstufen hinweg einen Beitrag zur Befriedigung der weltweiten Konsum- und Investitionsnachfrage leistet. Allerdings erwirtschafte sie den weitaus größten Teil davon im Ausland. Bei Maschinen und Kraftwagen ist ihr globaler Beitrag mehr als fünfmal so hoch wie der für die inländische Nachfrage, bei IT-Dienstleistungen sogar noch mehr. Hier wird auch die digitale Abhängigkeit von den USA deutlich, immerhin entfallen rund 75 Prozent der weltweiten Hochleistungsrechenkapazität auf die USA, auf Deutschland nur ein Bruchteil dessen.
Nach Eurostat-Daten nutzten 2025 gut 26 Prozent der deutschen Unternehmen KI, im EU-Vergleich liegt Deutschland damit auf Rang 9. „Klare, bürokratiearme Regeln zu Datenschutz und Datennutzung in Deutschland könnten hier helfen. Auch Start-ups und damit zusammenhängend den Wagniskapitalmarkt zu stärken, wäre wichtig. Dieser ist in Deutschland noch sehr schwach ausgeprägt“, sagt Wölfl. Insofern gehe auch der EU Chips Act 2.0, der die Nachfrage stärker in den Blick nimmt, und dabei unter anderem die Rolle von Start-ups hervorhebt, in die richtige Richtung.