Europa
ifo Institut / EconPol Europe: Zölle gegen China nur begrenzt wirksam
München 29.09.2026
– Zusätzliche EU-Zölle auf chinesische Importe können kritische Abhängigkeiten und unfairen Wettbewerbsdruck aus China nur begrenzt beheben. Zu diesem Ergebnis kommen die ifo-Forscher*innen Lisandra Flach und Andreas Baur in einem aktuellen Beitrag. „Zölle sind je nach Ausgestaltung mit erheblichen ökonomischen Kosten und oft auch unbeabsichtigten Nebenwirkungen verbunden. Ihre Eignung hängt stark davon ab, welches Ziel man mit ihnen verfolgt“, sagt Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. „Vor allem aber können sie Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit nicht ersetzen. Nachlassender Wettbewerbsdruck kann die Innovationsanreize geschützter Industrien sogar zusätzlich schwächen.“
Die Kosten für Ausgleichszölle gegen subventionierte Importe treffen nicht nur private Haushalte, sondern auch Unternehmen, die chinesische Vorleistungen einsetzen. „Teurere Vorleistungen verschlechtern insbesondere die Wettbewerbsposition exportorientierter Unternehmen gegenüber ausländischen Mitbewerbern“, sagt Andreas Baur, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. Hinzu kommt: Auf Märkten außerhalb der EU greifen solche Zölle nicht. Für die europäische Industrie wiegt das schwer, denn sie setzt dort rund ein Viertel ihrer Produktion ab, einzelne Branchen sogar deutlich mehr.
Die EU sollte den Umgang mit China deshalb nicht im Alleingang organisieren, sondern gezielt Verbündete gewinnen, heißt es in dem Beitrag. Gemeinsam sei die Verhandlungsmacht gegenüber Peking deutlich größer. Wichtig sei es, darauf zu achten, mit den eigenen Maßnahmen nicht genau jene Partner zu treffen, die man für ein gemeinsames Vorgehen brauche. Dazu zählen etwa „Buy-European“-Vorgaben, die Partner mit EU-Handelsabkommen ausschließen, oder pauschale Schutzzölle, die nicht nach Herkunftsländern unterscheiden. Machten solche Maßnahmen international Schule, wäre am Ende die exportorientierte europäische Industrie der Verlierer.